Aconcagua (6.962)
 
Mit einer Höhe von 6.962 m. ist der Cerro Aconcagua der höchste Berg Amerikas und gehört damit zu den Seven Summits, den jeweils höchsten Erhebungen der sieben Kontinente. Außerdem ist er der höchste Berg außerhalb Asiens.
Ähnlich wie die meisten höchsten Gipfel der übrigen Kontinente ist auch Amerikas höchste Punkt, zumindest alpintechnisch gesehen, relativ leicht zu besteigen.

Heute versuchen sich pro Saison 3.000 bis 4.000 Bergsteiger am Aconcagua. Die Erfolgsquote liegt bei 30-40%. Die große Höhe und die extremen Witterungsverhältnisse haben in der Vergangenheit bereits viele Todesopfer gefordert. 
Heute ist die Parkverwaltung bemüht, durch medizinische Kontrollen und Beratung der Bergsteiger, diese Gefahren zu verringern. 
Der Aconcagua ist eine ernst zu nehmende Hochtour. Ohne gute Höhenanpassung und akzeptable Witterungsverhältnisse bleibt man am höchsten Berg Amerikas chancenlos.
  • Land: Argentinien, an der Grenze zu Chiele
  • Gebirge: Anden
  • Erstbesteigung durch den Schweizer Bergführer Matthias Zurbriggen am 14.01.1897
  • Beste Zeit: Mitte November bis Anfang März
  • Ausrüstung (Normalroute): Schlafsack bis minus 40 Grad (extrem), sehr gute Wärmeschutzkleidung (möglichst Daunenjacke), Schalenschuhe mit warmen Innenschuh, Steigeisen, windfeste Hochlagerzelte, Daunenhandschuhe, Expeditionskocher, ausreichend Gas, Trockenverpflegung, Teleskopstöcke
  • wichtigste Routen:
    - Normalroute (siehe Beschreibung)
    - Polenroute von Nordosten (kombiniert/ Eis bis 50 Grad)
    - Argentinierroute von Osten (kombiniert/ Eis bis 60 Grad)
    - verschiedene Südwandrouten (kombiniert bis VI / 90 Grad)
  • Organisation: die Besteigung des Aconcagua erfordert zwingend ein Permit. (120$ für 20 Tage) Zur Abholung muss jeder Bergsteiger persönlich im Tourismus-Ministerium in Mendoza erscheinen.
    Infos: http://www.aconcagua.mendoza.gov.ar/
  • Anreise: von Mendoza auf der Fernstraße Nr. 7 etwa 160 km in Richtung der chilenischen Grenze, bis nach Puento del Inca (2.720m) fahren. Der Parkeingang befindet sich in etwa 5km Entfernung des Ortes.
    Hotelübernachtung im Ort Penitentes (2.650m), 5 km unterhalb von Puento del Inca. 
Aconcagua Normalroute

Trekking zum Basislager 

Vom Parkeingang (Registrierung) folgt man dem unspektakulären Weg aufwärts das Horconestal. Die Südwand des Aconcagua ist hier bereits sichtbar. Nach bereits 3-4 Stunden erreicht man das Camp "Confluencia" auf 3.400 Metern Höhe. Ein Teil des Gepäckes kann man von Mulis, am Besten gleich bis zum Basislager, transportieren lassen. (120 USD für 50kg)


Camp Confluencia: 32°45'53''S. 69°58'02''W. 3.425m.

Zur Besseren Akklimatisation ist eine zweimalige Übernachtung in Confluencia empfehlenswert. Der Tag dazwischen kann für ein Trekking zur Aconcagua Südwand genutzt werden.


Aconcagua Südwand
Standort: 32°41'40''S. 69°57'82'"W. 4.140m.
Von Confluencia folgt man dazu etwa 500 Meter der Treckingroute zum Basislager "Plaza de Mulas", muss sich dann aber nördlich halten und den Ausläufern des Gletschers aufwärts folgen. Man erreicht den Fuß der Wand nach etwa vierstündigem Trecking auf einer Höhe von 4.200 Metern. 
Dort befindet sich "Plaza Francia", das Basislager für die Durchsteigung der Aconcagua-Südwand.

