verflossene Studentenhomepage



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über Armut von Studenten
About many liberal student's poverty life in Germany (lyrics)
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Bildungsstreik 2009 aus Schüler-, Aussteiger- und Alumnisicht
kein Networking beim Bildungsstreik?
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conflict of interest. college, software, spamming + politics
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meine Gegner aus der Studentenzeit heute (Teil 1): Jenny R. (Teil 2): Andreas B. + Bettina M.
Wenn 'Freundschaft' sich mit Aktivismus schneidet (Teil 3)
Studenten / Verfassungsschutz

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experimentelles Intro
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Intros

Einleitung
Eine frühe 'Student Free Speech homepage' in Deutschland
Kommentar 2006 (Absicherung)
Einführung 2006 (von der privaten Homepage)
College mobbing in Retroperspektive
Best Of


die 7 grundlegenden Texte:

Gegen Ideologie
Erfurt als Rechtfertigung?
Wie die Uni-Leitung Statistiken fälscht.
Campusradios
Die Wahrheit über Studierenden-Wahlen
Die Augsburger PR-Bibel
Unser George W. Bush


frühere Versuche, den Wust einzuleiten (erwartete Identität):

descriptions/readme-files
'wahre Satire', wie sie das Leben schreibt
Generationentext 01 02
Seitendesign, Downloads


(Ende 2008)




Einführung 2008



Homepages wie vorliegende, und die sie schreiben
ein Spiegel der Sehnsüchte vieler Menschen sind
nach einer Welt ohne Karrieretypen & Schinderei.


'Studenten und Lehrende klagen über ein verschärftes Mobbingklima,
gezeichnet durch Denunziation, die den liberalen Nachwuchs fertigmache.'



für Dich ist das hier etwas bittere Vergangenheit. Du warst eine(r) dieser Student(inn)en, die für was Gutes eintraten, leider meist zur Unzeit der kranken Karrieregier an deutschen Hochschulen. Leute wie Du wurden eklig fies niedergestänkert. dann dauert es wenige Monate, bis Du zu verletzt bist, und nun kritisiert man Dich deswegen, daß die Sachen zu verbissen wirken würden, reagierst Du mit Satire unterstellt man einen Konflikt zu Deinen Dozenten, etc.. Du bist eine(r) der bekanntesten, doch niemand hat Dich je interviewt oder mit Dir ehrlich drüber gesprochen. die Leute, die Dich mochten, hatten Angst vor dem, was über das zweifelhafte Ableben des Oberstaatsanwalts Deiner Stadt bekannt geworden war, also auf Deiner Seite zigfaches Pech. Wie die meisten Deines 'sozial verantwortungsvollen' Typs hattest Du bis auf wenige Freunde mit andren Interessen niemanden. freilich einige schlechte Medien gemeint, was negativ drüber schreiben zu müssen. das Resultat war als sinnlose Gegenwehr jene Homepage, sicher an vielen Stellen nicht sehr glücklich aussehend. aber eben ein Zeitdokument. nun, auf der positiven Seite: die meisten Studis mit etwas Herz und CR Engagement gehn im heute teils widerlichen akademischen Klima kaputt, von Deiner Zeit ist wenigstens dieses mächtige Brevier erhalten. > recht gute Quelle, die eines Tages vllt. in die Wissenschaft finden wird.


Der Zugang zu dieser Textsammlung ist teils schwer, aber es müßte gehn.
bei den Texten handelt es sich um die originalen Releases. sie wurden aus verschiedenen Backups rekonstruiert


(einleitender Text 03/2008, letzter Abschnitt von 2005)




Eine frühe 'Student Free Speech homepage' in Deutschland


Dieser Content, abgesehn von einrahmenden Texten und Retrospektiven, ist seit 2002 (in Teilen zurückreichend bis ins Jahr 2000) online, und wird nicht mehr gepflegt. Es handelt sich um Zeitdokumente, welche vllt. mustergültig Konflikte zwischen Studenten und bestimmten Hochschulstrukturen abbilden. Die Dateien, hier auf einer Seite zusammengefaßt, wurden zwischen 2002 und 2004 durch zehntausende Besucher gelesen, auch von den hier kritisierten Personen, ohne daß es zu Beanstandungen gekommen wäre. Der dokumentierende Verbleib im Internet ist allgemein anerkannt.

Stilistische Form: Satire. Nichts, was hier beschrieben ist, entspricht freier Erfindung, es ist durch die vorgefundene Konstellation (Börsen-, PR- & Karriere-Hype) komprimiert wirkende Realität. Solche Satire lebt z.T. von Kontrastierung, eine ausreichende Vorbildung wird vom Leser erwartet. Die Texte werden nicht redigiert, es wird auch keine bereinigten Fassungen geben von Stellen, mit denen ich aus heutiger Sicht unzufrieden bin.




[Kommentar 2006 (Absicherung)]


Gern hab ich das nicht online gehalten, aber es ist nun schon seit 4-5 Jahren im Web, Dokumente von mitunter nicht geringer Bedutung für die Studenten-/Wissenschaftsgeschichte, sofern gefunden.

Bitte keine schnellen Schlüsse in Richtung: 'links'/'gegen Behörden'. Leute wie ich ('Weizsäcker-Freaks') waren sehr verwaltungsnah, verstanden jedoch um 2000 die Welt nicht mehr. Jener Zeitenwechsel der vergangenen Jahre, Börsen-/PR-Hype etc., wo karrieregeile Studenten sich in Andienung und übler Stimmung versuchten. Vielleicht wie die Story Joschka Fischer's: für einige Jahre links, "Bullen verprügeln"/provozieren, mitunter sich dem Staat als Bindemittel für vermeintlich böse Studenten zu empfehlen. Dann plötzlich aus dieser Profilierung gewinnen, innovative Frischmacher werden, während der generierte Unmut von Teilen der öffentlichen Verwaltung längst am eigenen Nachwuchs abgelassen wird. Um so mehr, als der Streßlevel des deutschen Alltags 'explodierte', militante Hiphopper, Ekelwerbung, Doofgequatsche und Handies überall. In einer solchen Zeit spielt es keine Rolle mehr, wo Streß sein Ventil findet. Die in der Regel niveaulose Ausnutzung ebendieser widrigen Umstände, des teils völligen Verfalls von Kultur und Werten, verhilft wenigen zu ihren billigen Karrieren. Man profiliert sich durch Reibung und das freche Beanspruchen, im Besitz jeglicher Lösungsansätze zu sein, und die einzig konstruktive 'Sacharbeit' zu leisten.

Folge ist der Eindruck, diejenigen, die sich humanistisch bemühten oder nationale Verbundenheit empfänden, prinzipientreu für etwas stünden, seien 'verbohrt' oder aus Verblendung schädliche Querulanten, nähmen sich zu wichtig, da sie die Schmutzigkeit des Lebens nicht anerkennen w?/Träumer eben, die ihren Preis nicht zahlen wollten, nicht opfer- oder leistungsbereit seien. Der Schaden solcher Argumentation ist in der Regel unauffällig, indem der eigentliche systemkonforme Nachwuchs ausgeschaltet wird und sich im System der Bundesrepublik Strukturschwächen einschleichen.

Kids wie wir hatten durch unsere naiv verfassungstreue Schulbildung (alles was Sie hier finden ist Plaintext Gymnasium Königsbrunn 1986-1994) keine Ahnung, mußten erst lernen, damit klarzukommen, daß heute Chaos vorherrscht und verantwortungsvolles Handeln als 'zu kritisch' wahrgenommen wird, weil nicht mehr verstanden und deswegen mit Vorurteilen begegnet. Was hier zu sehen ist, könnte man mithin als Ergebnis eines Auseinanderdividierens bezeichnen, worüber niemand glücklich sein kann. Relativieren Sie die spitzen Töne Richtung 'Bürokratie' als Ergebnis der Enttäuschung durch lokalzeitungsgläubige Staatsmitarbeiter.

Auf der positiven Seite: Es war also einmal, 2002-05: tatsächlich setzte sich, 34 Jahre nach '68', mal wieder etwas statt für die eigene Karriere ein für andere. Erste wahrnehmbare Free-Speech homepage an deutscher Uni. Doch kaum jemand schrieb darüber, 'die Szene' ließ auch hier, aus welchem Grund auch immer, ihre besten Leute krepieren. Es war zu ungewöhnlich, paßte nicht in's normale Bild der Anti-Nazi-Demos und Militanz staatlich querfinanzierter Linksextremisten-Grüppchen in den Vertretungen. Deren Aufgabe es ist, gemäß ebendieser klugen Konzeptionen eine *vermeintlich* RAF-symphatisierende Studentenmasse zu binden, weil Papi 1979 so seine Laufbahn im Innenministerium machte.....

Dessen unbeeindruckt, das einflußreichste Projekt dieser Art.




[Einführung 2006 (von der privaten Homepage)]



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Kritische Studentenhomepage, eines der wenigen Zeitdokumente des Jahrgangs 1975. Heute (2 Jahre danach) sind Studierende ja mittlerweile ein Synonym für 'karrieregeil'. Wir waren noch relativ anspruchslos, eine Treppenstufe zum Sitzen bei Vorlesungen hätte genügt, und was wir wollten: Chancengleichheit und Fairnis (aber nicht noch mehr Geld für die Hochschulen).

Leute wie ich traten ein für weniger PR und gegen den Satanistenfilz in der Studentenszene.

Was Sie hier finden, ist 'ätzende Satire' - ich wollte sowas eigentlich nie schreiben, wurde durch die Umstände gezwungen. Stellen Sie sich einen aufrichtigen Studenten vor, dem an seiner Uni wegen nichts der Berufsweg kaputtgemacht wird. Bis er zu kämpfen beginnt, und klebrige Satire publiziert, welches in der Szene gemocht. Es muß Ihnen bewußt sein, daß sie eine bestimmte Perspektive und Rolle erwartete. Sie wissen das, aber es kann heute, wo die Allgemeinbildung ins Bodenlose sinkt und von zuvielen mit Vorurteilen um sich geworfen wird, nicht mehr vorausgesetzt werden, deswegen schreibe ich es hier.

Alex Jones wäre ein Vergleichspunkt. Ich bin erst spät auf ihn gestoßen, vielleicht interessant: beides spielerische Wege mit dem Ziel, Wahrheit in (aussichtsloser) Konkurrenz mit PR-Referaten und Karrieremedien wieder fühlbar zu machen. Natürlich trennen mich und Jones Welten, der Unterschied zwischen Literatur und Bullhorn-Journalismus. Beiden gemein ist: Du mußt, um zumindest eine gewisse Wirkung zu haben, wuchtig und wahrnehmbar auftreten. Viele Leute mißverstehn das als anmaßend, denn es ist bequemer, sich aus allem herauszuhalten, zumal dieser Weg von bestimmten Medien angesagt im Zeitalter der Karriereideologie.

Die andere Schiene zum Einreihen ist die kritische Kultur der US-Colleges, mit ihrem Kampf um freie Meinungsäußerung auf dem Campus, ich habe das zu meiner Zeit mit großem Interesse verfolgt, sowas gibt es in Deutschland nicht.

In diesem Sinne, mit einem Goodbye :)


Themen (Best Of)

asta3.gif

Politgruppen-Schleichwerbung -> Macht

stempel2.gif stempel.gif

Universität und Ideologie

schockwerbung.gif

Bevormundung der studentischen Masse durch ekelhafte PR

schickeria87.jpg

akademische Schickeria

schauprozess.gif

liberalen Studenten eine Vorstrafe anzuhängen....

rueckdatierung_abgleich.gif

Tricks wie Rückdatierungen vs. studentische Widerspruchsschreiben

pic_hair.jpg

so wie es wirklich war

deutsche_unis.jpg

exmatrikulation.gif

gestern und heute

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investigative Satire

bush_flyer.gif

Vor- und Abbilder

bude.gif

Studentische Armut

br2.gif

Erzwingung von Medienpräsenz, Klauen bei der Gamer-/Jugend-Kultur

aushang_prozess.gif

Szene erfolgreich/in Zeitungen vergeblich zu Suchendes

Theologisches Bekenntnis contra Mißbrauch des christlichen Glaubens

kinder_geschnipsel.jpg   stoibers_montage.jpg

portraet.jpg   wirtschaft_photoshop__verzerrung_weich.jpg

Geheimnisse von Wahlplakat-PDFs


Textsammlung



[Folgender Text sollte aus der Isolation jener ersten Monate des Aktivendaseins befreien, wo die Leute sich von Dir abwenden, weil Du als 'zu kritisch' wahrgenommen wirst. Erschienen als Flyer-Aushang in Arial, mit einem halbseitigen Photo. Das Teil hängt bis heute in einigen Augsburger Studentenbuden.]


WARNUNG VOR DIESEM STUDENTEN!


joerg29.jpg


Jörg S., 27jährig, ledig, wohnhaft in 86159 Augsburg, Student der Universität Augsburg, ist wegen Entbürokratisierungsbestrebungen und unakademischer Gesinnung wiederholt auffällig geworden! Jörg S. ist ein Studierendenvertreter von erheblicher Gefährlichkeit!

Er ist vielfach für die Rechte von Kommiliton(inn)en und Bürger(inne)n gegenüber der Universitätsbehörde eingetreten. Im Unterschied zur behördlich unterstützten Studierendenvertretung verwendet sich Jörg S. nicht für Uni-PR, mißachtet die verbindlichen Vorgaben der Universitätsleitung, und tritt für den sog. Universitätsgedanken ein, der der behördlichen Selbstdarstellung [tadellose & hochkompetente Beamte, betreuungsbedürftige Schüler unterweisend] im Wege steht. S. spricht offen von Betrug an seiner Studierendengeneration, er thematisiert schlechte Studienbedingungen sowie behördliche Schikanen, und stellt diese Uni-Realitäten der akad. PR-Fassade [ - innovative Reformuniversität und dynamische High-Tech-Zukunftsschmiede des neuen Multimedia-Jahrtausends - ] gegenüber.

Jörg S. kritisiert die Rektoratshörigkeit der Studierendenvertretung sowie gewachsene universitäre Seilschaften. Seine Forderung nach Offenlegung des Uni-Haushalts sowie nach Öffnung vertraulicher Sitzungen gefährdet die konspirativen Beziehungsgeflechte ['Filz'].

Die Universitätsleitung setzte sich gegen kritische Artikel des Studenten bereits mit geeigneten Maßnahmen [Anordnung einer polizeilichen Hausdurchsuchung, Anforderung weiterer Maßnahmen bei den Strafverfolgungsbehörden] entschlossen zur Wehr.

Zusätzlich wurde gegen S. striktes Hausverbot für alle Computerräume der Universität verhängt und seine kritische Homepage vom Uniserver entfernt. Seine stud. Mailadresse wird gesperrt gehalten, seine Mailbox wurde beschlagnahmt. S. hatte sie für demokratische Umtriebe genutzt, sowie veröffentlicht, wie an Uni-Computern Mailverkehr und Surfverhalten datenschutzwidrig überwacht werden, ferner beim Umgehen der behördlichen Sperrung von Internetadressen geholfen. Jörg S. ist als hochgefährlicher Hacker einzustufen.

Die Eltern der Studierenden werden aufgefordert, einen negativen Einfluß des Jörg S. auf ihre Töchter und Söhne frühzeitig zu erkennen und sofortig der Universitätsbehörde zu melden. Die behördlichen Respektpersonen sind sich ihrer Funktion als Sinnstifter sowie prägende Vor- und Leitbilder ungefestigter junger Menschen selbstverständlich in vollstem Umfange bewußt!

Bei Vorliegen von gegen ihn Verwendbarem ist Jörg S. umgehend bei der Universitätsleitung zu denunzieren. Sein Aufenthalt auf dem Campus sollte sofort an einen der Hausmeister gemeldet werden, sie sind via Schreiben des Univ.-Kanzlers instruiert. Das Gespräch mit Jörg S. ist zu meiden, eine Kontaktierung des Verdächtigen über seine Emailadresse joerg@freeshell.org, Anrufe/SMS an seine veröffentlichte Tel.-Nr. 0179 / 850 2936 sowie der Besuch seiner entarteten Homepage kickme.to/uni-augsburg sind zu unterlassen.


HEIL UNIVERSITÄT !


// Ein vom Bezeichneten in literarischem Unistil
verfaßter Text... ;-) / HaVe pHuN ! - Jörg.


[Anfügung: das Rechenzentrum ist den Studenten gegenüber immer fair aufgetreten, die Spitze im Text richtet sich gegen den EDV-Betreuer einer Fakultät]

Erfurt als Rechtfertigung?

steinhaeuser


[vorbestimmendes Zitat:]
Robert S. nahm bei seinem Selbstmord viele LehrerInnen mit in den Tod.


> 'Es wird nicht genug getan, um eine Wiederholung von Erfurt zu verhindern!' - sind solche Reden von Bildungspolitikern ehrlich? Ein Text gegen die rhetorische Kriminalisierung unserer Kollegen an den Gymmis. <


Gerade eben hallen in der Schulpolitik die Reden anläßlich des Jahrestags von Erfurt nach. Es müsse noch mehr getan werden, damit sich Erfurt nicht wiederholt. Ok, nur klangen einige Reden, als ob Erfurt überall sein könne. Wurde hier Erfurt anderenorts argumentativ benutzt ?

'Erfurt' ist zum Schlagwort geworden. In konservativen Medien sprach man von 'Schülergewalt', einer 'Bluttat', dem 'Massaker', einer 'völligen Wahnsinnstat'. Es ist menschlich, daß sich Fassungslosigkeit auch verbal ausdrückt; aber: Einiges klang irgendwie nicht so, zumal hier im fernen Bayern. Du hast den etwas mulmigen Eindruck, daß sich manche Bildungsbeamten und -politiker irgendwie wie Aasgeier auf das Thema warfen.

Schon waren sie wieder da: diejenigen Stimmen, die es ja schon immer wußten: daß man mehr auf Schüler aufpassen müsse, daß die Schulen stärker kontrolliert werden sollten, und daß jeder Schüler zunächst einmal ein Sicherheitsrisiko oder verdächtig sei. So kam es jedenfalls rüber.

Bis in die tiefste Provinz hinein nagten die Geier an dem Thema. Schulbehörden profilierten sich hier im fernen Bayern damit, in ihren unbestritten friedlichen Schuldistrikten hastig Maßnamen für Notfälle strategisch zu koordinieren - vielleicht gar angeblich 'in Zusammenarbeit' mit der lokalen Polizei....

Hier in Augsburg sah es so aus, daß das Schulamt zu Beginn dieses Schuljahres bekannt gab, nunmehr werde man bei 'Schwierigkeiten' mit volljährigen Gymnasiasten deren Eltern informieren. Strange, zumal in Augsburg wie in praktisch allen Städten kein Fall von Schülergewalt gegen Lehrer bekannt ist. Die Schulbehörde machte mit der 'präventiven' Maßnahme gute Presse. Verantwortungsvoll ist so ein Umgang mit dem Thema nicht.

Freunde, die an Fachoberschulen oder Berufsschulen sind, meinten, Erfurt sei 'verheerend' gewesen - für ihre Rechte als SchülerInnen. Manche mußten sich von Lehrern anhören, daß nun von der Schule fliege, wer 'aufmuckt', womit auch harmlose Kritik gemeint war. Keine Frage, konservative Gemüter suchten den Einzelfall verallgemeinernd auszuschlachten, um ihre Ziele durchzusetzen.

Die Dynamik des Opportunismus droht Strukturen negativ zu verändern: Das Topic 'Gewaltbereitschaft junger Leute' sichert im Ministerium Stellen. Wenn z.B. gegen angeblich verdächtige Schüler oder Studis ermittelt wird und sich die Akten der füllen, dann braucht man für diese vorgeblich wichtige Aufgabe Planstellen. Und einigen mag es auch das klassich deutsche Gefühl der Wichtigkeit und Autorität zu geben, auf andere aufzupassen.

'Erfurt' ist allerdings, und dafür muß man dankbar sein, in vielen Medien, von der Öffentlichkeit und von Seiten vieler liberaler Politiker sehr differenziert wahrgenommen worden. So kam die Frage auf, warum ein Schüler wegen eines simplen gefälschten Attests so von der Schule geworfen wurde, daß er sein Abi nicht mehr schreiben konnte. In einer Zeit, in der so ein Makel das existenzielle 'Aus' und ein Leben am Rand des Abgrunds bedeuten kann, bzw. dies von Lehrern dergestalt mitpropagiert.

Wie die Uni-Leitung Statistiken fälscht.

uniportraet09.jpg


> 'Sind Sie eigentlich gerne Studentin?' hieß es, harmlos abgeschlossen mit einem fetten Fragezeichen. Und darunter unscheinbar die mit studentischer Identität raffiniert verknüpfte Schlußfolgerung als vorweggenommenes Ergebnis: 'Zufriedenheit mit der Universität Augsburg'. - Moment mal, daß ich gerne StudentIn bin, heißt noch lange nicht, daß ich mit dieser Uni zufrieden bin! - doch ebendieses Ergebnis jener 'statistischen' Umfrage stand längst schon fest - und ist für die nächsten Jahre Grundlage für Entscheidungen, die Studis betreffen. <


Demokratie und Propaganda

Eine alte Despotenweisheit lautet: Wenn Liberale und Demokraten nach Wahlen schreien, dann gebe man sie ihnen halt einfach - wobei klar ist, daß man die Wahl so beeinflußt, wie man sie haben will. Daran, das Ergebnis von als 'frei' und 'offen' propagierten Wahlen anzuzweifeln, wird sich die Opposition die Zähne auszubeißen haben....

So auch im akademischen Bereich. Unsere Zeit fordert von den Hochschulen Transparenz, sowie Befragung und Mitsprache der Studierenden, das ist in. Offen zu sein für andere Meinungen und auch für Kritik. - 'Kein Problem, denn das sind wir doch alles schon!'

[Exkurs zu Tony Blair's als Fake enttarntem Geheimdienst-Papier 'Iraq's Weapons of Mass Destruction', das an dieser Stelle als Bildchen eingeblendet:]
Auch Studien erweisen sich oft als gezielte Falschinformation durch Strategen. Deren Masche ist recht gleichförmig: man wirft einfach schlacksig pseudoeinleuchtende, die Studie aber geschickt vorab festlegende Phrasen hin. Hier hält Tony Blair das Papier seines PR-Chefs unter die Nase der Photographen. Es heißt 'Iraq´s Weapons of mass destruction', als sei deren Existenz erwiesen, was ja bislang nicht einmal der Fall ist. Sprung an die Uni: Hier spricht man vorab von 'Zufriedenhe Universität Augsburg'.


Von Studis für Studis vs. Propaganda-Projekt

Worum geht es? Die Befragung, von der hier die Rede ist, lief im Frühjahr 2002, und sollte wohl für die nächsten paar Jahre glückliche Studierende präsentieren, die begeistert sind von der Betreuung an dieser Uni. Das Ganze hatte noch ein paar Nebenziele: a) im Wettbewerb mit den anderen bayerischen Unis um Haushaltsmittel beim Minister mit guten Eigennoten anzuduften, b) studentischen Kritikern an unseren hiesigen Verhältnissen (etwa Studierendenkicken, 'bürokratisches' Verhalten oder unfaire Noten) den Wind aus den Segeln zu nehmen, c) bestimmten Konzeptionen des Ministeriums Legitimität zu liefern [Verschulung der Unis] sowie d) ineffiziente Strukturen (vgl. Bibliothek) weiter finanziell zu erhalten. Geschickt tendenziös frisierte Umfragen helfen dabei.

Sowas zu widerlegen, ist nicht schwer. Aber: Zur Presse durchzudringen dagegen schon. Du hast keine Connections. Alle Statistiken und PR-Events wurden in den letzten Jahren noch dazu 'naiv' von studentischen Organen mitgetragen [AStA/Universum/Kanal C]. Hier in Augsburg sah das im vergangenen Jahr so aus: besagte Studie wurde voll mitpromotet von der offiziellen Studierendenvertretung. Plakate auch z.B. vorm AStA-Büro.

Auf den Teilen aber kein Name - wer stand eigentlich hinter diesem Unterfangen?
Es dürfte auf den Leiter der Pressestelle zurückgehn, dessen Aufgabe es dem Eindruck nach eher ist, Presse und Öffentlichkeit mit schöngezeichneten Darstellungen der Uni zu füttern, so zumindest der Eindruck. um hier fair zu sein: die mangelnde Definition vor dem Hintergrund der diesbezüglich belasteten deutschen Geschichte, was institutionelle PR darf und was nicht, ermöglicht freie Auslegungen und, da es viele Hochschule so machen, gewisse Zwänge?
Bis heute ziert das Mega-Plakat wie eine Trophäe für die erfolgreiche PR-Aktion seine Bürotüre, er hat dem Vernehmen nach auch das Layout besorgt.

Moderne PR-Sachen verbergen sich jedoch gern hinter unscheinbarer Fassade. Eine 'Forschungsgruppe Hochschulmarketing', irgendwo angesiedelt am Rand eines Lehrstuhls im Phil.-Bereich, ist genannt. Das sollte dem Ganzen wohl einen seriösen Anstrich verleihen, womit der normale Mensch ja gemeinhin 'Forschung' verbindet.

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[große Unterschrift von besagter Evaluations-Homepage:]
'Ihre Forschungsgruppe 'Hochschulmarketing''

Als Fassade für uns Studis wurde die Sache - noch was anderes - als Angelegenheit der Studiendekane promotet. Studiendekane sind für Koordinationen rund um´s Studium zuständig, und sollen studierendennäher sein. Was sie aber in aller Regel überhaupt nicht sind. Sie besorgen eine Vielzahl von Statistiken, z.B. in Zusammenarbeit mit der Bibliothek. Die ihrerseits in den letzten Jahren Statistiken etwa über die Besucherzahlen und Zufriedenheit der Leserschaft 'stylte'.

Für Teile der Texte spannte man studentische Mitarbeiter ein. Die privilegierten Hiwis der Studiendekane [sie verdienen 2x soviel SRC="lz.gif"eren Hiwis, das geht sicher nicht nach Leistung, vielleicht nach 'Verschwiegenheit'] brachten an vielen Stellen sowas wie lockeren Szene-Stil rein, der eigentlich nichts verloren hat in einer wissenschaftlichen Studie.

statistik_introduction.gifstatistik_clipboard10.gif


[Text der Introseite, in Originalschreibung inklusive Rechtschreibefehler:]

> Sind Sie gerne StudentIn? [fett/monumental]

[fett] Hand auf's Herz: diese Frage hat sich doch jeder von uns schon einmal gestellt. Aber kann man das wirklich immer so einfach sagen? Da wir es nicht konnten, würden wir gerne wissen, wie Ihr als StudentInnen der Universität Augsburg, das seht.

Die deutschen Universitäten sehen sich einer neuen Situation gegenüber: insgesamt sinkende Studierendenzahlen und gesteigerter Wettbewerb untereinander kennzeichnen diese Situation. Um in diesem Konkurrenzkampf bestehen zu können, bedarf es geeigneter Maßnahmen von Seiten der Universität Augsburg.

Viele der bereits durchgeführten Maßnahmen liegen eher im administrativen bzw. organisatorischen Bereich. Aber was helfen die besten Maßnahmen, wenn einer der wichtigsten Faktoren einer Universität, nämlich die StudentInnen, zu mindest nach Außen hin, unberücksichtigt bleiben? Seid nicht ihr es, die den Ruf einer Universität in entscheidendem Maße mitbestimmen und nach Außen tragen? Da liegt es doch nahe, daß ihr mit eurer Universität so zufrieden wie möglich sein solltet.

Ihr habt nun zum ersten Mal die Möglichkeit, Eure Meinung über die Universität zu äußern!

Es liegt also nun in der Aufgabe der StudentInnen ein faires und möglichst umfassendes Meinungsbild abzugeben.

[fett&zentriert]
Liebe StudentInnen, das ist DIE Chance auf die Ihr gewartet habt! Nutzt Sie!

...und los geht's
...bisherige Ergebnisse!
...ID vorhanden?'<

Soweit die Introseite im Internet, die über den auf den Plakaten angegebenen Link aufgerufen werden konnte.
Das klingt etwa so: 'No problem, wir bringen Ihnen, was Sie schon immer wollten! 'Hand aufs Herz' - wir fragen SIE, denn SIE sind ja die Spitze der Mitbestimmung!' Das nicht fett Gedruckte, was die meisten übersprungen haben dürften, kommt da schon ganz anders: es bedürfe geeigneter Maßnahmen seitens der Universität Augsburg im Konkurrenzkampf der Hochschulen. Bislang waren das aber nur Sachen im 'administrativen bzw. organisatorischen Bereich'. - Solche Übergänge sind typisch in der modernen Uni-Rhetorik: 'Das war schon gut. Aber jetzt kommt was völlig NEUES!' Die Studis sollen als 'Maßnahme' den Ruf der Uni aufpolieren helfen und positiv nach außen tragen. Liegt es da nicht nahe, daß Du gefälligst mit Deiner Uni zufrieden sein solltest? In dem Sinne sollst Du hier nun Deine Meinung äußern, und zum positiv-Einstimmen sagen wir Dir, daß wir Dir großzügig zum ersten Mal diese Möglichkeit geben. Das ist DEINE CHANCE! - ...und los geht´s! Hey, klingt das nicht peppig?!

