Höhentraining
zur Steigerung des sportlichen Niveaus kommt fast
ausschließlich in den Ausdauersportarten zur Anwendung. Dabei
wird die größte Wirkung in Sportarten erzielt, bei
denen die aerobe Leistungsfähigkeit (mit Sauerstoff)
ausschlaggebend ist. (z.B. Marathonlauf,
Straßenradsport)
In Nichtausdauersportarten, mit hohen Anforderungen an Koordination,
Kraft und Schnelligkeit, spielt Höhentraining kaum eine Rolle.
Lediglich in der Vorbereitung auf Wettkämpfe in
großer Höhe (z.B. Fußball-WM Mexiko Stadt)
wurde Höhentraining eingesetzt.
Das
Höhentraining setzt ein bereits
überdurchschnittliches Ausdauerniveau voraus und stellt eine
Steigerung des Wirkungsgrades im Training dar. Es ist aus diesem Grund
für Ausdauer-Athleten interessant, die im normalen Umfeld an
zeitliche Grenzen und/oder allgemeine Belastungsgrenzen
gestoßen sind. (Hochleistungssport)
Sauerstoffpartialdruck
(Sauerstoffteildruck):
Der Anteil des Sauerstoffes beträgt konstant etwa 21%
innerhalb der Luft.
In höheren Lagen verändert sich diese prozentuale
Zusammensetzung nicht. Mit der Abnahme des atmosphärischen
Luftdruckes, nimmt der absolute Sauerstoffteildruck konstant
ab.
Beim Training unter
Höhenbedingungen wird die menschliche
Anpassungsfähigkeit, an den in höheren Lagen
geringeren Sauerstoffpartialdruck, ausgenutzt.
Der
Sauerstoffpartialdruck sinkt linear zum
Luftdruck und sorgt dafür, dass die in
größerer Höhe aufgenommene Atemluft weniger
Sauerstoff enthält als auf Meereshöhe. (Hypoxie)
In
mittleren Höhen (1.500
bis 3.500 m.) ist der menschliche Körper in der Lage auf
diesen "Sauerstoffmangel" zu reagieren. Durch verstärkte
Bildung roter Blutkörperchen, wird die Sauerstoffaufnahme- und
Transportkapazität erhöht.
Nach
Rückkehr auf
Meereshöhe profitiert der Sportler noch eine
Übergangszeit von der gesteigerten
Sauerstoffkapazität bei gleichzeitiger vollen
Sauerstoffverfügbarkeit. Ehe die Rückanpassung
abgeschlossen ist (nach 4-6 Wochen) besitzt er eine
zusätzlich, erhöhte Leistungsfähigkeit.
(neben dem eigentlichen Trainingseffekt.
Damit diese
Anpassungen eintreten
können und ausreichend lange unter Höhenbedingungen
trainiert werden kann, sind mindestens 3 Wochen
Höhenaufenthalt notwendig. (besser 4 und mehr Wochen)
Außerdem
werden unter
Höhenbedingungen die Herz- und Lungentätigkeit
stärker trainiert. (gesteigerte Herzfrequenz, Hyperventilation)
Höhentraining
im Marathonlauf
Aufgrund des hohen
aeroben Anteiles an der Marathonleistung ist das Höhentraining
bestens zur Vorbereitung einer Marathonleistung geeignet. Der Einsatz
ist in zwei grundlegenden Trainingsphasen besonders sinnvoll:
Vorbereitungsperiode
zur Entwicklung der
Grundlagenausdauer (auch mit laufunspezifischem Training)
Unmittelbare
Wettkampfvorbereitung (UWV)
Problematisch ist
der Einsatz des
Höhentrainings immer in solchen Perioden, in denen eine
anaerobe Stossrichtung des Trainings verfolgt wird. Für
Marathonläufer spielt dieses Training (anaerobes Training),
wenn überhaupt, eine Rolle zur Verbesserung der
Unterdistanzleistung, bzw. zur grundlegenden Erschließung
eines neuen Tempobereiches.
Innerhalb der UWV kann vorsichtig, dosiertes anaerobes Training, in der
zweiten Hälfte des Höhentrainings zur Verbesserung
der Wettkampfhärte eingesetzt werden.
Ein sinnvolles Training zur Marathonvorbereitungmit zwei
Höhenaufenthalten kann etwa so aussehen:
3 - 4 Woche
Höhentranig
2-3 Wochen
normale Höhe
3 - 4 Wochen
Höhentraining
2-3 Wochen
normale Höhe
höchster
Kilometerumfang
hoher Kilometerumfang
weniger
Kilometer
weniger
Kilometer
Ziel:
Entwicklung der
Grundlagenausdauer
Ziel:
MA-Tempo
entwickeln
Ziel:
Steigerung der aeroben Ausdauer, Stabilität im MA-Tempo
- mittlere DL
(GA1)
- marathonspezifische Läufe
(30-40 km im GA1-Tempo)
- Tempo-DL / TL im MA-Tempo
(2. Hälfte des Höhenaufenthaltes)
- locker DL
- kurze TDL/TW
- 1 kurzer WK
MARATHON
Allgemeine
Reaktionen einer Höhenanpassung:
Atmung: durch die
Erhöhung der Atemfrequenz wird das Atemvolumen gesteigert.