Camp Confluencia - - - - - Basislager

Die Wanderung von Camp Confluencia hinauf zum Basislager "Plaza de Mulas" führt über 6-10 Stunden durch eine wüstenartige, trockene Landschaft unterhalb schroffer Felsflanken. Die Sonne brennt meist unerbittlich. (Sonnenschutz erforderlich)

Entfernungen

Parkeingang - Camp Confluencia: 7km
(Camp Confluencia - Aconcagua Südwand: 9km)
Camp Confluencia - Plaza de Mulas: 20km

Basislager "Plaza de Mulas" (4.360m.)

Die 20-km-Wanderung von Camp Confluencia nach Plaza de Mulas hat viel Kraft gekostet. Auf 4.360m. Höhe kann man sich nun einen Ruhetag gönnen. Innerhalb der ersten Tage wird man feststellen, dass in dieser Höhe bereits geringfügige Bewegungen zu Kurzatmigkeit führen. Der Ruhepuls kann deutlich erhöht sein. Erst allmählich passt sich der Körper an den veränderten Sauerstoffdruck in dieser Höhe an. Das Basislager des Aconcagua liegt höher als die meisten Alpengipfel in Europa...

Im Basislager befindet sich eine Station der Ranger, bei denen man sich melden und sein Permit vorzeigen muss. Es gibt einen medizinischen Dienst, der den Blutsauerstoff der Bergsteiger mist und hilft den optimalen, individuellen Besteigungszeitpunkt zu finden. Bei evtl. auftretenden Höhenkrankheiten oder Unfällen kann von "Plaza de Mulas" eine Evakuierung mit einem Helikopter organisiert werden.
Die Trekkingunternehmen haben hier während der gesamten Saison (Oktober bis März) ihre Zelte stehen. Zahlungskräftige Bergsteiger findet  heiße Duschen, warme Mahlzeiten und Internet.


Plaza de Mulas: 32°38'94''S. 70°03'44''W. 4.364m.
Aus Gründen des Umweltschutzes gelten im Basislager eine Reihe von strenger Regeln. So darf kein Müll zurück gelassen werden und ist die Benutzung der Toiletten zwingend. Außerhalb des Lagers sind s.g. Shitbags zu verwenden. Wer seinen Haufen dennoch in die Landschaft setzt, muss 200 US-Dollar Strafe zahlen.

Akklimatisation

Ab "Plaza de Mulas" sollte man bis zu 14 Tage für eine Gipfeltour einplanen. Dabei werden Ruhetagetage im Basislager eingelegt und können Touren auf Akklimatisationsberge, wie Cerro Bonete (5.060m.), Cerro Catedral (5.355m.) oder Cerro Manso (5.433m.) gegangen werden.
In dieser Zeit muss man auch die Hochlager, auf dem Weg zum Gipfel errichten  und versorgen. Im Normalfall werden zwei Lager zwischen Basislager und Gipfel benötigt. Mögliche Standorte sind auf unterschiedlichen Höhen definiert. Die meisten Bergsteiger nutzen die Camps "Nido de Condores" auf 5.578 Meter Höhe und "Camp Berlin" auf 5.947 Metern. 
Empfehlenswert ist ein mehrfacher Auf- und Abstieg zu den Camps und einzelne Übernachtungen dort, bevor man zum Gipfelgang aufbricht. Oberhalb des Basislagers gibt es kein Wasser. Es muss mit Schnee gekocht werden. Die Wahl der Camps richtet sich darum auch, nach dem Vorhandensein von Schnee.


"Büsereis" beim Anstieg zum "Cerro Bonete" (5.060m)
32°39'56 S. 70°05'32'' W. 5.060m.

Absteigende Bergsteiger oberhalb "Camp Canada" (5.080m.)
Standorte Hochlager:

- Campo Plaza Canada (5.080 m.)
- Cambio de Pendiente (5.370 m.)
- Nido de Condoris (5.578 m.)
- Camp Berlin (5.947 m.)
- Camp Colera (5.970 m.)


Nachfolgend werden nur die zwei häufigsten Hochlager beschrieben, welche von 60% der Bergsteiger auf der Normalroute genutzt werden.

Nido de Condoris

Der Aufstieg nach "Nido de Condoris" (Kondornest) führt über einen gut sichtbaren, ohne Schnee leicht zu gehenden Schotterweg in nördliche Richtung. Steilere Passagen werden in Serpentinen bewältigt. Hier, wie auf der gesamten Normalroute, sind keine Kletterstellen zu bewältigen. Die Distanz zwischen "Plaza de Mulas" und "Nido de Condoris" beträgt 5 Kilometer. Je nach Akklimatisation und Leistungsstärke benötigt man, auf dem der Sonne ausgesetztem Hang, 4 bis 9 Stunden im Aufstieg.


Nido de Condoris: 32°38'28''S. 70°01'77''W. 5.578m.
Starke Winde können das Gehen und vor allem das Zelten zum Problem werden lassen. Windgeschützte Zeltplätze sind sehr begehrt. 
Auch im Nido de Condores gibt es Dauercamps verschiedener Trekkingveranstalter und die höchste Basis der Nationalparkverwaltung. 

Das Camp liegt am Morgen bis gegen 11 Uhr im Schatten des Aconcagua. Erst sehr spät erwärmt sich der Standort und man wird das Zelt erst spät am Tag verlassen. Nachts fallen die Temperaturen auf minus 15 Grad und tiefer. 

Häufig ziehen am Nachmittag Wolken auf und beginnt es zu schneien. Bei starken Winden wird es ungemütlich und man muss sich wieder für Stunden ins Zelt verkriechen. Fast immer wandern die Wolken am Abend jedoch in tiefere Regionen und man kann von Nido de Condoris aus den Sonnenuntergang genießen und bizarre Wolkenformationen betrachten.
Vor einem Gipfelgang sollte man 1 bis 2 Nächte in auf "Nido de Condoris" geschlafen haben. Es ist nicht leicht hier Ruhe zu finden aber der Aufenthalt auf 5.600 m. bringt die Akklimatisation ein gutes Stück weiter.
Camp Berlin

Knapp 400 Höhenmeter höher befindet sich das Camp Berlin, welches für viele Bergsteiger Ausgangspunkt zum Gipfelsturm ist. Man erreicht es von Nido de Condoris in 1 bis 5 Stunden (1,5km) auf einem, bei Schneefreiheit, gut sichtbaren Zickzackkurs. Die Höhe macht hier zu schaffen. Es ist wichtig langsam zu gehen und regelmäßig zu trinken.

Das Camp hat seinen Namen wohl daher, weil hier eine Gruppe deutscher Bergsteiger eine kleine Schutzhütte aus Holz errichtete.
Es liegt etwas windgeschützt zwischen markanten Felsen. Bei klarem Wetter kann man von diesen direkt nach Nido de Condoris hinab blicken. Die Schutzhütte ist nur zur Not als Schlafplatz brauchbar. (schmutzig) Bei überraschendem Sturm kann sie aber letzter Zufluchtsort sein, wenn alle Zelte abgerissen sind.

Viele Bergsteiger können auf der Höhe von knapp 6.000 Metern nicht mehr schlafen und sich erholen. Dennoch ist es die sicherste Taktik von hier zum Gipfel aufzubrechen. Man kann am Morgen länger im warmen Schlafsack bleiben. Schnelle und gut akklimatisierte Bergsteiger können von Camp Berlin aus den Gipfel in 5 bis 6 Stunden erreichen. Meist wird die Besteigungsdauer jedoch mit 8 bis 12 Stunden angegeben. Man sollte so aufbrechen, dass man am späten Mittag ganz oben ist. (Wetterumschwung) 

Camp Berlin: 32°38'34''S. 70°01'30''W. 5.947m.
im Hintergrund die Aufstiegsroute am Gipfeltag

Bergsteiger oberhalb Piedras Negras 
32°38'29''S. 70°00'58''W. 6.210m.
Gipfeltag

Wegen der extremen Kälte (bis minus 30 Grad) brechen die meisten Gipfelaspiranten erst zwischen 5 und 8 Uhr morgen zum Gipfel auf. Ein streckenweise steiler, aber relativ windgeschützter Anstieg führt vorbei an den "Piedras Blancas" (die weißen Steine) und den "Piedras Negras" (die schwarzen Steine) zum "Refugio Independencia auf 6.400 Meter. (32°38'46''S. 70°00'56''W.)