Doch es waren noch viele weitere Kniffe nötig, um die trotzdem aus Gründen der Unzufriedenheit unberechenbaren Eingaben der KommilitonInnen so verwerten zu können, wie angestrebt. Ein Gewinnspiel etwa sollte schonmal etwas gewogener stimmen.

Ich will das meiste hier nur schlaglichtmäßig anhand von Pics umreißen - daran bereits läßt sich eine ganze Menge ablesen, ohne daß sich jemandhier eine seitenlange Abhandlung reinziehen muß.


Der Einfluß des mulmigen Gefühls

Das Wichtigste an einer wirklich neutralen Umfrage ist, den Befragten das Gefühl der Sicherheit zu geben, daß ihre Meinungsäußerung anonym und ohne Folgen bleibt.

Umgekehrt ist das Gegenteil das beste Mittel der Manipulation einer Befragung. Und genau dies strebte man hier offensichtlich an. Die Umfrage ging ziemlich in´s Detail, und ließ an einer kleinen Uni wie unserer ohne Weiteres einen direkten Rückschluß auf einzelne Studis zu.

Was Du äußertest, ließ also auf Dich schließen - Wohnort mit Postleitzahl, Fakultätszugehörigkeit, Studienfächer, Semesterzahl, gesamter bisheriger Berufsweg, Studienfinanzierung, berufliche Ziele, Neigungen, Verdienst, sozialer Lebenshintergrund. Mithin einfach alles, am Ende ein komplettes Persönlichkeitsprofil ergebend.

Jeder User hatte dabei eine feste ID, Deine IP ist eindeutig Deinen Formulardaten zugeordnet. - Von Datenschutz ist keine Rede, und kann auch keine Rede sein. Das präsentierte sich unverhohlen jedem teilnehmenden Surfer, denn die Verbindung war nicht verschlüsselt, die Daten gingen also als einsehbarer Text über´s Internet, und jedem Teilnehmer wurde eine seine Eingaben zuordnende 'ID' mitgeteilt, ohne einen Cookie-Check (Webdevs wissen, auf was ich damit hinauswill).


statistik_mouse3.gif

Pikante technische Details

Es gibt regelrecht putzige digitale Einzelheiten ....

[hier finden sich auf der Homepage reichhaltige sowie graphische Darstellungen der Hops und Stationen, wie sie das verwandte Tracerout-Programm auswarf. in der Textfassung aus Gründen der Kürze nur ein Listing]

statistik_traceroute2.gif


statistik_traceroute1.gif


statistik_2.gif


Traceroute-Auflistung: Der virtuelle Server, auf dem die Daten gespeichert und verarbeitet wurden, lag weit außerhalb der Uni irgendwo in Nordrhein-Westfalen. Weil´s so witzig ist [viele Hops ;-)], hier im Auszug das Protokoll:


McAfee Visual Trace  Version 3.25 Results
Target: www.studiendekane-augsburg.de
Date: 05.02.02 (Tuesday), 17:10:45
Nodes: 18


Node Data

Node Net Reg IP Address   Location   Node Name
   1   -   - 137.250.***.*** Augsburg   r1015w01
   2   1   - 137.250.124.250 Unknown  
   3   1   1 137.250.91.254  Unknown   csc72.net.uni-augsburg.de
   4   2   2 188.1.37.145   48.208N,  10.533E   ar-augsburg2.g-win.dfn.de
   5   2   2 188.1.74.193   48.208N,  10.533E   ar-augsburg1.g-win.dfn.de
   6   2   2 188.1.74.33   48.075N,  11.333E   cr-muenchen1.g-win.dfn.de
   7   2   2 188.1.18.81   Wiesbaden   cr-frankfurt1.g-win.dfn.de
   8   2   2 188.1.80.38   Wiesbaden   ir-frankfurt2.g-win.dfn.de
   9   3   - 194.31.232.165  Unknown  
  10   4   - 195.252.129.5   Unknown  
  11   5   3 195.252.196.3   Frankfurt am Main   f0-0.frart02.tli.de
  12   4   3 195.252.129.50  Unknown   s6-0-0.duert01.tli.de
  13   4   - 195.252.129.26  Unknown  
  14   6   4 212.46.96.73   Unknown   s1-1.cr2.cpa.dus.de.ncore.net
  15   6   4 212.46.96.81   Unknown   f0-1.cr1.cpa.dus.de.ncore.net
  16   6   4 212.46.96.26   Unknown   s1-0.cr2.kre.de.ncore.net
  17   6   4 212.46.97.60   Unknown   gw-tkc.kre.de.ncore.net
  18   7   5 213.9.120.19   Unknown   www.studiendekane-augsburg.de

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Im Rechenzentrum mutierte das Ganze zu etwas, das dubios und mithin Tuschel-Gesprächsstoff war. Mit dem Serverstandort wollten die Studiendekane offenbar den Befragten wirklich klarmachen, daß die Daten durch ganz Deutschland zockelten, wie es süffisant hieß. Und dann noch alles ohne sichere Verbindung, unverschlüsselt über´s Netz, an den virtuellen Server irgendeines privaten Hosts in Norddeutschland. Wer war eigentlich Kunde bei dem Unternehmen, und aus welchen Kassen flossen die Beträge? Damit, das Rechenzentrum zu überspringen und das Ganze uni-extern umzusetzen, mußte irgendein Zweck verbunden sein, und mancher mutmaßte, daß hier jemand die Daten evtl. zuhause erfassen wollte, um sie unter seiner Kontrolle und außerhalb der Überprüfbarkeit durch Dritte zu halten.

Massig Geld warfen diese Herren Studiendekane offensichtlich raus: Mit monatlichem Grundpreis, Datenbankanbindung und zusätzlichem Transfervolumen kam man auf einen Betrag in Richtung 2000 Euro - verdammt viel für ein paar Formulare auf billiger Homepage mit etwas CGI, wofür man normalerweise im semiprofessionellen Bereich (und der ist ja hier gegeben) im Jahr mit einem kleinen Bruchteil dabei ist. Für wirklich professionelle Anwendungen im kommerziellen Sektor gehen die Preise in Ordnung, aber nicht für eine technisch schlecht umgesetzte Dekan-Homepage.

statistik_sperrung.gif


Warum sperrt man die rechte Maustaste, die den Zugriff auf den Page-Quelltext zuließe? Zumal die gesamte Befragung im Popup-Fenster ohne Navigationsleiste stattfand, wo Du keine Möglichkeit hast, den Quelltext anders als über das Kontextmenü aufzurufen, sehr vertrauenserweckend....


Obrigkeitliche Beeindruckung

Wirklich auf jeder Einzelseite - das Uni-Logo. Auf sowas sollte bei einer Umfrage zugunsten der Neutralität eigentlich verzichtet werden. Wappen, Balken und Sperrschrift waren etwas zuviel des Hoheitsanspruchs und irgendwie abschreckend bis beeinflussend.


Methode: Reality Check

Es wäre ein Fehler, Studien wie diese anhand ihrer endgültigen Ergebnisse zu messen. - Wer sagt Dir, daß die Angaben ausschließlich von Studierenden stammen und nicht in eine erwünschte Richtung hochgerechnet wurden? Rein technisch ist das ohne Weiteres möglich, Du kannst z.B. CGI-Formulare von einem anderen Server aus mit gefaketen Eingaben füttern. Aber man sollte nicht gleich von sowas ausgehen, es funzt ja viel einfacher: Wer garantiert denn, daß die von uns Studierenden eingegebenen Daten überhaupt eine Rolle spielten oder korrekt ausgewertet wurden? Eine Überprüfungsmöglichkeit, ob Deine Angaben übernommen, und wenn, ob sie 1:1 übernommen wurden, gibt es ja nicht, zumal die Serverlogs auf einem privaten Server liegen. - Und:
Die Pressestelle hat die Hand auf die Sachen, sie steht hier sichtlich in einem Interessenskonflikt, schließlich ist man ja der eigenen Standortbestimmung bzw. den angeblichen Erfordernissen des Wettbewerbs nach eingestellt, um positiv über ihre Hochschule zu berichten und hierdurch mehr Haushaltsmittel zu generieren.

Was Dir an unabhängigem Vorgehen für Deine Einschätzung bleibt, ist, den offensichtlichsten Unstimmigkeiten nachzugehen. Da wäre zum Beispiel die Auswertung der Frage, wie Du Dein Studium finanzierst. Heikles Thema, denn Eigenfinanzierung steht ja für Selbständigkeit, und will das die Unileitung wirklich, wo sich mitunter viele Planstellen besser rechtfertigen lassen, wenn man den Anspruch einer umfassenden Vollzeit-Betreuung erhebt?

Gleiche das hier einfach mal ab - eine Auswertung über die Art der Studienfinanzierung, mit der über Deine gegenwärtige Erwerbstätigkeit. - Hier drehte jemand eindeutig an den Zahlen, sodaß 100% Elternfinanzierung und 0% andere Einnahmen rauskamen, was nicht geht, da etliche Leute Erwerbstätigkeiten angaben:

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[es wurden auf der Homepage zwei Balkendiagramme angeführt, die hier exakt wiedergegeben werden:
(1) mit dem Titel 'Ergebnis: Welcher Art ist Ihre gegenwärtige Erwerbstätigkeit?' zeigte eine ungleichmäßige Verteilung auf alle Balken, deren höchste (Richtung maximalem Ausschlag) in etwa gleichauf 'Studentische Hilfskraft', 'Aushilfstätigkeit (inkl. 630 DM-Job)' und 'WerkstudentIn' waren. Mittelstark: 'Fachbezogene Arbeit', 'Selbständigkeit' sowie 'Sonstiges (z.B. Zeitarbeitsvermittlung, etc.)'. unteres Drittel: 'Tätigkeit im erlernten Beruf' und schließlich 'Promotion'.
(2) 'Ergebnis: Wie finanzieren Sie Ihr Studium?' zeigt dagegen: 100% durch 'Eltern/Verwandte', während alle anderen Kategorien ('BAFöG', 'Erwerbstätigkeit', 'Stipendien', 'Ersparnisse/Vermögen' und 'Unterstützung des(r) (Ehe-)Partner(in)') einen Grundlinienwert ausweisen, der 0 als Sockelbasis visualisiert.]

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same story: nicht unbedingt wahrscheinlich, daß alle Teilnehmenden dazu Angaben machten


Die [an dieser Stelle auf der Homepage gebrachten] Abbildungen sind Screenies von einer Zwischenauswertung wenige Tage vor Ende der Erhebung. Der Screenie oben zeigt eine rege Verteilung der Ergebnisse auf verschiedene Nebenjob-Sparten. Wie paßt das nun zur zeitgleichen Auswertung, der zufolge 100% der Studis elternfinanziert sind? Noch dazu, wo ja auch unten Mehrfachangaben möglich waren, und ein so eindeutiges Ergebnis ziemlich unwahrscheinlich ist? -

Das Ergebnis jedenfalls verläuft im Sinne mancher Präferenzen des Ministeriums unter seinen derzeitigen Vorgaben, welche in die Richtung gehn, daß Studis entweder elternfinanziert - oder gar nicht studieren, was sich ja unter anderem auch in der Gestaltung der Stolpersteine des BAFöG (etwa keine Kontrolle, ob bzgl. der über weiteren Bezug entscheidende Prüfungen die Standards für einen geordneten Unterricht sowie Leistungsgerechtigkeit eingehalten werden. oder vgl. den Zugang zur Förderung auch für Studenten, deren Eltern nicht wünschen, daß sie an eine Hochschule gehn, und keine Angaben machen, wo das soziale Netz bewußte Lücken aufweist).

Die Auslegung der Statistiken durch die Studiendekane kann Dir gleichgültig sein. Du kennst sie nicht, sie wurde nicht offen publiziert. Im Detail ist es mehr oder weniger ein internes Papier, und sieht inhaltlich sicher so wie von der Uni-Leitung erhofft aus.

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[Beschreibung des Diagramms 'Ergebnis: Wie zufrieden sind Sie mit der Universität insgesamt?', auf das sich der nachfolgende Absatz bezieht: maximale Balkenhöhe bei 'zufrieden', gefolgt von (1/3 verglichen damit) 'teils/teils' und 'sehr zufrieden' (ca. 1/6). Die beiden negativen Balken sind nicht nennenswert, ebenso 'keine Angabe']

Stand dieses Ergebnis schon von Vornherein fest?
Schließlich entspricht eine derartige Verteilung sicher den Wunschvorstellungen von 'public relations', zumal sie sich dem Umfragetitel entsprechend gestaltet.


Nachträgliche Relativierung von Angaben

Studis wie ich haben sich vor einigen Semestern etwas mit dem Hochschuldidaktischen Zentrum [HDZ] unserer Uni beharkt wegen der Auswertungsmechanismen bei Evaluationen. Ein Mitarbeiter des HDZ sagte bei Vorstellung einer Lehrstuhl-Evaluation, die Einzelangaben zu verschiedenen Fragen würden intelligent abgeglichen: Es gelte nicht unbedingt das, was Befragte etwa bei Evaluationen angäben (das könne viel sein, und sei ja stimmungs-abhängig[?]), sondern das, was die/der jeweilige StudentIn eigentlich habe ausdrücken wollen. Man müsse durch Abgleich der Einzelantworten/des Studi-Charakters also die Äußerung der/des Studierenden erst selber herausfinden und ggf. unpassende Angaben relativieren.

Da ist natürlich viel Spielraum für Interpretationen - und Geschmacksfragen. Der Rektor z.B. bezeichnet Evaluationen, bei denen Studierende danach befragt werden, wie sie sich an ihrer Uni oder in ihrem Fachbereich behandelt fühlten, als Erhebungen nach 'Good will'-Motto, die keine Aussagekraft hätten. Das seien 'Soft-Facts', abhängig von der guten oder schlechten Laune von Studenten. Verläßlichere und viel stärker zu gewichtende Hard-Facts sind für ihn etwa Einstiegsgehälter derjenigen, die ihr Studium innerhalb sehr kurzer Zeit und mit einem guten Schnitt absolvierten. Daß diese Kalkulation schief ist, dürfte keine Frage sein, denn sie wertet die Chancen eines privilegierten Teils (vgl. etwa Empfehlungsschreiben) der Studierenden aus, wie wenn er als Maßstab für die gesamte Studierenden-/Absolventenschaft herhalten könne, die nicht bevorteilt sind.

Die Angaben, die Du bei Evaluationen oder Umfragen machst, sind also letztlich zu einem guten Teil Auslegungssache. Um diese Methode wenigstens frage-technisch halbwegs legitim aussehen lassen zu können, sind die Fragen der Evaluationsbögen aber viel zu unpräzise, daneben zu lückenhaft und oft tendenziös. Ich möchte aus der hier zugrundeliegenden Erhebung über die 'Zufriedenheit mit der Uni Augsburg' ein paar dieser Teile herauspicken, wo Du einfach siehst, wie mit scheinbar unverfänglichen Fragestellungen Antworten vorweggenommen oder provoziert wurden.

(Jetzt kommt jetzt eine längere Passage. Du kannst sie überspringen)


Zielführende Fragestellungen......

Zu beanstanden sind folgende Punkte: daß a) bestimmte Fragen in fremdem Kontext eingebettet, sowie b) die wichtigsten Kritikpunkte Augsburger Studis an ihrer Uni nicht abgedeckt sind, sodaß sie nicht geäußert werden können, und c) eine vorab gefärbte Fragestellung (sogenannte 'Hochwertwörter', das sind vorab sehr positiv wertende Bezeichnungen, etc.) einzustimmen sucht. Solche Tricks sind nützlich, Umfrageergebnisse zu verfälschen. -

Die thematische Verschwommenheit der Fragen - uni-extern/intern und themen-(/nicht-)zugehörig ist eigentlich statistisch nicht zulässig. Das kann Schlamperei sein, aber gleichzeitig auch Kalkül.

Nach der Abfrage allgemeiner Angaben wird auf Seite 2 unter der Rubrik 'Zum Studium' neben Immatrikulations-Daten ganz unscheinbar die Frage eingeschoben: 'Sind Sie gerne StudentIn?'. Mit Abstufungen von 'gern' darfst Du antworten.

Der Haken dabei ist, daß Deine Identifizierung mit dem Studentenstand (um´s mal so zu nennen) sogleich in Hinsicht auf eine positive Sicht der Bedingungen des Studiums und Deines Fachbereichs umgelegt wird. Nach der Frage, ob Du gerne StudentIn bist, müßte eigentlich diejenige folgen, welche Aspekte dabei eine Rolle spielen (wozu bei den meisten von uns die Zugehörigkeit zum intellektuellen Untergrund/zu Clubscene/Generation u.v.m. gehört). Dir wird kein Raum gegeben, zu differenzieren. Damit fiel die naheliegendste Fragestellung einer solchen Studie unter den Tisch, die vereinfacht ausgedrückt lauten würde: 'was ist denn gut, und was schlecht?').

So aber geht es auf der nächsten Page seicht weiter mit der Frage, warum Du Dein Studienfach gewählt hast. Im Wesentlichen dröselt sich dieser unscharf formulierte Block auf in folgende Aspekte: (Allgemein-)Bildung zu erlangen [=zwischen den Zeilen: noch gar nicht zu haben] / Persönlichkeitsbildung [d.h. noch keine Persönlichkeit seiend/eine solche erst entwickeln müssend] sowie Beeinflussung durch Dritte/Vorbilder [=Erziehung/nicht anhand einer sachlichen Prüfung des Angebots oder Profils verschiedener Bildungseinrichtungen entscheiden könnend], und Karrierevorteile. - Das nun aber sind exakt die selbsterklärten Sinnstiftungsschienen neokonservativen Wissenschaftsbetriebs. Dich selber eigenbestimmt weiterzubilden - eine solche Mündigkeit wird Dir hier nicht zugestanden.

Natürlich beginnt der Antwortblock auf die Frage, warum Du nach Augsburg gekommen bist, mit dem Vorschlag: 'wegen des guten Rufs der Universität'! Die verbale Selbstbeweihräucherung setzt sich fort: 'Vielfältigkeit des Lehrangebots', 'guter Ruf der Fakultät', '.... der Forschung', oder '.... Deines Professors' - und freilich, um das Ganze positiv abzuschließen: wegen des ''Campus'-Charakters der Universität'.

Die Topics sind also wertend vorformuliert. Kannst Du nicht eigentlich doch auch aus fachlichen Gründen an eine Uni wechseln, oder wegen der persönlichen Forschungsausrichtung von DozentInnen, die Deiner eigenen Ausrichtung entspricht, oder aus praktischen Gründen (Nähe zur Familie)? Doch das, was wiederum an erster Stelle naheliegt, zumal mit einem Studienortwechsel existenzielle Risiken und hohe Kosten verbunden sind, ist nicht als Möglichkeit vorgesehen.

Nun folgt der hochtrabende Titel 'Zufriedenheitsanalyse der Universität'. Freud´scher Versprecher: Es geht hier nicht um die Angaben der Studierenden, sondern um Ihre Analyse durch die Universität.
 
An just dieser Stelle findest Du die Frage, ob Du gerne StudentIn bist, nun eben nicht. Hätte man sie hier plaziert, wäre man nicht um eine Differenzierung des 'Gerne StudentIn-Seins' herumgekommen. Diese Frage aber wurde an unverfänglicherer Stelle auf der zweiten Seite vorgeschaltet (sh. oben).

Der folgende Frageblock beginnt mit der rhetorischen Abfrage: 'Wie zufrieden sind Sie mit der Betreuung der Studierenden, durch ....?', und gibt mehrere Auswahlmöglichkeiten vor. Dabei ist durch den Fragebeginn 'wie zufrieden' (impliziert: Du bist also zufrieden) Deiner Antwort wieder mal ihre Bedeutung vorweggenommen.

Über die nichtwissenschaftlichen Uni-Mitarbeiter darfst Du hier nicht urteilen [nicht aufgeführt]. ESG [Evangelische Studentengemeinde] und KHG [Katholische Hochschulgemeinde] sind kirchliche Sachen, und können mithin über Deine Satisfaktion mit der Betreuung an der Uni nichts aussagen, zumal eine Untergliederung fehlt, ob man sie nutze oder konfessionsgebunden sei (vgl. Glaubensfreie, aber die sind wohl nicht vorgesehn?). Sie hier zu nennen, ist ein Trick, die Antworten auf die anderen Fragen etwas mit zu heben: 'hey, hier ist aber viel geboten!'

Für diejenigen, die genannte Einrichtungen nicht nutzen wollen, gibt es nur das abwertende Feld: 'noch nicht genutzt'. Was indirekt heißt: Sie können das ja nicht beurteilen, weil sie sich dort nicht haben betreuen lassen; anderenfalls wären sie zufriedener.

Leute, die z.B. die Psycho-Beratung des B!ST [Kürzel für die psychologische Beratung des Studentenwerks], oder die schnucklige Seelsorge nicht erwünschen, können in Abgleich ihrer anderen Aussagen als weniger dialogbereit und kommunikativ ausgelegt werden, was ihre sicher kritischen und differenzierten Antworten als Ganzes relativieren kann.

Es geht danach weiter mit der Frage, wie Du bestimmte Rahmenbedingungen der Lehre 'findest'. - Stilfrage: achtet jemand Deine Meinung, fragt er so: 'Wie zufriedenstellend ist' - das nur am Rande.

Auch hier spielen positive Phrasen eine Rolle: 'Vielfältigkeit des Fächerangebots an ihrer Fakultät'. Auch das nimmt die Antwort schon vorweg, denn Vielfalt schließt Einfalt aus. Umgekehrter Fall: Kalt ist die Frage nach dem 'Zustand des Mobiliars' formuliert - man möchte hier sicher negative Antworten, um über die Statistik mehr Kohle vom Minister zu kriegen. ;-)

Die 'Multimedia'-Ausstattung sollte in einer Statistik von der Nutzbarkeit getrennt abgefragt werden. Keine Frage, unsere Uni hat alles, aber für Studierende gibt es kein Multimedia: die Soundkarten sind z.B. treiber-mäßig nicht installiert, und Beamer etwa sind für Repräsentationszwecke vorgesehen, nicht für Studierende. - Die Frage kommt, gemessen an der Realität, als Vortäuschung falscher Tatsachen rüber.

Die nächste Page [5.] beschäftigt sich mit der Bibliothek. Daran ist nichts auszusetzen, bis auf, daß sich keine Frage mit anderen Teilen der Verwaltung beschäftigt [Sekretariate z.B.], sowie, daß die hiesigen Hauptkritikpunkte Studierender an der Bibliothek (abweisende Behandlung, 'Bürokratie', Unordnung) nirgendwo zum Ausdruck gebracht werden können.....

Man möchte natürlich eine Chipkarte für die Uni, und entsprechend gelackt ['multifunktionale Chipkarte'] ist die entsprechende Frage formuliert, im weiteren Kontext sogar gelb hervorgehoben. Keine Frage, man will Mittel für die Karte vom Ministerium, und erhofft sich entsprechend positive Antworten.

Was beim Thema Aufenthaltsbereiche ganz ausgespart wurde, ist wiederum der wichtigste studentische Kritikpunkt an der Uni: Es fehlen einfach Aufenthaltsräume für Studierende.

Auf Page 7 der Umfrage findest Du zunächst einen Abschnitt, der die Satisfaktion mit einzelnen Einrichtungen auflistet. Es fehlen wiederum Verwaltungseinrichtungen, Uni-Leitung sowie Personalrat [vgl. studentische Hilfskräfte]. Mithin sind hier wieder vielkritisierte Aspekte der Uni ausgespart.

Beim Thema 'Weiterbildung und Qualifizierung über das Fachstudium hinaus' (Zusatzqualifikationen) hast Du nur die Möglichkeit, anzugeben, ob Du sie genutzt hast, oder nicht - und keinesfalls, ob Du damit glücklich warst. Wieder eine merkwürdige Aussparung, denn hier geht es doch angeblich um die Frage Deines Eindrucks. Daß viele Zusatzquali-Kurse z.B. im Bereich der Phil-Fakultäten Schrott sind, ist altbekannt und ein Punkt, wo negative Umfragewerte garantiert wären....

Seite 8 setzt wieder heißen PR-Wind frei: 'Inwiefern kann, Ihrer Meinung nach, die Universität durch die folgenden Freizeitangebote ihr Image gegenüber Studierenden verbessern und eine stärkere Identifizierung mit der Universität erreichen?' An diesem Punkt scheinen die Fragensteller akut notgeil, und übersehen dabei, wie tief sie blicken lassen:

Die Universitätsbehörde sucht also ihr schlechtes Image bei uns Studis durch Freizeitangebote aufzupolieren. Damit soll uns eine 'stärkere Identifizierung mit der Universität' eingeprägt werden. Und Du wirst nun befragt, wie diese Beeinflussung der Studierenden am besten optimiert werden kann.... ;-)

Uni-Kino, Bands, Sportmannschaften, Orchester/Chor, 'Studentencafé (von Studenten für Studenten)', Parties, Vorträge - all das könnte ja ziehen, Du mögest also einschätzen, was die Uni am meisten davon pushen kann, um Deine KommilitonInnen zur stärkeren Identifikation mit der Uni zu bringen. Und by the way ist es schon sehr gemütlich, als Hochschulbehörde private Initiativen vor den Karren der Uni-Imagekampagne zu spannen.... - vgl. 'Student Service Center' [Anspielung auf die Absicht, in dieses alle Initiativen in Richtung eines 'Service-Komplettpakets' einzuspeisen].

Die nachfolgenden heiklen Punkte zur Gesamtzufriedenheit mit der Uni sind strategisch geschickt zwischen witzigen Fragen (in der Art: was ist so die auffällige Marotte eines Phil-/Wiso-Studis?), und einem netten 'Gefällt Ihnen Ihr Leben als StudentIn?' gelagert. Das ist wieder ein kleiner Trick, Punkte, die negativ bewertet werden könnten, etwas zu heben.

Auch bei diesen unscheinbar eingeschobenen wichtigsten Fragen der Erhebung: 'Wie zufrieden sind Sie mit der Universität insgesamt?/mit der Studiensituation?' kannst Du nur einen Grad wählen, Du bist also irgendwie doch in irgendeiner Weise glücklich, egal was Du angibst. -

Wenn Du für jeden Scheiß wie eine Chipkarte weitere Angaben machen kannst, nur hier nicht, dann dürfte klar sein, daß es nicht darum ging, wirklich Deine Beurteilung zu hören. Du sollst eine Gesamtwertung abgeben, aber keine Einzelheiten oder Mängel nennen können. Eine Gesamtsicht auf die Uni ist immer positiver (der hübsche Uniweiher relativiert Vieles), als differenzierte Bewertungen es sein könnten, das ist der Trick dabei.

Was Uni für Dich ist [Verwaltungsapparat, Uni als Wissenschaftsstätte -oder- studentischer Treffpunkt etc.], das bleibt völlig undifferenziert.

Unter der Rubrik 'Zufriedenheitsanalyse der Stadt Augsburg' (Wumm!) wird die Frage gestellt: 'Präsentiert sich Augsburg in ihren Augen als Universitätsstadt?' - So eine Frage muß eigentlich mit 'ja/teilweise/nein' beantwortet werden können. Die Antwortvorgaben folgen aber dem Wunsch der Unibehörde, daß sich Augsburg in erster Linie als Uni-Stadt definieren möge - deswegen will man hier eine Antwort im Fußball-Tenor 'stark' oder 'schwach'. Was einmal mehr absichtsvoll ist, denn die/der Befragte kann ja z.B. viel davon halten, die Dinge zu trennen - doch das ist hier gar nicht vorgesehen.

Dies visualisiert auch, daß von der Universität Druck auf städtische Stellen ausgeht, der Hochschule Einfluß auf die Stadtpolitik zu geben, wohingegen die Verfassung wie auch der Wunsch der meisten Augsburger hier eine saubere Trennung vorsieht. Sollte sich Augsburg wirklich in erster Linie als Uni-Stadt definieren? Nicht wenige finden, in einer Stadt sei vielleicht auch noch so etwas wie Wirtschaft und Kultur wichtig, und Uni sollte sich nicht aufzwängen und zu wichtig nehmen. Daneben birgt der schlechte Ruf verschiedener Fakultäten dieser Hochschule in der deutschen Hochschullandschaft Imagerisiken für die Stadt.

Für das Weitere auf der Seite gilt: Was Augsburg zu bieten hat, hat mit der Frage, wie Du Deine Uni findest, absolut nichts zu tun. Es ist unschön, wenn das 'Angebot an Diskotheken, Clubs, Kneipen und Cafés' bei einer Umfrage die Evaluation der Uni verwässert.

Das gilt auch für die Lebensziele, der nächste Umfragepunkt. Das Fiese daran ist: an sich sind es nette Fragen - aber Dir nicht gesagt wird, daß deren Beantwortung sicher auch mit der Absicht ausgewertet werden wird, Dich näher kennenzulernen, um Dein Urteil über die Hochschule als subjektiv werten und damit relativieren zu können. Die meisten Studenten sind in der Lage, objektiv zu bewerten, unabhängig unserer Lebensführung/Geschmacksrichtung. Außerdem führen insbesondere solch detaillierte Fragen im Sinne eines Persönlichkeitsprofils zu verständlicher Sorge der Teilnehmenden bzgl. des Datenschutzes/ihrer dadurch infragegestellten Anonymität, und dies schlägt gegen negative Formulareingaben aus bzw. bewegt mitunter kritische Studenten zum Abbruch ihrer Session. Ob damit auch ihre bisherigen Angaben verfallen, ist nicht aus den Webformularen und erklärenden Pages ersichtlich. Eine seriöse Studie gäbe an, was mit Datensätzen geschehe, wenn jemand die Bearbeitung nicht fertigstellen sollte.

