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Zurückhaltung
24.08.10 - Berlin

In den letzten Wochen ist mein Training etwas kurz gekommen. Die Ausrede ist, dass ich mich erst an die neue Stadt gewöhnen muss. Noch bin ja nicht mal richtig umgezogen. Die nähere Umgebung der Firmenwohnung reizt wenig zum Lauftraining. Berlin-Marzahn mit seinen Plattenbauten und häufigen Ampelkreuzungen. 
In der "Fiwo" kommen immer mal neue Kollegen an und man muss sich beim Bier kennen lernen. Da will ich mich nicht ausschließen. So halte ich mich noch mit Training zurück.
Ich denke, dass ich es nach dem Umzug im September steigern werde, von jetzt zwei auf dann drei, später vier Laufeinheiten und so weiter. Wenn es bis Weihnachten vier sind, reicht das schon. Mit fünfmal Training könnte ich im Frühling Marathon laufen. Irgendein Ziel muss sein. Wahrscheinlich Leipzig im April und Anfang März Halbmarathon in Berlin.

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Ost-Berlin
12.08.10 - Berlin

Nun bin ich schon zwei Woche in Berlin. Ein bisschen fühle ich mich wie angekommen, nach den letzten 9 Jahre nacheinander in Regensburg, Wiesbaden und Kiel - in den "alten Bundesländern" also, nun wieder im Osten.

Die Wohnungssuche ist bereits abgeschlossen und dauerte nur 2 Tage. Im September kann ich einziehen. Dann werde ich in Nord-Treptow wohnen, genau zwischen Treptower Park und Volkspark Hasenheide. Dort soll es gute Laufstrecken geben, eine gute Verkehrsanbindung und auch sonst recht angenehm sein. Bis dahin wohne ich noch in einer Firmenwohnung in B-Lichtenberg.

Auf meinen neuen Vermieter habe ich wohl einen seriösen Eindruck gemacht. Es gab mehrere Bewerber an zwei Besichtigungsterminen. Mir hat er aber sofort "aus dem Bauch heraus" zugesagt. Entscheidungsfreude mal zu meinen Vorteil.
Ein paar unerlässlich Unterlagen darf ich nachreichen: Mieter-Selbstauskunft, Gehaltsabrechnungen der letzten drei Monate, Mietschuldfreiheits-Erklärung vom letzten Verminter, Schufa-Auskunft... Das ist hier in Berlin normal und wundert niemand. Es kann sein, dass ich noch etwas vergessen habe. 

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Umziehen
28.07.10 - Kiel

Ich sitze in meiner halbleeren Wohnung und wundere mich wo die Zeit geblieben ist. Die beim Einzug frisch gestrichenen Wände sind nicht mehr überall richtig weiß. Da wo Bilder hingen, sieht man nun staubige Ränder.
Hätte ich jedes Jahr ein Foto von mir selbst gemacht, wären dreieinhalbe Abbilder entstanden und darin sicher ebenfalls Veränderungen zu bemerken.

Einen Teil meines wenigen Hausrates habe ich bereits nach Halle zur Zwischenlagerung transportiert, einen anderen Teil hier in Kiel verschenkt. Ich bin da schon etwas routiniert, was Umzüge betrifft. Es gibt jetzt noch eine Matratze, den Schreibtisch, einen Sessel und einen Hocker, welcher nun auch als Esstisch herhalten muss. Außerdem ein paar Umzugskisten mit Büchern. Es passt zusammen mit dem Fahrrad, Bekleidung und Sportsachen, genau in 2 Autos, aber am liebsten würde ich alles entsorgen. 
Von materiellen Dingen trenne ich mich immer sehr gerne - ihr Besitz belastet mich ein wenig und bedeutet doch nichts. Etwas Anderes sind Menschen, die man mit der Zeit schätzen und lieb gewonnen hat.  

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Die Besteigung des Chimborazo
20.07.10 - Kiel

Der DEFA Regisseur Rainer Simon drehte in den 70iger und 80iger Jahren eine Reihe von realistischen Filmen über das Leben in der DDR. Meist wurden von diesen Filmen nur geringe Anzahlen von Kopien angefertigt und diese dann in besonders kleinen Filmkunsttheatern aufgeführt. Oft musste Simon zuvor Szenen wegschneiden, neu drehen und Dialoge komplett umschreiben. Der Film „Jadup und Boel“ zum Beispiel, wurde erst acht Jahre nach seiner Fertigstellung gezeigt. (1988) Andere Projekte musste man bereits vor der Umsetzung verwerfen.
In dieser Zeit beschloss Simon keine Gegenwartsfilme mehr zu drehen. Als ihm ein Buch über Alexander von Humboldt angeboten wurde, griff er zu.

Der 1988 in Ecuador gedrehte Film "Die Besteigung des Chimborazo" handelt vom Ringen des jungen Humboldt (Jan Josef Liefers) gegen scheinbar feststehende Weltbilder. Der Chimborazo (6.310), galt damals noch als höchster Berg der Erde. Tatsächlich ist er der höchste Berg Ecuadors und einer der höchsten Vulkane der Welt. Humboldt scheiterte im Jahr 1802 grandios an diesem Eis-Klotz, erreichte aber 5.800 Meter. Man sagt, dass er seine Handschuhe vergessen habe... aber das ist wohl eine Legende. Humbold kam am Chimborazo höher als jeder Mensch vor ihm, irgendwo auf der Welt.