Dadurch gelangt mehr Sauerstoff in die Lungen.
Puls:
in den ersten Tagen des Höhenaufenthaltes kann der Puls bis zu
30 Schläge über dem Normalwert liegen. Ein
Rückgang des morgendlichen Ruhepulses nach ca. 5 Tagen kann
als erstes Indiz einer Höhenanpassung bewertet werden.
Blut:
die Anzahl der Sauerstoff transportierenden roten
Blutkörperchen nimmt (bei gleichbleibender Höhe) etwa
bis zum 10. Tag zu. Danach besteht die höchste
"Höhenleistungsfähigkeit".
Zeitlicher Ablauf eines Höhentrainings
Obwohl die
Höhenanpassung immer ein individueller Prozess ist, muss die
Gestaltung des Höhentrainings immer eine klare methodische
Reihenfolge zeigen. Diese Reihenfolge berücksichtigt den
allgemeinen Ablauf einer Höhenanpassung.
Lockeres, aerobes
Training in den letzten 2 Tagen auf Meereshöhe. Guter
Gesundheitszustand und konditioneller Leistungsstand zur Anreise.
Allgemeinathletisches
Training und lockeres Dauerlauftraining (evtl. auch Wandern) in den
ersten bis zu 5 Tagen der Höhenanpassung. Hohe
Kilometerumfänge bei niedriger Intensität
fördern die Anpassung. Intensive Belastungen stehen einer
schnellen Höhenanpassung im Wege.
Training der
Grundlagenausdauer-1 (mittlerer Dauerlauf unter 3 Laktat, 70-85% der
maximalen Herzfrequenz) bilden den Hauptteil des Trainings ab dem 5.
Tag bis kurz vor Abreise.
Eine Aufteilung des
Höhenaufenthaltes in zwei Belastungsblock, mit einer
dazwischen liegenden Unterbrechung von 3-4 lockeren Tagen (aerobes
Training) unterstützt sowohl Höhen- als auch
Trainingsanpassung. Innerhalb dieser Entlastungstage kann auch ein
Ausflug in niedrige Höhen geplant werden, um "Sauerstoff zu
tanken" und die Erholung zu unterstützen.
Nach solchen lockeren Tagen ist meist ein Training auf deutlich,
höherem Niveau möglich.
Intensives Lauftraining
(über 3 Laktat) wird vorsichtig dosiert ab Mitte des
Höhenaufenthaltes eingesetzt. Ausreichend Erholung notwendig.
Kein hartes Training innerhalb der beiden letzten Tage des
Höhenaufenthaltes.
Abschluss des
Höhentrainings mit 1-2 lockeren Tagen.
Im
Höhentraining soll immer eine prinzipiell aerobe Stossrichtung
des Trainings verfolgt werden. Die Summe der laktatbildenden
Trainingsanteile ist gering zu halten. Lauftempo oberhalb des geplanten
Wettkampftempos sollte nur auf kurzen Strecken und mit
verlängerten Pausen durchgeführt werden.
Rückanpassung
auf Meereshöhe
Ebenso
wie die Anpassung an den relativen Sauerstoffmangel unter
Höhenbedingungen, ist auch die Rückanpassung auf
Meereshöhe ein individueller Prozess. Es gibt jedoch einige
grundlegende Regeln, welche fast immer zutreffen. Abweichungen davon um
einige Tage sind möglich.
1 bis 3 Tag nach
Rückkehr (auf Meereshöhe) sofort erhöhte
Leistungsfähigkeit.
Wettkampf möglich. (richtet sich nach der Gestaltung der
letzten Trainingstage in der Höhe)
Sonst eher lockeres Training, um die Rückanpassung
einzuleiten. In diese Zeit fallen meist auch 1-2 Tage mit
Reisestress.
4. bis 8. Tag:
vorübergehend geminderte Leistungsfähigkeit durch
Rückanpassung des Körpers an die normale
Höhe. Der Umstellungsprozess wird häufig durch
große Müdigkeit begleitet. In diesem Zeitraum sind
meist keine erfolgreichen Wettkämpfe möglich.
Training locker bis mittel. Leistungsschwankungen treten
häufig auf. Viel Schlaf notwendig.
nach dem 8. Tag:
erhöhte Leistungsfähigkeit. Verbesserte
Sauerstoffaufnahme durch größeres Blutvolumen und
höheren Anteil roter Blutkörperchen. Der
Trainingseffekt wirkt zusätzlich auf die Leistung. Bester Zeitraum
für Wettkämpfe.
