Internationaler Frauentag 2008

Matinee am 9. März um 12.00 Uhr in der Kaue

veranstaltet vom DKP-Frauenarbeitskreis Essen

Thema:

Ipp-zipp-zapp und du bist ab!

Wer arm ist, ist raus. - Kinder in Deutschland

Begrüßung durch Ilona

Hallo und guten Tag,

liebe Gäste,

liebe Genossinnen und Genossen,

im Namen des Frauenarbeitskreises Essen der Deutschen Kommunistischen Partei begrüße ich Euch alle sehr herzlich zu unserer heutigen Matinee anlässlich des internationalen Frauentages.

Ich begrüße alle Mitwirkenden, die hinter den Kulissen so tatkräftig mitgeholfen haben und auch diejenigen, die gespannt und voller Lampenfieber auf ihren Auftritt warten.

Internationaler Frauentag heißt Erkämpfung von Frauenrechten, heißt Selbstverwirklichung, bedeutet einen langen, zähen Kampf um Gleichberechtigung im gesellschaftlichen Leben aber auch innerhalb der Familie.


 

Viele von uns führen ein Leben mit Kindern, Kinder gehören zu unserem Alltag, Kinder sind unsere Zukunft.

Das haben auch die Politiker erkannt, wenn sie lamentieren: „Wir werden immer weniger -. Wir vergreisen -. Die Deutschen sterben aus.“ Aufgrund des Geburtenrückgangs sinkt die Bevölkerungszahl dramatisch.

Bundespräsident Köhler zu diesem Thema: „Wir brauchen unbedingt wieder mehr Kinder und Nachwuchs.- Menschen, die sich mit ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten einbringen können in die Arbeitswelt und in die Wissenschaft.“

Aber wir wollen die richtigen Kinder“, so plauderte vor wenigen Wochen ein CDU-Abgeordneter aus dem Nähkästchen der Klassengesellschaft: „Arme-Leute- und Flüchtlingskinder haben wir genug!“

Auch der Jungliberale Daniel Bahr erklärte öffentlich: „Deutschlands größtes Problem ist schließlich, dass hier nur noch die Falschen Kinder bekommen“ und Paul Nolte, Professor für Neuere Geschichte in Bremen und viel begehrter Reformberater der Regierung beklagt schon seit geraumer Zeit die fehlende Fortpflanzung der gebildeten Mittelschichten.

Kinder nur für die Reichen? Elite - Kindergärten, Elite - Schulen, Elite - Universitäten?

Wir treten solchen Aussagen entschieden entgegen! Bildung muss allen Kindern zugänglich sein.

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Ipp – zipp – zapp – und du bist ab!

Wer kennt ihn nicht, den Kinderreim vergangener Zeiten, der heute eine ganz andere, ernste und dramatische Bedeutung erlangt hat, denn

Ipp – du bist ab,

wenn du ein Kind in einem sogenannten Entwicklungsland bist. Denn es stehen diesen Kindern kein Trinkwasser, keine ausreichende Nahrung, keine medizinische Hilfe, kein Schulunterricht oder ein Dach über dem Kopf zur Verfügung.

Zahlen belegen das ungeheure Ausmaß von Armut in diesen Ländern: 90 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind mangelernährt, 270 Millionen bekommen nicht einmal die einfachste Gesundheitsversorgung, 400 Millionen leben ohne sauberes Wasser, 500 Millionen haben keine sanitären Einrichtungen, 640 Millionen kein richtiges Dach über dem Kopf, 122 Millionen gehen nicht nur Schule, 300 Millionen haben keinen Zugang zu Radio, Fernsehen oder Zeitung.

Alle 6 Sekunden stirbt ein Kind!





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Ipp – zipp – zapp und du bist ab!



Kind sein in anderen Teilen der Welt ist für Millionen Kinder eine ungeheure Bürde, Kind sein in Deutschland heißt für viele Kinder, durch Armut der Eltern kaum Zukunftschancen zu haben. Wir haben dieses Thema für unsere heutige Frauentagsveranstaltung gewählt, um den Ursachen von Kinderarmut in unserem Land auf den Grund zu gehen, denn Kinder sind das höchste Gut, das wir haben, und unsere Zukunft. Ihnen gilt unsere Sorge und Verpflichtung.