Daß hier das Überstülpen soziologischer Ansätze eine Rolle spielt, wird mit der nachfolgenden, zackig 'Soziodemographie'-betitelten Page deutlich. Natürlich ist der soziale Lebenshintergrund von Studis wichtig. Doch ist es eben nur pseudo-mäßig 'nett', nach unverfänglichen Sachen zu fragen.

'Sind Sie als nebenberuflich erwerbstätige Studentin zufrieden mit den Öffnungszeiten der Sekretariate?'
'Herrscht ausreichende Notengerechtigkeit?'
'Sind die [strengen] Anwesenheitspflichten in Hilfsseminaren für Sie familiär/job-mäßig machbar?'
'Haben Sie den Eindruck, daß Sie als sozial schwächere Studentin an unserer Hochschule die gleichen Chancen haben wie Studierende aus reichem Elternhaus?' -

solche Fragen suchst Du vergeblich. Das Studium soll für ein paar Jahre Dein Lebensmittelpunkt sein - aber wird es dabei um Deine Interessen gehen, und was bringt es, befragt zu werden, wenn alle heiklen Punkte gewissenhaft ausgespart sind, und Du nicht einmal die Qualität der Lehrveranstaltungen bewerten darfst, nach 13 Jahren Schule und als über 20-Jährige(r)?

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[an diesem Punkt des Texts folgen zwei Diagramme zum intendierten Abgleich: 'Präsentiert sich Augsburg in Ihren Augen als Universitätsstadt, mit vorgeblicher Ergebnis-Tendenz Richtung 'schwach'. Darunter, wie die Studis Augsburg insgesamt finden (Schwerpunkt: recht gut). Das legt den Schluß nahe, daß 'mehr drin ist': in welcher Weise, darauf bezieht sich der folgende Abschnitt]

Eine engere 'Vernetzung von Uni-PR und städtischer Öffentlichkeitsarbeit' wird von der Uni seit Jahren angestrebt. Hier ist es gelungen, Fragestellungen so geschickt zu positionieren und auszuwerten, daß das Ergebnis der Statistik 1:1 in diese Richtung weist. Hingegen wünscht nur eine Minderheit von Studierenden überhaupt eine Verbindung von Uni- und Stadt-PR. Niemand wird geahnt haben, daß ihre/seine Antworten als Rechtfertigung für mehr PR dienen würden.


Uni-Evaluationen im Allgemeinen. Strategien

Grundsätzlich gilt, daß 'Evaluation' oft faktisch gleichbedeutend ist mit 'public relations Veranstaltung'. Das beginnt bei der Fragestellung, die meist vom HDZ [Hochschuldidaktischem Zentrum] mit einzelnen Fachbereichen abgesprochen wird. Und Studis etwas bitter aufstößt, weil bei genauer Hinsicht alles so rüberkommt, als ob an der Uni faule studentische Säcke entgegen ihres Unwillens zum Lernen angeleitet werden müssen.

Es gibt daneben Teile, die mit einer (nur scheinbar) entgegengesetzten oder kombinierten Strategie arbeiten: das Ganze als Geschenk zu verpacken, wie es bei der obigen Studie der Fall war. Gewinnspiel, die erste Chance, Deine Meinung zu sagen, Dich ernstnehmend.

Ein weiterer, vielgebrauchter Trick ist, einzelne Studenten einzuspannen. Dazu nimmt man gerne Mitglieder der Fachschaften, denn dort finden sich nicht wenige Studis, denen es in erster Linie auf gutes Einvernehmen mit ihren Dozenten ankommt. Die Fachschaften beanspruchen, auf der Seite der KommilitonInnen zu stehen, was in der Uni-Realität zu oft nicht der Fall ist, aber eine gute Fassade für die Integrität einer Studierendenbefragung abgibt. - Das Schlagwort 'Von Studierende für Studierende' steht mittlerweile als Umschreibung für das faktische Instrumentalisieren einzelner vorteilsorientierter Studis als Mittler [vgl. das Problem der Empfehlungsschreiben, das hier mit reinspielt].

'Studierende machen das selber' - 'lassen ihrer Kreativität freien Lauf' - 'Selbstverwaltung' - 'neue hochschulpolitische Talente fördern durch Mitbestimmung' - all das sind vollmundige Schlagworte mit oft unschönen Nebenwirkungen, denn die Strukturen studentischer Selbstverwaltung versiffen.

Was passiert, wenn eine Gruppe Studenten tatsächlich einmal kritisch und mit neutralen Fragestellungen evaluiert, mußte die Fachschaft Germanistik vor wenigen Jahren erleben. Die Umfrage ergab, daß die meisten Dozenten des Fachbereichs zu ihren Lehrveranstaltungen unvorbereitet erschienen, und daß das Niveau des Unterrichts.... Die Studie wurde zensiert (eine Verleumdungsklage angedroht).

Ein anderer Fall war eine interne statistische Erhebung in der Bibliothek zu einer Streitfrage im Jahr 2000. Die Mitarbeiter mußten ihre Angaben mit handschriftlicher Unterschrift abgeben. Obwohl einige Mitarbeiter auf den Fragebögen dennoch Kritik übten, wurde dem Ministerium ein Umfrageergebnis von 100% Konformität der Mitarbeiter mit den Konzeptionen der damals neuen Bibliotheksleitung übermittelt. Andere Meinungen seien nicht geäußert worden.

Auch die Studie 'Sind Sie eigentlich gerne StudentIn?' ist ein klar manipuliertes Teil. Bestimmte Leutchen suchen für sich und ihre Uni-Konzeptionen gute Presse zu machen. Momentan gelingt es hervorragend, einfach, weil der Widerstand auf studentischer Seite z.B. einfach völlig am Boden ist. Unsere Vertretungen und Medien sind über Karrierevorteile korrumpiert, loyale Leute kommen kaum mehr rein. Es ist wichtig, das in den nächsten Jahren zu verändern. Ein Teil dieser Arbeit muß die Zerstörung studierendenfeindlicher PR-Umfragen sein, was nebenbei bemerkt auch mit ziemlich viel Spaß verbunden ist. :)




Die Wahrheit über Kanal C


> Radio kann auch unschön sein. Dessen Djs erhalten viele Benefits von der Musikindustrie, und was läuft, das entscheidet sich oft nicht nach redaktionellen Kriterien. Es geht um viel Geld und Macht. - Demgegenüber ist es wichtig, die Interessen der ZuhörerInnen wieder stärker zur Geltung zu bringen. <


> Du sollst Kanal C als DAS Campusradio wöchentlich hören - als begeisterte(r) StammhörerIn. Du sollst Fan sein und Deine Radio-DJs bewundern. Und wenn Dich jemand fragt, was denn hier in Augsburg angesagt sei, dann soll Deine Antwort ganz klar lauten: Kanal C natürlich! <


Unsere Sternchen von Kanal C tingelten in der Vergangenheit gern als selbstgenannte 'Kanal-C-ALLSTARS' durch Augsburger Clubs und ließen sich feiern. Die KANAL C DJs!

Wenn Deine Antwort auf diese Selbstherrlichkeiten jenes Häufleins von Möchtegern-Radiomoderatoren und -DJs, aus dem Kanal C besteht, ein genervtes 'Go Fuck Yourself!' ist, dann wird Dir dieser Text hier guttun.


> Der Zicken-Konkurrenzkampf <

Bei jedem Festival sind sie dabei: aufgedrehte Tussen, die als studentische Kanal C-Moderatorinnen über den Campus ziehen, um Bands zu interviewen, auf daß deren Glanz auf sie abstrahlen möge. Wohl eine Art Stich in Richtung der anderen Mädels - Moderatorin beim Radio zu sein ist für manche Zicken vielleicht so etwas wie der ultimative Kick, in der Mädels-Rangfolge aufzusteigen, und sich selbst als in der Szene mega-angesagt zu empfinden.

Das gilt nicht weniger für die männlichen Zicken. Da ist nach Konzert-Events intern wichtigtuerisch die Rede davon, es müsse koordiniert werden, wie der 'Drive' der Festivals zugunsten des eigenen Kanals 'mitgenommen' werden könne. - Kulturmanager/Networking, der alles strategisch koordiniert. 'Wow!'


> Kanal C intern <

Der Prof als Experte, um ihn herum die belehrungsbereite Jungschar. - Nach jeder Kanal C-Radiositzung folgt am Dienstag abend eine Nachbesprechung, bei der ein gewisser Student Schulmeisterchen spielt und 1 1/2 Stunden lang mit popeligen Fragen seinem 'dummen' Team auf die Sprünge hilft. Das Niveau ist niedrig, vielleicht, um auch noch die allerschlechtesten Greenhorns mitzuziehen, denn das sichert die eigene Machtstellung.

Viele, die bislang bei Kanal C reingeschnuppert haben, kamen sich dabei völlig verarscht vor; doch genau das stellt sicher, daß nur Leute dort mitmachen, die auch wirklich gewillt sind, sich voll und ganz anzupassen.


> Das Erfolgsrezept von Kanal C.? <

In den letzten Jahren hat es viele spannende Stories an der Uni gegeben, die den Hörerchen vorenthalten wurden. Da waren Dozenten, die sich auf das Herzhafteste vor Gericht förmlich bekriegten. Es gab arbeitsrechtliche Kämpfe zwischen Behördenleitung und Arbeitnehmern, und beispielsweise nicht nur von studentischer Seite, sondern auch von manchem Dozenten Streitschriften. Der Stuhl des Rektors wankte ein paarmal, und es gab diverse Prozesse gegen Studis. KommilitonInnen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Zweigs hackten das EDV-Netzwerk ihrer Fakultät, mancher wurde deswegen verurteilt. -- Vieles geboten, was zum akademischen Leben auf einem Campus eigentlich gehört.

Doch all dies wurde von Kanal C irgendwie - zensiert, um´s beim Namen zu nennen. Hatten Gruppen von Studis Ärger an der Uni, so war das Campusradio doch niemals gewillt, darüber zu berichten. Was die Hörer vorgesetzt bekamen, war eine irgendwie sorgfältig gewichtete Auswahl an Themen. - Quantitative Methode: überflute Deine Sendung mit artigen Kulturnachrichten aus der Region, und lasse alles Kritische weg....

'Das Radio für Schlaue' - so definiert man sich bei Kanal C gerne im letztlich doch neoliberalen Jargon. Um Lokalsender weichzuklopfen, einem Sendestunden zu schenken, spricht man freilich lieber von 'Studenten-/Campusradio', das ja in keiner Stadt, die was auf sich halte, fehlen dürfe. Doch ist Kanal C faktisch eben eher ein völlig neoliberal geprägtes 'Aus- und Weiterbildungsradio', das gleichzeitig beansprucht, DAS führende Augsburger Szeneprogramm zu sein, und aus Szene und Stadt die coolsten Events auszulutschen. Wenn´s drauf ankommt, will man auch Untergrund sein. Und natürlich DER 'Channel' für alternative Musik.

Zu was das führt? Im regelmäßigen Abstand artige Spießer-Berichtchen über das Stadttheater, welche dessen Ruf mehr schaden als nutzen, denn sowas gilt als provinziell, davon will Augsburg bekanntlich weg.

Und 'scharf' sind auch die Beträge der Mädels, trotz deren 'impliziten Anspruch darauf', auch nicht mal - man ist bei Kanal C der Meinung, Mädels dürften nicht 'zu sehr in eine gewisse Richtung' zugeordnet werden können.*


> Kanal C und Fantasy <

Entgegen der Kanal C-Selbstdarstellung ist das Verhältnis zu Radio Fantasy niemals gut gewesen. Es ist eher das des Fußes zur Tür, in deren Spalt er steckt, und freiwillig nicht wieder herausgeht.

Beim Host Fantasy schlägt man seit Jahren oft die Hände über dem Kopf zusammen über die zig grottenschlechten Beiträge, die da allwöchentlich über den eigenen Äther gehen, sowie mitunter die Hörerzahlen des Gesamtprogramms senken. Dabei ist Kanal C Monopolist, denn es gibt in Augsburg im Gegensatz etwa zu US-Collegestädten keine studentische Konkurrenz.

Es drangen in den letzten Jahren einige Geschichten von zur Weisglut gebrachten Fantasy-Leuten in die Szene, wenn mal wieder (wie so oft) Aufnahmetermine von Kanal C nicht eingehalten wurden, und das Fantasy-Studio unter Zeitdruck geriet.

Daneben ist Kanal C wegen der redaktionellen Einseitigkeit ein rundfunklizenzrechtliches Problem - und ein hochschulpolitisches: Daß Kanal C die gegenwärtige Machtkonstellation innerhalb der Studierendenvertretung zugunsten der FSL [Fachschaftsliste, rektoratsgestützte Gruppierung, die die Studierendenvertretung beherrscht] letztlich pusht, zieht Fantasy de facto in interne studentische Angelegenheiten rein. Letztlich sind solche Händel verständlicherweise aber nicht im Sinne eines Hosts, der eigentlich nur generös ein wenig lebendige studentische Radiokultur ermöglichen wollte. Wie problematisch die tendenziöse redaktionelle Arbeit von Kanal C ist, zeigt sich auch in Hinsicht des Konkurrenzkampfs Radio Fantasy´s mit RT1:

Daß Kanal C z.B. 2002 [und 2003?**] La Piazza als Kulturevent berichterstattungsmäßig unter den Tisch fallen ließ, lag an der internen Einschätzung, daß man den Sendechef von Fantasy besser nicht durch's Berichten über La Piassa provozieren solle, der ohnehin wegen verschiedener Sachen bzgl. Kanal C gereizt und 'mal wieder chaotisch' drauf sei, wie es damals hieß. Hintergrund: La Piazza wird vom Konkurrenzsender RT1 gesponsert. - Doch hatte der Fantasy-Chef der Kanal C-Redaktion keinerlei entsprechende Auflagen erteilt, und sich damit korrekt verhalten. Es sind Studis, die aus Übereifer zensieren.

Die einseitig positive Beleuchtung der Uni durch Kanal C geht zu Lasten der akdemischen Kultur und der Masse von uns Studis. Weil Kanal C über nichts berichtet, bringen es auch die anderen Medien nicht. Ein Riesenproblem, denn letztlich ist damit die Sendelizenz durch Fantasy eine Beeinträchtigung der Struktur der Studierendenvertretung. So wird Kanal C z.B. zuweilen recht gerne von FSL-Vertretern zu deren Parties kurz vor Studierendenvertretungswahlen eingeladen.

Kurzum: alles nicht im Sinne von Fantasy, und keinesfalls zulässig. Man muß dem Host zugute halten, daß er Kanal C Mitte 2001 die Sendezeit streichen wollte. Hätte Fantasy damals eine Wahl gehabt, so hätte der Sender einem studentischen Konkurrenzprogramm eine Chance gegeben.

Daß es Kanal C trotz des damaligen Rausschmisses durch Fantasy noch gibt, dürfte nur daran liegen, daß das 'Universum' (die Zeitung des FSL-dominierten AStA) damals massiv Stimmung machte. Es titelte mit der Schlagzeile 'Kanal C - Das Campusradio', dickem Fragezeichen und dem Untertitel 'Sendepause bei Kanal C?'.

Ein schleimtriefender Mega-Artikel stellte das 'Campusradio' in den schillerndsten Farben dar, und sprach angesichts der Kündigung der Sendezeit durch Fantasy von einer 'Hiobsbotschaft'. Es lägen 'vier Jahre erfolgreiche Zusammenarbeit' zurück, hieß es aufgeblasen. Diese Aussage muß vom Fantasy-Team als purer Hohn empfunden worden sein.

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[eine Abbildung leitet auf den späteren Absatz über; sie bringt im Originalabbild einen Artikel des Universum:

Kanal C
Das Campusradio [monumental]

Mogelpackung-Studierendenradio ohne Studierende!
[groß]

Kurz vor Redaktionsschluß erreichte uns die Nachricht, daß Kanal C als Sendeformat auf Fantasy beibehalten wird - zur selben Zeit am selben Tag. Allerdings ohne das 'echte' Kanal C Team. Die Sendung wird nun von Fantasy gestaltet. Kanal C kann Beiträge einreichen - ohne Sendegarantie.']


> Wie setzt man einen Lokalsender so unter Druck, daß er ein für ihn aus verschiedenen Gründen nicht mehr tragbares Fremd-Programm weiter auf seiner Frequenz hält? Dieser Scan zeigt einen Kurzartikel von Seite 3 des Universum, der Zeitung des FSL-AStA, vom Juli 2001. Radio Fantasy hatte, wohl aus Sorge vor einem Image-Schaden, kurzfristig zurückgesteckt, allerdings mit klaren Bedingungen für die Weiterführung von Kanal C. -

Mit der Großannounce sollte Fantasy offensichtlich weiter under pressure gesetzt werden, um eine volle Sendegarantie für Kanal C durchzudrücken. Als eigentlichen Kanal C-Pressure-Joker deutete man im gleichen Universum großspurig die "Unterstützung durch die Unileitung" an. Alles nicht ganz fair. <

Wahrscheinlich sah sich Fantasy aus Sorge vor Ärger oder Imageschäden, insbesondere vor dem Hintergrund des zu dieser Zeit sehr harten Konkurrenzkampfes der Augsburger Radiosender, förmlich dazu gezwungen, Kanal C wiederaufzunehmen.


> Fazit <

Was Kanal C betrifft, so handelt es sich nicht um eine grandiose Erfolgsstory, sondern eine für Fantasy sicher unangenehme Geschichte rund um die Frage, ob die eigene Frequenz von einem ungebetenen Gast mißbraucht wurde/wird. Denn eins ist klar: solange Kanal C das Monopol auf studentische Radio-Berichterstattung im Raum Augsburg hat, wird Alternatives, Kritisches und wirklich Szene-nahes aus der studentischen und intellektuellen Szene in Augsburg im 'Studentenprogramm' fehlen.

Es ist zu hoffen, daß Fantasy den Mut hat, sich von Kanal C zu trennen, und einem Konkurrenzteam eine Chance zu geben (vielleicht in Absprache mit RT1, das auch einmal etwas für freies Bürger-Radio tun könnte). Außerdem möglich wäre, daß Fantasy eine Sendung zum Thema selber führt, und dabei studentische und Szene-Beiträge aufnimmt, aber eben verhindert, daß es zur Hierarchiebildung und Interessensverfilzung wie bei Kanal C kommt. Ziel muß ein gleichberechtigter Zugang Augsburger Bildungs- und Kulturstätten zum Medium Radio sein, und kein Programm in erster Linie nur für 'Schlaue' (wie die Moderatoren es gern bezeichnen) = für rücksichtslos Karrierebewußte.

In der studentischen Community gibt es viele fähige Leute, die zumindest ebenso ein Anrecht darauf hätten, auch einmal Radio-Beiträge einbringen zu können, wie jene, die das Heft seit Jahren in der Hand halten. Und grundsätzlich sollte ein Campusradio allen schüler-, szene-, kultur- und studierendennahen Mitgliedern der Community offenstehen.


> Anmerkungen: <

* das war auch der Grund, warum ich letztes Jahr bei Kanal C gecancelt habe: eine Freundin hatte einen 'zu scharfen' Beitrag gesendet. Ich war im Team der Einzige, der sie verteidigte: wie scharf ein Beitrag sei, das ist eben reine Mädels-Sache. - Mag sein, daß zuviel Sex in der Stimme von vielen Radio-Machern als Gefahr begriffen wird, weil es vom positiv darzustellenden Thema ablenken, und einen selbstbewußten und kritischen Beitrag provozieren könnte. ;)

** keine Ahnung, ich höre seit Längerem schon Kanal C nicht mehr.




Die Wahrheit über Studierenden-Wahlen


Originaltitel:
Die Wahrheit über viele Studierendenvertretungen


++++ Studierendenvertretung in der Bush-Zeit ++++


| Ein Vorwahltext* in Anlehnung an 'Fahrenheit 9/11'.
HaVe pHuN! :)

bush.jpg


[als Intro der Scan von George Walker Bush's Yale-Jahrbuch, mit jungem Studentenporträt links und nebenstehenden Einträgen]

George W. Bush's Aktivitätenkatalog als Yale-Student. -
Wie sieht sowas heute eigentlich bei Studierendenvertretern aus? ein paar Vorschläge für's Listing: Mitglied im Junior-Management-Verein 'innovative Power', Helfer beim <realen> Event 'chinesische Gaststudenten treffen Augsburger VIPs', Tröster des Rektors, studentischer Kaffeekocher ?..


> Zeugnisse, Referenzen und Empfehlungsschreiben - das Öl, nach dem gestrebt <

Wußtest Du, daß Studierendenvertreter jährlich ein Zeugnis vom Rektor ihrer Uni erhalten? Genau, vom Vertreter der Professorenschaft als Gruppierung, dem gegenüber sie eigentlich die Interessen der Studierenden verfechten sollten.

Niemand hat dieses Zeugnis je abgelehnt - wundert es Dich also, wenn ebendiese Studierendenvertreter den Rektoraten ihrer Hochschulen sehr zugeneigt sind?

Landein landauf ist dies eigentlich ein offenes Geheimnis: An Unis und FHs verwenden Studierendenvertreter ihre Stellung, um sich Referenzen für die eigene Karriere zu schaffen.

Sie verstehen sich vordergründig als Mittler zwischen Professoren- und Studentenschaft: Letztere sei nicht ausreichend kompetent, es brauche herausragend kommunikative Persönlichkeiten zum Interessenabgleich, die wirklich durchblicken würden. -

Studierendenvertreter, so sagt das Wort aber eigentlich, haben studentische Interessen zu vertreten - gegenüber der Professorenschaft, also Partei für Studis zu ergreifen (deren Position an sich schon ziemlich schwach ist). Eine neutrale Mittlerrolle mit rektoratsfreundlichen Präferenzen bedeutet, daß die Waage stets zu Gunsten des Nichteinmischens ausschlägt. Und so ist es ja bekanntermaßen auch seit vielen Jahren, nicht nur in Augsburg.

Studierendenvertreter am Rande der kalten Buffets - mit Krawatte & Anzug, gewogene Konversation. Wie die Buffets US-amerikanischer Akademikerriegen, die Michael Moore in Fahrenheit 911 porträtiert.

Kaffeekränzchen beim Rektor, Absprachen hinter verschlossenen Türen. Sie reden neokonservativen Profs nach dem Munde, und nicken deren Wünsche in den Gremien ab. Sie laufen in den vorgegebenen Schienen der Uni-PR-Referate, und entsprechen den Wünschen des Wissenschaftsministeriums. Wenn Kritik, so plakativ, daß ohne Potenzial, nur ungefährliche Sticheleien, und seit vielen Jahren kein Eintreten mehr für ihre Mit-Studis. Nurnoch PR-Arbeit. 'Don't be mean.'

Studierendenvertretung wird eigentlich generell sinnentleert; die Leute geben vor, links zu sein, aber sie begründen neoliberal bis neukonservativ: der Kampf gegen den internationalen Terrorismus - ääähh: der internationale Wettbewerb der Hochschulen - rechtfertige alle Mittel, v.a. die Verwendung der Studierendenvertretungen ausschließlich für Uni-PR respektive zweifelhafter, zumal nur eigener beruflicher Profilierung dienender 'Kulturarbeit'.

Eine Zeiterscheinung, welche auf anderem Gebiet ein gerade rauskommender Film tangiert: Fahrenheit 911 von Michael Moore. Kurz vor der amerikanischen Präsidentischaftswahl jagt Moore den US-Präsidenten und seine zweifelhafte Regierung mit einer empfindlichen Veröffentlichung in die Luft, bzw. tut zumindest so. US-amerikanische Akademikerriegen, die mit hohen Summen für PR und Kriegsführung agieren, werden offenlegend porträtiert.

Dieser Text hier soll nun ein ganz kleines studentisches Tribute zu 'Fahrenheit 9/11' sein. - Michael Moore hat auf seiner letzten Europa-Tour öfters angedeutet, daß wir Europäer gerne US-amerikanische Verhältnisse kritisieren, aber selber die gleichen Strukturen hätten. - Hier an einer teils recht sumpfigen Provinzuni soll nun zumindest die mächtigste Studierendenvertretungs-'Corporation' einmal öffentlich in die Luft fliegen. ;)


>> Wahl-Malheurs als Machtbasis <<

Ähnlich wie Bush's Republikaner sichern sich an Unis hochschulpolitische Gruppierungen durch nicht ganz einwandfreie Vorgänge die Macht, in Augsburg insbesondere die sog. Fachschafts-Liste (kurz: FSL). Seit den mid'/late 90s wurden Gegner aus der Studierendenvertretung ausgegrenzt, es fand insgesamt sowas wie ein schleichender Putsch statt, die FSL schluckte fast alles.

Ich möchte hier vor allem recht putzige Wahlerscheinungen auf's Korn nehmen:

Die Augsburger Studierendenvertretungswahlen waren spätestens seit Mitte der 90er niemals wirklich demokratisch - der geringste Kritikpunkt ist dabei noch, daß die Bekanntgabe von Wahlergebnissen bei grad mal 2000 Stimmen öfters 1 Woche dauerte. Strange.

Dabei werden Studis vor und insbesondere an den Wahltagen von den zur Wahl stehenden Kandidaten förmlich zur Wahl genötigt - beginnend mit vorhergehenden monatelangen Plakatkampagnen, die Nichtwähler bloßstellen und ausgrenzend einschüchtern sollen, indem sie etwa als Kopf-in-den-Sand-Stecker illustriert werden (in diesem Jahr ist es die aufdringliche 'Geht doch!'-Kampagne). Härtere Methoden sind das Verbarrikadieren etlicher Hauptgänge im Gebäude und Absperren von Wegen, sodaß Studis zwischen Gruppierungs-Wahlständen hindurch müssen, dort zigfach am Tag von Kandidaten angequatscht, doch gefälligst zur Wahl zur gehen (manchmal auch 'nett' mit Sekt eingeladen). Die studentischen Groups sind zwar mehr oder weniger gleich in den Praktiken, die Leute zur Wahl zu treiben, am mit Abstand dreistesten aber die FSL; es gab in den letzten Jahren sogar Wahlplakate mit dem Slogan: 'Bewegt Euren Arsch, geht wählen!' - wobei eine studentische Arschbacke gezeigt wurde, auf die das FSL-Logo gestempelt war. Weitere Schikanen, wie man Leute gegen ihren Willen zur Stimmabgabe bringen kann: Wahlwerbung unmittelbar vor dem Wahlraum. Oder wenn die Böden des Gebäudes bis zum Wahlbüro mit Fußabdrücken aus Papier beklebt werden, um dem widerspenstigen studentischen Fuß-Volk den Weg zur Wahlurne zu vermitteln. Studierendenvertreter nennen sowas innovativ, aber es ist einfach nur unverschämt. Genauso wie die FSL-Plakate, die den toten und damit leider wehrlosen Bert Brecht der FSL und 'ihrem' AStA als Logo einverleibten. Brecht rotierte sicher vor Wut im Grabe, als FSL-Leute statt ihrer Visage einfach seine Jugend-Porträts auf die Wahlplakate druckten. Das grenzt an Leichenschändung, zumal die FSL nur pseudolinks ist.

Deren Abwahl hatte in den letzten Jahren absolut keine Chance: Die AStA-Öffentlichkeitsarbeit ist mit der der FSL inhaltlich, finanziell und gestalterisch verkungelt, jahrelang zierten FSL-Werbebanner z.B. die Studierendenvertretungs-Homepage. Die studentischen Medienorgane sind in der Hand dieser Gruppierung.

Studierendenvertretungen werden aber de facto auch nicht wirklich von Studis gewählt, sondern eher von hohen 'Tieren' der Verwaltung installiert. Die FSL wurde stets von der Universitätsleitung hofiert, und erhielt immer die besten Wände für ihre Wahlwerbung, meist neben oder unter riesigen PR-Aushängen der Uni-Pressestelle, wie im Hörsaalzentrum. Message: FSL = Kompetenz.

Das Uni-PR-Referat berichtete daneben positiv über die Arbeit des FSL-AStA und der anderen Studierendenvertretungsorgane, die auch von der FSL dominiert werden. Studentische Kritiker, von nicht wenigen Profs ohnehin gern aus dem Studium gekickt, hatten kaum eine Chance auf dauerhafte Gruppenbildung. Sowas schaltet Kritiker zuverlässig aus.

Den geilsten Kniff der Unileitung, Einfluß auf studentische Wahlen zu nehmen, stellt aber die Tatsache dar, daß sie der FSL ein Monopol auf das Wort 'Fachschaft' als hochschulpolitische Gruppenbezeichnung an der Uni gab - die FSL sicherte sich so den Namen 'Fachschafts-Liste', und niemand andres kann 'Fachschaft' in seinen Gruppierungsnamen einbauen, denn es besteht ja in diesem Falle Verwechselungsgefahr.... (angeblich) -

Nun kommt nichts an den Begriff 'Fachschaftsliste' heran, weil ebendiese Bezeichnung so einnehmend ist: Sie steht für 'Liste der Fachschaften'. Die Fachschaften, Prüfungs-/Skriptensammler und Partyorganisatoren, wiederum für (wenngleich meist sehr prof-nahes, so doch vordergründig) überparteiliches Engagement - insbesondere unerfahrene Erstsemestler übersehen, daß die FSL wahlrechtswidrig Gemeinnützigkeit und Neutralitätspflicht der Fachschaften hier mit politischer Profitgier verknüpft. Durch die Bezeichnung 'Fachschafts-Liste' wird vorgespiegelt, die FSL sei eine uneigennützige und neutrale Liste, während alle anderen Gruppierungen dies nicht wären. -

Kurzum: Die Vergabe des Begriffs 'Fachschaft' an die FSL durch die Uni-Behörde verletzt demokratische Prinzipien; und sie sorgt dafür, daß diese Gruppierung jedes Jahr die Wahlen gewinnt. Dies gibt dem zur-Wahl-Treiben eine ganz besondere Note: die Leute wollten nicht wählen, kommen in's Wahlbüro - 'Fachschaft' kennen sie schon, also kreuzen sie dort an.

