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      Hans Brandeis
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Hans Brandeis

Zusammenfassungen von vier Referaten in
»Berichte aus dem ICTM-Nationalkomitee Deutschland«

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Map: Distribution area of the Bukidnon
Illus. 1:
Verbreitungsdgebiet der
Bukidnon (Llamzon 1978:116).

Religiöse Bezüge in der Vokalmusik
der Bukidnon auf Mindanao, Philippinen

Band I, 1992 (Musik und Religion), S. 7-24. Mit 3 Musikbsp. auf Musikkassette.


Die wichtigsten musikalischen Ausdrucksformen der Bukidnon (Higaonon, Talaandig, Banuwaen) gehören in den Bereich der Vokalmusik: die Zeremonialgesänge kaligà der männlichen Priester und die antwortenden Chorgesänge tabúk der Frauen, die gesprochenen Gebete pandalawit, die Epengesänge ulagíng mit ihrem Versprechen menschlicher Unsterblichkeit, die Stegreifgesänge limbay und salâ mit philosophischen Betrachtungen und die rhytmisch spannungsreichen Sprechgesänge dasang der Stammesführer. Auf eine kurze Einführung in die Glaubenswelt der Bukidnon folgt die Geschichte von der Entstehung der kaligà-Gesänge, die andeutet, daß das Singen eine Erfindung der Menschen, nicht der Götter ist. Danach stellt der Aufsatz die einzelnen Vortragsgattungen vor und versucht zu verdeutlichen, welche religiösen Implikationen die einzelnen Vortragsgattungen und die Tätigkeit des Singens für einen Bukidnon-Sänger haben. Er zeigt auf, wie das Geistlich-Religiöse viele Aspekte des täglichen Lebens und damit auch des Musizierens durchdringt.

Bei allen Vortragsgattungen ist die Beziehung zwischen dem/der Vortragenden und seinen/ihren Ratgeber- und Schutzgeistern von besonderer Bedeutung. Diese fungieren außer als ratgebende Helfer auch als Boten zwischen Götter- und Menschenwelt. Die Interaktion zwischen Ratgebergeistern und Menschen wird darüber hinaus für die charakteristischen inhaltlichen wie musikalischen Ausprägungen von Gesangsgattungen, z.B. für die Gesangsstile des ulagíng-Epos’, verantwortlich gemacht. Alle Gesänge sollten traditionellerweise mit einer Einleitung pamadà beginnen, in der die Ratgebergeister des Vortragenden um Hilfe gebeten werden. Insofern stellt jeder traditionelle Gesangsvortrag der Bukidnon die Verbindung zwischen Menschen- und Götterwelt her.

Für weitere Informationen zur Musik der Bukidnon bitte hier klicken

 


 


Bukidnon und Tigwahanon: 
zwei Musikkulturen im Vergleich

Band IV, 1995 (Instrument und Umwelt / Freie Berichte), S. 103-119.
Mit 3 Abb. und 6 Musikbsp. auf Musikkassette.


 

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(75 kB)
Log drum bangkakawan
Illus. 2:
Tigwa Manobo spielen 
auf dem Aufschlagbalken 
bangkakawan.
Kibongkog, San Fernando,
Bukidnon.

 

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Music 2:

Aufschlagbalken 
bangkakawan.der
Tigwa Manobo. 
Kibongkog, San Fernando,
Bukidnon. Vgl. Illus. 2.

Dauer: 1'40"
Dateigröße: 260 kB
REAL AUDIO-Format

 

 

Die Volksgruppen der Bukidnon und Tigwahanon (Tigwa-Manobo) sind in der Provinz Bukidnon direkte Nachbarn. Beide werden der Manobo-Sprachfamilie zugerechnet, wobei Binukid, die Sprache der Bukidnon, die älteste Stufe in der Entwicklung der 15 Manobo-Sprachen repräsentiert. Die Bukidnon bilden mit den sprachlich eng verwandten Higaonon, Talaandig und Banuwaen einen gemeinsamen Kulturkomplex ebenso wie die Tigwahanon mit den Matigsalug-, Talaingod- und Ata-Manobo und den Bagobo-Gruppen in der Provinz Davao. Der Aufsatz versucht, anhand von Beispielen aus der musikalischen Kultur Grad und Art der kulturellen Verwandtschaft zwischen Bukidnon und Tigwahanon deutlich zu machen.

