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Stonekeep ist nicht mehr. Vor zehn Jahren wurde die Burg mitsamt allem, was sich unter ihr befand, auf Betreiben Khull-Kuums vom Erdboden verschluckt. Der Spieler übernimmt die Rolle von Drake, einem jungen Mann, der vor zehn Jahren durch das Eingreifen eines geheimnisvollen Fremden der allgemeinen Vernichtung entkam und jetzt an die Stelle zurückkehrt, an der Stonekeep einst stand. Dort erscheint ihm die Erdgöttin Thera, die ihn bittet nach Stonekeep hinabzusteigen und sie zu retten. Drake willigt ein. Kaum in den alten Hallen der Burg angekommen, laufen Thera und er Khull-Kuum in Hände. Doch der Finsterling nimmt Drake nicht ernst. Nachdem er Thera wieder in seine Gewalt gebracht hat, läßt er Drake allein im obersten Stockwerk der Burg zurück, überzeugt, daß der Sterbliche zu schwach und unerfahren ist, um ihm gefährlich zu werden.
Die Installationsroutine bietet zwei Installationsumfänge von 30 MB (Minimale Installation) bzw. 65 MB (Vollständige Installation) an. Ich habe die vollständige Installation gewählt. Das Spiel lief sowohl unter Windows 95 als auch in der DOS-Box unter Windows XP problemlos. Allerdings richtete die Setup-Routine in der DOS-Box bei der Autoerkennung der Soundkarte eine Gravis Ultrasound für die Sprachausgabe ein und war für die Musikausgabe gar nicht zur Detektion einer Soundkarte in der Lage. Die manuelle Auswahl einer Soundblaster-Karte für die Musik war problemlos möglich. Dasselbe sollte man auch für die Sprachausgabe tun, denn mit dem Treiber für die Gravis Ultrasound kommt es zu ärgerlichen Echos, die den gesprochenen Text unverständlich machen. Außerdem sollte man auf jeden Fall den Patch auf Version 1.2 einspielen.
Das Intro zu Stonekeep bietet die erste Überraschung. Es ist eine Mischung aus Realfilm und computergenerierter Umgebung. Das ist für ein Spiel des Jahres 1995 durchaus beachtlich, auch wenn die Personen gegenüber den Hintergründen etwas grobpixelig geraten sind. Nach dem Intro findet man sich dann im ersten Level der Burg Stonekeep wieder und wird mit einem magischen Spiegel und einer Schriftrolle ausgestattet. Kurze Zeit später findet man noch ein Journal. Diese drei Dinge bilden das Interface von Stonekeep. Im Spiegel kann man sich selbst und seine bis zu drei Mitstreiter sehen, die Schriftrolle stellt das unendlich große Inventar dar und im Journal wird Buch geführt über die Charakterwerte, Hinweise, die Drake auf seinem Weg durch das Spiel aufschnappt, Gegenstände, die Drake findet, die Runen, die ihm das Zaubern ermöglichen, und natürlich die Automap.
Stonekeep wirkt wie eine Mischung aus der Eye of the Beholder- und der Ultima Underworld-Serie. Die Dungeons sind absolut rechteckig, es gibt versteckte Schalter in den Wänden, Wände, die Illusionen sind, Druckplatten, Spinner und Teleporter, genau wie in den Eye of the Beholder-Spielen. Die Ego-Perspektive, das Kämpfen und die Runenmagie ähneln den Ultima Underworld-Spielen. Genau wie die beiden hier genannten Serien ist auch Stonekeep ein klassischer Dungeon Crawler.
Warum mir Stonekeep so viel Spaß gebracht hat, ist mir selbst schleierhaft. Denn eigentlich spricht nicht viel für das Spiel. Schon die Hintergrund-Geschichte ist etwas wirr und war mir nicht wirklich verständlich. Khull-Kuum, der böse Gott, hat die anderen Götter in Form von Planeten gebannt und Drake sammelt diese Planeten auf seinem Weg durch die verschiedenen Levels einen nach dem anderen ein. Doch die Hintergründe bleiben ebenso im Dunkeln wie eine Prophezeiung, von der einige der NPCs sprechen, die man im Laufe des Spiels trifft. Auch die Motivation Wahookas, den jungen Drake aus dem untergehenden Stonekeep zu retten, wird nicht näher erläutert. Das mag daran liegen, daß dem Originalspiel noch ein Roman mit dem Titel "Thera Awakening" beiliegt, der den von mir besessenen Wiederveröffentlichungen fehlt. Angesichts dessen, daß noch Platz auf der CD ist, ist mir unverständlich, warum das Buch nicht zumindest als PDF beigelegt wurde.
Graphisch reißt Stonekeep ebenfalls niemanden vom Hocker. Zwar sind die Texturen der Wände und Türen fast photorealistisch, aber die in die Umgebung hineinkopierten Gegenstände, wie z.B. Tische und Stühle, sind ausgesprochen grobpixelig. Zudem kommt das ganze Spiel mit nur vier Graphiksets aus, was angesichts des Spielumfangs eindeutig zu wenig ist. In Stonekeep herrscht Monotonie. Auch bei der Menge der Gegnertypen hätte man gut und gerne ein wenig mehr anbieten können. Mal abgesehen davon, daß die Gegner ähnlich wie im Intro reale Personen sind, denen man irgendwelche Latexmasken übergezogen hat. Diese Gegner sind ebenfalls wesentlich schlechter aufgelöst als die Hintergrundtexturen und sehen deutlich hineinkopiert aus. Die Sprachausgabe ist jedoch sehr gut.