Die FSL stützte ihre Mehrheiten bisher auf insgesamt nur ca. 7% der Wählerschaft, meistens jene Erstsemestler, die eigentlich nicht wählen wollten, und nicht wußten, was sie da eigentlich wählten; über 4/5 der Wählerschaft und damit die Masse der Studis boykottieren mehr oder weniger seit Jahren die Wahl. Es ist natürlich eine Unverschämtheit, daß ich das offen ausspreche, denn diese 4/5 der Studis sind laut FSL ja 'faule Säcke', die einfach nicht zur Wahl gehen........


>> The Bush-Media <<

Die FSL besitzt ein ziemliches Machtpotenzial - andere Gruppierungen haben dagegen kaum eine Chance. Ihre Kriegskasse besteht aus den Steuermitteln (genaue Zahl geheim, mir ist etwas von über 100.000 Mark per Anno bekannt/Stand aber von vor ein paar Jahren, dürfte also wohl um Einiges höher sein), möglicherweise Einnahmen der Uni-Parties, und Connections zu Medien, Profs und Rektorat, sowie in die lokale Wirtschaft.

Medienmäßig ist das FSL-Potenzial bereits erdrückend: Das 'Universum', die Zeitung der Studierendenvertretung, sowie deren Homepage sind in FSL- bzw. linker Hand (auf der Homepage promotete man sich lange unzulässig mit dem Slogan: 'Euer von der FSL gestellter AStA'; was das 'Universum' betrifft: es steht Dir zwar frei, als StudentIn dort einen kritischen Artikel zu schreiben, aber Du wirst Dich mit diesem sehr alleine fühlen, denn redaktionsseitig wird Kritik an der Hochschule unterlassen, sodaß Du als vereinzelte ProvokateurIn erscheinst, weil eben nur Du Kritik übst, und die Redaktion sowie alle anderen schweigen - dies kann Dich isolieren).

Daneben gibt es die PR-Arbeit befreundeter Fachschaften. 'Campusradio' Kanal C stützt ebenfalls durch Zensur kritischer Uni-Stimmen de facto das Bestehende und damit die FSL. Sein Host Radio Fantasy duldet dies, und berichtet selber nicht hochschul-kritisch.

Über Kanal C habt ihr bereits das meiste in einem Text vom letzten Dezember lesen können. Wenn Kanal C (das schließt Fantasy als Host mit ein) über Kritisches nicht berichtet, kann auch RT.1 die Sachen nicht bringen, denn Kritik senkt die Quote, und der Konkurrenzkampf zwischen den Sendern ist extrem hart. Es verbleiben als Medien in Augsburg die AZ, wo Studentisches nur bedingt wirken kann, und die Neue Szene - sie war in den letzten Jahren das einzige Medium, das wirklich beanspruchen kann, in Augsburg etwas kritische Berichterstattung über die Uni zu bringen, doch sie kann natürlich nur stichprobenartig berichten. - Größere Sachen wie Süddeutsche Zeitung oder Spiegel können Kritisches von den Unis nur in dem Fall reporten, wenn Journalisten das redaktionsintern zu rechtfertigen wissen - sprich: zumindest ein Szene-Medium als Referenz schonmal über die jeweilige Sache berichtet hat. Dort aber wird zensiert.... (dieser Umstand brachte auch das Bild der angeblich 'unkritischen Studierendenschaft' in die Medien, mal abgesehen von neokonservativer 'Umdefinition' vieler Hochschul-Redaktionen im Lauf der 90s)

Kurzum: Wer den Studentenrundfunk und das 'Universum' beherrscht, dominiert damit auch die Studierendenvertretung. Eine entscheidende Rolle hierbei nehmen Kanal C und Fantasy ein, indem sie gegen redaktionelle Sorgfaltspflicht und quantitative Ausgewogenheit der Berichterstattung (auch in medienrechtlicher Hinsicht) verstoßen. Wer diese Zensur brechen will, muß Radio Fantasy (und Kanal C) massiv hinsichtlich der Zulässigkeit seiner Sendelizenz angreifen (wäre eigentlich allein wegen mancher dreckigen Schwulen-, Sex-, Kanaken- und Behindertenwitze im Fantasy-Programm der letzten Jahre schon längst fällig, aber das ist ein andres Thema).

Daneben wird die FSL indirekt geschickt durch die Zeitschrift der Uni-Leitung, das 'UniPress' gestützt, sowie durch die Pressemitteilungen ('Uni-PressInfo') des Referats.

Außerhalb all dessen ist Macht etwas, daß z.T. auch durch die diversen Uni-Parties ausgeübt wird - wer sie an der Hochschule veranstalten darf, hat Einfluß. Doch die Vergabe der Räumlichkeiten ist vom Placet der Verwaltung abhängig - manche nicht gut gelittene studentische Initiative machte üble Erfahrungen in der Hinsicht, wie z.B. das Börsenforum, welchem man einmal 2 Stunden vor Lesungsbeginn den von weither anreisenden Börsianer André Costolany den Raum zu nehmen suchte. -

Bestimmte Parties dienen auch als 'Wahlanheizer', wo die Leute zugedröhnt werden für den Erfolg der Gruppierung bei den Uni-Wahlen.

Und: Du wirst sicher bemerkt haben, daß die Hochschule die Aushangflächen in den letzten Jahren rapide eingeschränkt hat - studentische Gruppen haben in vielen Fakultäten kaum mehr eine Chance, überhaupt wahrnehmbar Aushänge zu plazieren, und so setzt sich letztlich zuweilen (etwa bei Vollversammlungen) gewichtsmäßig durch, wer die vielen AStA- und Fachschafts-Boards beherrscht.... (wobei anzumerken ist, daß etliche AStA-Members kein Fairplay betrieben, sondern konkurrierende Aushänge teils, z.B. an den wichtigen Flächen bei der Studentenkanzlei, entfernten).


>> The Budget <<

Der Umgang auch der Augsburger Studierendenvertretung mit dem Budget ist ein Problem - nicht nur, daß die Zahlen nicht bekanntgegeben, sondern auch, daß die staatlichen Mittel zweckentfremdet eingesetzt werden.

Du mußt Dich z.B. fragen, wie es wohl zu rechtfertigen ist, daß jedes Jahr einige Tausend Euro für den Druck eines Jahres-Kalenders als Werbegeschenk des FSL-AStA zum Fenster rausgeschmissen werden. Die Stückzahl reicht gradmal für die Wählerschaft der FSL, kommt also nicht allen Studis zugute.

In den letzten Jahren haben AStA und Studierendenvertretung auf wachsende Kritik von der studentischen Basis immer zu reagieren versucht mit angeblichen Geschenken - man präsentiert sich als studentische Serviceagentur, während all die anderen Gruppen da draußen außerhalb des AStAs 'ja doch nur Kritik' anzubieten hätten.

'Schau her, WIR, Dein FSL-AStA, bieten Dir diesen Service.' - Falsch! Das Geld stammt vom Steuerzahler, bzw. mitunter aus den Erlösen der Uni-Parties. Und es könnte mit ihm wesentlich mehr erreicht werden, würde es anders verausgabt.


Grad bei manchen Parties mußt Du sagen: 'Hey, ok, ihr organisiert das, aber ich zahle ja auch etwas dafür, und es bringt Euch später beruflich weiter, Orga gemacht zu haben. Wenn ich nun aber Eure Party-Plakate sehe, krieg ich so den Eindruck, daß es Euch zusätzlich drauf ankommt, mir das AStA- oder FSL-Logo 'reinzuwürgen', ihr mich Euch als dankbar zu sein habenden Besucher zu verpflichten sucht. Das hat doch mit Party nix mehr zu tun!'

Noch härter: FSL-Vertreter gaben den Auftrag über den Erwerb von Software für die Computer der Studierendenvertretung an die private EDV-Firma '01-Null' ihres Mitglieds und Ex-AStA-Chefs Andreas B.. - Eine wirkliche Ausschreibung hat es nicht gegeben. Diese Software-Ausgaben schlucken angeblich pro Jahr etliche Tausend Euro (plus Schulungskosten). - In einer Zeit, wo praktisch alle Software, die eine Studierendenvertretung für ihre Arbeit braucht, samt Tutorials und Handbüchern in wenigen Minuten als kostenlose Freeware/GPL-Software aus dem Internet downgeloadet werden kann, befremdet es, wenn zigtausende Mark für sündhaft teure Softwarelizenzen der Corporations Microsoft, Adobe und Macromedia verschwendet werden, wie dies seit Jahren der Fall ist.

Daneben warb B. nach seinem Abgang in der Studierendenvertretungszeitschrift 'Universum' für ebendiese seine private Firma, irgendwo ist das schon ein gravierender Interessenskonflikt.

FSL-Mitglieder gaben über die Jahre an, ein wesentlicher Motor für die betonte Rektoratsnähe von AStA und anderen Studierendenvertretungsorganen sei die Tatsache, daß man finanziell davon abhängig wäre, daß der Rektor sich beim Ministerium für Erhöhungen des Studierendenvertretungs-Budgets einsetze - 'Ist doch klar, wir schneiden uns doch nicht in's eigene Fleisch!'. Sich in dieser Abhängigkeit zu wähnen ist aber völlig unnötig, da der jetzige Betrag bereits ziemlich hoch ist. Bei vernünftigem Umgang mit dem Geld bestünde wirklich kein Anlaß für Angepaßtheit.

Warum z.B. nicht einen Teil des Geldes verwenden, um mit einer privaten Versicherungsagentur einen Rechtsschutzvertrag für die gesamte Studierendenschaft (etwa für gerichtliche Auseinandersetzungen mit Profs) auszuhandeln, bzw. zumindest derartige Möglichkeiten hinsichtlich ihrer haushaltsrechtlichen Zulässigkeit zu prüfen (es gibt gewiß auch schwächere, weniger angreifbare Formen in der Richtung als das genannte Bespiel)? Sowas würde allen Studis etwas bringen.


*Text ist von Ende Juni 2004
(1-2 Tage vor der Wahl erschienen)

fsl3.jpgfsl_wahlplakate.jpg


update / 28.06.2004 13:00 Uhr by j0erg

vielen Dank an alle, die wegen der Aushänge und dem Topic geschrieben haben, der Text ist gut aufgenommen worden, thank you :)

Dementis gab es bislang keine; die hochschulpolitischen Gruppen wollen angeblich die Kritik aussitzen (halt wie immer), und vertrauen darauf, daß eben die Zensur bei Kanal C und Universum funzt.

Ich will hier nicht viel schreiben, und bringe lieber Bildmaterial - habe wahllos eine kleine Ecke im WiSo-Hörsaalzentrum herausgepickt, um ein wenig zu dokumentieren, wie studentische Wahlen funzen - eine Fachschaft meint, sich Wähler durch eine Party verpflichtet zu haben ['Erinnert ihr Euch noch? FETE / Wir machen's möglich!], links daneben das FSL-Plakat mit den Kandidaten, die es in den erweiterten Senat schaffen sollen. rechts die massiv angebrachten 'Geht doch'-Plakate, die geschickt indirekt Druck auf Nichtwähler ausüben. [Photos hier nur umschrieben]




Die Augsburger PR-Bibel

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> Das Jahr der Bibel, und Manche wollten sich an die Spitze der Bibelbewegung setzen? Es kam jedenfalls zur eigens releasten Bibel-Lesebuchausgabe unter dem Titel 'Mutig leben! Augsburg liest die Bibel', und dies wurde leider zu einer unsere Lutherstadt imageschädigenden, provinziell wirkenden PR-Posse. <


> Von der IBS- zur 'Lokal-Bibel' <

'Gehet hin, und vermehret Euch!', so stehts in der Bibel, aber es ist nach verständlicher Ansicht der christlichen Theologie nicht so gemeint, daß dies um jeden Preis geschehn solle, und gegen Regeln des guten Geschmacks. Das kann sicher auch für Bibel-Sonderausgaben gelten.

Der Background ist eher simpel: Dies Büchlein (wenngleich lediglich Auszüge beinhaltend, so handelt es sich dabei eben dennoch die Heilige Schrift, denn auch kleinere Editionen/Auswahlen werden als 'kleine Bibel' wahrgenommen) geht zurück auf die deutsche Niederlassung der International Bible Society (kurz: IBS) - eine Organisation (amerikanischer Färbung), die sich zur Aufgabe gemacht hat, mit z.B. auf Berufsgruppen zugeschnittenen Bibelausgaben zu missionieren. Die Methode ist gleichsam stupide wie, gerade in 'Old Europe', umstritten:

Man verändert die Bibel sprachlich und selektiert die Inhalte: Sie soll den Menschen direkt in seiner sozialen Realität erreichen, und ihm dort erreichen. Es wird davon ausgegangen, die Menschen hätten in ihrer beruflichen und sozialen Alltagsrealität Bedarf, die reine Lehre sich näherbringen zu lassen, seien gewissermaßen der Hilfe einer vereinfachenden Bibelübersetzung bedürftig. Positiv ausgedrückt, geht man über diese Methode auf die Menschen zu, berücksichtigt ihre soziale Umgebung, nehme diese ernst, binde ein, etc. - mitunter nicht ganz ehrlich, aber man kann es durchaus so nennen.

Diese Bibelausgabe wird wohl in ähnlicher Form bereits alleine von der IBS geplant worden sein, und dürfte zum größten Teil auf sie zurückgehen. Was den angehängten Rest aber betraf, so darf wohl davon ausgegangen werden, daß nicht unzweifelhafte PR-Schienen die Finger im Spiel hatten.

Seit kurz vor Weihnachten liegt die Bibel-Sonderausgabe nun in vielen Einrichtungen in Augsburg (z.B. an der Uni) kostenlos aus. Von den evangelischen und freikirchlichen Gemeinden ist durchs Hören und Sagen bekannt, daß sie dort zentral verteilt worden sei, anscheinend jedoch nicht in katholischen Kirchengemeinden, obgleich der katholische Regionaldekan das Werk mitgetragen hat. Daß es nicht sonderlich in diesen Kreisen angekommen ist, dürfte den einfachen Grund haben, daß sie zu peinlich gewesen -


> Schnitzer, die tief blicken lassen <

Denn diese Bibel-Ausgabe schien allzu hastig zusammengeschustert worden zu sein: Dem Paperback-Büchlein fehlten ca. 20 Seiten, und zum Teil waren Blätter verkehrt herum eingeklebt. Keine Frage: Sie war nicht einmal korrekturgelesen worden. Im Verlagswesen ist es eigentlich ausgeschlossen, daß ein Buch eine Druckerei in solchem Zustand verläßt - denn alles wird zumindest einigermaßen lektoriert und gegengeprüft, erst recht bei PR-Drucksachen solcher Bedeutung.

Daraus läßt sich folgende Entstehungsgeschichte rekonstruieren: Diese 'Bibel-Sonderausgabe' war offensichtlich unter ziemlichem Zeitdruck entstanden. Liegt sicher nicht an der IBS, unter Umständen wohl eher daran, die Sache noch im Jahr der Bibel und rechtzeitig vor Weihnachten launchen zu können?


> Eine Bibel? <

Was bereits den Bibelteil des Büchleins an sich betrifft, wurde er von vielen Augsburger Christinnen und Christen mit Stirnrunzeln aufgenommen:

Braucht es z.B. wirklich Tips zum Bibellesen, zumal eigentlich jedem Menschen die Schrift für sich selbst zu entdecken freisteht? Ist die Bibel-Originalfassung wirklich ein als solcher im Comicstil zu verbildlichender 'Eisklotz', der freigehauen werden muß? Kann die Bibel ernsthaft [wie hier in einer abgebildeten Zeichnung] als 'Bibliothek' verkauft werden? Und ist es nicht eine Anmaßung, einzelne Bestandteile der Bibel als reine 'Geschichtsbücher' herabzuklassifizieren? Hier holpern Illustration und Text unübersehbar über Stock und Stein, und wirken billig zusammengesteckt, und die Lehre nicht unbewußt verfälschend.

Wenn Altes und Neues Testament, wie es heißt, eine Einheit bilden, mit welchem Recht wird dann in der Sonderausgabe kein einziger Text(ausschnitt) aus dem Alten Testament gebracht? Die Bebilderungen zum Bibeltext sind trivial, eine Zusammenstellung aus gestellten Bildchen (wahrscheinlich von Passionsspielen), sowie ein paar Stadtphotos, Landkarten, Münzen und anderem Schnickschnack, den Sie vielleicht von diesen Geschichtsbüchern für Kids her kennen. Ein Bildnachweis fehlt. - Sollen sich die Menschen, welche die Bibel lesen, kein eigenes Bild machen dürfen (vgl. die Problematik des Götzendienstes)? An Texten geboten sind nur Lukasevangelium, Apostelgeschichte und Römerbrief - das kann nicht ernsthaft 'Bibel-Lesen' genannt werden. Es ist eine kleine Auswahl aus dem Neuen Testament.... vermengt mit höchst fragwürdigen Zusätzen, und an ebendiesen Sachen machen die meisten Kritiker dieser Bibelausgabe fest:


> Mißbrauch der Bibel? <

Da dies Büchlein als Sonderausgabe der Bibel und damit eben als doch 'Bibel'-Werk daherkommt, ist es ein absoluter Hammer, daß sich darin aufdringliche Werbung findet. Was Jesus wohl davon gehalten hätte? - Da genügt eigentlich ein simples Stichwort: Tempelreinigung.

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Daß die in Bobingen ansässige Kessler Verlagsdruckerei in dem Teil ganzseitig mit dem Gewalt-Slogan 'Wir machen Druck!' zu werben beliebt (mit Zielscheibe als Seitenhintergrund), ist ein Griff in´s Klo, zumal man in einer fehlerstrotzenden Ausgabe mit der angeblichen 'Top-Qualität' der eigenen Drucksachen prahlt. Harte Werbung dieser Art in einer Bibelausgabe? MAN Roland tritt hier etwas dezenter auf mit dem Slogan: 'Bibel. - Druck.'

Außerdem werben ganzseitig Stadtsparkasse Augsburg, IBS herself, Papierfabrikant UPM-Kymmene und das Jugendmagazin 'X-mag'. Sponsorenwürdigung und Werbung zugleich gewissermaßen 'im heiligen Buch'. Es ist wichtig, das Sponsoring gerade bei größeren Einrichtungen nicht zu hoch zu hängen, weil sie sicher recht häufig mit entsprechenden Anfragen frequentiert werden, und sich mitunter nicht kleinlich geben wollen, ohne jedoch vollends überzeugt zu sein.

In jeder Zeitung werden redaktioneller Inhalt und Anzeigen klar getrennt. Hier nicht, Waschzettel und Sponsorenwerbung scheinen fast zusammengehörig, und darüber werden die Sponsoren sicher nicht glücklich gewesen sein:

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[Redaktion, auf der Hinterseite des Paperbacks: 'Mutig leben! - Mit dieser Sonderausgabe möchten wir Sie ermutigen, ganz neu Gott zu entdecken. ...... Lernen Sie Jesus kennen......!'
und direkt darunter:
[Slogan] 'Wir sind dort, wo die Menschen leben und arbeiten.' - 'Auf vielfältige Weise engagieren wir uns .... Weit über Finanzgeschäfte hinausgehend...... wie beim Projekt 'Mutig leben' für ökumenische Anliegen. (...)']


> Eine Schickeria-Bibel? <

Besonderer Unmut bei vielen religiös Interessierten, die das Teil gelesen haben, kam angesichts der Frage auf, ob eine 'Bibeltext-Ausgabe' von Persönlichkeiten der lokalen Politik und Wirtschaft eingeleitet werden darf. - Ok, hier geben einige prominente Leutchen sicher auch ihren persönlichen Bezug zur Bibel wieder, und mal die Frage außer Acht gelassen, daß diese Möglichkeit eben wohl nur besonderen VIPs offenstand - endet das Persönliche doch eindeutig an dem Punkt, wo die Leutchen mit mehr als nur ihrem Namen signieren....:

Amtskirchliche Würdentitel, OB, Landrat, Geschäftsführer der Fa. soundso, Stadtheimatpflegerin, Hauptgeschäftsführer der IHK. - Wenn schon so dreist mit dem Titel gestrotzt wird, dann sollten doch bitteschön z.B. auch Gemeindehelfer, Hospizmitarbeiter, Streetworker, Krankenschwestern, Ehrenamtliche und andre engagierte Menschen vorkommen. Doch davon freilich keine Spur....

Wie einseitig die Auswahl der Personen ist, zeigt sich am putzigsten an jenem Herrn, der neben seinem Photo protzig als 'Geschäftsführung RT.1 media group TV- und Filmproduktion Augsburg' tituliert wird. - M.E. ist das Schleichwerbung zugunsten eines Medien-Players in Augsburg. RT.1 jedenfalls versucht seit Jahren die Nr. 1 im Rundfunkgeschäft der Region zu werden, in Konkurrenz mit Radio Fantasy, und mit z.T. beanstandeten Methoden. Im Mindesten hätte man von den Herausgebern einer Bibel-Ausgabe die Fairness erwarten dürfen, entweder dem Radio Fantasy-Chef auch die Gelegenheit zu geben, sich ebenso zu präsentieren (ok, kannst Du knicken), oder den RT.1-Chef nur als reine Privatperson ohne Funktionsangabe aufzuführen. So aber kommt die 'ganz persönliche Hitliste' des RT.1-Chefs eindeutig als versteckte Werbung für den Sender daher. Wäscht hier eine Hand die andere, zumal die Rolle des ebenfalls wie RT.1 zur PD Verlags GmbH gehörenden Augsburg TV für die kirchliche Öffentlichkeitsarbeit in dieser Stadt ein nicht ganz unproblematisches Thema ist?

Was die andren Persönchen angeht, die anstandshalber dazugesellt wurden, hake ich mal stellvertretend kurz zwei von ihnen ab: Ein FOS-Schüler darf ein wenig schwätzen, und eine 20-jährige studentische Erstsemester-Nudel an der Seite eines zweifelhaften Rektors naiv speichellecken? Der EIndruck drängt sich auf.

Man könnte den z.T. doch recht durchsichtig-geschäftsmäßigen Inhalt all der 'persönlichen' Texte der VIPs hier genüßlich zerfasern; dieser Text begnügt sich jedoch mit einem Zitat des IHK-Chefs: 'Übrigens, ein in Deutschland bekannter Unternehmensberater empfliehlt für Führungskräfte 1. Korinther .....' :))))


> Ein Problem insbesondere für die evang.-luth. Kirche <

Eigentlich hätte man um den fundamentalen Grundsatz Martin Luthers wissen sollen, der besagt, daß allein die (unverfälschte) heilige Schrift zähle. Werbung am Rande einer Bibel-Ausgabe wäre für Luther ebenso unvorstellbar gewesen, wie die Einrahmung der Bibeltexte durch Kommentare einer illustren Auswahl von Lokalprominenz.


> Öffentlichkeitsarbeit gegen andere Glaubensgemeinschaften? <

Ich hoffe, daß nicht Leute kritisieren werden, dieser Text greife eine an sich vllt. gutgemeinte Aktion an, oder, daß es Nichtchristen nichts anzugehen habe, was für Bibel-Sonderausgaben gelauncht werden. Doch können Ausgaben wie diese indirekt leider einen Angriff auf andere Religionsgemeinschaften darstellen. Christliche Religion darf nicht zur lokalpolitischen Bühne werden; wird sie es aber, so bedroht dies mitunter die religiöse und politische Freiheit Außenstehender, und die Neutralität einer Stadt. Wenn es nun im Projektnamen heißt: 'Augsburg liest die Bibel', so ist ebendiese problematische Tutorial-Bibelfassung gemeint, und die Stadt wird als indirekt zu 100% christlich vermittelt. Viele empfinden es in diesem Duktus als Zumutung, ungefragt in dieser Weise vereinnahmt zu werden. Denn es scheint ein 'Glaubens'aktionismus, der nicht einmal überhaupt noch irgendwo auf der Basis christlichen Glaubens steht. Es fehlt an Respekt vor der heiligen Schrift.




Unser George W. Bush

bush_flyer.gif


[Diese größere Publikation wurde eingeleitet von einer bildlichen Gegenüberstellung des US-Präsidenten mit dem Antlitz des Rektors der Universität Augsburg:

'W. Bush' links, mit 'Veräppelungsmiene', und daneben, in gleich anmutender Mimik, 'W. B[-]' auf einem Photo von seiner Lehrstuhlhomepage. Die Flyer trugen den Schriftzug 'Unser George W. Bush', mit Untertitel 'Der kritische Text über den Bush-Spirit an unserer Uni', und waren sehr schnell vergriffen. Zeitungen berichteten nicht, die Augsburger Allgemeine zeichnete den dauerhaft beschädigten Rektor später durch eine Gefälligkeitsberichterstattung weich, sodaß er sich halten konnte.]


> Ein studentischer Text, der sich mit dem mächtigsten Beamten unserer Uni und im Allgemeinen mit dem Phänomen Bush-inspirierter Führungskräfte unserer Zeit beschäftigt. Vielleicht das erste Teil zum Thema.
HaVe pHuN! <


Bush-Inspiration

Hier in Deutschland ist George W. Bush momentan ein ziemliches Vorbild vieler Konservativer. Sein Politik-Stil, das knallharte Umspringen mit der Presse, die Ausgrenzung von Kritikern und die durchgeplante Umsetzung seines Programmes faszinieren diejenigen Teile der konservativen Strömung, die ihr konservativ-Sein an der vordemokratischen Ordnung festmachen. Insbesondere an Hochschulen findest Du viele derartige Knochen.

Der Vergleich zwischen W. Bush und W. B[-], wenngleich weit mehr als ein Aufhänger, soll diesen Text nicht durchgehend prägen; doch vermag er viel anzudeuten, was anders als mit dem mit Bush verbundenen Politikstil nicht erklärbar wäre.

Dabei muß klar sein: Weniger Bush als Person, als die seinen Stil nutzenden Leute sind bekanntlich das Problem. Für Deutschland kommt hinzu, daß Politikstil-Übernahmen aus dem Ausland stets an hiesige Obrigkeitsbedürfnisse angepaßt werden.

Vgl. Tony Blair. Er ist seit seiner Amtsübernahme in London Inkarnation und Vorbild neoliberaler public relations Arbeit. Und der Stil George W. Bushs, das klare entschiedene Wort, das Führen und Sagen, wo´s lang geht, wird nicht wenigen aufstrebenden Gestalten zumindest unbewußt schmeicheln und sie beeinflussen.

Momentan gibt es eine starke Gegentendenz in der großen Politik. Tony Blair etwa fliegt gerade im eigenen Land in die Luft, weil sein PR-Büro ein gar zu billig präpariertes Papier anfertigte, mit dem ein ungerechter Krieg im Irak legitimiert wurde. Und von der UNO kommen ungewohnt deutliche Worte gegen die Aggressivität niedrigerer Ränge des US-Machtgefüges, also gegen jene, die mit einer überzogen harten Durchsetzung des von George W. Bush verbal gezeichneten Kurses Karriere machen wollen.

Überall werden Risse in der Fassade des neoliberalen Konservativismus sichtbar, auch hier in den ganz kleinen politischen Verhältnissen im fernen Bayern, die sich ein Vorbild genommen haben an der großen Politik.

Seit Mitte der 90er, intensiviert seit Blair intelligent strategisch durchgeplante Propaganda-Strategie vorgelebt hatte, boomten die Pressereferate an den Unis, gezwungen jugendlich-knackige PR solle vermeintlich alte Behördenstrukturen einkleiden. Sie wird immer aggressiver, weil sie nicht mehr zieht, aber ein Standard ist, von dem Gewisse gut leben.

Vor wenigen Wochen wurde der Rektor unserer Universität, W. B[-], der sich, wie er selber oft sagte, stark am amerikanischen Vorbild orientiert, fast abgewählt, und konnte sich [nur mit Hilfe von Intrigen?] Bush-like mit knappstmöglichem Wahlergebnis im Amt halten. - Fast ein Skandal, denn Rektoren im Amt sind in der Regel unumstößliche Autorität, und eine knappe Wiederwahl gilt als Vertrauensentzug. Die Unzufriedenheit am präsidialen Herrschaftsverständnis des Rektors ist intern riesig.

Auch hier ein sich andeutender Zeitenwechsel, zumal es öffentliche Kritik am gleichgeschalteten Erscheingsbild der Hochschule in den letzten Jahren hagelte, wenngleich jene sich bislang noch nicht durchsetzen konnte?