Viele Ähnlichkeiten, vor allem im Bereich der Instrumentalmusik, teilen sich beide Völker mit anderen Volksgruppen der Insel Mindanao (Maultrommel kubing, Buckelgong agung, Trommelzither takumbê, Bootslaute piyapi / kuglung, Ringflöte yangyang / lantuy, Lippenformflöte pulalà / pulendag), so daß diese sich als Argumente für eine außergewöhnliche Kulturverwandtschaft beider Volksgruppen kaum eignen. Darüber hinaus findet man bei beiden Volksgruppen Instrumente, die die jeweils andere nicht verwendet (Bukidnon: Spießgeige dayuday, verschiedene Flöten; Tigwahanon: gezupfte Vollröhrenzither salurey, hängendes Gongspiel tagunggê, klappernde Pflanzstäbe palakpak, Aufschlagbalken bangkakawan, Längsflöte ohne Grifflöcher pulalû).

Sehr ähnlich sind bei beiden Völkern dagegen die unbegleiteten Sologesänge (Bukidnon: Epengesänge ulagíng, Stegreifgesänge limbay und salâ; Tigwahanon: Epengesänge ulagíng / man-ulurun / tulalang, Stegreifgesänge uranda und kumapey), die bei den Tigwahanon auf eine ältere und damit den Bukidnon näherstehende Entwicklungsstufe ihrer Musikkultur verweisen. Dagegen sind die auf Laute und Bambuszither begleiteten Tanzlieder der Tigwahanon, bei den Bukidnon völlig unbekannt, offenbar neueren Datums.

Im Ergebnis wird deutlich, daß die Musikkulturen der Bukidnon und Tigwahanon trotz ihrer direkten geographischen Nachbarschaft geringere Ähnlichkeiten miteinander aufweisen als mit den Musikkulturen der Volksgruppen ihrer jeweils engeren Kulturkomplexe, selbst wenn diese geographisch weiter entfernt ansässig sein mögen.

 

 

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Music 1:

Epensänger Pepito Dalaid 
der Tigwa Manobo 
trägt ein tulalang vor. 
Kibongkog, San 
Fernando, Bukidnon.

Duration of excerpt: 2'06"
File size: 330 kB
REAL AUDIO format







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Types of boat lutes
Illus. 3:
(A) Krokodilszither aus Burma,
(B) Bootslaute kudyapi der 
Higaonon, Misamis Oriental;
(C+D) zwei kutiyapi der
Maranao, Lanao.



Zur Symbolik philippinischer Bootslauten

Band VI/VII,1998 (Musik und Symbol ...), S. 59-86. Mit 3 Bildtafeln.


Die Instrumentenfamilie der Bootslauten ist in vielen Formen und Größen in weiten Teilen Südostasiens, in Sumatra, Java, Sulawesi, Kalimantan und Sarawak, weit verbreitet. Verwandte Zithern findet man darüber hinaus in Burma, Thailand und Kampuchea. Auf den Philippinen findet man mindestens 13 unterschiedliche Lautentypen bei mindestens 21 Volksgruppen auf den Inseln Mindanao und Palawan.

Der Begriff »Bootslaute« ist irreführend, da diese Instrumente meist mit Tieren assoziiert werden, wobei die symbolische Bedeutung in den verschiedenen Kulturen unterschiedlich und teilweise für diese typisch ist. In dem Aufsatz wird versucht, die bekannten Bootslautentypen gewissermaßen nach »Symboltypen« zu ordnen und die Symbolbedeutungen anhand von Materialien über traditionelle Glaubensvorstellungen und Mythen der jeweiligen Volksgruppen, bei denen diese Instrumente zu finden sind, herauszuarbeiten. Folgende Symbolbedeutungen und mögliche Assoziationen/Konnotationen werden diskutiert: (1) Krokodil und Eidechse, (2) Boot und Gebäudeschmuck, (3) Drachen und Schlange, (4) Huhn und andere Vögel, (5) menschlicher Körper, (6) Pferd und (7) vermischte Konzepte.

