Im nordrhein-westfälischen Soest werden jetzt von Hartz IV Betroffene zu sogenannten Stromsparhelfern weitergebildet. Pro Stunde erhalten sie dann 1,50 Euro plus die Fahrtkosten für den Arbeitsweg erstattet!

Der Deutsche Caritasverband und der Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen hat die Aktion „Stromspar-Check” deutschlandweit in 59 Städten und Gemeinden ins Leben gerufen, um einkommensschwachen Haushalten beim Energiesparen zu helfen. In Soest ist auch „Arbeit-Hellweg Aktiv” mit im Boot, die für Hartz-IV-Empfänger zuständige Arbeitsgemeinschaft von Kreisverwaltung und Arbeitsagentur. So wird der Stromspar-Check zum Versuch der „Statistikbereinigung” - die übliche Möglichkeit, um die Arbeitslosenzahlen zu beschönigen!
Viele von Hartz IV Betroffene sehen dies weniger kritisch und sind oft eher der Meinung, sie hätten jetzt wieder etwas sinnvolleres zu tun, als andere Maßnahmen bieten. Das Ganze soll so aussehen: der Stromsparhelfer besucht einkommensschwache Haushalte und misst den Strom- und Wasserverbrauch. Anschließend erarbeitet er einen Stromsparplan. Einige Stromsparhelfer sollen schon Einsparpotenziale von bis zu 150 Euro ausgemacht haben. „Und das bei gleichbleibender Lebensqualität”, erklärt einer der stromsparhelfenden 1-Euro-Jobber!
59 Standorten hat der Deutsche Caritasverband im Auge, an denen 12.000 Haushalte die Nutznießer der kostenlosen Aktion sein könnten. Von Hartz IV Betroffene, Sozialhilfeempfänger und Wohngeldbezieher können neben dieser Beratung ein individuell zusammengestelltes Spar-Paket im Wert von bis zu 70 Euro zur kostenlosen Beratung erhalten. Inhalt sind Energiesparlampen, Steckdosenleisten und Wassersparaufsätze. Geld, das kaum ein Betroffener übrig hat und in den meisten Baumärkten wesentlich günstiger zu erhalten ist.
Natürlich ist jeder eingesparte Euro für die Betroffenen wichtig. Gerade nach dem Urteil des Nordrhein-westfälischen Landessozialgerichts zur Kostenübernahme von Strom, die über den im Regelsatz enthaltenen Bedarf hinausgeht und längst nicht deckend ist, will man eine Wohnung vernünftig unterhalten. Zudem wird hier den Energieberatern eine Arbeit genommen und durch angelernte Kräfte ersetzt, auch wenn so mancher davon eine Elektriker- oder Elektrotechnikerausbildung besitzt! Mit dem, dass sich diese EinEurojobber nun einreden dürfen, etwas Sinnvolles zu tun, haben die beteiligten Einrichtungen eher wieder einen Beitrag geleistet, einen kleinen Prozentsatz von Betroffenen aus der Schusslinie zu nehmen und ruhig zu stellen. Bei 25 Stunden in der Woche haben diese Betroffenen 150 Euro mehr im Monat. Als angestellte oder freiberufliche Energieberater würden sie ein vielfaches mehr verdienen! (©Hartzkritik, 21.04.2009, Schlagwörter: Hartz4, Stromkosten, Stromsparhelfer, Energiebrater, Caritas, EinEuroJob)
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