Feiern wir also den internationalen Frauentag 2008 zusammen mit unseren Kindern und kämpfen wir

für ein sorgenfreies Leben ohne Kriege!

für ein Leben ohne Hartz IV!

für eine bessere Zukunft!

auf dass Essen tatsächlich eine Stadt für Kinder wird!

Vortrag Jakob:

Peter Maiwald: Wenn ein Kind geboren ist

Wenn ein Kind geboren ist,
braucht es eine Wohnung,
Kleider, eine Spielzeugkist,
Bonbons als Belohnung.
Murmeln und ein eignes Bett,
einen Kindergarten,
Bücher und ein Schaukelbrett,

Tiere aller Arten,
Wälder, Wiesen, eine Stadt,
Sommer, Regen, Winter,
Flieger, Schiffe und ein Rad,
viele andre Kinder,
einen Mann, der Arbeit hat,
eine kluge Mutter,

Länder, wo es Frieden hat,
und auch Brot und Butter.
Wenn ein Kind nichts davon hat,
kann's nicht menschlich werden.
Dass ein Kind das alles hat,
sind wir hier auf Erden

Dingsda Was ist „arm sein“? (Melina und Marina)


In den Dingsda-Sketchen erläutern sich Kinder Begriffe, hier geht es um „arm sein“. Foto: Shari Deymann

Referat: Funktion von Armut im Kapitalismus

(vorgetragen von Anke)

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freundinnen und Freunde,

Armut, was ist das eigentlich? Wann ist man arm, wer ist arm, was sind die Ursachen für Armut? Ist nicht genug da für alle? Bin ich selbst schuld an meiner Armut? War ich zu faul, zu dumm? Sind meine Lebenschancen durch meine Geburt und mein Elternhaus geprägt, oder ist jeder, wie das Sprichwort so schön sagt, selber seines Glückes Schmied?

Es wird viel geredet und geschrieben über Armut in Deutschland, so zum Beispiel in dem 370 Seiten dicken 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, der zu dem Schluss kommt, dass zur Zeit die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden .Wer hätte das gedacht? Von Armut bedroht ist dem Bericht zufolge ein finanziell ziemlich exakt eingegrenzter Personenbereich.

Die Armutsrisikoquote ist definiert als Anteil der Personen in Haushalten, deren bedarfsgewichtetes Nettoäquivalenzeinkommen weniger als 60% des Mittelwertes aller Personen beträgt. Das Nettoäquivalenzeinkommen wird ermittelt als gewichtetes Pro-Kopf-Einkommen, abgeleitet über die neue OECD- Skala.“

Alles klar? In Deutschland beträgt übrigens die so errechnete Armutsrisikogrenze 938 Euro. Wohlgemerkt, die Armutsrisikogrenze.

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Was sind aber nun die Ursachen für Armut? Dazu gibt es z. B. in der Internet Ezyklopädie Wikipedia viele Theorien zu bestaunen: Die Geodeterminismustheorie erklärt Armut mit ungünstigen geographischen Lagen und schlechten Klimaverhältnissen, während die Demographische Theorie das enorme Bevölkerungswachstum einiger Länder und daraus erwachsende Hungersnöte verantwortlich macht. Es gibt auch eine Theorie des Teufelskreises der Armut, der zufolge die Armen z. B. in der 3. Welt dem Fatalismus verfallen, wodurch sie noch ärmer werden.

Nun gut, das trifft alles nicht auf Deutschland zu, denn Deutschland hat weder Klimakatastrophen noch eine Überbevölkerung, hier werden andere Gründe genannt. Von Armut bedroht sind - so gut wie allen Quellen zufolge - zuerst Arbeitslose, dann gering Verdienende, Alleinerziehende, Familien mit vielen Kindern, Ausländer und Menschen mit Schulden. In besonderem Maße zugenommen hat übrigens in den letzten Jahren die Armut von Kindern. Der Kinderreport Deutschland 2007 vom Deutschen Kinderhilfswerk bezeichnet 14% der Kinder als arm.

Was kann man da tun? Es mutet wie ein schlechter Witz an, nein, es ist ein schlechter Witz, wenn das Wissensmagazin „Planet Wissen“ auf seiner Internetseite dazu aufruft, zur Armutsbekämpfung Geld oder Kleidung an eine Wohlfahrtsorganisation zu spenden oder bei einer Suppenküche mitzuarbeiten.