In den philippinischen Bootslauten wird in der Regel immer die Körperlichkeit lebendiger Wesen gesehen, wobei die Symbolik des Krokodils, ursprünglich wahrscheinlich aus dem Gebiet Burma, Kampuchea und Thailand stammend und über die indonesische Inselwelt auf die Philippinen gelangt, die älteste und wichtigste sein dürfte. Andere diskutierte Symbolbedeutungen sind in ihrem Bezug auf Bootslauten nicht explizit definiert, bieten sich aber zur Einbeziehung in die Betrachtung an, um die Bandbreite und Komplexität im Symboldenken traditionalistischer Filipinos zu verdeutlichen.

 



Akkulturation bei philippinischen Bootslauten –
Sonderbare Entstehung und Wandlung
der Beschreibung eines Musikinstruments

Band IX/X, 2001 (... Traditionelle Musik in sich wandelnden Gesellschaften), S. 129-159. 
Mit 6 Bildtafeln und 1 Musikbsp. auf Compact Disc.



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Boat lute kutiyapi of the Higaonon
Illus. 4:
Spiel auf der Bootslaute kutiyapi.
Iponan, Balungkud,
Dansulihon, Misamis Oriental.

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(66 kB)
Playing the boat lute kutiyapi with a bow

Illus. 5:
Spiel auf der Bootslaute 
kutiyapi
mit dem Bogen 
einer Spießgeige dayuday.
Iponan, Balungkud,
Dansulihon, Misamis Oriental.

 

Im Jahre 1932 veröffentlichte Norberto Romualdez seinen Aufsatz »Musical Instruments and Airs of Long Ago«, der auch einen Abschnitt über die zweisaitigen Bootslauten auf den Philippinen enthält. Die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte dieses ersten zusammenfassenden Textes über philippinische Bootslauten mit einigen falschen Informationen und der zweifelhaften Abbildung eines Instruments wird hier vorgestellt. Romualdez’ Text wurde gewissermaßen als »Thema mit Variationen« von Autor zu Autor weitergereicht, teilweise schlecht kopiert und weiter verfälscht. Zu diesen Autoren gehören Felipe Padilla-de Leon (1959), Pedro A. Gagelonia (1962), Raymundo C. Bañas (1969), Jenö von Takács (1975), William R. Pfeiffer (1976) und das Department of Education, Culture and the Arts der Republik der Philippinen (Schulbuch von 1989!).

Wie der Autor nachweisen konnte, stützt sich Romualdez’ Text zumindest zum Teil auf ein akkulturiertes, stark verändertes Exemplar einer Bootslaute, das sich heute in der Musikinstrumentensammlung des College of Music der University of the Philippines befindet. Dieses Instrument wird von Brandeis einerseits mit authentischen Bootslauten aus Mindanao, andererseits mit der erwähnten Abbildung in Romualdez’ Aufsatz und der zugehörigen Beschreibung verglichen.

Die immer wieder kopierte, jedoch im wesentlichen falsche Information von Romualdez, die philippinische Bootslaute werde wie ein Cello gespielt, wird auf ihren Ursprung hin untersucht. In diesem Zusammenhang berichtet Brandeis von zwei isolierten Fällen, in denen Musiker der Higaonon respektive Talaandig von der Insel Mindanao ihre Bootslauten mit dem Bogen einer Spießgeige dayuday strichen.


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(45 kB)
One-string fiddle dayuday of the Higaonon
Illus. 6:
Spießgeige dayuday.
Claveria, Misamis Oriental

Klicken Sie auf das Icon For listening to the music, click on this icon Music 3:
Spiel auf der Bootslaute
kutiyapi, zunächst mit 
Plektrum, danach mit dem 
Bogen einer Spießgeige 
dayuday
. Iponan, Balungkud,
Dansulihon, Misamis Oriental.
Vgl.  Illus. 5.

Dauer: 2'13"
Dateigröße: 347 kB
REAL AUDIO-Format.




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    Created: Friday, January 17. 2003
    Updated: Sunday, January 19, 2003