Dieser Text hier soll kurz bleiben; experimentell, und ohne Anspruch auf Vollständigkeit, nur Vieles anschneidend. Wie oben bereits ausgeführt, geht von Bush Faszination auf jene Strukturen aus. Was macht Bush für sie aus? -


Grundlinien, die kompatibel zu traditionell negativen Führungsbedürfnissen sind:


Im Prinzip sind diese Ansätze nichts Neues, es handelt sich um altes opportunistisch linkes bzw. recht[/-sextrem-]es Rüstzeug. Sie haben nur durch die große Weltgeschichte einen neuen, abenteuerlichen Touch bekommen, und bauend auf Erfolgen eines völkerrechtswidrigen Krieges handfeste Aufstiegsschienen für Karrieristen. Oder wie Bush meinte: 'Etwas Neues'. Doch die Facts widerlegen eindeutig den vorgeblich neuen Charakter.

Als StudentIn heute PR für die eigene Uni zu machen, ist in etwa so, wie früher in der HJ, gegen den Kommunismus engagiert gewesen zu sein, 'für Europa', oder 'gegen Nazis'. Das Problem dieser Tendenzen wird im Abendland wahrgenommen: eine Verrohung der politischen Kultur, und die Unterwanderung der Pressefreiheit und Bürgerrechte. Im kleinen akademischen Bereich: Das Außerkraftsetzen der Forschungsfreiheit (vgl. Mittelvergabe/Planstellen) und freiheitlich akademischer Traditionen wie genehmigungsfreie Aushangflächen.

Inwieweit diese Bedenken von Relevanz in Bezug auf B[-] sind, wird in den nächsten beiden Kapiteln anhand einiger Screenshots seiner Amtszeit nachgewiesen.


Enrongate

Akademische Führungskräfte feilen wie die großen Vorbilder in der Politik an ihrem Image - neu ist, daß man auf seine PR-Berater hört, die etwas in die Zeit hineinhorchen, um so zu sehen, was ziehen könnte, und sich negative, veraltete Strukturen zu verpflichten, indem man sie durch Täuschung zeitkompatibel aussehen läßt/Modernität beansprucht, und ihnen dadurch ein Überdauern der Zeiten sowie Machterhalt sichert. W. Bush magst Du dabei noch abkaufen, daß er tatsächlich die Stones mag und mit seiner Family zu einem ihrer Konzerte anrückt.

Ansonsten ist es irgendwie so, daß die meisten Auftritte PR-stilisiert ist. W. B. gibt sich gerne als herzlicher und souveräner Univater; mag sein, daß ihm das sein PR-Berater empfohlen - in der Realität jedenfalls zeigt sich ein differenzierteres Bild. Was die Hochschul-PR indes bevorzugt, ist vielleicht so etwas wie eine Mischung aus weichgewaschenem Stoiber, beleibtem Kohl, agilem Blair und markig-wuchtigem Bush. Halt verbal von allem das 'Beste' beanspruchend, damit es dem eignen Repräsentationstrieb zierend diene.

Wie bei Bush gibt es auch bei B[-] viele Peinlichkeiten. Seine Antrittsrede wurde zum uni-internen Skandal, weil sie einige rhetorische Floskeln zum Selbstverständnis des Rektors enthielt, die sich viele Professoren verbaten; das Problem war sicher, daß lockere Reden nach dem Motto 'So, meine werthen Herrschaften, jetzt mal ohne Krawatte!' als abgegriffene PR-Gags durchfallen und wahrlich nicht mehr als locker abgenommen werden, zumal wenn ein Rektor sie hält, der selber als opportunistisch ultrakonservativ signalisierender Linker gilt.

Die erste Vorstellung dieses Rektors gegenüber uns Studis bei der Veranstaltung 'Was nun, Herr [-]?' Ende 1999 in der (ja, gewiß sehr kirchenrechtskonform unpolitisch! ;) ) katholischen Hochschulgemeinde sowie in Anwesenheit auch der evangelischen Obrigkeit) endete in einer Katastrophe.

Da war zunächst ein selbstsicherer Rektor zu sehen: Wissenschaft sei schon immer elitär gewesen. Im Vergleich zu den US-Unis hätte unsere Hochschule sogar noch den Vorteil einer viel besseren finanziellen Ausstattung der PR-Stellen, plus den persönlichen Referenten des Rektors als strategischen Koordinator. Du sahst eine Stunde lang einen von den Uni-Strukturen überzeugten Rektor.

Die behördliche Weltsicht bayerischer Rektoren mag dabei zuweilen sehr einfach sein. - Auf die Frage hin, warum z.B. eine Beratungsstelle für Studierende gestrichen werde, heißt es da schonmal, diese nähmen nur 'asoziale und drogenabhängige Studenten' in Anspruch, und 'sowas' hätte an der Uni ja nichts zu suchen....

Nun, was diesen Abend betraf, so hatte unser Rektor bei der Veranstaltung selber einen psychischen Crash. Am nächsten Tag sickerte über Gerüchte an der Uni durch, daß er über eine Stunde lang geweint haben soll, und die Anwesenden viel davon erfuhren, wie es an der Uni-Spitze so zugeht. - B[-] soll under pressure gestanden haben. Leute seiner eigenen Fakultät hatten angeblich zuvor zur Durchsetzung ihrer Interessen seinen Rücktritt gefordert. Und der Rektor wollte wegen zu offenherziger Angaben über seine einschneidenden Stellenstreichungspläne bei der Veranstaltung am nächsten Tag zurücktreten. -

Hohe Tiere sind nicht so souverän, wie sie vorgeben, und sie nehmen viel Nachsicht anderer ihnen gegenüber in Anspruch, ohne eine Notwendigkeit zu sehen, das einzugestehen oder anzuerkennen. B[-] sahst Du in seiner Amtszeit häufig mit verweintem Gesicht; an besagtem Abend haben wir Studis Herz gezeigt, und den fertigen Rektor getröstet, Einzelne von uns ihn noch zu seinem Auto begleitet. Im Mindesten kannst Du dann aber erwarten, daß dieser sich in seiner Amtszeit studierendenfeindlicher Praktiken enthält.

Rücktrittsdrohungen gab es viele, es soll laut Sekretärinnen ein Teil der Taktik vieler der bisherigen Rektoren gewesen sein, damit zu winken; denn ein Rücktritt würde die Uni beim Ministerium schwächen, das Meinungspluralismus bzw. akademische Streitkultur an seinen Hochschulen als Schwäche sieht - und ein Rücktritt ist ein Hinweis darauf, daß nicht alles nach Plan läuft. Als Rektor einen solchen anzudrohen, hilft demnach, die eigenen Interessen mit Gewalt intern durchzusetzen.

Entsprechend oft, z.T. jeden Monat, sollen manche Rektoren ihren Abtritt angekündigt haben, es gilt also, sowas nicht zu hoch zu hängen, ebenso wie die Ankündigungen, nicht für eine zweite Amtszeit anzutreten - Vieles scheint reine Strategie zu sein.

Interessanter Aspekt: Offene Kritik am Leader ist mithin gleichbedeutend mit der Schwächung des Gemeinwesens, was Quatsch bzw. lediglich als Gleichschaltungsmechanismus auszumachen, aber im Moment z.B. in den USA sehr schön zu beobachten ist.

Die Amtszeit B[-]s war geprägt vom Streit um Stellenstreichungen - die nötig wurden, weil man an anderer Stelle, etwa bei den aufwendigen kalten Buffets, Prestigeprojekten oder bei der sündhaft teuren Öffentlichkeitsarbeit trotz angespannter Haushaltslage nicht zu sparen bereit war. Das Hieben und Stechen hinter den Kulissen begann, und nahm ziemlich miese Züge an.

Studis streichungsgefährdeter Lehrstühle wurden im Unklaren gelassen, ob sie hier in Augsburg würden zu Ende studieren können, auch von der eigenen Studierendenvertretung, die mit dem Rektor sehr enge Beziehungen unterhielt, und hinter den Kulissen mitmauschelte sowie ihn stützte.

Die Darstellung der Uni-PR-Stellen, man habe sehr gelitten unter den Streichungen, sie aber kultiviert durchgezogen, ist recht geschmeidig. - Die Realität sah anders aus. Insbesondere Stellen, die zum Unibetrieb kritisch stehen könnten [wie etwa die Rechts- bzw. die 'Studien- und Konfliktberatung'] und somit als 'Pfahl im Fleisch' empfunden werden, wurden seit Langem aus Rektoratskreisen heftig angegriffen, mit rechten Stammtischparolen wie 'Wir brauchen hier keine Psychiater!'. Wer genau für diesen Stil verantwortlich war, lasse ich hier offen, weil zu befürchten ist, daß Leute im Zweifelsfall aus Angst um ihre Stelle nicht zum Gesagten stehen. Allein, es genügt der Hinweis, daß unser Rektor in den Vorgängen kein Problem zu sehen schien. -

Intern kam es daraufhin zu gewissen Gefechten. 'Wie sollen wir Respekt vor Vorgesetzten haben, die so ungebildet sind, daß sie nicht einmal den Unterschied zwischen einem Psychologen, einem Psychiater, und einer Rechtsberatung kennen?!' ist ein bezeichnender Ausspruch eines Studienberaters als Antwort auf die besagten Stammtischparolen.

Die Opfer der oben erwähnten Streichungspolitik sollen lange vorab festgestanden haben, und einige Lehrstühle klagten über Druck 'von oben' (der Verwaltungsleitung), sich nicht gegen ihre im Hinterzimmer beschlossene Streichung öffentlich zu wehren.

Doch von alldem hast Du praktisch nichts erfahren, weil die Uni PR-mäßig weitgehend gleichgeschaltet ist - und es erwartet wird, daß sich die gesamte Universität den strategischen Planungen und einer zentralen PR-Koordinierung unterwirft, was Viele zurecht als Beschneidung der Forschungsfreiheit und Schädigung des Universitätsgedankens sehen.

Was ich B[-] zum Vorwurf mache, ist, in der ganzen Zeit holde Reden über sein Konzept einer angeblich 'kulturvollen Wissensmehrung' gehalten, und so getan zu haben, als ob die Bildungsanstalt kein Wässerchen trüben könne.

Hochschule kann alles sein, nur: ein geheiligter und unfehlbarer Tempel der Wissenschaft ist sie nicht ohne Heuchelei. In der Amtszeit B[-]s kam es zu ekligen Fällen von Mobbing und Degradierungen von für hiesige Verhältnisse zu demokratischen Uni-MitarbeiterInnen und DozentInnen. In einem Fall lag eine Mitarbeiterin monatelang in einer Nervenheilanstalt im Delirium, nachdem sie gemobbt worden war; die Behördenleitung kümmerte sich nicht darum, und unterband Mitarbeiterkritik dazu.

Bestimmte Teile des akademischen Apparats sprechen von einem 'Nazi-Klima' in einigen Bereichen der Universität, und selbst wenn dies sich auf moderat linke Kreise beschränken sollte, Unduldsamkeit gegenüber anderen bzw. abweichenden Meinungen ist im akademischen Bereich verbreitet.

Dieser negativen Tendenz wurde in den vergangenen Jahren durch Entscheidungen Vorschub geleistet. Im Großen dadurch, daß Kritiker ausgegrenzt wurden, bzw. offene Kritik ignoriert oder durch gegensteuernde PR erschwert wurde. Aber auch im 'Kleinen' zeigt sich ein Hang zum rechten Gedankengut:

Wenn etwa Hausmeister der Universität de facto als Sicherheitspersonal fungieren, oder KommilitonInnen, die zum Abschließen von Uni-Gebäuden angestellt sind ('Hiwis'), allen Ernstes intern als 'SchutzAbenddienst' ('SA') bzw. 'Sicherheitsdienst' klassifiziert werden, ohne dafür überhaupt irgendwie angelernt worden zu sein oder wenigstens einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert zu haben, dann wird deutlich, daß wir ein Problem mit der rechten Gesinnung von Mitgliedern unserer Universitätsleitung haben. Man sollte es amüsiert zur Kenntnis nehmen, es ist eine parallele zu den neuerlichen Verhältnissen in den USA (vgl. 'home security'). -

Wie sieht das Selbstverständnis dieses Rektors 'W. Bush' aus? Ich wähle die studentische Methode: Suche Dir wichtige Prestigeobjekte, und schau Dir an, wie die Sachen gemanaget worden sind = wie sich der Rektor verhielt.

Um die Textlänge vertretbar zu halten, beschränke ich mich auf das wichtigste Projekt, die Neueinführung des Bachelor-Studiengangs 'Europäische Kulturgeschichte' (kurz: EKG), zugleich der größte uni-interne Skandal der letzten Jahre.

EKG wurde zum Wintersemester 2001/2002 möglicherweise überstürzt eingeführt - man nahm damit die einmalige Gelegenheit wahr, als Erster in Deutschland diesen Bachelor-Studiengang anzubieten, mithin ein prestigeträchtiges Unterfangen, mit dem sich kurzfristig gute Presse machen ließ. Wie übereilt gehandelt wurde, zeigt die Tatsache, daß man im ersten Semester auf Basis einer nichtexistenten Prüfungsordnung benotete, und ein Korrektor dem Vernehmen nach das Fach selber gar nicht studiert hatte, mithin nicht hätte benoten dürfen. Fertiggestellt waren zu Vorlesungsbeginn einzig aufwendige Hochglanzplakate und PR-Broschüren, die den Studiengang überheblich anpriesen, während das Unterrichtsmaterial hastig zusammenkopiert wirkte.

Dieser Bachelor war in erster Linie eine windige PR-Sache. Man hatte nur 30 Studienplätze, verschwieg den StudienplatzbewerberInnen diesen Umstand aber [!], und holte mit einer großplakatigen Werbekampagne an deutschen Unis weit über 100 Studierende nach Augsburg, um sich nach wenigen Monaten mit äußerst dubiosen Methoden von einem Großteil des Überhanges zu trennen, was so sicher nicht zulässig war. Unter uns Studis kursierte der offensichtlich begründete Eindruck einer Gunstauslese nach Gefälligkeit, und ab Anfang des Sommersemesters 2002 ist die Sache schwelender Uni-Skandal; zig Studis, von der eigenen Studierendenvertretung im Stich gelassen, suchten nach dem Verlust ihres Studienplatzes in den Phil-Fakultäten nach Beratungs- und Studienfachwechselmöglichkeiten, die Zentrale Studienberatung war empört über die Angelegenheit. Das Uni-Pressereferat aber und auch alle studentischen Publikationsorgane unterließen die Berichterstattung. Trotzdem sprach sich die Sache uni-intern herum und ist seither, weil unterdrückt, ein kontinuierlicher interner Streit. Die Beschwerden der Studierenden wurden niemals bearbeitet.

Prof. G. (), eines der Prüfungsausschußmitglieder, gab mir gegenüber an, daß ihm die Sache sehr leid täte. 'Es wurde den Studierenden so viel versprochen, sie wurden bitter enttäuscht!' Das Projekt sei aber, deutete G. an, Chefsache (bedeutet: vom Rektorat getragen), sein eigener Einfluß reiche nicht aus, um dagegen vorzugehen. Ich würde mir bei den gegenwärtigen Machtverhältnissen an der Uni 'keine Freunde machen', sollte ich die Angelegenheit öffentlich thematisieren.

Dennoch wurde EKG allerdings von weiten Teilen des wissenschaftlichen Apparats unserer Hochschule als gezielten Angriff auf die akademische Kultur verstanden. Die Prüfungsordnung enthielt für unsere Uni unübliche Bestimmungen, und wurde in einer 2. Fassung verdeckt an unseren Strukturen vorbei dem Ministerium zur Bescheidung zugespielt, schließlich unzulässiger Weise rückwirkend in Kraft gesetzt.

Bei näherer Hinsicht erweisen sich einige dieser Bachelors als (zwischen Ministerium und Rektorat abgesprochene?) Angriffe auf jene Fachbereiche, die dem Universitätsgedanken und der verfassungstreuen/-konservativen Tendenz nahestehen. - Eine durchgeplante Werbekampagne für den Studiengang EKG trug den Slogan: 'Interdisziplinäre Gespräche: Nur leeres Gerede?', beanspruchte mithin schlacksig-unterschwellig, die Lösung zu haben, wo andre ja noch schliefen - insofern ein postulierter Modellcharakter? Das ist von einigen Lehrstühlen als Kriegserklärung aufgefaßt worden, zumal sie ihre Magister-Fachbereiche sich wegen der massiven PR der Pressestelle zugunsten weniger Bachelor-Lehrstühle als streichungsgefährdet einstufen - 'was nicht mehr wahrgenommen wird, gilt als veraltet und wird gestrichen' meinte ein Professor nüchtern-resignativ dazu.


[Im Folgenden sehr vorsichtige (Pseudo-/Beschwichtigungs-?) Kritik aus einem Artikel der Augsburger Allgemeinen; die Studis wußten übrigens entgegen der journalistischen Darstellung von nichts. Uni-Presseorgane ignorierten die aufkommende Diskussion bis dato zuverlässig, die Professorin erregte sich dennoch intern heftig darüber, daß die AZ so 'kritisch' berichtet hatte:]

'Die Studenten nehmen diese Ankündigung eines systematischen 'Hinausprüfens' mit gemischten Gefühlen auf. Und auch bei ihren Kollegen innerhalb der Universität hat sich Professorin T[-] schon einige Monate nach ihrer Berufung den Ruf einer 'hardlinerin' erworben, die zwar in kurzer Zeit den Studiengang aus dem Boden gestampft habe,  dabei aber anderen Fächern gegenüber sehr forsch vorgegangen sei. Sie habe die an sich begrüßte Vernetzung unkooperativ und von oben herab betrieben, ist zu hören, zu wenig inhaltliche Diskussion geführt. Bei Fächern wie Geschichte, Volkskunde oder Archäologie gehe die Angst um, Eigenständigkeit und Studenten zu verlieren, zu Zulieferern für die Europäische Kulturgeschichte degradiert zu werden.']


Ich halte mich aus diesen Sachen heraus, was mich in erster Linie stört, ist die Art, wie KommilitonInnen offensichtlich zugunsten von Prestigeprojekten gekickt und wie Müll weggeworfen werden, wie es bei EKG sichtbar geworden ist. Für uns Studenten bedeutet ein schwarzer Fleck im Lebenslauf mitunter spätere Arbeitslosigkeit, ganz abgesehen von mit Uniwechseln verbundenen Kosten - manchen eitlen Herrschaften an der Spitze sicher nicht ausschließlich unseres Rektors ist das irgendwie völlig egal, es zählt wohl in erster Linie nur ihr egozentrisches Streben nach Ansehen und Erfolg? Dozenten und Professoren bemerkten jedenfalls nach mancher ausgesessenen Sache kopfschüttelnd: 'Das hat hier jeder gewußt, und trotzdem ist nichts geschehen!'

Ich mache B[-] hier nicht persönlich für die Planung solcher PR-Feldzüge bzw. für Absprachen mit dem Ministerium verantwortlich [Vieles läuft über die Verwaltungsspitze], aber: er weiß von allen unkorrekt gelaufenden Dingen, und so stellt sich irgendwann eben doch die Frage, ob sein alles aussitzender Stil für eine 'demokratische' Hochschule noch tragbar ist, zumal sein Rücktritt wegen der politischen Verantwortung eh schon lange überfällig ist.

Realität auch an unserer Uni ist, daß Studierende, die gekickt wurden, stocksauer mit geschrammtem Lebenslauf an eine andere Hochschule wechseln. Zusammen mit unfreiwilligen Studienfachwechseln von KommilitonInnen dürfte pro Jahr von 50 bis etlichen hundert Fällen ausgegangen werden, bei EKG alleine waren es im oben thematisierten Einführungsjahr ca. 50.

Dieser 'Kolliteralschaden' des unsauberen Hochschulmarketings wird im derzeitigen Klima an den Hochschulen nicht gezählt. Man sieht keine Notwendigkeit mehr darin, überhaupt Begleiterscheinungen wahrzunehmen, weil die Uni-PR-Struktur so stark ist, daß Negatives kaum mehr eine Chance hat, etwa Medien zu erreichen, da diese in der Masse der von den Uni-Pressestellen abgefeuerten Positivmeldungen versumpfen. Selbst moderate Kritik muß als überzogen und unangemessen erscheinen, da sonst nur präpariert-positive Nachrichten von den Hochschulen kommen. Kritischer und investigativer Journalismus, an dem bestimmte Medien vielleicht noch interessiert sein könnten, wird auf diese Weise ganz unmöglich gemacht.

Im Grunde läuft diese Art Hochschulmarketing, wie sie unter B[-] vorsichtig ausgedrückt 'rektormäßig zumindest gut gelitten' schien, in den Schienen der Enron-Taktik:

Durch aggressives PR-Bombardement werden Projekte und damit die hinter ihnen stehenden Protagonisten jeweils kurzfristig gepusht. Man baut darauf, daß jedes neue 'Event' den gleichen Effekt haben wird, und so eine nicht abreißende Kette einzelner Positivmeldungen zustande kommt, die das Image dauerhaft weiterbringt. -

Die langfristige Wirkung für den Ruf einer Universität ist verheerend, denn an den Hochschulen, an die gekickte Studis ausweichen, spricht sich herum, was geschehen ist, und relativiert die, weil gar zu positiv gezeichnete, eh schon zweifelhafte Darstellung der PR-Worker. Was zugegebenermaßen allerdings ('Macht des Faktischen') leider kaum Potenzial hat.

W. B[-] ist als Rektor freilich genausowenig an allem (vllt. nichtmal ein einem Gutteil der Dinge) schuld wie W. Bush, er setzte 'nur' an bestimmten Stellen die falschen Signale. Andere Ebenen sind wie eingangs ausgeführt das eigentliche Problem; deswegen sollte generell auch meine Kritik 'lediglich' in dem Sinn verstanden werden, daß die 'politische Verantwortung' angesprochen ist.

Damit dieser Text fair bleibt, muß ich hier die Rolle der Studierendenvertretung ansprechen. Auch sie ist lange schon Teil dieser Art des Hochschulmarketings, und zeichnet die Hochschule praktisch nur tendenziös positiv, blendet Negatives gezielt aus. Der Sender Kanal C etwa, der den Status des einzigen Campusradios für sich beansprucht, läuft in dieser Schiene. Diese nur-'schöne' Berichterstattung der wichtigsten studentischen Publikationsorgane setzt die wenigen verbliebenen Kritiker zuallererst unter Druck, und läßt alles Kritikfähige als 'Miesmacherei' erscheinen. In die gleiche Richtung gehen zuweilen auch die von der Verwaltung finanziell und organisationell zu großzügig ermöglichten Uni-Parties der Studierendenvertretung.

Eine Gegenleistung hierfür sieht offensichtlich so aus, daß jede wirkliche StudierendenVERTRETUNG seit Jahren unterbleibt, und unsere eigenen Leute die studentische Sache verraten. Jene die Organisationsstrukturen beherrschende Gruppierung 'Fachschaftsliste' steht mit dem Rektor auf Freundesfuß. Eine solche Schwäche wird auszunutzt, die Amtswahrnehmung eines Rektors ist dann zu einem nicht zu unterschätzenden Teil ein Resultat unserer studentischen Strukturen.

Switch zur Unibehörde - wären manche feinen Herrschaften etwas anders, dann gäbe es evtl. auch weniger Anpassungsdruck auf den Rektor, ihren mitunter sehr zweifelhaften Vorlieben Rechnung zu tragen. Auch wir hier an der Uni Augsburg haben unsere 'Falken', und sollten diesen Aspekt nicht ausblenden, wenngleich der Rektor der mit Abstand mächtigste Beamte ist, und, wäre er zu einer wirklich korrekten Amtsführung gewillt, diese machtpotenzial-mäßig wahrscheinlich auch durchsetzen könnte. Es ist wohl alles eher eine Frage des Klimas im Rektoratsgebäude, und des persönlichen Profils.


Vorgehen gegen Kritiker

Wie sieht unter diesen Umständen die Situation von Kritikern der negativen Entwicklung an unserer Hochschule aus?

Das grundsätzliche Problem ist, daß kritische Stimmen der Universitätsbehörde durch das Klima des indifferenten Mit-machens behördenseitig mitunter als viel gefährlicher eingestuft werden, als sie es an sich sind. Der Kontrast zur Haltung der Publikationsorgane von Institution und Studierendenvertretung ist so groß, daß mögliche Anzweiflungen gleich als hochgefährliche Infragestellung 'des Systems' erscheinen, jedoch letztlich an sich nur feine Konfliktkultur darstellen.

Die Machtkämpfe an der Spitze der Uni sollen dem Vernehmen nach meistens mit Verleumdungen einhergehn, moderate und kultivierte Kritiker würden zu Intriganten oder Quertreibern stilisiert, und abgesägt. Um so größer mag das Bedürfnis nach Wahrung einer menschlichen, witzigen und harmonischen Fassade nach dem Geschehenen sein, wofür wiederum die Öffentlichkeitsreferate zuständig....

unipress_titelseite.jpg


[Eine Abbildung zeigt die Titelseite des PR-Blatts UniPress nach einer Säuberungsaktion an der Uni-Spitze:
zwei Herren deuten aufeinander, mit dem in illustrativem Schriftsatz gebrachten Statement:
'Wie? Sie auch fast neunzig Prozent?', nebst Untertitel am Seitenrand: 'Mit überzeugenden Mehrheiten gewählt: die neuen Prorektoren']


Vieles in meinem Text Geschilderte hat nicht unmittelbar etwas mit dem Rektor zu tun - allein, wer 'Führer' einer Uni ist, und einen undemokratisch alle Vorgänge aussitzenden und sie somit deckenden Amtsstil an den Tag legt, fällt am Ende für Dinge, die er gar nicht hätte mittragen müssen, und für die er nicht persönlich verantwortlich zeichnet. - Doch es bleibt die Frage, warum Leute wie unser Rektor ohne Not einen offenen Eklat provozieren, und sich damit selber beschädigen. Ich will hier einfach die Unnötigkeit des Ganzen hervorheben: Arroganz und das Hinweggehen über Menschen sind im akademischen Bereich sehr verbreitet, und richten teils erheblichen Schaden an, wenn sie wie auch immer auf Führungskräfte abfärben. Vorausgesetzt, daß tatsächlich einmal jemand offene Kritik übt, was allerdings eine absolute Seltenheit im deutschen Hochschulwesen ist.


In eigener Sache

Mit studentischen Kritikern, wenn es sie denn einmal gibt, springen Rektoren mitunter gern um wie Bush mit kritischen Journalistnen. Und so kann ich am Ende dieses Texts unserem George W. Bush seine in der Hinsicht nicht ganz sauberen Methoden sogar nachweisen. Ebendas ist wichtig, um Veränderungen bewirken zu können.

Die Facts sind rasch gebracht: Als unileitungskritischer Student bin ich offensichtlich im Weg, und soll nun wohl aus diesem geräumt werden. Diverse Hausverbote des Rektors etwa bin ich schon gewohnt, obgleich es nichts gibt, was diese hätte rechtfertigen können. Schließlich ging B[-] zu einer härteren Gangart über. Er fädelte Ende letzten Jahres eine Intrige ein, vielleicht um mich rechtzeitig vor dem geplanten Beginn seiner 2. Amtszeit, die er mitunter durch Leute wie mich gefährdet sah, zu entfernen.

Ein Bescheid des Rektors setzte ein Hausverbot rückwirkend und rückdatiert gegen mich in Kraft, was nicht zulässig ist. Auf Basis dieses dubiosen Hausverbots, von dem ich überhaupt noch nichts wußte, wurde gegen mich, als ich mich nichtsahnend an der Uni aufhielt, Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs erstattet (aufgrund meiner bloßen Anwesenheit an der Uni, es hat keine Unhöflichkeit, Gewalt oder sonstiges gegeben, was so hätte gewertet werden können).

Der Bescheid war eine rückwirkende Verlängerung eines Hausverbots, das zum 30.11.2002 ausgelaufen war. Ein Abgleich mit dem Briefumschlag der Postzustellungsurkunde ('zugestellt am 10.12.02' vs. Briefdatum '02.12.2002') weist eindeutig nach, daß der Bescheid um mindestens 1 Woche rückdatiert worden war. Solche rückwirkenden Inkraftsetzungen sind nach deutschem Recht unzulässig.

rueckdatierung_abgleich.gif


Die Justiziarin der Uni ließ durchblicken, daß geplant sei, mich über diese Schiene zu kriminalisieren und eine baldige Zwangsexmatrikulation zu erwirken. Sie distanzierte sich von diesem Vorgehen. Auch andere Mitarbeiter im Umfeld der Unileitung sprachen von einem zweifelhaften juristischen Angriff auf einen Studierendenvertreter; sie seien nicht bereit, so etwas mitzutragen, und v.a. nicht, das mitzuverantworten. Wegen einer Anweisung an die Hausmeister der Uni, mich im Zweifelsfall beim Zuwiderhandeln gegen ein Hausverbot festzusetzen, wurden unbeteiligte Studierende eingesperrt. Solche Praktiken sind unzivilisiert, und sollten eigentlich an einer deutschen Hochschule angesichts unserer geschichtlichen Erfahrungen mit derlei Methoden absolut nichts zu suchen haben.