Als der Film 1990 in unsere Kinos kam, war ich etwas enttäuscht, denn von Humboldts Besteigungsversuch war die meiste Zeit nur weiße Suppe aus Nebel und Schnee zu sehen. Trotzdem setzte sich der Berg in meinen Gedanken fest.
Nun weiß ich, dass es am Chimborazo fast immer so aussieht. Vielleicht war seine wahre Höhe so lange ungewiss, weil er fast nie zu sehen ist.
Man geht den Berg Nachts an, um bei Sonnenaufgang den Gipfel zu erreichen. Schon im Laufe des Vormittages zieht ein dichter, feuchter Nebel auf, der die Orientierung und Wegfindung im Abstieg erschwert. Der Schnee weicht auf und man sinkt sehr tief ein.


seltener Anblick: der Chimborazo nahe Riobamba (Ecuador)

Der Zugang zum Chimborazo ist heute einfacher als zu Humbolds Zeiten. Eine Schotterpiste führt bis zu einem Parkplatz auf 4.800 Metern Höhe. Dort und auf 5.000 Metern gibt es jeweils eine Berghütte zur Übernachtung. Der weitere Weg ist eine anspruchsvolle Eistour in bis zu 50 Grad steilen und mit tiefen Spalten durchzogenen Gelände. Wegen dieser Spalten und einer generell schwierigen Wegfindung, ist von Alleingängen abzuraten. Ich kletterte darum mit einem lokalen Führer. 

An Gipfeltag (04.07.) verfluchte ich mich dafür, mein Training in den letzten Wochen so nachlässig gemacht zu haben... Die steilen Anstiege, vereiste Felsen und vor allem tiefe, vom Wind zerrissene Schneehänge, saugten alle Kraft aus mir und fast wäre ich umgedreht... 
Unsere Route führte uns direkt zum "Veintimilla-Gipfel" (6.267), den wir bei Sonnenaufgang erreichten. Dieser Punkt wird bereits als Gipfelerfolg anerkannt. Etwas höher (6.310) allerdings liegt der "Whymper-Gipfel", ein mäßiges Hügelchen im Gipfelplateau, etwa 30 Minuten von der "Veintimilla" entfernt. Wir versuchten dorthin zu gelangen. Die kleine, zwischenliegende Mulde war an diesem Tag allerdings komplett spaltenverseucht und eine mögliche Umgehung recht ungewiss. Also erklärten wir in der Mulde den Chimborazo für bestiegen und quälten uns ein zweites Mal hinauf zur sturmumheulten "Veintimilla". Wir blieben die einzigen Bergsteiger des Tages (von etwa 20), denen das gelang.


Gipfelfoto "Veintimilla" - "Whymper-Gipfel" im Hintergrund

Als Lieblingsberg bleibt mir allerdings der Cotopaxi (5.897) in Erinnerung, welchen ich 4 Tage zuvor (30.06.) bestieg. Der noch aktive Vulkan weißt eine ebenmäßige Kegelform auf und hat eine Höhe von 5.897 Metern. Die Besteigung ist weniger anstrengend als am Chimborazo, doch finde ich etwas abwechslungsreicher. Wir bestiegen ihn sehr leicht und schnell und hätten den Gipfel bereits vor Sonnenaufgang erreicht, legten wir nicht eine 45-minütige "Zwangspause" vor dem Schlussanstieg ein.
Während der Akklimatisation im Cotopaxi-Nationalpark habe ich den Berg vielleicht 100 mal fotografiert. In allen erdenklichen Erscheinungen, bei jedem Licht, mit und ohne Wolken. Er ist einer der schönsten Berge der Welt... 


ebenmäßige Form: der Cotopaxi in Ecuador

>> Link: Cotopaxi

>> Link: Chimborazo

>> Rainer Simon bei Wikipedia

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Bald Urlaub
17.06.10 - Kiel

Die letzten Wochen waren ein bisschen anstrengend. Leider nicht in sportlicher Hinsicht. Ich habe aber ziemlich viel gearbeitet und war meist müde. Oft habe ich darum mein Training ausfallen lassen und zum Schluss fast gar nichts mehr trainiert... 
Nach 9 Monaten ohne Urlaub fühlen sich die Batterien nun leer an. Wie bekommt man sie wieder voll und wie lange dauert es? Reichen 3 Wochen aus?

Ab Samstag wird es besser. Ich nehme meinen gesamten Jahresurlaub, welcher mir in Kiel noch zusteht. 
Danach bin ich gar nicht mehr so lange Zeit hier. Nur noch zweieinhalbe Wochen. Gerade genug zum Verabschieden und die Wohnung leer räumen. Aber nun erst mal URLAUB. 

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Gettorf Lauf
07.11.10 - Kiel

Ein schöner Lauf hier im Norden ist der Gettorf-Lauf in Gettorf, etwas nördlich von Kiel. Der Hauptlauf geht über 10 englische Meilen, also 16,1 Kilometer. Die Strecke ist leicht wellig und führt die meiste Zeit im Schatten großer Bäume. Ich bin vor 3 Jahren einmal mitgelaufen und erreichte eine Zeit von etwa 57 Minuten. Also gar nicht so schlecht.
Gestern musste ich mich entscheiden und bin dann nach Berlin gefahren. So wird es wohl bei diesem einzigen Start für mich bleiben, denn ab August bin ich hier weg...

>> Gettorf-Lauf

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