Das Interface stellt sich als eine fitzelige Angelegenheit heraus. Der Spieler bewegt Drake mit den Cursortasten durch die Gänge und kämpft mit der Maus, wobei linke bzw. rechte Maustaste den linken bzw. rechten Arm bewegen. Das ist prinzipiell eine gute Sache, aber die Entwickler haben das Sidestepping nicht vorgesehen. Das macht gerade das Suchen nach verborgenen Schaltern in den Wänden zu einer langwierigen Angelegenheit. Das Ausrüsten der Gruppenmitglieder erfolgt im schon erwähnten Spiegel. Ohne den Patch auf Version 1.2 ist das überhaupt nicht möglich, weil der Mauszeiger immer in die rechte untere Bildschirmecke rutscht, sobald man ihn über Drake bewegt. Aber auch nach dem Patchen ist das Austauschen einer Waffe eine Tätigkeit, die große Sorgfalt erfordert, weil sich der Cursor sonst nicht genau genug platzieren läßt. Als richtig nervig stellt sich aber das Inventarhandling heraus. Da es sich dabei um eine Rolle handelt, in der die Gegenstände untereinander angeordnet sind, ist man eigentlich dauernd am Scrollen, weil man den gewünschten Gegenstand gerade nicht findet. Ich habe auf viele taktische Optionen, insbesonderen Waffenwechsel, verzichtet, weil mir der Aufwand dafür zu groß war.
Alle Gegenstände, die man findet, werden in das Journal eingetragen und dort beschrieben. Allerdings wäre gerade bei magischen Gegenständen, wie z.B. Ringen, eine genauere Beschreibung wünschenswert gewesen. Ich hatte am Ende des Spiels eine Ansammlung von sechs Ringen im Inventar, dazu noch vier an den Händen, von denen ich keine Ahnung hatte, was sie eigentlich tun. Eine Möglichkeit, diese Gegenstände zu identifizieren, habe ich nicht gefunden. Auch die Runen, mit denen gezaubert werden kann, stehen im Journal. Die Beschreibung der Runen steht auf den Spruchrollen, die Drake findet. Aber während die Runen automatisch ins Journal übertragen werden, gilt das nicht für die Beschreibung. Bei einer Rune wußte ich bis zum Ende des Spiels nicht, was sie eigentlich tut. Um zu zaubern, muß Drake die Runen auf einen Runenstab übertragen. Diese Runenstäbe müssen ebenfalls im Dungeon gefunden werden und haben Ladungen. Jeder Spruch kostet eine bestimmte Menge Ladungen, so daß der Runenstab irgendwann leer gezaubert ist. Er kann nur an bestimmten Stellen im Dungeon wieder aufgeladen werden. Dadurch wird das Zaubern in Stonekeep zu einer ungeheuer zähen Angelegenheit. Immerhin hat Stonekeep einen ähnlichen Spruch wie "Lloyd's Beacon" aus der Might & Magic-Reihe, der ein Herumteleportieren im Dungeon erlaubt. Dadurch entfällt überflüssiges Gerenne.
Die Waffenbalance in Stonekeep ist merkwürdig. Schon zu Anfang des Spiels ist es möglich, einen Dolch zu finden, der stärker ist als alle Schwerter, Hämmer und Äxte, die man auf den folgenden Ebenen findet. Fernangriffe sind gegenüber Nahkämpfen auf groteske Art effektiver. So war der Ausgang vieler Kämpfe für mich nicht recht nachvollziehbar. Das Journal liefert für Waffen zwar Zahlenwerte, aber richtig umgehen konnte ich damit nicht.
Die Automap ist in Ordnung und mit Hilfe der Tabulatortaste jederzeit zuschaltbar. Verglichen mit den älteren Ultima Underworld-Spielen kann der Funktionsumfang aber nicht voll befriedigen. Zwar sind Kommentare in die Karte eintragbar, aber diese werden auf eine Extraseite geschrieben anstatt in die Karte selbst. Dadurch werden sie so gut wie sinnlos.
Natürlich enthält Stonekeep auch Rätsel bzw. Aufgaben. Von den klassischen Aufgaben wie dem Beschaffen von Gegenständen, dem Abwehren von Feinden oder der Befreiung eines Gefangenen, in diesem Fall allerdings eines Drachen, gibt es auch Hebel-, Schalter- und Druckplattenrätsel. Einige Rätsel sind dabei so abstrus, daß ich ohne einen Walkthrough niemals auf die Lösung gekommen wäre.
Gut gefallen hat mir das Charaktermodell. Es gibt die Primärfähigkeiten Strength, Agility und Health, sowie zehn Waffenfähigkeiten. Das Spiel wertet aus, wie der Spieler vorgeht und entsprechend werden die Werte dieser Fähigkeiten verbessert. So wird Drake tatsächlich ein Spiegelbild der individuellen Vorgehensweise des Spielers. Ich hätte mir nur ein paar Worte im Handbuch darüber gewünscht, auf welche Weise einzelne Attribute verbessert werden können. Außerdem hätte ich gerne größere Einflußmöglichkeiten bei den mitgenommen NPCs gehabt.
Die Schwächen des Spiels wurden wohl von recht vielen Genre-Anhängern gesehen, die im Gegensatz zu mir deshalb keinen Gefallen an Stonekeep fanden. Darauf deutet zumindest die Tatsache hin, daß ein angekündigter zweiter Teil niemals veröffentlicht wurde. Außerdem landete das Spiel recht schnell auf den Grabbeltischen der Spielehändler. Das ist schade, denn das Spiel hat das gewisse Etwas, das mich über alle berechtigten Kritikpunkte hinwegsehen und das Spiel zwei Mal mit Begeisterung durchspielen ließ.
Stonekeep ist ein Rollenspiel, das mir trotz aller seiner Schwächen bei jedem Spielen sehr viel Spaß gebracht hat.