Vor einiger Zeit nun erging gegen mich ohne vorherige Anhörung aus heiterem Himmel ein Strafbefehl über 20 Tage Haft, gegen den ich Widerspruch eingereicht habe. Daß ein Ansinnen einer Behördenleitung auf eine kriminalisierende Verurteilung eines Bürgers völlig ungeprüft durch Staatsanwaltschaft und Amtsgericht flutscht, und schließlich zum Strafbefehl über einen Monat Haft mutiert, ist ein Hammer. Eine deswegen angeforderte Stellungnahme des Oberstaatsanwalts zum Vorgang steht seit über 4 Monaten aus. Neben der Angelegenheit hat der Rektor gegen mich unzulässige Kostenbescheide [für die Nicht-Bearbeitung von Einsprüchen] im dreistelligen Eurobereich verfügt, die die wohl anstehende Haftzeit auf ca. 2 Monate erhöhen dürften.

Ein Problem bei der Sache ist allerdings, daß wir hier in 'Old Europe' sind, wo noch andere politische Sitten herrschen als im Bush-Amerika. Vielleicht werde ich ja eine Zelle mit unserem Rektor teilen müssen, der wegen Vortäuschung einer Straftat und Irreführung der Justiz drankäme, ginge es nach der Verfassung....

Daß mit B[-] ein Strafrechtsprofessor beim Vorgehen gegen einen kleinen Studenten selber mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt gekommen ist, zeigt irgendwie, daß Bush sich nicht ohne trouble nach Europa bringen läßt, einfach nicht kompatibel zum deutschen Konservatismus ist, der Übernahmen aus dem Ausland oft völlig obrigkeitsmäßig überzieht.


Remix

Das Bush-Syndrom erfaßt in Deutschland nicht nur die Obrigkeit. Du siehst Dich als Student mitunter in einer Situation, zuweilen wie ein Dixie-Chick strippen zu müssen, was mit diesem Text hier - vorerst in Schriftform - erbracht ward.

dixie_chicks.gif


[unterstreichend eine stilisierte Cover-Abbildung der Dixie Chicks, die zur gleichen Zeit in der Medienöffentlichkeit unter massivem Beschuß standen, weil sie Kritik am US-Präsidenten übten. Als Reaktion strippten sie auf der Titelseite, mit auf ihrer nackten Haut eintätowierten Formulierungen wie:

'boycott'/'saddam's angels'/'shut up!'/
'peace'/'free speech'/'DIXIE SLUTS']




Plakate/Flyer zum Prozeß


neben dem zu Textbeginn Genannten folgende beiden:

schauprozess.gif


DIN A5, braun, zentriert in Frakturschrift 'Schwaben Alt':
'Es beehrt sich Prof. Dr. jur. [-], Rektor dieser deutschen Bildungsanstalt, folgende Ordnungsmaßnahme anzusetzen: [Absatz]
Dissidentenprozeß [groß, halbfett]
ab 12. November, 14 Uhr, im Strafjustizgebäude, Gögginger Str. 101, Saal Nummero 142, 1. Stock, wegen Aufenthalts auf dem Campus [Absatz]
gegen den jüdischen Studenten Jörg S. [leicht fettgedruckt, Absatz]
Dessen Aussage entsteht ab jetzt im Datennetze als Lektüre für das demokratische Studentenpack - Verweis: surf.to/Uni-Augsburg [Absatz]
Heil Universität! [mittelgroß, halbfett]
[kleindegruckt, in einer Zeile]
im Rektoratsstile verfaßter Akademischer Aushang, nebst Einladung zum Beiwohnen beim Prozesse.'

aushang_prozess.gif


Prozeßnachbearbeitung, DIN A4 schmal, beatgelb, Webdings- und Verdana-Truetype.

[Webdings-Solidaritätsschleife, daneben fett]
Rektor versus Student: Strafrechtsprofessor [-] verliert Prozeß.
[kleiner darunter, gleichfalls 1 Zeile]
Du findest einen kurzen Prozeßreport im Internet - Link: Surf.to/Uni-Augsburg - nette Grüße an alle :) - Jörg



 
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Was Du in diesem Archiv findest: meine Studentenhomepage. Sowas wie die erste Free Speech Internetseite an einer deutschen Hochschule (und Studenten sind teils etwas feige). Ich bin nicht stolz darauf. Eigentlich hasse ich sie, denn das Teil hat mir viel zerstört. Das heißt in Wirklichkeit natürlich nicht, denn als ich diesen Content schrieb, war eh schon alles kaputt. Wie dem auch sei, zumindest aber die Sache eine so unermeßlich sinnlose Zeitverschwendung, daß ich das Ganze online halte, weil es irgendwie Ausnahme-Literatur darstellt, und (falsche Bescheidenheit wäre hier fehl am Platz) z.T. als das Beste gilt, was seit Langem von Studenten publiziert worden ist.

Satire. Dazu gehört, daß Du, auch in mißlichen Situationen, den Dingen eine ätzend-humoristische Note aufzwingst, etwas beißenden Spott, und in eine Rolle schlüpfst, von der aus das möglich ist. Du wirst nicht glauben, wieviel Leute nicht wissen, was Satire ist!

2000 war ich ein konservativer Student, und hatte mich an der Hochschule, an der ich studierte, etwas raufgearbeitet. Aber in der Bibliothek, wo ich dazu jobbte, hatten wir neben den typischerweise anzutreffenden bürokratischen Unseligkeiten auch EDV-Schlampereien. Es konnte einem Studenten leicht passiern, daß er Bücher zahlen mußte, die er nie ausgeliehn hatte. Und ich, zu grundkorrekt und wie viele meines Jahrgangs unbedarft, was die Wahrnehmung des rauher werdenden gesellschaftlichen Klimas unserer Zeit anging (in der abendländischen Kultur der 80s und frühen 90s lerntest Du den oberflächlichen Verfassungs-Scheiß an der Schule, und Deine Family klärte Dich dann auf, daß es nur PR-Dreck ist; aber ich kam aus einer kaputten Familie, wo dieser Ausgleichsmechanismus nicht funzt, also glaubte ich an die Verfassung.......), und machte den entscheidenden Fehler: meine Meinung zu den unschönen Dingen in unserem Haus frei zu äußern.

Im Nu war ich gefeuert, aber es sollte noch viel schlimmer kommen. Während man meinen Ruf durch abstruse Ermittlungen zerstörte, arbeiteten Studierendenvertretung und verschiedene Szene-Medien gegen mich. Damit hatte ich nicht gerechnet, und war völlig überfordert, wie es wohl jeder gewesen wäre. Sie hatten Angst vor Konkurrenz. Manche 'Journalisten' schrieben über die Sache verständnislos: ohne mich auch nur befragt oder irgendeine Quelle gehört zu haben! Die Szene hat bekanntlich diesen Filz (und ich als nationalliberal-konservativer Student war einfach außen vor).

Es ist, wie jene ihr Tun darstellen, alles nur ein Spiel, damit reden sie sich raus, aber im Prinzip ist es keins, sondern bitterer Ernst. Viele Studenten erlauben sich mit 21 eine zweite Pubertät, und das soll eben alles entschuldigen. Wunder Dich nicht, warum die Politik so ein Sumpf ist: die meisten von denen, die Du damit meinst, waren mal hochschulpolitisch aktive Studenten, welche mit ausgeprägtem Ellenbogen weiterkamen. Indem sie sagen: jeder spielt doch nur, erlauben sie sich, 'Sau rauszulassen'. Über andere, die ihre Hausaufgaben gemacht haben, sagen sie: 'Die drehn das eben immer so hin, daß es so scheint, daß sie im Recht wärn.' Im Zweifelsfall sind alle nur 'innovativer' Nachwuchs, die doch noch lernen zu dürfen beanspruchen, dies aber, während sie handeln, und Schaden anrichten......

Im Jahr 2000 also, wo ich frisch und verdammt gut gewesen, und als Nachwuchstalent galt, wurde ich von Vielen im Stich gelassen, mit den üblichen Ausreden: daß es gefährlich sei, noch mit mir zu reden etc., wegen des Verfassungsschutzes und möglicher Verfolgung durch einen bösen Nazi-Staat. Psychologische Sache: Die Leute wollen sich nur darin bestätigen, daß sich-raushalten und Vorteile ziehn der einzig richtige Weg im Leben seit. Und wenn Du am Boden bist, sagen sie: 'hey, ist der aber aufgequollen, das kommt davon, ich hab mich richtig verhalten! Hat der ein Drogen- oder sonstiges Problem?' Aber niemand reet mit Dir, und Du wirst solange angegriffen, bis Du der optimale Sündenbock bist. So geht es jedes Jahr vielen an sich netten Leuten, die später in die rechtsextreme oder Punkecke abgedrängt werden, ein trauriges Schauspiel.

Ich war von all den Pöbeleien furchtbar verletzt, und seh das auch ein stückweit als eigene Schuld, Du darfst es einfach nicht sein, das mußt Du lernen; aber den Weg der Gewalt wollte ich nicht gehn. Als ich erstmals was Bescheidenes online stellte, fast wie ein Signal, daß es mich noch gab, grub man das alte Motiv der Hybris ausgegraben, wie umwerfend originell, und verlinkte so, etwa die Neue Szene. Später jedoch verdankte ich einem fähigen Mitglied ihrer Redaktion, daß diese Satire-Homepage in den Jahrespoll für 2002 und 2003 kam, eine gewisse Ehre.

Aber insgesamt sah es schlecht aus für mich. Man benutzte schließlich sogar das steuergeldfinanzierte Studentenblatt Universum, titelte mit einem widerlichen Pferd, und verbreitete, das sei ich, eine Anspielung auf meine Zahnfehlstellung, die ich, weil an der Uni aufgelaufen, nicht operieren lassen konnte, weil ich kein Geld hatte. Sowas ist natürlich üble Hetze. Irgendwann posteten Leute unter meinem Namen konfusen Dreck im Internet (Beispiel von 2005 zip , über 1 Jahr nach meiner Exmatrikulation[!]), um mich zu diskreditieren oder sich als brav zu profilieren. Alle gegen einen.

Während der ganzen Zeit ging es mir dreckig, ich fand keine Jobs, und meine Familie verstand mich nicht, und sie wußten nicht, warum es wichtig sein sollte, offen miteinander zu sprechen, entschieden irgendwie chaotisch, ob sie etwas glauben sollten oder nicht. Sie hatten keine Chance, und ich wollte irgendwann keinen Kontakt mehr, weil ich es nicht mehr ertragen konnte.

Das meiste von dem, was ich oben skizziert habe, war lange vor dieser Homepage, egal was später gesagt werden sollte. Sobald Du den Fehler, etwas offen zu kritisiern, gemacht, werden Dich hunderte Mitstudenten als 'schwul' bezeichnen, und schwul steht für gestört. Nach 1-2 Jahren bist Du völlig fertig, und die meisten von uns netten Jungs und Mädels kommen in der Zeit auf Drogen, oder werden aggressiv und laufen Amok. Wenige, die den Absprung nicht schaffen, begehn Schulmassaker, vgl. Cho Seung-Hui.

Wenn Du so willst, ist das hier der andre Weg: Eine Satire-Homepage online zu stellen, egal wie messy sowas aussehn muß. Was hat es gebracht, respektive: wenn selbst diese einmalig gute Sache bislang scheiterte, haben wir wirklich das Recht, Schul- (oder zukünftig wahrscheinlich auch: Uni-) Attentäter zu verurteilen? Es ist doch so, daß auf dieser Welt nur Gewalt etwas verändern kann. Es würd mich nicht wundern, wenn eines Tages eine Studierendenvertretung von einem Verzweifelten niedergeschossen wird. Das schafft zumindest Veränderungsdruck, indem die Hinterbliebenen fragen, warum das sein mußte. Das werden sie nicht, solange ihr Kindchen Karriere macht, gleich wieviele Leichen es auf diesem Weg fabriziert. Sorry, das ist die traurige Wahrheit.

Gewalt ist von Leuten wie mir nicht zu erwarten, wir sind nur diejenigen, die dokumentieren, etwas *vielleicht* Bleibendes schaffen. Der persönliche Preis dafür ist hoch: In diesem Jahr starb meine Mutter, ich erfuhr es zwei Monate später. Sie wußte, wie ich recherchieren konnte, seit 2000, daß sie schwer krebskrank war, hat es mir aber nicht gesagt. Ich hätte es aufgrund der Signale wissen können, und mich um sie kümmern, war aber wegen Nichts hier in Augsburg so fertiggemacht worden, daß ich nie für sie da war, die Signale übersah. Welche Überlebenschancen hat eine Frau, deren einzigen Sohn sie verloren glaubt? Das wisse, bevor Du über mich oder meine Familie urteilst. Karrieristen töten.

Doch all das soll Dich nur davon abhalten, zu schnell über etwas zu urteilen, welches keine festen Schienen hat, deswegen 'strange' wirkt und zu ernst bzw. so verdammt verletzt. Die Site ist aber zugleich ziemlich gute Satire, hab also auch Deinen Spaß.




| Release-Notes


Daß überhaupt ein solches Release online geht, ist das Unwahrscheinlichste. Die Homepages von Leuten wie uns sind irgendwann einfach 4ever offline. Überlebst Du existenziell den Absturz, hast Du keine Lust, Dich mit Studentenkram weiter zu beschäftigen (ist Dir zuwider). Es spricht einfach alles dagegen.

In den vergangenen Monaten habe ich versucht, mich entgegen dieser Tendenz hin und wieder dazu zu zwingen, mal etwas Zeit für die Site abzuzweigen, die Inhalte zu ordnen, und auf eine Größe zu bringen, in der sich Files gepackt als ein Archiv semiprofessionell distributieren lassen.

Mit 'Generation Schleim' meine ich natürlich nicht die studentische Masse im Allgemeinen, aber es braucht eben eine harte Überschrift, um überhaupt jemanden zu erreichen, und ich möchte auch keinen Zweifel daran lassen, daß die bequem hingenommene Umerziehung von Schülern und Studis zu widerlichen Speichelleckern irgendwie so verbreitet ist. Sieh es wie Du willst. Der Titel war übrigens indirekt angeregt durch ein Graffiti von Pabia, einer Type, die '04 zu einem Kurztrip von 'Madrid -> Augsburg' gekommen war, und hier ein unscheinbares Spraying mit dem Untertitel 'Generacion Suicida' hinterließ, namensgebend für den ersten Titel des Texts, aber zu melancholisch und zentral bezogen auf nur einen Teil unserer Parallelgeneration; außerdem wollte ich eine die Gegenseite bezeichnende Überschrift. Nach endlos vielen gescheiterten Textentwürfen (schwer, nochmal den Stil zu treffen......) gliederte sich alles zuerst auf in kleinere Introductions, danach ergaben sich die Bezeichnung und aus ihr Teil 1 und 2.

Alle Texte des Vorspanns halten sich trotz satirischer Spitzen streng an die Realität. Du solltest den ersten Teil als abgeschlossenen Text sehn, 'Teil 2' war im Sinne der Realitätstreue absichtlich stark zurückgenommen, und härter gestaltet. Es dürfte wahrgenommen werden, daß er sich z.T. Robert S. widmet. Natürlich werden sich wieder Leute erhitzen, und das hier 'niederzuhetzen' suchen. - Du solltest wissen, daß ich lediglich die Originalfassungen der Texte rekonstruiert, und bewußt keine nachträglichen Eingriffe in den Content vorgenommen hab. Die Site war hastig geschrieben auf zig Computern unterwegs, und als Ex-Germanistikstudent hast schon die Pflicht, nicht zu glätten.

Solche Sachen sind zwangsläufig gestaltet wie die Philippischen Reden Ciceros, der damals nicht unwesentlich anders als heute die wenigen sozial engagierten Studis, versuchte, Gleichgültige zu erreichen, einen morschen Senat etwa. Faszinierend bis übel: in unserer Zeit exakt derselbe Hang der Breite zu Oberflächlichkeit und ironisch inszenierter Größe von Aktiven, weil die Ignoranz zuvieler dazu zwingt, diese Kompromisse zu gehn, und genau das wird als Argument gegen einen gekehrt, bis man dran kaputtgeht. Vgl. Börsenhype und die sich daraus ergebenden Notwendigkeiten, als Aktiver 'Features zu grabben', um sich soweit in Szene setzen zu können, daß man *überhaupt* wahrgenommen wird.




| 'wahre Satire', wie sie das Leben schreibt <
(ein Interview würde wohl nie kommen /wer berichtet schon über sowas/, deswegen nur ein Spiel.......)


> Wie würdest Du das unübersichtliche Teil von hp aus heutiger Sicht einleiten?

Ein kleiner Student läuft an seiner Hochschule, sagen wir: übel auf, weil er einmal die Linie des Mitlaufens übertritt, und etwas kritisiert. Er wird danach unschön angegriffen, sodaß er gezwungen ist, sich irgendwie zu wehren, und er sieht wie alle Betroffenen schnell alt aus, zuviel Wunden im Leben. Was nicht zum tragen käme, würden nicht soviele mit bequem Vorurteilen um sich werfen und die wenigen Leute wie uns bis zur Verzweiflung durch zu schnelle Schlüsse abstempeln und isolieren. Mangels Alternativen publiziert er zuckersüß-ätzende Satire online. Seine Homepage wird schließlich trotz allem dennoch zum Sprachrohr Vieler.

Irgendwann später trägt er zusammen, was davon übrig geblieben, kommentiert die Bruchstücke. Denn sowas wie diese Internet-Seiten hatte es nie zuvor gegeben, was Neues in der deutschen Studentenbewegung - zu schade fürs versehentliche Löschen.

Es gilt also, das auf zig Servern chaotisch verstreut liegende Teil neu zu ordnen, damit es die Zeiten überdauert, und wirksam sein kann: Literaturbetrieb reagiert immer erst mit Verspätung auf Neues, gut möglich, daß sich etwas Großes draus entwickelt. Es z.B. in die Sekundärliteratut einfließt.

Die ersten Versuche, jene bei solchen Anliegen unvermeidliche Einführung zu verfassen, die alles kommentieren und absichern würde, scheiterten kläglich, weil solche Textchen nunmal Satire schlecht beschreiben können, und der Textumfang zu groß ist. Schließlich neue Startseiten, über diese Schiene 'Introduction', 'Generation Schleim und die böse Kritik', sowie 'Teil 2', auch Satire, wieder solche, die ziemlich streng an der Wahrheit bleibt. Die witzigen Teile kommen in der Szene gut an, wenngleich sie Richtung Kolportage tendieren. Sie sollen eines fernen Tages durch eine Gesamtdarstellung ersetzt werden, bis dahin erfüllen sie ihren Zweck.

Einige Punkte paßten irgendwie nicht rein, deswegen dieses RTF-File hier. Als Form wähle ich den Interview-Stil, weil sich so das Ganze schön kurz halten läßt.


> Distanzierung?

Schwierig. Das meiste hier auf der Homepage war nicht wirklich schlecht, nur etwas zu sehr auf Drogen entstanden. Wer meine Introductions liest, dürfte wissen, warum es so sein mußte, und daß literarischer Stil nicht unbedingt auf den jeweiligen Autor schließen läßt.


> Was ging da genau ab, als Du aufgelaufen bist?

Ich arbeitete seit 1997 als kleiner Hiwi in der Augsburger Universitätsbibliothek. Das Wichtigste dazu kannst Du in 'Generation Schleim und die böse Kritik' lesen. hier die Details:

Gut, eine Kollegin war gemobbt worden, sie landete in der Psychiatrie. Sowas kannst nicht öffentlich machen, ihre Familie nutzte sie nur aus (wie sie öfters beklagt hatte), die waren auf meine Rückfrage hin nicht einverstanden, feige, wie halt viele Deutschrussen...........

Bekannt werden sollte nur das, was mit ihrem Fall zeitlich zusammenfiel: Wir hatten Computerprobleme. Dergestalt, daß unser altes Ausleihsystem nicht y2k-fähig war, und in den Monaten vor 2000 Bücher wahllos auf St. Nimmerlein bis ins Jahr 2040 unzuverlässig verbuchte. Der alte Bib-Direktor hatte sich wohl nicht rechtzeitig drum gekümmert, und der neue suchte sich nun unbeholfen als Krisenmanager zu profiliern. Man stellte die unfertige Version einer speziellen Anpassung des neuen Systems im Dezember 1999 in Regelbetrieb, ohne (was evtl. die beauftragte Firma möglicherweise nichtmal wußte) jegliche Absicherung, kein Backup, kein Mitprotokolliern der Buchungen, einfach nix. Der Katalog wurde beim verpatzten Konvertieren der inhomogenen Daten in teils schwere Unordnung gebracht, man ließ das System trotzdem weiter laufen, wie als ob nichts wäre....... und (that's the point) um die 10x pro Terminal und Dienstschicht wanderten die Bücher unbemerkt auf die Konten von Usern, deren Ausweisnummern vor denen der eigentlich ausleihenden Leser gescannt worden waren - die flüchtig angepaßte Scanner-Schnittstelle war nichtmal unter Realbedingungen getestet worden.

Niemand scherte sich auch nur einen Dreck darum, ob Leute wegen Büchern gemahnt würden, die sie nie ausgeliehn hatten (halt wenn sie nicht zurückgegeben wurden). Außer: dieser vielleicht zu fähige und liebe Hiwi, der ich damals war. Ich trackte die Fehler, und schrieb umfangreiche Protokolle über sein Auftreten, belegte mit Zeugen, egegen interne Wiederstände tc.. Meine damalige Vorgesetzte war deswegen ungehalten, sie meinte, man könne von ihr nicht erwarten, ständig die vielen Fehler des neuen Systems weiterzugeben, 10 Seiten sein schon genug, alles andre ihr egal, und man dürfe die eigene IT-Abteilung doch nicht anzweifeln. Das war so die Grundlinie von Bibliothekarinnen wie ihr: sie schwadronierten über die "Windows-Philosophie", von der sie nun überhaupt keine Ahnung hatten (SIAS lief damals aufm Netscape 4.08 unter NT, ein Java-basiertes System), allein, neue Kisten würden dem Haus neuen Glanz geben, und ihre gottverdammten Stellen sichern...........

Ich gab meine Fehlerberichte intern über eine Bibliothekarin (Fr. F., Teilbibliothek Jura, und ihren Chef Hr. H.) weiter. Sie hat mich scheinbar auflaufen lassen, indem sie meine Protokolle zu ihrer Profilierung nutzte bzw. teils zurückhielt. Später gab sie einzelnen Studis gegenüber an, alles habe gestimmt, was ich gesagt hatte, nur hätte ich meine Kompetenzen überschritten. Ja, die gefährliche freie Meinungsäußerung......... Natürlich wurde ich gefeuert, und galt fortan als verdächtig, das war aber mehr so DDR-Stil. Vor dem offenen Konflikt standen umfangreiche Gespräche, um die ich mich bemühte, etwa mit dem Leiter einer Teilbibliothek, zu dem Kollegen einen Kontakt für mich herstellten. Ich war höflich sowie sachlich, und diskutierte, doch im Haus war dazu niemand bereit, sie meinten, sie könnten Studenten befehlen, halt wie im rot-braunen Sozialismus. Es gab daneben einfach zuviel Schutt, schlampige Bauabnahme, deswegen keine Klimaanlage, die Schutzetiketten der Bücher warn inkompatibel, was den Bücherklau ziemlich begünstigte - über allen Scheiß aus der Vergangenheit schwieg man sich aus, wer aber nun an was Änderbarem dezent-konstruktiv Kritik übte, wurde verteufelt, weil ja was bekannt werden könnte.

Ich hatte alle Möglichkeiten der Konfliktschlichtung genutzt, fast bis zur Selbstverleugnung, die Studierendenvertretung mit Sitz im Bibliotheksausschuß war natürlich informiert und fiel mir und andern studentischen Kollegen auch selbstprofilierend in den Rücken. Als mir von denen welche helfen wollten, und anonyme Aushänge/Flyer verbreiteten, die weggingen wie warme Semmeln und weiterkopiert wurden, nahm man dies zum Anlaß, 'die Polizei auf mich zu hetzen' (wobei sie nichts dafür kann, eher bestimmte Justiz-Strukturen). Rein-sachliche Kritik hat so keine Chance; direkter Anlaß war ein harmloser Artikel über die Bibliothek, den ich in der Studentenzeitung Universum publiziert hatte.

Was mich aber wirklich fertigmachte, war diese Rundmail von der leitenden Bibliothekarin, die anwies, jeden Kontakt meinerseits mit Lesern der Einrichtung zu unterbinden, und ich dürfe nurnoch im Keller arbeiten. Ich fühlte mich so verletzt, und jeder, all diese beschissenen Dozenten, denen ich jahrelang zum Hungerlohn Bücher bereitgestellt hatte, hetzte über mich. Ich hatte ohnehin viel Kummer, weil ich als Kind mißhandelt worden war, und diese dummen Drecksprofessorenwitze, kritische Studis hätten wohl Identitätskrisen oder sowas, flankiert vom blöd Gucken der Studenten die von Dir was erwarten, die falschen Artikel über Dich, das ganze elendige Gehetze, das ist für jeden zuviel.

Ich will mit der Seite verbindend wirken, wie mir gings so vielen, die später nach links oder rechts abgedrängt wurden. Es wird der Tag kommen, wo wir wieder stärker werden, und meine Homepage soll dabei als erstklassig belegendes Primärdokument helfen.


> Gab es bei dem, was darauf an Satireaktionen folgte, Vorbilder?

Ich lernte viel von ein paar Mädchen, die zu Kritikern an der Uni gehörten, (und dies sehr früh, bereits Mitte der 90s). Sie hielten die Manipulation der Öffentlichkeit durch das Uni-Pressereferat und dessen Connections zu Medien für bedrückend, das sei total-overkill und verfassungsfeindlich, diese Materialschlacht. Für mich war das Neuland, ich war damals noch geprägt davon, bessere PR zu machen als andere, also eher konservativ.


> Du bist 1997 schon hochschulpolitisch aktiv gewesen?

Ich gehörte zu denjenigen, die beim 1997er Bildungsstreik das Schlimmste verhindern wollten. Danach zog ich mich zurück, und arbeitete an einem Konzept, das darauf abzielte, ein Archivieren von studentischen Arbeiten und darüber in die Diskussion zu bringen, daß auch Studenten wissenschaftliches Material erstellten und Vorarbeit für Dozenten generierten. Leute wie ich wollten vermitteln: Studenten leisten etwas, die Arbeiten müssen noch dazu im Gegensatz zum Gelehrtengeplauder mancher Profs immer Gesamtdarstellungen sein. Ich wollte auch nach innen wirken, klarmachen: Bildungsstreiks sind schlechte PR-Arbeit.

Anfang 2000 hatte ich bereits Unmengen an Zeit in die Sache investiert, sogar einen kleinen Interessentenkreis unter Profs wecken können. Mit dem Streit an der Uni war dies hinüber.


> Manche meinen, Du hättest furchtbar abgelost. wie verteidigst Du Dich an dem Punkt?

Die hp ist ein Meilenstein, die erste studentische Free Speech Site in Deutschland.

Daneben: Man hätte mich ja ansprechen und unterstützen können. Soll etwa ein einzelner Student alles im Alleingang reißen? Ich war einer der ärmsten in Augsburg. Seiten entstanden unterwegs, mal eben kurz, ohne Zeit, kein eigener Rechner, alles gehetzt. Das hab ich nie verschwiegen. Du machst in der Situation das Beste draus. Die Typen hätten mit mir reden und Gemeinsames planen können. Heute sprechen mich Leute auf der Straße an, meinen: "Du fehlst!" und: "was, Du hattest nichtmal Internet daheim, wie hast Du........?!"

Sie wissen nun, daß man wieder ohne wirklichen Grund einen der besten Aktiven verloren hat.


> Die erste Free-Speech-Site - wie meinst Du das?

Im Gegensatz zu Deutschland haben die USA eine lange Tradition von student homepages und Engagements, wobei es darum geht, die grundlegendsten Prinzipien der Verfassung auch an den Hochschulen durchzusetzen, die, ganz wie unsere, auf Ihrem Campus etwa freie Meinungsäußerung beschneiden. Sowas fehlt bislang in Deutschland & Old Europe. Darauf bin ich erst im Lauf des Projekts gestoßen, das ist etwas, wo Du meine Arbeit teilweise einordnen kannst. Die Sache hier ging noch an einigen Punkten darüber hinaus.


> Gibts unwahre Sachen, und: Wenn nochmal 23, was würdst Du anders machen?

Der bekannte Aushang von 09/2002 richtete sich in den Ausführungen bzgl. IT gegen den EDV-Beauftragten einer Fakultät, nicht gegen das Rechenzentrum. Dies kommt zu kurz. Das RZ war mir gegenüber immer fair, aber an der Stelle konnte ich nicht differenzieren. Einem Dozenten, der mir nett wegen Korruption in der Politik schrieb, hab ich nicht geantwortet, weil ich zu der Zeit fertig war, später seine Mail verloren. Wenn er das liest, bitte nochmal schreiben. Es gab auch Kontakte, die ich hätte wahrnehmen können, ohne daß es viel verändert hätte glaub, aber ich war zu fertig.

Wenn ich was im Leben ändern würde: mit 10 von daheim ausreißen, eine Hormontherapie durchziehn. alles würde ganz anders verlaufen, bezweifle, daß ich überhaupt an eine Uni fände...........


> Gothics und androgyne Jungs sind nicht die Mehrheit. Deine Clientel?

Transvestiten-Kultur ist nicht politisch, folglich spielt's keine Rolle. Ich bin für die benachteiligten Leute eingetreten, heute Mehrheiten, die später keinen Job finden, und die Basis hatte niemanden. Ich stand dafür, Szene und Politik zu trennen, keine Machtspielchen, unpolitischer Spirit unserer Generation, deswegen wurde ich gemocht.



