In Nordrhein-Westfalen (NRW) werden von Langzeitarbeitslosigkeit betroffene Hilfesuchende meist schlechter beraten, als in anderen Bundesländern! 70 Prozent der 44 Jobcenter und ARGEn in NRW bringen im Schnitt weniger Arbeitslose in neue Stellen als das deutsche Durchschnitts-Jobcenter. Das geht aus dem jüngsten internen Controlingbericht der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor.
„Die Ergebnisse verwundern uns nicht“, sagt Martin Behrsing, Sprecher des Erwerbslosen Forums Deutschland. „Gerade über die Schlusslichter des Rankings erreichen uns auch die meisten Beschwerden.“ Als Beispiel nennt er das Jobcenter Düsseldorf. Die Art und Weise, wie hier mit Erwerbslosen umgegangen werde, grenze teilweise an Schikane. Gute Jobvermittlung hänge im Wesentlichen vom Engagement und dem guten Willen der Vermittler ab. Und genau daran würde es mangeln. „Das fängt schon damit an, dass den Erwerbslosen bei der Antragstellung Steine in den Weg gelegt werden“, sagt Behrsing.
Wenig Hilfe, wenig Zeit, wenig Verständnis – diesem unheilvollen Dreiklang werden demnach viele Arbeitssuchende in schlechten Jobcentern ausgesetzt. Oftmals würde bei den Sachbearbeitern auch die Einstellung vorherrschen, dass es am Erwerbslosen selbst liege, wenn er keine Arbeit findet. Für Martin Behrsing gibt es deshalb nur eine Lösung für die Misere: eine bessere Ausbildung der Vermittler. „Sie müssten darin geschult werden, individueller auf die Jobsuchenden einzugehen, genauer hinzusehen, warum es nicht klappt“, fordert er.
Diese Vorwürfe wollen die Jobcenter sich nicht gefallen lassen. „Die schlechten Zahlen in NRW können nur an der industriellen Struktur hierzulande liegen”, sagt Ernst-Wilhelm Rahe, Sprecher des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in NRW. Das bedeutet auch, dass die Vermittler immer mehr Fälle bearbeiten müssen. „Es gibt zu wenig Berater in den Jobcentern”, bemängelt Rahe.
Doch die JobCenter in NRW werden nicht erst seit heute - in der Zeit der Krise - bemängelt. In Duisburg gab erst vor kurzem ein eingesetzter Ombudsmann, der zwischen Betroffenen und ARGE vermitteln sollte, seine Arbeit auf, weil die Duisburger ARGE anscheinend nicht bereit war, sich der Kritik des Ombudsmannes dahingehend zu stellen, die gemachten Fehler in der ARGE abzustellen.

Besonders in den Ruhrgebiets-ARGEn legt man es anscheinend aufgrund der Sparzwänge der Städte immer wieder darauf an, dass die von Hartz IV Betroffenen vor den Sozialgerichten klagen. Oftmals spielen die Sozialgerichte mit ihren Urteilen, die oft sogar Bundesgerichtsurteile außer Acht lassen, den ARGEn und JobCenter in die Karten. So müssen sich die Richter auch teils vermutete Klüngelvorwürfe mit Stadtoberen gefallen lassen! Besonders wenn es um die Kosten der Unterkunft (KDU) geht - die gehen besonders zu lasten der Städte und Kommunen - versuchen die ARGEn auf den Rücken der Betroffenen Kosten zu sparen. Oftmals wird nicht einmal die Arbeitshilfe zu den KDU, die das NRW-Arbeitsministerium den ARGEn anhand gab, berücksichtigt!
Martin Behrsing plädiert zudem für ein Ende der Mischverwaltung. Zur Zeit werden die Jobcenter von der Bundesagentur für Arbeit und den Kommunen in Arbeitsgemeinschaft geführt. „Die Kommunen haben in der Jobvermittlung nichts zu suchen“, sagt Behrsing. „Das Personal aus den Stadtverwaltungen hat von Vermittlung keine Ahnung.“ Bestätigt wird dies oft von Arbeitsvermittlern, die von den Arbeitsagenturen an die ARGEn versetzt wurden. Oftmals äußern sich solche Mitarbeiter so über ihre Kollegen mit Zeitarbeitsverträgen, die nicht vom "Fach" sind, allerdings nur hinter vorgehaltener Hand.
Die große Koalition in Berlin liegt bekanntlichermaßen im Dauer-Clinch wegen der Reform der Argen. „Diese Unsicherheit lastet schwer auf den Schultern der Mitarbeiter“, sagt Carmen Tietjen, Arbeitsmarktexpertin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in NRW, die damit die ARGE-Mitarbeiter ein wenig in Schutz nimmt, weil sie nicht wissen, was kommen wird. Viele Mitarbeiter arbeiten nur befristet. Gute und erfahrene Kräfte gehen, wenn sie eine bessere Stelle finden. „Dabei müsste es genau umgekehrt sein: Gerade für dieses schwierige Klientel bräuchten wir die besten Vermittler“, beklagt Tietjen. Doch dieses bedarf mehr Geld für angemessene Löhne und Gehälter. So leiden auch die ARGE-Mitarbeiter an der in Berlin verzapften Hartz IV-Politik, der es zu verdanken ist, dass Löhne und Gehälter real gesunken sind.
Doch auch die ARGE-Mitarbeiter müssen an sich arbeiten. Sollten sie doch davon ausgehen, dass jeder neue von Hartz IV Betroffene gestern noch durch seine Steuerzahlungen in eine Art Vorleistung getreten war, womit eben die Gehälter der ARGE-Mitarbeiter auch bezahlt werden. Das es durchaus ARGE- und Jobcenter-Mitarbeiter gibt, die sich eher herablassend gegenüber Hilfesuchenden äußern und verhalten, zeigte sich damals, als ein Forum der Stadt Duisburg für ARGE-Mitarbeiter geschlossen wurde, weil sich einige dort herablassend über von Hartz IV Betroffene äußerten.
Letztendlich müssen auch die Jobvermittler in den ARGEn dem Arbeitsmarkt Tribut zollen. Kaum ein Betroffener bekommt wirklich lohnenswerte und gutbezahlte Jobs vorgeschlagen. Meist werden die wirklich relevanten Jobs von Kollegen in Arbeitsagenturen für leichter vermittelbare ALG I-Bezieher vorgehalten. Zu oft bekommen Betroffene veraltete oder eher Alibi-Jobvorschläge, bei denen jegliche Bewerbungskosten eigentlich umsonst sind. Nur um die Statistik zu bedienen, damit Hartz IV-Betroffene eher in Maßnahmen, wie EinEuroJobs gedrängt werden können, braucht man eigentlich keine Statistik, in welchem Bundesland am schlechtesten vermittelt wird. (©Hartzkritik, 15.04.2009, Schlagwörter: HartzIV, Jobvermittlung, Jobcenter, ARGEn, Beratung, BA)
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