Der 10. Tag wird häufig als optimaler Tag für einen
Marathon angegeben. (individuelle Abweichungen möglich)
Wenn keine Wettkämpfe geplant sind, kann das Training ab dem 8
Tag gesteigert werden. Häufig wird der Höheneffekt
genutzt, um die gesteigerte aerobe Ausdauer, in wettkampfspezifisches
Training zu übertragen. (Entwicklung der Laufgeschwindigkeit)
nach ca. 4 Wochen: die
Rückanpassung ist abgeschlossen. Ab dieser Zeit sind kaum noch
Anpassungen im Blut nachweisbar. Eine erhöhte
Leistungsfähigkeit ist nun ausschließlich
trainingsbedingt.
Innerhalb einer Hypoxie-Kette (mehrmaliger Einsatz des
Höhentrainings) sollte spätestens jetzt der
nächste Höhenaufenthalt angetreten werden.
Neben individuell,
genetischen Unterschieden beeinflusst das Trainingsverhalten in den
letzten Tagen in Höhe und den ersten Tagen auf
Meereshöhe den Verlauf und den Erfolg des
Höhentrainings sehr stark. Selbstbeobachtung und
Gefühl für den eigenen Körper sind neben dem
methodischen Wissen Vorraussetzung um den sensiblen Prozess der
Rückanpassung zu steuern.
Besonderheiten der Ernährung unter Höhenbedingungen
Kohlenhydrate
Allein die Bewältigung hoher Trainingsbelastungen im
Ausdauerbereich erfordert eine ausreichende Zufuhr von Kohlenhydraten.
Unter Höhenbedingungen fordert der Körper nochmals
mehr Kohlenhydrate, weil er den Sauerstoffverbrauch niedrig halten
will. (Kohlenhydrate benötigen zur Energiefreisetzung 5 bis 10
Prozent weniger Sauerstoff)
Nach dem Training sollten die entleerten, muskulären
Glykogenspeicher schnell wieder durch süße
Getränke oder ggf. Glukoseinfusion aufgefüllt werden.
Der Anteil der Kohlenhydrate an der täglichen
Ernährung sollte 60 bis 65 Prozent und mindestens 7g pro Kilo
Körpergewicht betragen.
Flüssigkeitsbedarf
Die geringe Luftfeuchtigkeit in der Höhe führt
insbesondere in der Akklimatisationsphase zur starker Austrocknung der
Schleimhäute der Atemwege. Dieser Effekt wird
zusätzlich dadurch verstärkt, dass durch eine
erhöhte Atemfrequenz mehr Feuchtigkeit abgeatmet wird. Dazu
kommt noch ein gegenüber Normalbedingungen
größerer Schweißverlust.
Aus diesen Gründen gewinnt die Flüssigkeitsversorgung
unter Höhenbedingungen eine enorme Bedeutung. Die
tägliche Kontrolle des Körpergewichtes ist
unverzichtbar, denn stärkere Gewichtsverluste sind meist durch
Flüssigkeitsdefizite bedingt. Eine einfache Methode ist es
auch die Färbung des Urins zu beobachten. Dieser sollte
möglichst klar sein. Eine tiefgelbe Färbung
lässt auf einen Flüssigkeitsmangel
schließen.
Eiweißzufuhr
Um die aktive Neubildung von roten Blutkörperchen zu
unterstützen, besteht beim Höhentraining ein
erhöhter Eiweißbedarf. Eine zusätzliche
Gabe von Eiweißpräparaten kann diesen Bedarf decken,
ohne unnötige Energie durch fettreiche Nahrung aufzunehmen.
Eisenbedarf
Etwa 4 bis 6 Wochen vor Beginn eines Höhentrainingslagers
sollte der Eisenstatus des Sportlers untersucht werden. Bei einer
Mangelsituation reicht die Zeit gerade noch aus, um über eine
Eisenzufuhr den Mangel auszugleichen. Diese Nahrungsergänzung
sollte von einem Facharzt verordnet werden.
Eisen ist Bestandteil des Hämoglobins, das im Blut Sauerstoff
transportiert. Mit der Neubildung roter Blutkörperchen unter
Höhenbedingungen, wird ausreichend Eisen benötigt.
Eine Mangelerscheinung kann zu erheblichen Leistungseinbusen
führen
Literatur:
Ulrich Fuchs / Manfred
Reiß: "Höhentraining - das Erfolgskonzept der
Ausdauersportarten"
ISBN 3-922067-77-8
Klaus Mees:
"Höhenanpassung"
ISBN 978-3-7654-4274-2
Thomas Hochholzer:
"Trekking und Höhenbergsteigen - ein medizinischer Ratgeber"
ISBN 3-928026-11-9