(was nun folgt, sind jene Texte, die mit dem erwarteten Stil spielen. ob es gelungen ist, würde ich aus heutiger Sicht bezweifeln, aber die Zeiten haben sich geändert. immerhin ein Versuch, so etwas wie eine Gesamtdarstellung mit positiver Message hinzubringen)
 



 
Introduction



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>  Minirock, Kanone im Anschlag. Sie war das Symbol für diese kleine Studentenhomepage in der Zeit des Schleimens.  <   [August 2005]


Fakten über diese Site


Es mag groß klingen, aber das gehört zur Satire, und so 'mächtig' sah die Sache nunmal aus:
Eine studentische Reaktion auf 'Hochschul-Propaganda', 4 Jahre online. Eine kleine, unbequeme Studentenhomepage mit Freundeskreis aus der Szene.


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Das war auf dem Höhepunkt, Aushänge an den Augsburger Hochschulen. Der Rektor einer Universität geschlagen in einem Strafprozeß, die Message via Massenmail an die süddeutschen Unis geschickt. -

Im Prinzip war die Site eine Art Beginn und Dokumentation. Sowas kann nicht mehr aus der Welt geschaffen werden, und das ist letztlich der Sinn des Ganzen, so zweifelhaft es in seinen Einzelzügen auch erscheinen könnte.


über den Autor




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Das bin ich, 2003, als Studierendenvertreter. Einer der vielen Liberalen, die an deutschen Hochschulen angefeindet wurden.

Ich hatte eine Sonderstellung innerhalb der Aktivenszene, stand der studentischen Basis nah, und setzte mich für sie ein. Gegner: Uni-Leitung und Studierendenvertretungen. Ich wollte das nie, es bleibt Dir nicht, sobald Du irgendwas kritisierst, bist Du vogelfrei, leider.

Die Site entstand durch Hilfen aus der Szene. Niemand wollte persönlich dafür stehn, deswegen lief das Ganze unter meinem Namen, doch was heißt das schon. Es sieht immer böse für einen aus.

Zwei Erscheinungen prägten meine Zeit:

  • Schleim. Alle hatten sich lieb, Hochschulmagazine, Studierendenvertretungen, Schwulenreferate, bestimmte Stadträte und Uni-Magnate. Oberfläche der modernen und dialogbereiten Hochschule im internationalen Wettbewerb, über jede Anzweiflung erhaben. Heuchelei gemessen an der Realität. Wie sollte die benachteiligte studentische Masse darauf reagieren?
  • Mißbrauch lokaler Justiz. kaum daß Du das erste Mal an Deiner Hochschule Kritik geäußert hast, schon eine Hausdurchsuchung, Ermittlungen, die Zerstörung Deiner bürgerlichen Existenz. Viele Studis tippen bei sowas auf den Verfassungsschutz (und tun ihm Unrecht damit), aber es ist viel einfacher strukturiert.

Du findest Details im letzten Text des Projekts - hier der Link zum ersten Teil ->

Generation Schleim und die böse Kritik

weitere Introduction:
Release Notes




Methoden

Wie wurde das Teil hier aufgezogen?

HTML im Stil unserer Zeit = für INTERNET EXPLORER (nichts gegen die Opensource-Alternativen, aber IE stand in der Phase nun einmal für Freiheit, weil er ohne viel Aufwand sehr gutes Design ermöglichte, das mithalten konnte. und damals zählte der Schein mehr als Content).

Was das andre betrifft: Vllt. könnte man sagen: 'Spaßige' Aktionen, und klare Aussagen, wo andere jedenfalls nur schleimten.

Du solltest nicht meinen, daß dies alles ohne vorherigen persönlichen Preis ist. Die Szene-Medien schwiegen dies Projekt hier relativ tot, und über Dich wird übel hergezogen. Einmal abgesehn, daß sich darüber teils 'Interesse' abstrakt äußern kann. Du seist 'schwul', 'krank', 'gestört', 'behindert' etc.. Was machte die Konkurrenz sonst signifikant aus?

2000 brachten alle Hochschulgruppierungen der Uni Augsburg gemeinsam ein 'Modularisierungskonzept' heraus - ideologische Schleimpartie. Strategiepapier, wie man die Öffentlichkeit so bearbeitet, daß die Hochschule mehr Geld bekommt, und ihr Image verbessert.

Wie groß der Kontrast dieses Stils zu dem, wofür das vielgehaßte Projekt hier steht, zugleich unwirtliche Rahmenbedingung.

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The Complete Death.at/University

Tja, was ist das hier nun für ein Release? Vielleicht das erste Mal überhaupt, daß eine solche studentische Compilation online geht, downloadbar auf 1 Diskette, und sicher belegt. Nichts auf der Welt ist wirksam ohne Distribution, welche der siebente Teil......


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Generation Schleim & die böse Kritik



>  Schlaglichter zur Anfangsphase vor der Website. Blick hinter die Kulissen von Szene und Satire.  <   [August/September 2005]



Auflaufen an einer Hochschule


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Hier begann alles, in einer Uni-Bibliothek. Dort jobbte ich von 1997 an halbtags, asozial bezahlt mit unter 500 DM im Monat, von denen ich (erhielt kein BAFöG) im Studium leben mußte. Wurde schließlich 2000 gefeuert, weil ich Kritik geäußert hatte am bürokratischen Umgang mit Studenten, und an den typischen Schlampereien. Der Gipfel der 'studentischen Provokation' war dann noch, daß ich mich für eine studi-freundliche Kollegin einsetzte, die man krankenhausreif gemobbt hatte; sie sei doch in einer Nervenheilanstalt gut aufgehoben, hieß es zynisch. - Für mich war das die Gewissensfrage:

'Schweigst auch Du, nur um einen glatten Berufsweg zu haben?'

Ich ging zunächst den friedlichen Weg des Dialogs und der Konfliktschlichtung. Doch wie willst Du mit hohen, jedoch unreifen Tieren reden, die im Allgemeinen an Deiner Uni so von Studis 'beschleimt' werden, daß sie meinen, sich mit ihnen alles erlauben zu können?



Der Verrat


Natürlich fiel auch mir die Studierendenvertretung in den Rücken. Sie hatte einen einschlägigen Ruf. Wenn Studis Kritik übten, ließ man sie auflaufen (anders rübergebracht: man zog es vor, Party zu machen und dadurch weiterzukommen in der Rangordnung). Bei den Gremiensitzungen rumzickend gegenüber hohen Tieren fallen, daß die Kommilitonen keinen Rückhalt seitens der Vertretung hätten. Damit waren sie an der Uni für vogelfrei erklärt und erledigt.

Wirklich bewußt, was man da als Vertreter machte, war man sich nicht - irgendwer hatte irgendwas über die Betroffenen gesagt, irgendein Vorurteil paßte auf sie, man redete einfach nicht mit ihnen, und wie die dann reagierten......! - Generation Schleim hat so eine gewisse Doppelmoral.

Die Grundlinie der Leute jedenfalls bestand in übernommenen Behördenansichten (weil trendy in neokonservativer Zeit): Kritik kleiner Studis sei nicht nachvollziehbar, mitunter gestört, nicht zielführend und nicht vertretbar, alles habe sich doch dem Hochschulimage unterzuordnen. Welches aber überhaupt nicht Aufgabe einer Studierendenvertretung ist. Kurzum: Studis beschwerten sich zwar wöchentlich über die Hochschule, jedoch hielt man natürlich dicht, und sorgte dafür, daß aus den Uni-Ausschüssen nichts nach außen drang, übte relativierend Druck auf die Szene-Medien aus, etc.. Das völlig unbewußt, Schwulenreferat, multikulturelles Zeugs, viel Spaß/Fun/whatever, es ging einem gut, während Studenten wenige hundert Meter weiter ihre Existenzen verlorn.

Jenny R., diese Redakteurin der 'Neuen Szene' meinte dazu mal sinngemäß: 'Das ist doch eine Riesensauerei. Kleine Studis liegen mit Beschwerden vorm Wissenschaftsministerium, völlig allein.' Mehr ist dazu eigentlich auch nicht zu sagen. Aber auch sie konnte nicht neutral drüber schreiben, es gab kein Medium dafür.



Verfassungsschutz vs. Studis ?


Kirsti Weiß war eine Mitarbeiterin des Verfassungsschutzes, die genau in jene Strukturen gepflanzt worden war: karrieregeile 'Linke', die es als selbstverständlich sehn, die Infrastruktur der ASten für Machtpolitik ihrer Grüppchen zu gebrauchen. Kirsti hatte Probleme mit dem Schicksal derjenigen, die zwischen den unaufrichtigen Lagern zerrieben wurden, vertraute sich den Falschen an, wurde verraten, und in einer Kampagne durch Hochschulmagazine und extremistische Medien geschleift: 'Da, seht her, wie der Verfassungsschutz unschuldige linke Grüppchen bespitzelt!' (ich hab das Bild verfremdet, müßte so ok sein. auf Indymedia gab es einen Steckbrief mit hochauflösendem Bildchen, widerlich sowas)

Allein - es bleibt die Frage, ob es wirklich so ist. Im lokalen Polit-Morast präsentiert sich das ganz anders.....



Polizeyliches Durchgreifen*


Hausdurchsuchungsbefehle und Ermittlungen nach Kritik von Studenten: für die jeweilige Hochschule zuständige Polizeiinspektionen müssen dort z.T. verdeckt ermitteln, führen mitunter ungewollt Akten über kleine Studis und Gruppierungen, die an sich einfach nur für hiesige Verhältnisse zu liberal sind. Typisch für deutsche Hochschulen sind linke Strukturen, die mit rechten Botschaften realpolitisch operieren, und sich als Stabilitätsfaktoren bezeichnen. Werden sie von Studenten kritisiert, oder könnte das auch nur im Raum stehn, geht die Justiz auf vermeintliche Unrufestifter los, so das Szenario in vielen Städten, udn es generiert kaputte Existenzen bei für den Erhalt der Demokratie wertvollen Menschen.

Der ganze Gerüchte-Dreck einer deutschen Hochschule landet letztlich vielleicht gerade so in anderen Akten, über die Vernetzung im Innenministerium usw. - unglückliche Verkettung, dessen Selbsttäuschung. Es ist also nicht der Verfassungsschutz, an dem sich Linke gern aufgeilen zwecks eigener Imagepflege. Und schließlich sind die an der ganzen Situation, wie auch immer sie im Detail sein mag, alles andere als unschuldig, denn sie führen sich bei ihren Trillerpfeifen-Demos und in der Szene auf wie Sau. Ausbaden dürfen es die liberalen Studis, weil die Linken schwerer angreifbar sind, da sie die Studierendenvertretungen beherrschen.

*PS: 'Polizeylich' nicht abwertend gemeint



Dissidenten-Blues


Da stand ich nun also, 25-jährig, aufgelaufen. Es ist so einfach, den Ruf und die Existenz kleiner Studis durch Ermittlungen kaputtzumachen. Uni-Leute haben viel Zeit fürs Denunzieren, mancher Polizist ist daraufhin gewungen, in Deiner Umgebung herumzuwühlen, und die Studierendenvertretung stichelt parallel isolierend gegen Dich, ohne Dich überhaupt zu kennen, oder weil Du halt Konkurrenz sein könntest. Du hast kaum eine Chance, es wird schnell still um Dich, was Studis betrifft natürlich auch aus unbegründeter Angst vor dem Staat. Szene-Medien berichten jedenfalls einseitig, weil Du ihnen noch nicht bekannt genug bist, oder schweigen die Sache tot. Du hast keinen Job, und Dein Ruf ist so am Arsch, daß Du auf absehbare Zeit auch Nichts finden wirst, zumal Du ärmlich gekleidet bist. Du darfst zig Monate Aufsichtsbeschwerden einreichen bei Ministerialbeamten, die auf stur schalten, da sie vom AStA-Gremium wissen, daß Du keinen Rückhalt hast. So sieht die Wirklichkeit aus, BEVOR Du in irgendeiner Weise an die Öffentlichkeit gehst.



Flugblätter!


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Das ist eigentlich immer so, die Geschichte der schließlich meist an Drogen stilvoll kaputtgehenden Typen wie wir, egal aus welchem Lager, hallt irgendwann als Gerücht an ihren Unis nach, und dient Teilen der Musik- und Filmindustrie als wilde Kulisse für angepaßte Kulturproduktionen und deren Konsumenten. -

Was die Angelegenheit in meinem Fall besonders machte, waren zwei Faktoren, deren Erster ein ungewöhnlich starker Rückhalt im Behördenapparat war. Über ein Jahr lang hängten z.B. Mitarbeiter der Bibliothek immer wieder anonyme Aushänge in Fakultätsgänge, womit sie für mich warben, sie wollten, daß ich es in die Hochschulpolitik schaffe. Das war ziemlich spektakulär. Aber im Grunde wurde es nur als etwas ganz Besonderes wahrgenommen, daß aus Studentenkreisen (welche fast schon ein Synonym für Karrieregeilheit sind) überhaupt mal wieder etwas Kritisches kam, Einsatz jenseits dummer Schüler-Interessen.

Der zweite Faktor war das freie Internet mit seinen Möglichkeiten.........



MASSENMAILS!


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Ausländische Studis aus Ländern mit Regimen sind oft ziemlich enttäuscht, wenn sie sehn, wie es in unserer 'Demokratie' so zugeht: Lokalzeitungen bringen doch häufig Gefälligkeitsberichterstattungen. Hochschulgemeinden mischen für die Kirche propagandistisch mit im lokalen Polit-Sumpf. PR-Juden lassen sich vorteilsnehmend rumreichen und für ihren Opferkultvon deutschen Polizisten bewachen. Studentengruppen, Unimagazine und Campusradios schmettern neokonservative Ideologie.

Ein Bild, wie es sein könnte ohne die PR-Hölle: Aushänge und persönliche Anrufe von Profs bei Lokalredaktionen würden Zeugnis ablegen von einer gewachsenen Demokratisierung und lebendigen Wissenskultur nah an der städtischen Öffentlichkeit.

Im Juni 2000 hatte ich zig beschissene Monate vorsichtig-kompromißbereiter Gespräche hinter mir, und es mußte raus. - Denn Du kannst deren zigtausend führen, und hast trotzdem keine Medienpräsenz. Das sollte sich von nun an ändern.......

Freunde waren irgendwann neugierig, wie es wohl sei, an zigtausend Adressen zu mailen - hatten aber bislang keine Gelegenheit. Wir jagten die Sendung über den völlig ungesicherten Macserver einer PR-Einrichtung (ZWW) der Uni Augsburg. Die Zugangsdaten hatte ein geschmeidiger Lehrstuhl-Hiwi mal naiver Weise erwähnt. - Dutzende Leute griffen nun nach dem Massmailing die eigene PR-Stelle an wegen ihrer Inkompetenz, und drohten ihr mit juristischen Schritten. Der ganze Apparat war in heller Aufregung, und der Admin einfach nur völlig lame und fucked. Es war wunderschön. :>

Solche Mails gabs in den Jahren danach von hier aus einige, meistens an alle bayerischen Hochschulen, und sie sorgten jeweils für einen Mega-Ärger = dafür, daß die Sachen nicht länger totgeschwiegen werden konnten, es gab keinen andren Weg, bist Du nicht bekannt, macht man Dich fertig. 'Spamcop' drohte, die Uni-Domain in Spamfilter-Listings aufzunehmen, sodaß kein Dozent mehr hätte Mails schreiben können, Freeshell.org routierte vor Wut, weil sein Service sich als doch nicht so performant erwies. Vor allem aber war Unruhe aufgekommen: Von studentischer Seite kam mal wieder etwas Kritisches. Stolz war ich darauf nicht, es war aus der Not heraus, mit dem Rücken zur Wand.

Innerhalb kurzer Zeit gab es Leute, die Dir Infos zuspielen wollen. Dann sogar Mails der Direktion an die Uni-Mitarbeiter, worin aufgefordert wurde, Kollegen zu melden, die Informationen an Studenten weitergäben. Insgesamt war also eine ganze Menge 'Spaß' geboten, und in dieser Form zum ersten Mal überhaupt.



'Life is a series of downnotes.'


Die Darstellung betrifft natürlich die gesamte Zeit bis 2004. Aber im Jahr 2000 war alles einfach noch etwas früh, und ich sollte insgesamt 2 Jahre brauchen, bis ich halbwegs nicht mehr ganz so tot sein würde. Ich war anfangs zu streng mit mir, bis zu einem gewissen Grad lag dies auch einfach nur an Überarbeitung. - In einer Zeit, wo die gesamten Aktivenstrukturen kaputt sind, verlagert sich die Last, sich für andere einzusetzen, auf Einzelne wie Dich. Du wirst nach einem Konflikt wie dem oben Beschriebenen innerhalb von Tagen de facto zur alternativen Studierendenvertretung. Denn Du bist es, die/der soviel Druck erzeugt, daß sich Dozenten eben nicht mehr alles mit Studenten erlauben können, einfach weil sie Angst haben müssen, durch ein Massmailing in die Presse zu kommen.

Anders ausgedrückt: viele Leute können bequemer studieren, aber was ist mit Dir selbst? - In diesen 2 Jahren hatte ich viel auszuhalten. Nebenerwerbsmäßig gings mir immer dreckig, wie andern seit 2000 auch, manchmal etwas mehr, weil ich alternativ aussehe. Es war schon ziemlich bitter. Mitte 2001 war ich völlig abgewrackt, die Schuhsohlen hatten einen Riß, mein Bett war längst zusammengekracht, und ich schlief auf einem Teppich. Am Schreibtisch saß ich auf einem mit Akten gefüllten Monitorkarton. Der Rolladen meines Zimmers hing seit dem Sturm Lothar Anfang 2000 'auf weniger als Halbmast' (würde mangels Geld niemand reparieren). Bereits als Juli 2000 diese an sich netten Polizeibeamten meine Gruft durchsuchten, war ihnen so unheimlich (Strom war grad abgestellt, also kein Licht), daß sie möglichst bald wieder das Weite suchten.

Anfang 2001 kam ein vorläufiger Knockdown. Ein Freund brachte sich um, ich hatte keinen Halt geben können, die anderen hochschulpolitisch fähigen Leute meines Jahrgangs, mit denen ich zusammen war, gingen nurnoch in Drogen unter, wenn es denn noch welche gab. Ich war (abgesehn von einzelnen Freundschaften) in 2 Cliquen, die eine clean, aber völlig lame & unpolitisch, die andre das Gegenteil (dabei viel fähigere Typen als ich); sie befand sich 1999 schon in Auflösung, aus den Leuten wurde nichts mehr. Ich blieb als Einziger übrig, und kam nun in die Situation, allein, ohne Meinesgleichen, fortan als Fels in der Brandung jüngeren Gegnern in der Studentenszene gegenüberzustehen, die schleimten und rumhetzten, ohne sich dessen auch nur bewußt zu sein (wenn Du so willst: 'Schleimer-Schizophrenie').

Doch zurück. Mitte 2001 nun hatte ich wegen dem gottverdammten Bibliotheksstreit über ein Jahr lang aussischtslose Aufsichtsbeschwerden hinter mir, der Beschwerdeweg wurde vom KuMi wie Kaugummi in die Länge gezogen, um am Ende gar nicht vorhanden gewesen zu sein. Da kannst einfach nicht mehr nur-freundlich bleiben, es wird von Dir gesellschaftlich erwartet, anzugreifen; und wer auch immer dieser Homepage vorwirft, extrem zu sein: sie ist Wirkung, nicht Ursache, und die Wahl der Mittel und des Stils folgte den Rahmenbedingungen.

Ich war auch der Meinung, daß es nicht mehr von mir erwartet werden könne, mich mit sturen KuMi-Amigos rumzuschlagen. Just zu diesem Zeitpunkt, wo ich mich angewidert vom Eintreten abwenden wollte, kam eine unerwartete Phase in mein Leben, die mich direkt wieder zurück in die Hochschulpolitik zurückbefördern sollte....... (29.08.2005)



Cornelia und Monika P.


Für ein paar Monate 2001/02 waren wir beste Freundinnen, friendship one in a million. Danach trennten sich die Wege, und es wurde dann gerade wegen diesem 'Verhältnis' zu beiden Mädchen von meinen Gegnern in der Szene über mich hergezogen. Deswegen hier ein wenig dazu.

Computerraum-Bekanntschaft. Da war also Erstsemestlerin Cornelia, 20, und Jörg, ein abgewrackter 26-jähriger. Es sollte eine sehr komplizierte Mischung aus Freundschaft und Beziehung werden; im Grunde konnten wir uns teilweise überhaupt nicht ausstehen, und standen doch in Vielem so nah, daß es lange ohneeinander auch nicht ging. Ihre Zwillingsschwester Monika komplettierte das Chaos - als beste Freundin. Ich war also eng befreundet mit Zwillingen, die sich schonmal eifersüchtig zankten, wer von beiden mit mir freundschaftlich verkehren dürfe.

Gesellschaftlich erwartet wird von Dir, daß ein Mädchen nur 'Deine Freundin' werden kann, und dann Distanz herrscht zu ihrer Schwester. Doch erstens bin ich eigentlich kein Junge, zweitens nannten Cornelia und ich uns nur kurz Freund/in, aber das machte keinen Spaß - eben doch vielmehr, rumzuflirten, und zugleich beste Freunde zu bleiben. Jeder hatte nebenzu seine Affären, über die man (sofern sie ein Witz waren) ablästern konnte. Das war es, was diese Freundschaft ausmachte, eine Offenheit, die einen Bruch von Konventionen darstellte.

Ich gab vielleicht Rückhalt: ihr dürft alles, laßt Euch nicht beschränken. Das hat nicht jeder vertragen. P.s umgekehrt meinten, es müsse mehr von meiner Sorte geben, die nicht wegsähen, sondern einträten. Für mich waren solche Aussagen viel wert, denn ich neigte zu Selbstanzweiflungen. Erst 2002 gaben mir viele zu verstehn, wofür ich stand würde lagerübergreifend gemocht, auch von Leuten, die meinen Gegnern vielleicht näher standen als mir. (07.09.2005)



Das erste Board für studentische Kritik


Ein Graffiti als Reaktion Augsburger Kulturschaffender auf die Gleichschaltung der Stadtkultur hinter Lobbyarbeit - süffisanter Weise direkt gegenüber dem Sitz der 'City Initiative Augsburg' - kurz: CIA, der -nomen est omen- sowas überbeflissentlich schnell zu entfernen bemüht..........

Monika hatte ihr Studium hoffnungsvoll im Fach 'Europäische Kulturgeschichte' begonnen, und sollte eine von vielen Erstsemestern sein, die von der aufstrebenden Professorin nach wenigen Monaten über eine als 'Gunstauslese' wahrgenommene Prüfung von der Uni geschnippt wurden. Ich sah, was dies für arglose Erstie-Mädels bedeutete, und meldete mich erstmals mit Redebeiträgen zur nächsten Vollversammlung an. Ich hatte nichts besseres zu tun, weil keinen Job, alles kaputt war im Leben. Aber wirklich aktiv sein wollte ich nicht, jeder nahm dies nur an, und das tat so weh, daß Du irgendwann wieder einsteigst. Es gibt für nicht-Bafög Studenten kein soziales Netz outtake, dagegen wollte ich schon 1996 das Studium beenden.

Bislang hatte ich mich auf solchen Versammlungen zurückgehalten. Zu durchsichtig war, daß hier alles längst entschieden. Niemand anders als die vorherrschenden Fachschaftsriegen hielt doch an der Uni das Recht für Pinnwände und Plakatflächen, wo sich Studis informieren konnten. Diese Leute hatten obendrein die AStA-Zeitung in ihrer Hand und das Campusradio, daneben einen fetten staatlichen Etat für einheizende Goodies wie Freibier bis hin zu Info-Flyern. Ein Büro mit bezahltem Personal zwecks Orga, zig Aktive, und auf den Versammlungen ihre Polit-Punks in den ersten Reihen, die manches angriffen und niederbuhten, was ihnen nicht AStA-konform (=nicht 'links') genug klang. Natürlich, das war alles nicht absichtsvoll durchgeplant, aber eben doch ein Faktum. Du konntest als kleiner Mitstudent gern einen Antrag einbringen, aber die anwesenden Studis würden darüber nicht informiert sein und nur die vom AStA gewünschten Anträge kennen. Du mußtest in den Dir zustehenden 3-5 Minuten pro Antrag alles vorstellen, gegen Einwände rechtfertigen. Sowas kommt dann etwas lang rüber, und schon würden irgendwelche alternativen Spinner Deinen Vortrag stören. Also eine unlösbare Aufgabe, zumal Deine Zuhörer zuvor mindestens über 1/2 Stunde AStA-Berichte hören mußten, und die Klimaanlage abgeschalten, mithin jeder ungeduldig war.
Ich wollte deswegen nur diesen einen VV-Auftritt, er sollte symbolisch/exemplarisch sein für das, wofür ich stand, denn mehr ließ sich hier nicht erreichen.

Catastrophy: Zum einen war mir an jenem Dezembertag 2001 mal wieder speielendig übel, und ich hätte jeden Moment ins Mikro kotzen können. Gerade eben hatten Leute mit wilden Sprüchen einen Uni-Streik durchgepeitscht, alles war noch mitten bei diesem Thema, wobei ich die Stimmung nicht einschätzen konnte, weil nicht dabei (sondern zum Spucken auf Toillette) gewesen. Nun sollte ich kommen, und 'einfach' meine eingereichten Anträge vorbringen.

Die waren veröffentlicht, seit der schriftlichen Einreichung ans Rektorat gelangt, und hatten dort für Ärger gesorgt, denn es war Kritik an der Behördenleitung enthalten. Diese sollte schließlich sogar einen Vertreter entsenden, der 10 Meter von mir entfernt stand und mitschrieb; es würde wohl in meine Akte eingehn?

1 Redebeitrag und 3 Anträge. (1) gab Internes aus der Bibliothek preis, ich sagte ihnen einfach, wie es war, Details der unbeliebten Einrichtung. Über (2) sollte die Studierendenschaft die Möglichkeit haben, die Uni-Behörde aufzufordern, ihren Etat den Bürgern offenzulegen - dieser Antrag für mehr Transparenz war, von Studis gestellt, ein Novum, und sollte, gleich ob erfolgreich oder nicht, einfach nur beeinflussend auf andere wirken. (3) thematisierte den Fall Europäische Kulturgeschichte, ein Beschluß könnte sicherstellen, daß die offizielle Studierendenvertretung sich überhaupt einmal mit sowas beschäftigte (4) war das Kernstück: Aufgrund der 'Aussichtslosigkeit studentischer Kritik' und ihrer 'Zensur' wollte ich einen Beschluß der Studierendenschaft, daß die Studentenvertretung ein Internetforum für Beschwerden einrichten solle. -

Schon ein ziemliches 'Feuerwerk', wobei fraglich war, ob ich auch nur einen Antrag durchbekommen würde. - Wegen der Streikbeschlüsse und aufgeheizten Stimmung kippte ich (2) mit Hinweis auf die knappe Zeit. Es mußte halt als Signal ausreichen, daß überhaupt mal so ein Antrag gestellt worden war. (1) erwies sich als gut kontrastierender Einstieg, denn die Message kam an: 'das ist reelle Kritik an der Uni, und keine Streik-Spielerei'. (4) zog ich vor, weil ich diesen Antrag unbedingt durchbringen wollte. Mir wehte dabei gleich scharfer Wind ins Gesicht. Jemand von der Studierendenvertretung stellte mein Anliegen als Verleumdungsboard hin, wo Uni-Dozenten unsachlich verunglimpft werden würden - etwas, wo Studenten sich frei äußerten, könne nicht konstruktiv sein. Ich versuchte, das taktisch auszuhebeln: ich hätte nichts dagegen, daß es auch für Unterrichtsmaterialhilfen verwendet würde - damit war klar, daß die Lösung flexibel sei, obwohl die Stoßrichtung klar festgelegt war. Gleichzeitig ging mein Antrag unverändert durch die Versammlung und wurde beschlossen. (3) hätte ich zusätzlich noch durchgebracht, aber ein hohler Idiot in den ersten Reihen schrie rum und unterbrach mich im entscheidenden Moment, dadurch konnte ich nicht mehr überzeugend die aufgebotene Darstellung der Fachschaft auseinandernehmen, man könne doch mit jedem Prof reden. Aber dieser kleine Mißerfolg war auch nicht weiter schlimm, da durchsichtig, wie der Antrag zu Fall gebracht worden war. - Und wenige Wochen später geisterten nun endgültig studienplatzverlustig gewordene Kommilitonen des Faches hilfesuchend durch die Gänge, die Dozenten kniffen, die Studierendenvertretung mochte sich mit sowas nicht beschäftigen, die Fachschaft verriet sie, niemand würde berichten; kurz: es war spätestens hier klar, daß der Antrag nur allzu berechtigt gewesen.

Insgesamt ist so ein Auftritt immer messy und eine KAtastrophe, denn zuviele Hohlköpfe schreien dazwischen. Es ist eben Aktivismus und hat wenig mit Niveau zu tun.

Insgesamt war diese Vollversammlung ein Achtungserfolg, und hatte irgendwelche Erwartungen in Dich geweckt, wo Du Dich fragtest, ob Du ihnen überhaupt gerecht werden kannst (ganz abgesehen davon, daß Du 26 Jahre alt und im Studium fertig, weil Dir Steine in den Weg gelegt werden). Du bist nicht mehr ganz so isoliert wie vorher, und man läßt Dich spüren, Dich als Vertretung zu verstehn. Es bringt Dir wenig.

