Eine Studie der Bundesanstalt für Arbeit hat ergeben, dass EinEuroJobs reguläre Arbeitsplätze vernichten. Auch der Bundesrechnungshof, der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände kommen zu diesem Ergebnis. In einer Sonderauswertung der noch unveröffentlichten Befragung der Bundesanstalt für Arbeit (BA) unter 1232 Personen sagte nahezu jeder Zweite aus, dass er mit seinem Ein-Euro-Job einen regulären Arbeitsplatz verdrängt. 45 Prozent sagten, sie würden die gleiche Arbeit verrichten, wie ein festangestellter Kollege. Jeder Vierte gab an, dass für seine Arbeit sogar eine abgeschlossene Ausbildung erforderlich sein würde.

Für die Befragung der BA, die der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ausgewertet hat, wurden erstmals Betroffene zu ihren Erfahrungen befragt, bisherige Studien beruhten meist auf Unternehmensaussagen und Statistiken. Mehr als zwei Drittel der Befragten bringen demnach eine fertige Berufsausbildung, manche sogar einen Hochschulabschluss mit. Das Überraschende: vier von fünf Befragten werten ihre Tätigkeit eher positiv. Sie würden so etwas sinnvolles tun und nicht zuhause rumsitzen. Für sie, die meist Hartz IV-Betroffene sind, ist auch die minimale Entlohnung eine wichtige finanzielle Entlastung, die sich kaum von der Aufrechnung eines Minijobs unterscheidet.
Damit hat die Schaffung der EinEuroJobs ihren ihren Sinn verfehlt. Sie sollte als Einstieg zu regulären Arbeitsverhältnissen dienen. 64 Prozent der Befragten sagten, dass sich ihre Aussichten auf dem Arbeitsmarkt durch die Annahme eines EinEuroJobs nicht verbessert haben. Das bestätigt laut DGB auch der Bundesrechnungshof, der in einem Prüfbericht schreibt, "die Arbeitsgelegenheiten blieben für drei von vier Hilfebedürftigen weitgehend wirkungslos". Eine Statusverbesserung durch die mit Steuergeldern finanzierten Beschäftigungsprogramme sei nicht erkennbar. Und auch der Bundesrechnungshof bestätigt: EinEuroJobs schaffen nicht, wie eigentlich per Gesetz vorgeschrieben, zusätzliche Tätigkeiten, sondern sie verdrängen reguläre Arbeitsplätze. "In acht von zehn beanstandeten Fällen war die Tätigkeit nicht zusätzlich", so der Prüfbericht des Rechnungshofes.
"Die Verlockung, eine Arbeitskraft fast zum Nulltarif zu bekommen, ist groß. Es kann nicht sein, dass Einrichtungen reguläre Beschäftigte durch EinEuroJobber ersetzen", beklagt Otto Kenzler, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks.
Es sei nicht einzusehen, dass EinEuroJobber zum Beispiel in der Pflege ausgebildete Kräfte ersetzen, statt als zusätzliche Betreuer eingesetzt zu werden. Auch machten sie in gemeinnützigen Unternehmen immer häufiger privaten Unternehmen Konkurrenz. Laut ZDH treten EinEuroJobber massenweise an die Stelle vollbezahlter Hausmeister und Bauarbeiter. "Ich appelliere eindringlich an die Verantwortlichen, keine EinEuroJobber für handwerkliche Tätigkeiten einzusetzen, sondern einen Beitrag zu mehr Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt zu leisten", so Kenzler. Doch der Aufruf wird erstmal nichts nützen, solange die verschuldeten Kommunen dadurch ein Einsparpotenzial sehen und öffentliche oder gemeinnützige Träger kein Geld für reguläre Jobs bereitstellen wollen.
"Es ist kontraproduktiv, wenn durch öffentliche Beschäftigung Arbeitsplätze am ersten Arbeitsmarkt verdrängt werden", sagt auch der Sprecher der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Viktor Otto. Auch der DGB fordert, den flächendeckenden Einsatz von EinEuroJobs zu beenden.
Richtig ist, bundesweit fließen zwischen 300 und 800 Euro pro EinEuroJobber von den ARGEn an die eineurojob-vermittelnden Sozialverbände, Arbeiterwohlfahrt oder Diakonie, die dafür oftmals eigene Träger eingerichtet haben. Diese müssen dafür sorgen, dass EinEuroJob-Stellen wirklich nur zusätzlich sind und keine reguläre Arbeit vernichten. Noch besser wäre, EinEuroJobs würden ganz abgeschafft und dafür wenigstens Minijobs geschaffen. (©Hartzkritik, 05.05.2009, Schlagwörter: HartzIV, EinEuroJob, DGB, BA, ZDH, Bundesrechnungshof, Sozialverbände, ARGE, JobCenter)
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