Bis zu diesem Punkt ist es möglich ohne Steigeisen zu gehen. Der Untergrund besteht aus losem Geröll, größeren Steinen, Schnee aber kein Eis. Beim "Refugio Independancia", einer verfallenen Schutzhütte, kann man eine windgeschützte Brotzeit einlegen.

Etwas oberhalb befindet sich, sehr windausgesetzt, ein Pass ("Portezuelo del Viento") und man kann dort, die exponierte Querung "La Travesia" einsehen. Wem hier schon schlecht ist, der sollte lieber umkehren.
Auf der ansteigende Querung, welche bei extremen Windgeschwindigkeiten kaum zu begehen ist, können Schneefelder das Vorankommen erschweren. (Steigeisen notwendig) Über mittelsteiles Gelände wird die Basis einer markanten Gerölllinie erreicht.  

Der Einstieg dieser "Canaleta" befindet sich auf etwa 6.650 Metern Höhe. Nur einen halben Kilometer ist dieses Kanälchen lang, aber gefüllt mit sehr lockerem Schutt und Sand und mit bis zu 60% Steigung. 
Viele Bergsteiger lassen an den Felsen am unteren Ende der "Canaleta" ihren Rucksack zurück, um für die verbleibenden 300 Höhenmeter Kraft zu erhalten.

Am Besten steigt man auf der rechten Seite, etwas im Windschatten und wenn möglich auf festem Schnee auf. Trotzdem werden auf Grund der Steilheit und der Höhe nun immer häufiger Pausen nötig. 

Nach ca. 200 Höhenmetern erreicht die Canaleta den Verbindungsgrad "Filo de Guanaco" zwischen Nord- und Südgipfel. Eigentlich geht die Canaleta fast übergangslos in einen Weg links, unterhalb des Grades über. Im Windschatten führt dieser, nun weniger steil, über größere Steine zu einer flachen Felspyramide. Der Sauerstoffmangel macht jede Bewegung schmerzlich langsam und mühsam. Zum Schluss zieht man sich an einem großen Felsen hoch und hat plötzlich eine flache Hochebene vor und nur noch Himmel über sich.

Querung zur "Canaleta" 
Das kleine Gipfelkreuz aus Aluminium ist nur wenige Schritte von dieser Stelle entfernt. Das unspektakuläre Gipfelplateau ist so groß wie ein Handballfeld. Bei klarem Wetter kann man die Südwand einsehen und hat eine erhabene Aussicht auf die umliegenden 5- und 6-Tausender. Leider steht man gegen Mittag meist in den Wolken.

Für den Abstieg auf der selben Route benötigt man je nach Verfassung zwischen 2 und 5 Stunden. Bei guter Sicht kann man von der Querung zwischen Canaleta und Portezuelo del Viento direkt 1.300 Höhenmeter auf dem Schotterhang "Gran Acarreo" abfahren. Allerdings trifft man dann unterhalb Nido de Condores auf den Normalweg und muss ggf. den Abriss von Camp Berlin irgendwie organisieren...

Während man beim Aufstieg den Weg kaum verfehlen kann, verirren sich nicht wenige Gipfelstürmer beim Abstieg. Wer vom Gipfel kommt, ist oft müde und unkonzentriert. Außerdem kann es passieren, dass die Sicht am Nachmittag durch Nebel und Schneefall nur wenige Meter beträgt und die Spur zugeschneit ist. 


Aufsteigende Gruppe im Schneefall am "Filo de Guanaco"
Literatur:

- Eckehard Radehose, "Traumberge Amerikas", ISBN 3-7633-3006-2
- Andreas Hohl, "Trekking-Guide Argentinien", ISBN 3-7022-2796-2

Karte:

ACONCAGUA / Parque Provincial Aconcagua (1:50.000)
Worlds End, ISBN: 1-879568-11-X
www.patagoniashop.net 

Agenturen:

- www.geotrek.com.ar/ 
- www.inka.com.ar 
- www.pierobonmountain.com.ar 
- www.grajales.net 

Deutsche Reiseveranstalter:

- www.adventure-train.de 
- www.diamir.de/

Bitte besucht auch: www.atmosfair.de/ 


Aconcagua Summit: 32°39'11''S. 70°00'43''W. 6.962m.

mehr Aconcagua Fotos:

http://aol.pixum.de/viewalbum/id/3293913

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