Ansonsten reichlich Mails, wo Dich Leute warnen, daß Eintreten nicht gedankt würde. Daß sie Dir Erfolg wünschen, aber Angst hätten, zusammen mit Dir gesehen zu werden bzw. vor 'staatlicher Verfolgung'. - Du schreibst zurück, erhältst nie eine Antwort, denn die Leute sind übervorsichtig, haben anonym vom Internet Cafe aus über einen eigens für die eine Mail eingerichteten Account geschrieben, den sie nie wieder aufrufen würden. So bleibt es die ganze Zeit über. - Die Linken stacheln schließlich staatliche Strukturen gekonnt auf.

Aus was besteht Deine Zeit als Studierendenvertreter? Ein paarhundert längere Mails, davon viele mit Dozenten und Studis von anderen Unis. Einige tausend ICQ-Messages. Hunderte Gespräche, manchmal von 10 bis 2 Uhr nachts in der Uni, teils Informelles, manchmal aber auch nur privates Geplauder, wo Dich jemand einfach nur kennenlernen möchte, aber Du bist derjenige, der die Gespräche erschließt, immer Vorurteilen begegnend, aber letztlich alles fürs Klo. Die wichtigen, damit es niemand von den Dozenten sieht, im brachliegenden Treppenhaus des Rechenzentrums, in Büros spät nach Dienstschluß. Schließlich wirst Du sogar von befreundeten Wachleuten wöchentlich unzulässiger Weise nachts zum Quatschen mit auf Streife durch dunkle Uni-Gänge und unter Verschluß stehende Räumlichkeiten genommen, das ist schon cool, und Du hast überhaupt Beziehungen bis zum Abwinken, die Dein Leben aber mit nichts voranbringen, denn es ist längst zerstört. Weihnachten und Wochenenden verbringst Du zusammen mit einem befreundeten Assistenten in gewissen Büros, Actionshooter. Die Dealer kennen Dich, seit sie Dich mal nächtens um 3 grölend geweckt hatten, nachdem Du übermüdet auf einer Campusbank bei Mondschein eingeschlafen warst.

Privat: Zielloses Rumhängen etwa an der Hall of Fame (Graffiti-Zone an der Haunstetter Straße). Ich war im Augsburger Nachtleben fast unbekannt.

Die meiste 'Unterstützung', wenn man davon denn sprechen kann, stammt von Ex-'68ern' unter den Uni-Mitarbeitern, die wegen der Erfahrung der Machtspiele in der Studentenszene ihrer Zeit wünschen, daß bei den Studis mal jemand Integres hochkommt, zumal die Typen, die mit ihren staatsnahen Antikapitalismus-Parolen so vielen kleinen Studis die Existenz kaputt machten, auch heute von den Behördenleitungen zwecks gegenseitiger Symbiose gestützt werden.

Eine der coolsten Bekanntschaften dieser Jahre war die 'Tengelmann-Clique'. Nette Leute, die hinten am Uni-Parkdeck abends/nachts ein wenig abchillten. Spießer unter den Dozenten verfolgten diese Erscheinung seit Jahren mit Argwohn (Drohungen des Uni-Kanzlers mit Strafanzeigen wegen angeblich unerlaubten Parkens, beschildertes Verbot des Aufenthalts auf dem Parkdeck/'Hausfriedensbruch' etc.), hielten das für Prostitution auf dem Uni-Gelände: junge Mädchen, und Typen mit schnellen Wagen, welche wohl das Geld hierfür nicht anders als über ihre 'Nutten' finanzieren könnten......... - Daß es solche Berichte an den Uni-Kanzler gab, wußten sie von Dir. ;)



Der politische Nachwuchs und seine Konzepte, das Böse einzudämmen.


Wenn es mal wieder von studentischer Seite aus Kritik gibt, bildet dies 'zuvörderst' neue Profilierungschancen für Schleimer, ändern kann sich Nichts. In Abgrenzung von ihr werden sie sich in der staatsbürgerlichen Bravheits-Skala nach oben dienen, mitunter auch jugendlich-bescheidene PR-Fähigkeiten unter Beweis stellen. -

Anno domini 2002 wollten sich die Größen der Linken, die ihr Studium abschlossen, glanzvoll aus dem schmutzigen Geschäft verabschieden. Da kam Kritik grad gelegen, denn man wähnte, sich inszenieren zu können als innovative quakademische Jungschar in Abwehr übermächtiger Kritiker des Systems - vgl. Matrix 2 & 3. Es wurde ein Miniatur-Spektakel des Neokonservatismus, und bietet im Rückblick ein pikantes Porträt des fortwährenden Stils von Studierendenvertretungen:

2002 organisierte die Bertelsmann-Stiftung (an sich verdienstvolle Organisationen mit gesellschaftlicher Wirksamkeit) eine Kampagne, mit der sie den 'Gemeinsinn' an deutschen Hochschulen stärken wollte. Das Ganze ging hier aber an der Zeit vorbei: einfach naiv, Gemeinsinn zu predigen, ohne sich anzusehn, warum denn so viele Studis mit Scheuklappen nur ihren eigenen Weg gehn. Man meinte harmonieselig(?), es genüge, an die Hochschulen zu gehn mit der plumpen Aktions-Phrase 'Gemeinsinn'. Dabei war jedem, der ein Hochschulmagazin auch nur in die Hand nahm, klar, daß dies die Sphäre der Karrieregeilen ist, und wer sich ins Schleimbad begibt, dort in glitschigem Terrain wiederfindet.

Die Projektplaner hatten einfach versäumt, darüber zu wachen, daß ein einheitliches Erscheinungsbild ohne politische Tendenziösitäten gewahrt wurde. Und so waren die 'Gemeinsinn-Tage' letztlich eine Steilvorlage für jene, die das Ganze in ihrem Sinne umdeuten wollten. An der hiesigen Uni wurde es aufgezogen als 'Augsburger Frühling' (in einverleibender, euphemistischer Anlehnung an den 'Prager Frühling') - die vom AStA-Vorsitzenden persönlich fürs Pressereferat designten Plakate zeigten ein junges Pflänzchen auf einem Acker, dahinter die mächtige Bibliothek. Das konnte alles bedeuten, aber de facto direkt in Zeitnähe des mitpropagierten Bibliothekarstags und der lokalen Schleimkulisse nichts anderes als: wir schöpfen die Kraft des Neuen durch LeHrnen vom Alten.

Entsprechend sahen die Veranstaltungen aus. Schleim-engagierte Studis und Dozenten suchten die 'egoistische' studentische Masse zu bekehren, designten Stellwände mit kommunikationswissenschaftlichem PR-Koordinationsgeschwafel und strategischen Konzepten, alles natürlich betont positiv in Bezug auf das Hochschulimage. Kern des Ganzen war eine (strikt abgegrenzte) Area in der Mensa, wo die Elite der Studierendenvertretung, umschirmt von blickdichten Vorhängen, im Antlitze lokaler Großsponsoren (Molkerei Müller und Dgl.) vornehm 'innovativ' fachsimpelte, mit dem ideologischen Egoprofilierungstrip die Mensa laut beschallend. Die 20 Meter entfernt hart arbeitenden Küchenkräfte fragten Dich: 'Das ist doch eine Unverschämtheit! - Sagen Sie mal, Sie haben sich doch schonmal eingesetzt, können Sie dagegen nicht was machen?' -

Here we are, totally alone.



weiter gehts im letzten Teil



finished 20050910  
 



 
Teil 2



>  Bei dem File handelt es sich um einen zur Gallery mutierten Part direkt zur Website-Entstehung.........  <   [10/2005]

 

Was es bedeutet...... (Situation vor der Attacke)

um das wirklichkeitsgetreu darzustellen, müßtest Du in harten Schnitten viele Szenen in kurzer Zeit bringen -

Du bist 25-27. Deine berufliche Laufbahn ist zerstört, einen Studienabschluß wirst Du nie erreichen, ausbrechen kannst Du nicht. Teile der politischen Szene hassen Dich. Es wird Jahre dauern, bis Du wieder bescheiden beruflich Fuß fassen kannst, wenn Du denn eine Exmatrikulation wagen kannst. Freunde ziehn für kurzfristigen Imagevorteil in der Szene über Dich her, schwäbische Jungs spötteln eigenprofilierend über solche 'Schwulen' und 'Kranke' - fachsimpeln, deren 'Verschwörungstheorien' seien 'nicht nachvollziehbar' oder tragfähig. Das Wahrscheinlichste ist, daß Du irgendwie draufgehst, auf der Straße, als Drogenwrack oder durch Selbstmord endest.

Was Du hier nun auf dem Webspace findest, ist so eine Ironie der Geschichte: Kleiner Student, 27, völlig unpolitisch, läuft auf, und hängt existenziell elendig rum. Die Uni wechseln/wegziehn oder exmatrikulieren/eine andere Berufsausbildung beginnen, dazu reicht das wenige Geld nicht. nebenjob-arbeitslos, an der Uni angefeindet, Studienfachwechsel von Deinem Prof verbaut, Dein Ruf noch immer wegen Nichts am Arsch. Du startest mangels Lebensalternativen einen symbolischen Feldzug gegen die Unileitung und für sie Schleimdienste leistende Studi-Vertreter. Sie würden nun ihre Lektion erhalten, aber mit Dir selbst hatte das nichts zu tun, es war das alte Motiv des Sündenbock-Juden. Das Karriere-Klima war völlig krank.


September 2002. Der intensivste Sommer. Nach dem Versuch, im April mit 27 Schluß zu machen, begann hier für Dich ein ganz neues Leben. Nie wieder eine Beziehung, nurnoch one-night stands, intensiv und aufrichtig. Der Aushang war nicht nur eine Antwort auf all das, was Du in 2 Jahren hattest aushalten müssen, es sollte vielmehr eine Art abschließendes Manifest sein, wofür Leute wie ich und alle Gleichgesinnten standen. Das Teil kam insbesondere vor dem Hintergrund der beruflichen Aussichten der studentischen Masse (voraussehbares 'Carriere'-Ziel: Hartz-IV) und der diesen Umstand ekelhaft verklärenden Hochschul-PR an, hing fortan in vielen Studentenbuden. Die Leute sahen den Aushang, und nahmen ihn einfach mit nach Hause, was das Plakatieren uneffektiv machte, aber auch dafür sorgte, daß das Teil heute noch von Vielen neu entdeckt werden kann. Gegner hängen sich künstlich daran auf, daß Du Dich angeblich selbstüberheblich als Studierendenvertreter bezeichnest. Die Wahrheit sieht so aus, daß Du von Freunden gedrängt werden mußtest, endlich zu dem zu stehn, was Du längst bist. Anliegen des Aushangs dabei war eigentlich, andere anzustoßen, auch mal was Wildes zu machen - Du willst Dich mit diesem wuchtigen Signal zurückziehen. Natürlich wird die Botschaft in der Form ganz anders wahrgenommen.........


Zum Aushang gehörte eine kleine 0815-Homepage zip outtake, die es für den Zweck des Good-bye tun würde. Darauf zu finden eine Vorstellung des Hintergrunds; unschwer zu sehn, daß die Sache vom harten Kern her kam - Themen wie 'Ausnutzung von Praktikanten', 'Diskriminierung von liberalen Studis durch Uni-Profs', und 'studentische Selbstmorde'. Das war (vielleicht zu) aufrichtige Kritik aus der unpolitischen Subculture, und würde im Gegensatz zu den Linken mit ihren Nazi- und Antikapitalismusparolen keinen Studis die Existenz versaun. Dabei modern und bescheiden - die Page nutzte ein das Browserfenster verkleinerndes Javascript, damit auf dem Bildschirm viel Platz für Anderes bleiben würde.

Eigentlich sollte sie nur ein Provisorium darstellen, begleitete aber die Aushänge so mächtig, daß z.B. Locations wie Mr. Onions am Eingang Kopien von ihnen brachten; es schien sich hier endlich was Neues und Großes anzukündigen, das man mitstützen/fördern wollte. Die Leute erwarteten sich nicht nur eine Realisierung des Widerstands-Boards von Ende 2001 - die Ankündigung von 'heftigen Aktionen' wurde für bare Münze genommen, statt wie geplant ein nicht ernstgemeintes Signal für Aktivisten zu setzen, selbst was aufzuziehn. Du fandest Dich innerhalb weniger Tage in der beschissenen Situation wieder, daß von Dir gewünscht wird, etwas zu verändern.

Du bist völlig überrannt und überfordert, chronisch pleite und nicht fit. Zurückgezogen zerfaserst Du Dich erstmal wochenlang mit Homepage-Konzepten, denn für all das, was nun kommen mußte, brauchte es eine gute Site, anders als heute, wo das nicht mehr wichtig ist. Normales HTML war völlig ungeeignet für den Zweck - nur tabellarische Auflistungen sehn im Web wirklich cool aus, viele Partnersite-Grafiken vorausgesetzt, ohne die Du auskommen mußt, weil es kaum kritische Studi-Homepages im Netz gibt. Als Stil wähle ich 'zuckersüß-ätzend'. Einfach etwas-zuviel, es war die einzig mögliche Antwort, und die Leute mochten es so.

Ziemlich chaotischer Start, vielleicht aber auch einfach zwangsläufig, weil ganz anders als jenes krampfhaft aus der Lokalwerbung gekupferte 'ohne-unsere-Betreuung-bist-Du-kleine(r)-Student(in)-ein-Loser' der ASten............


Plakate einer von Spiegel-online hochgejubelten Kampagne 'Mit starker PR gegen die Flaute' von Studi-Vertretungen.


Hier noch ein typisches Beispiel dieser Art von copy-cat Uni-Öffentlichkeitsarbeit aus studentischer Hand auf Basis eines geklauten Computergame-Messeplakats...........

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...... gegen sowas galt es nun anzukommen. Insgesamt waren dabei die Erwartungen an die Möglichkeiten eines kleinen Studenten viel zu hoch, was sich aber als Vorteil erwies, nicht für mich, aber für die Sache, die ich irgendwann so sehr haßte: der erzeugte Druck sollte schließlich die Site hier erzwingen.



Da ich nun in der verdammten Pflicht war, Aktionen durchzuziehn - warum nicht die Studierendenvertretung angreifen und entmachten? (zumindest so tun) Eine Art fatalistischer Galgenhumor, doch tatsächlich würden Teile des Plans aufgehn.

DinA4 Plakate schmückten als Provokation die Uni pünktlich zur PR-Großveranstaltung 'Tage der Forschung 2002'. Es gab u.a. ein Anti-PR-Flyer, und als Gipfel einen Aushang, mit dem die Studierendenvertretung gekitzelt werden sollte. Den Hauptnutzen hatte die Aktion erfüllt: Die Studierendenvertretung flog wutentbrannt in die Luft, und publizierte eine Gegendarstellung. Die dann so grottenschlecht war, daß sie von uns mit einem Flyer in Auflage von 1.000 Stück abgeschossen werden konnte, denn sie stellten lediglich ein Zitat als Behauptung hin, das war zu billig. Ein Sieg auf voller Linie, der AStA war geschlagen?

Nun sollte Phase 2 einsetzen, ein zigseitiges Papier über Verfehlungen der Studierendenvertretung samt Rücktrittsforderung war angekündigt. Es ranken sich bis heute Gerüchte, warum es nicht dazu kam, hier die Wahrheit:

Der AStA-Vorsitzende traf sich mit dem Rektor zur Krisensitzung. Ich bekam das so zu spüren: wenige Tage vor dem angekündigten Releasetermin des Texts, der die Studierendenvertretung entmachten sollte, riefen mich mehrere Freunde an. Bei einem hatten angebliche Beamte der Kripo den Vermieter befragt (wegen 'linksextremistischer Kontakte'), unangenehm sowas. Einer erhielt diesen deutlichen Hinweis seines Profs, und kündigte mir die Freundschaft. Der Brief Deiner besten Freundin erreicht Dich geöffnet. Dein Bekanntenkreis ist völlig aus dem Häuschen, und macht den Verfassungsschutz für alles verantwortlich; die meisten wollen mit Dir voererst nichts mehr zu tun haben, und Du bist wieder ziemlich isoliert.
Ausschlag dafür, daß ich den Text ohne Statement zurückhielt, war das Prinzip, niemals 'politischen' Erfolg über Studentenexistenzen zu stellen. Das durchzuhalten bitter. Würde ich den Leuten, die soviel erwartet hatten, wieder ins Gesicht sehen können? Man hätte mich fragen können, doch wurde es zunächst mal wieder sehr still um mich, und niemand sprach mich an. Ich empfand mich als völlig gescheitert (was ich eigentlich nicht war, höchstens zu rücksichtsvoll für das dreckige Geschäft), löschte alle Kopien des Texts, und verbrannte den letzten Ausdruck. Später wurde dieser Text daraus.

Dazu sprach ich an, wie bei einer der Fachschafts-Parties ("Get ready for summer" 2002) die Soundanlage falsch eingestellt, und Leute mit Gehörschaden zu HNOs wanderten. Eine dieser Sauereien, zumal man nur zum Wahlanheizen umschmeißer-mäßig aufgedreht hatte. Security-Leute von auswärts waren damals etwas geschockt, wie's zugeht. Meine Darstellung endete mit einer indiskreten Gemeinheit, die sich v.a. auf zwei Leute in der Vertretung bezog: es könne ja durchaus sein, daß führende Studi-Vertreter heute so blöd, Studierenden-VERTRETUNG mißzuverstehn - aber wahrscheinlicher ist doch, daß es Gründe für's Dummstellen gäbe, und sei es auch nur der, daß man als Informant(in) auf der Gehaltsliste eines gewissen Landesamts stünde......



Für mehrere Monate verschwand ich von 12/2002 an bis April des nächsten Jahres von der Bildfläche. Ich wollte endlich längerfristig irgendwo beruflich unterkommen, was für mich als Langhaariger so verdammt schwer war. Wiederum ein Glücksfall dieser Site, für die mangels Alternative etwas Zeit absprang. Bis 04/2003 spielte ich immer wieder ein wenig mit HTML. Daraus entstand die Seitentechnik 7z . Es gab nicht so diesen verbreiteten Anspruch, ein ganzes Browserfenster zu füllen, anderer Content sollte stattdessen mitwirken können. Die Technik der beiden Fassungen galt als ziemlich cool. Die Files lagen auf Freewebspaces, über die Jahre bei ca. 20 verschiedenen Services, die nacheinander pleite gingen, meist ohne Vorankündigung. Daß immer irgendwo auf Tripod etc. noch was Altes rumlag, sicherte das Überleben der Dateien, denn ich arbeitete nur selten mit Backup. Die Folge waren zigtausend Zwischenfassungen, von denen in dieser Compilation die meisten zusammengeschnipselt sind, halt soweit ich das rekonstruieren konnte.

The Best of Death.at/University



steinhaeuser


Das von der Breitenwirkung bislang Erfolgreichste an dieser Website ist der zum Relaunch Anfang Mai 2003 erschienene Text über Robert S., immerhin schrieben Gymnasiasten. Sie waren über Suchmaschinen auf das Teil gestoßen, hatten das Internet nach Infos und kritischer Distanz weitab der allgemeinen Heuchelei zum Thema durchforstet.

Der Erklärungsansatz hat Einiges für sich: Ein Schüler, der zu kritisch eingestellt ist, wird unter einem Vorwand von der Schule verwiesen, und kann seinen Abschluß nicht mehr machen. Damit steht er vor dem beruflichen Nichts, empfindet sich als ruiniert. Heute erziehen viele Schulen zum Schleimen, weil die Universitäten die Lehrer entsprechend geformt haben. Bist Du zu kritikfähig, paßt Du nicht in ihre Ideologie, und kannst verdammt tief fallen. Robert wollte bei seinem Selbstmord Verursacher mit in den Tod nehmen. Die Art der obrigkeitlichen Reaktion (etwa das Vertuschen der Fakten), und einseitige Berichterstattung -



Auch die PR-Koordination konnte im Fall S. Medien und Öffentlichkeit nicht über die Wahrheit hinwegtäuschen.


führte vielen Menschen vor Augen, wie morastig und durchideologisiert das deutsche Bildungssystem wieder geworden ist. Deswegen gilt Robert S. bei Schülern und Studenten als 'Kult', er hat ungebrochen eine immense Wirkung. Das blendet den Schmerz der Opfer nicht aus.

Was bedeutet es wohl? Du siehst Schleimer-Studenten - gewiß, die elterliche Investition in sie als Söhnchen hat sich gelohnt, Sprößling wird aufsteigen. Hält sich aus allem raus, nutzt Reibungsverluste andrer, spielt konservativ und wirtschaftsnah. Seine Aufsätze holprig-ideologische Brechstangen. | Wieviel Schmerz bedeutet es für Eltern, die ihre einzige Tochter durch Selbstmord verlieren, Überdosis mit 28. ihre Geschichte: Abitur mit 18, Studium Germanistik. als 22-Jährige aufgelaufen, weil sie ihren Prof kritisierte. danach in den Fachbereichen verschrien, es ging immer weiter bergab. 3 Studienfachwechsel, Studienabbruch mit 25, keine beruflichen Aussichten, falsche Freunde. Die Mutter sagt heute, sie fühle sich als alte Frau, und nichts habe Sinn gehabt in ihrem Leben. Hätte dieser Professor, der das angerichtet hat, nicht eigentlich den Tod verdient, zumal es gegen Seinesgleichen in Deutschland nichtmal juristische Möglichkeiten gibt? Wäre es nicht würdevoller gewesen, ihn mitzunehmen in den Tod? Die Didaktik stempelt Mädchen wie sie kalt als Problemfälle, die nicht rechtzeitig Beratungsangebote ihrer Hochschule wahrgenommen hätten.



stempel.gif


Das war die Graphik, die am meisten Erfolg hatte, weil es den Leuten was gab, oder zumindest den Studenten unter ihnen.



Eine ähnliche Aktion vernichtete eine Uni-Evaluation:


Flyer überall an der Uni


Zur Landtagswahl 2003 hatte ich die offiziellen PDFs einer Partei entpackt, der ich selber einmal angehört hatte. Darin waren Bilder zu finden, die sprachen für jene neue Art des gierigen Vorteilsstreben, auf die meinesgleichen keine Antwort fand, und das unser Ende war, weil diese Walze uns überforderte:


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Das Projekt sollte noch eine zeitlang weiterlaufen, mehr so eine Art spätes Nachholen und Finishen. -

'Die Wahrheit über Studierenden-Wahlen' [06/2004] war mein eigentlicher Abschied - bereits 6 Monate nach der nicht ganz freiwilligen Exmatrikulation. Der Inhalt jagte die Studierendenvertretung in die Luft, und konnte von ihr nichtmal dementiert werden, sie schwieg betreten. Viele Leute schrieben mir, daß die äußere Form wie auch der Inhalt 'traumhaft' seien, exakt das, 'was sich Studis seit mehr als einem Jahrzehnt gewünscht' hätten, und Ähnliches. 'Das ist es, Mann!'


Doch es war bitter. Szene-Medien berichteten nicht, und Leute im Untergrund hielten sich zurück aus Sorge vor dem Verfassungsschutz, da ein angegriffenes Studierendenvertretungsmitglied als möglicher Informant galt. Bis November versuchte ich, Leute fürs Board zusammenzubringen, damit nicht alles umsonst sei. In diesem Sinne auch der letzte Aktions-Aushang 10/04, 'Viele von uns wirken älter als ihre Urgroßväter.' -


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Das Teil wurde vielfach mißverstanden. Es sollte nicht heißen, daß 'unsere Studentengeneration' zu konservativ sei, sondern den Jungs klar machen, daß ihr Verkriechen feige ist. 'Ihr habt Projekte wie dieses nur einmal, nutzt die Chance.'

Die Studierendenvertretung postete einen Fake-Eintrag ins Board, vom Stil her so, als ob eine x-beliebige Studentin meinte: 'hey, wie bist Du denn drauf? wer soll darauf schon reinfallen', wie, daß es sich halt um einen billigen Trick handelte. Dabei war das, was ich bot, alles, um die Situation kleiner Studenten zu verbessern. Gedankt wird es Dir nicht.



[Exkurs: Wie sieht die Bruchlandung solcher Typen nach der Exmatrikulation aus?]

Zu dieser Zeit fiel bei mir bereits existenziell alles auseinander. Exmatrikulation war 12/2003 gewesen. Ich mußte zig Monate ohne staatliche Unterstützung auskommen, weil bestimmte Medien ein Studium als sicheres Sprungbrett zur Karriere hinstellten, mußten wir asozial erscheinen. Eigennutzung des Vermieters auf Biegen und Brechen. Ich stellte mich bei zig studentischen WGs vor, aber entweder war es zuviel Kaution, oder ich paßte nicht rein. schließlich gab ich im Herbst 2004 das Signal aus, daß es mir dreckig ging (was schon lang zu sehn, und viele schockte). Doch auch, wenn Du ziemlich am Ende bist, macht es einen großen Unterschied, wie Du dazu stehst, und ich bin nicht der Typ, der verzweifelt. Davon zeugten auch diese Aushänge:


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Auf sie hin meldete sich u.a. ein Mädchen, das grad angefangen hatte zu studieren, wir sollten doch gemeinsam eine WG aufmachen. Sie sagte mir, sie sehe es genauso, und habe deswegen meine Aushänge sehr gemocht. angeblich wohnte sie bislang sicher bei einem Verwandten. Als sie ihren Uni-Spind aufschloß, erhaschte ich einen Blick hinein: gefaltene Kleider, obendrauf 2 paar Heels und eine Tasche für Sonstiges. wohl doch eher der Schlafplatz in der Diele irgendeiner brackigen Punk-WG, wie viele zu der Zeit im harten Winter 2004/05.



Damit der Part dieser Homepage nicht zu kurz kommt, im Folgenden nochmal exemplarisch eine der größten Aktionen, an der sich die hinter dem Quelltext verborgen liegende Realität gut aufzeigen, und zu einem Ausblick formen läßt:



blix.gif9/11 und alles darauf Folgende war wie eine informelle Plattform. Jeder kannte Hanns Blix, seine Kritik an den, wie er es ausdrückte, 'Verleumdern' der schmutzigen mittleren Strukturen im US Polit-Geschäft. Oder Kelly, ein Mitglied der britischen Regierung, das beim BBC über eine frisierte Studie zur Rechtfertigung des Irak-Kriegs ausgepackt hatte, und wohl vom Verteidigungsminister über eine PR-Kampagne in den Selbstmord getrieben wurde. Was sonst dem Bereich 'Verschwörungstheorie' zugewiesen wurde, erwies sich als wahr und nachvollziehbar.

Jeder benutzte Bush - Michael Moore etwa, indem er den schwerkranken Bushianer Charlton Heston und dessen Waffenliebe verspottete. Manche Journalisten akzentuierten konservativengefällig das Signal, demzufolge Konservatismus im Trend läge, und Linke schmetterten AntiFa-Parolen und persönliche Verunglimpfungen in Richtung des US-Präsidenten, für die man normalerweise angezeigt wird. 'Old Europe' wurde dank Rumsfelds verbalem Schlag trendy, und die Leutchen übersahen im Eifer, daß auch viel Wahres in seiner Aussage lag.kelly.gif

Als ich folgenden Text releaste, wollte ich nebenzu etwas gegensteuern, und fokussieren: Hey, auch wir haben George W. Bushes, und es ist so lame, immer Richtung USA zu wettern, z.B. als Student(in) auszublenden, daß Dein George W. Bush eigentlich der Uni-Rektor ist, den Du nicht zu kritisieren wagen wirst.......

Wenn doch — was dabei an trefflichen Vergleichen rauskommen kann, macht echt Spaß.....



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Plakat-Illustration für 'Unser George W. Bush', im Juni 2003 an der Universität sowie als bayernweite Massenmail



Der beworbene Text sollte für sich selbst stehn können, und aus der Introduction weißt Du längst, wie die Sache ausging. Rektor W. Bzensiert bekriegte einen kleinen Studenten in einem Prozeß vor dem Augsburger Strafgerichtshof, eben in 'Old Germany'. Hier das sinngemäße Fun-Plakat, das überall an der Uni aushing:

schauprozess.gif


Vielleicht eines der härtesten Teile, die je von studentischer Seite aus gelauncht wurden. Doch nicht jeder kann sich so wehren, und verwundert es Dich, daß andere zu Gewalt greifen werden?



compressed with PhotoImpact5die Frucht des Bösen begleitende Release-Comments:

In den letzten Monaten kündigte sich dies Release an. Mit diversen Tricks und PhotoImpact 5 auf die Größe einer Diskette komprimiert. Einführende Texte erschließen den bis jetzt eigentlich nicht abgegriffenen Content. :>



finished 20051012


12/2007 rief ich meine Mails zum ersten Mal mit POP3 von gmail ab. obgleich ich bereits via IMAP zugegriffen und sämtliche Mails übers Webinterface gelöscht hatte: es trudelten jetzt Backup-Mails (früher von einem Yahoo-Postfach an Gmail geschickt) in meiner Inbox ein, von vor 1 1/2 Jahren! warum auch immer Gmail sie freundlicherweise in einer Schleife gehalten hatte: darunter verlorenes Material zip outtake. Grund für eine Nachreichung an dieser Stelle, erweitert mit wenigen Sachen (1. homepage, pictures), die ich zurückgehalten hatte: