Chimborazo (6.267) Ecuador

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150 km Luftlinie südlich der Hauptstadt Quito, in der Provinz Chimborazo, türmt sich der gleichnamige und höchste Berg Ecuadors in den Himmel. Seine vier gletscherbedeckten Gipfel sind angeblich die am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernten Punkte der Erde. In dieser Betrachtung, übertrifft der am Äquator gelegene Chimborazo den Mt. Everest um ganze 2 Kilometer.
  • Land: Ecuador (Südamerika)
  • Sprache: Spanisch
  • Währung: US-Dollar
  • Beste Zeit: November-Januar, Juni-Juli
    (sonst ist mit viel Regen zu rechnen)
  • Ausrüstung: warme Kleidung (bis -10°) am besten Goretex, Handschuhe, Helm, Steigeisen, Seil, Klettergurt, Eispickel, Gletscherbrille, Stirnlampe, Teleskopstöcke.
  • Erstbesteigung: Edward Whymper, Jean-Antoine & Louis Carrel.

Der Aufstieg ist kein Spaziergang und gelingt jährlich nur etwa 100 Bergsteigern. Meist verhindern schlechte Höhenanpassung oder wechselnde Wetterverhältnisse den Gipfelerfolg. 

Für die Besteigung des Chimborazo ist keine spezielle Genehmigung notwendig. Lediglich am Eingang des Nationalparks ist eine Eintrittsgebühr zu entrichten. (10USD)

 
Der höchste Berg der Erde?

Anreise:

Von Quito "Terminal Terrestre" fährt man mit dem Bus etwa in 4 Stunden nach Riobamba, Hauptstadt der Provinz Chimborazo. Ein gutes, preiswertes Hotel in Riobamba ist das "Tren Dorado" (www.hoteltrendorado.com) in der Cale Carabodo, in der Nähe der Bahnstation. (10 USD p.P.) In Riobamba gibt es eine Reihe von Trecking-Agenturen, die sich u.a. darauf spezialisiert haben Mountainbiker und Bergsteiger zum Chimborazo zu bringen. Diese können auch Kontakt zu einheimischen Bergführern herstellen. Wir haben uns von "Julio Verne Travel" (http://www.julioverne-travel.com/) transportieren lassen. Das klappte problemlos auch kurzfristig, vom selben Abend auf den nächsten Morgen. "Julio Verne" hat auch ein begrenztes Angebot an Leih-Ausrüstung für Bergsteiger. 
 

Die Fahrt von Riobamba (2.750m.) zum 4.850 Meter hoch gelegen "Basislager" (Refugio Hermanos Carrel) dauert etwa 90 Minuten. Mit etwas Glück sieht man während der Fahrt den Chimborazo an mehreren Stellen imposant aus den Wolken ragen. Meist ist er jedoch in diesen verhüllt. Am Eingang des Nationalparks ist der Eintritt zu entrichten. Ab dieser Stelle benötigt man auch den Allrad-Antrieb des Fahrzeugs.

An der Carrel-Hütte befindet sich ein kleiner Parkplatz für Tagestouristen, die den Berg aus nächster Nähe sehen möchten. Manch einem befällt bereits an dieser Stelle die Höhenkrankheit. Ohne vorherige Akklimatisation sind 2.000 Höhenmeter in 1,5 Stunden doch schon ein recht ordentlicher Sprung.

Noch einmal 300 Höhenmeter oberhalb, auf 5.050 Metern, befindet sich die "Whymperhütte" mit 5 Räumen und Schlafplatz für bis zu 40 Personen. Der Weg dorthin muss nun aber zu Fuß gegangen werden. Die "Whymperhütte" dient den meisten Gipfel-Aspiranten als Ausgangspunkt des Gipfelsturmes. 

Mir ist auf dieser Höhe kein Schlaf gelungen, nachdem wir zuvor 4 Tage zwischen 2.000 und 2.800 Metern "Tiefe" verbracht hatten. 
Der extrem leichte und schnelle Zugang zum Bergfuß ist wohl der Hauptgrund für häufiges Scheitern am Chimborazo.

Eine Empfehlung könnte es darum sein, ggf. 2 Nächte in der Whymper-Hütte zu verbringen und am Vor-Gipfeltag den unteren Teil der Aufstiegsroute zu erkunden. Und natürlich trotzdem schon ein 5.000er zur Akklimatisation gemacht zu haben...

 

Normalroute

Start ist etwa um Mitternacht. Von der Hütte hält man sich links, in nordwestliche Richtung. Zunächst quert man ca. 45 Minuten das weitläufige Carell-Tal, bevor man unterhalb einer großen Felswand (El Castillo) den Einstieg erreicht. Am Besten schaut man sich diesen ersten Teil der Route am Vortag genau an, um in Nacht nicht lange suchen zu müssen. Die Wand "El Castillo" bietet aber eine eindeutige Orientierung.
Die genaue weitere Route variiert von Jahr zu Jahr geringfügig. Im unteren Bereich kann das Eis sehr schlecht sein und ist durch viele Felsen durchzogen. Bei einem späten Abstieg, gegen Mittag, ist an dieser Stelle mit heftigen Steinschlag zu rechnen.

Im Aufstieg hält man sich unterhalb von "El Castillo" zunächst leicht rechts und dann später, auf besserem Eis in einem Bogen nach links, um den breiten Grat auf 5.500 Metern zu erreichen, welcher "El Castillo" mit dem Gipfelgletscher verbindet. Folgt man dem Grad aufwärts, geht dieser nämlich nahtlos in einen langen Gletscherrücken über, welcher direkt zum Veintemilla-Gipfel führt. Die Steilheit dürfte durchgängig bei 40 Grad liegen. Es gibt kein einziges Flachstück, dafür viele kleine Spalten, von denen aber keine große Gefahr ausgeht. 

Bei meinem Besuch war die Schneedecke schlecht, d.h. vom Wind stark ausgehöhlt, sackte man tief ein. Bei dieser Steilheit und Höhe wurde der Aufstieg zu einer Quälerei. Zuweilen Einbruch in kleinere Spalten.
Die Quälerei endet, bei gutem Verlauf, nach 5 bis 8 Stunden zunächst auf dem Veintemilla-Gipfel. In den meisten Fällen aber durch Umkehr auf der Flanke. 

Die Veintemilla ist mit 6.225 Metern der zweit höchste Punkt des Chimborazo. Etwa 30 Minuten weiter, getrennt durch eine kleine Mulde, befindet sich der etwas höhere Whymper Gipfel. (6.267 Meter)
Die anderen Erhebungen des Gipfelbereich sind niedriger. (Politechnico, 6.000m / N. Martinez, 5.570m) 


Carrel Hütte unten rechts  - Whymper Hütte mitte links.

Bei meiner Besteigung im Juli 2010 verzichtete ich auf den "Whymper-Gipfel", nach halben Weg nach der "Veintemilla" im tiefsten Punkt der dazwischen liegenden Mulde. Eine große Spalte hätte eine weitläufigere Umgehung notwendig gemacht. Um ehrlich zu sein, fühlte ich mich zu schwach für einen Umweg... Zu anderen Jahreszeiten soll die Spalte aber meist zugeschneit, und ein direkterer Weg, gangbar sein. 

Die wahren Gefahren lauern jedoch meist auf dem Rückweg. Zumindest dann, wenn man schlecht in der Zeit liegt. 
Mit der ersten Sonne beginnt der Schnee im Gipfelbereich aufzuweichen, so dass man noch tiefer einsinkt, als ohnehin. Die Schneebrücken werden instabil und Spalten öffnen sich. Gegen Mittag ziehen außerdem Wolken auf, welche die Orientierung extrem erschweren und die Gefahr erhöhen in eine Gletscherspalte zu laufen. Den Steinschlag unterhalb von "El Castillo" erwähnte ich bereits. 

Man sollte seine Tour also möglichst so einrichten, dass man zum Sonnaufgang ganz oben und noch am frühen Vormittags zurück in der Hütte ist. 

 


auf dem Veintemilla Gipfel (6.225) Im Hintergrund Whymper Gipfel (6.267)

Video: 04.07.2010

Literatur:
  • Günter Schmudlach
    Bergführer Ecuador (Panico Alpinverlag)
    ISBN: 978-3-926807-82-3
  • Hermann Kindler
    Die Anden (Panico Alpinverlag)
    ISBN: 978-3-936740-36-3
  • Eckehard Radehose
    Traumberge Amerikas (Rother Selection)
    ISBN: 3-7633-3006-2
  • Peter Rotter
    Ecuador - Trekking-Reiseführer (Eigenverlag)
    ISBN: 3-922 396-24-0

Hotelempfehlung Quito: Casa Helbling

Bitte besucht auch: http://www.atmosfair.de/


 

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