Liebe Genossinnen, liebe Freundinnen ehrlich gesagt haben mir all diese Erkenntnisse und Theorien nicht wirklich dabei geholfen, zu erklären, was Armut für Ursachen hat und so habe ich etwas getan, was ich seit Jahren nicht mehr getan habe, nämlich bei unseren Klassikern nachgeschaut. Und ich war regelrecht verblüfft über die Logik, Konsequenz und Aktualität dessen was ich da gelesen habe.

Natürlich wissen wir alle vage um den Zusammenhang von Armut und Reichtum, aber es lohnt sich doch noch einmal etwas genauer hinzusehen.

Voranstellen möchte ich das Zitat von Karl Marx: „Die Existenz einer Klasse, die nichts besitzt als die Arbeitsfähigkeit, ist eine notwendige Voraussetzung des Kapitals.“

Das heißt, der Arbeiter verkauft seine Arbeitskraft und erhält im Gegenzug Lohn zum Erwerb der für den Lebensunterhalt notwendigen Dinge ( oft reicht dies nicht einmal ), während der Kapitalist seinen eigenen Reichtum vermehrt. Dieses wechselseitige Verhältnis klappt aber nur, solange der Lohnarbeiter überhaupt einen Käufer für seine Arbeitskraft findet, und das ist ganz und gar nicht gesichert.

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Angehörige der lohnabhängigen Klasse schweben also alle, mal mehr, mal weniger in der Gefahr der Unterhaltslosigkeit. Diese zeitweise Nichtbeschäftigung der Arbeitenden als ständige Erscheinung ist ein Phänomen, das es nur im Kapitalismus gibt, das in allen anderen, früheren Zeiten unbekannt war. Die Armut der nicht beschäftigten oder unterbezahlten Lohnabhängigen in unserer Gesellschaft ist keine individuelle Erscheinung, sondern eine Klasseneigentümlichkeit.

Die Arbeitslosen bilden eine Reservearmee, die je nach Wechsel der Konjunktur benötigt wird, oder nicht. Auch wenn dieses Wissen für den betroffenen Menschen wenig tröstlich sein mag, so könnte es doch hilfreich sein, zu erkennen, wo die Wurzel des Übels liegt.

Dazu noch ein Zitat von Rosa Luxemburg. “Die Reservearmee hat aber für das Kapital eine doppelte Funktion: einmal für jeden plötzlichen Aufschwung des Geschäfts die Arbeitskraft zu liefern und zweitens durch die Konkurrenz der Arbeitslosen einen ständigen Druck auf die Beschäftigten auszuüben und ihre Löhne auf ein Minimum herabzubringen.“

Also, beschwere Dich nicht über 5 Euro Stundenlohn, sonst bist Du Deinen Job los, denn es sind ja genug andere da, die ihn nur allzu gerne hätten.

Während es in den 60er und 70er Jahren, nicht zuletzt Dank des realsozialistischen Gegenmodells, noch einen gewissen Wohlstand und Absicherung für die Arbeitenden gab, hat die Armut seit den 80er Jahren stetig zugenommen, sodass der unversöhnliche Gegensatz zwischen den Klassen heute für jedermann sichtbar wird. Massenentlassungen und Sozialabbau für die einen, sowie Steuergeschenke und Milliardengewinne für die anderen, vertiefen die Kluft in der Gesellschaft. Geld für Bildung, Kultur, Gesundheit wird in unsinnigen Kriegen verpulvert.

Auch der Münsteraner Soziologe Groh-Samberg stellt fest: Armut und soziale Ausgrenzung verfestigen sich zunehmend strukturell. Besonders Kinder aus Arbeiter und Migrantenfamilien unterliegen einer erschreckenden klassenspezifischen Chancenungleichheit und strukturellen Benachteiligung.

Fazit: Die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung lassen sich nicht mit einer Gesellschaftsordnung vereinbaren, die auf dem Prinzip der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beruht. Es gibt dazu nur eine Alternative.


Die gutsituierte Frau prahlt damit, was sie und ihre Kinder sich alles so leisten können und macht der Hartz IV – Empfängerin ein schlechtes Gewissen. Foto: Shari Deymann



Sketch: Verminderte Bildungschancen, kulturelle Benachteiligung und soziale Ausgrenzung armer Kinder und Frauen.

Gespräch von 2 Frauen auf dem Spielplatz (Anja, Birgit)





Aaron fährt mit dem Roller über die Bühne





Musik: Wer – wie - was





 



Referat: Schlechte Gesundheit durch ungesunde und unzureichende Ernährung

(Renate, Erika, mit Anschauungsmaterial vorgeführt von Birgit und Anja)



Nach Einführung von Hartz IV im Januar 2005 hat sich die Zahl der auf Sozialhilfe oder Sozialgeld angewiesenen Mädchen und Jungen in Deutschland auf mehr als 2,6 Millionen verdoppelt. Von insgesamt 15 Millionen unter 18-jährigen ist jedes 6. Kind von Armut betroffen. In der Konsequenz bedeutet das für diese Kinder: Eine erhebliche Reduzierung ihrer Chancen auf einen guten Schulabschluss, einen mangelhaften Gesundheitszustand, eine verminderte Förderung und Teilnahme an kulturellen Aktivitäten.

Besonders prekär ist die Lage in vielen kinderreichen und ausländischen Familien und bei Alleinerziehenden.

Das Kinderhilfswerk sieht aber auch immer mehr Kinder aus der Mittelschicht von Armut bedroht. So kann ein Durchschnittsverdiener heutzutage keine 4 köpfige Familie mehr ernähren, sondern ist auf Sozialhilfe angewiesen. Damit wird auch der Facharbeiter zum Almosenempfänger.

Im größten Bundesland Nordrhein Westfalen lebt bereits jedes 3. Kind in einer Hartz IV- Bedarfsgemeinschaft.

In unserer Stadt Essen, die sich anmaßt “Großstadt für Kinder“ zu sein und Kulturhauptstadt 2010 zu werden, leben 27.200 Kinder in Armut. Das heißt jedes 3. Kind in Essen erfährt die durch Armut bedingten Einschränkungen im Laufe seines Aufwachsens.

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Dingsda Was sind: Vitamine, Kalorien, Fisch(stäbchen)? (Melina, Marina)

Foto: Shari Deymann

In der WAZ war zu lesen, dass die Hälfte aller Kinder im Essener Norden den Gesundheitstest zur Einschulung nicht bestanden haben. Die meisten Kinder unter 15 Jahren leben in sozial benachteiligten Stadtteilen im Essener Norden.

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Armut macht Kinder krank: Das Zusammenleben in armen und arbeitslosen Familien ist von extremem Stress und Druck geprägt. Das Immunsystem ist geschwächt, sie haben eine geringere Lebenszufriedenheit, stärkere Einsamkeitsgefühle und massive Ängste. Sie leiden überdurchschnittlich häufig unter Lernstörungen und Verhaltensauffälligkeiten.

Kinderärzte belegen, dass bei Kindern aus sozial benachteiligten Familien fast doppelt so häufig die Notwendigkeit einer Frühförderung besteht, wie bei Kindern aus besser gestellten Schichten.

Arme Kinder sind von Ausgrenzung betroffen und Anfeindungen ausgesetzt, da sie in unserer Konsumgesellschaft nicht mithalten können.

Wer als Kind in Armut aufwächst, ist als Erwachsener öfter krank.

Wissenschaftler der Universität Leipzig stellen fest: Hartz IV - Empfänger haben ein viermal höheres Risiko, früher zu sterben als Erwerbstätige. Auch ist die Säuglings- und Kindersterblichkeit in armen Familien höher.

Sozial benachteiligte Kinder leiden weitaus mehr unter Nervosität, Kopf-, Rücken- und Magenschmerzen.

Insbesondere leiden Kinder aus Hartz IV - Familien deutlich häufiger an Karies, Infektionskrankheiten, motorischer Unruhe und Essstörungen als Kinder mit einem höheren Sozialstatus.

30 % der Kinder von arbeitslosen Eltern haben nur einen unzureichenden Impfschutz und nehmen Vorsorgeuntersuchungen nicht in Anspruch.

Hartz IV - Kinder leiden vor allem unter schlechter Ernährung, sie sind zwei bis drei mal so oft übergewichtig oder fettleibig wie ihre Altersgenossen aus besser gestellten Familien. Das Arbeitslosengeld II reicht für eine ausgewogene, gesunde Ernährung von Kindern und Jugendlichen bei weitem nicht aus. Auch wenn die Eltern bei Discountern einkaufen, machen die enormen Preissteigerungen der Grundnahrungsmittel und Energiekosten in den letzten Jahren ein Überleben mit Hartz IV und niedrigem Einkommen unmöglich. Fett- und kohlehydratreiche Kost sind oft preiswerter als teures Obst, Gemüse und frischer Fisch. >>>>>>>

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Demnach stehen Kindern von Hartz IV Empfängern bis 14 Jahren gerade einmal 2,57 Euro pro Tag für die Ernährung zur Verfügung. Jungendliche bis zu einem Alter von 18 Jahren müssen mit 3,42 Euro pro Tag auskommen. Für ein Mittagessen ist aber nur 1,00 Euro im Regelsatz vorgesehen. Doch 2,40 Euro kostet ein Schulessen im Schnitt. Für Eltern, die das Schulessen zahlen, bleibt dann für Frühstück und Abendessen fast nichts mehr übrig.

Inzwischen muss bei vielen armen Familien die warme Mahlzeit vom Speiseplan gestrichen werden, um Strom zu sparen. Oder der Strom wurde bereits abgedreht.

Hartz IV ist Armut per Gesetz

Hartz IV ist menschenunwürdig

Es gibt nur eins: Hartz IV muss weg!!!!



Aus: „Gute Kinder - schlechte Kinder“ von Gabriele Gillen:

Nicht der Geburtenrückgang ist das Problem, sondern die Aufteilung von Menschen in Gewünschte und Überflüssige.

Nicht der Hartz IV-Missbrauch, sondern der Missbrauch des Volksvermögens durch die Eliten, der den Kindern die Zukunft stiehlt.

Nicht die Überfremdung, sondern die auch innerhalb der Gesellschaft gegenüber Migranten und Armen fester verschlossenen Türen, die Integration im umfassenden Sinne unmöglich machen.

Nicht die Gewalt in den Schulen ist das Problem. Es ist die Gewalt und Arroganz der wirtschaftlichen Macht.“

Musik von Pipi Langstrumpf


Pipi Langstrumpf befragt Herrn Rüttgers zu der CDU-Idee, renitente Jugendliche in Erziehungscamps wegzusperren. Foto: Shari Deymann

Kinderfrage an Herrn Rüttgers zur Gewalt (Melli und Jürgen Beese)

Referat: Kinder- und Jugendkriminalität

(vorgetragen von Siw)

Ach, was muss man oft von bösen Kindern hören oder lesen!

Die, anstatt durch weise Lehren sich zum Guten zu bekehren,

Oftmals noch darüber lachten und sich heimlich lustig machen.

Schon Wilhelm Busch wusste im 19. Jahrhundert ein Lied zu singen von – ja, nennen wir es ruhig einmal so – kriminellen Kindern, bzw., Jugendlichen.

Ja, zur Übeltätigkeit, ja dazu ist man bereit!

Menschen necken, Tiere quälen, Äpfel, Birnen Zwetschgen stehlen.

In der Tat begehen und begingen Jugendliche und auch Kinder häufiger Straftaten als Erwachsene, wobei es sich aber zum überwiegenden Teil um Bagatellkriminalität handelt, vorrangig seien hier Diebstahlsdelikte, insbesondere Ladendiebstahl genannt. Klagen über auffällige, randalierende und kriminelle Jugendliche sind kein Phänomen unserer Zeit. In der NS Zeit wurden jugendliche Straftäter als Volksverräter diffamiert und in den 50er Jahren war die randalierende Jugend, Rowdytum und Vandalismus ein großes Thema. In den 70er Jahren wurde ein alarmierender Anstieg der Jugendkriminalität gesehen und heute bedroht uns angeblich eine dramatisch angestiegene Jugendkriminalität in einer neuen Dimension.

Wilhelm Busch hat für seine bösen Buben eine drastische Strafe parat. Max und Moritz werden in der Mühle zerkleinert und an die Hühner verfüttert:

Hier kann man sie noch erblicken, fein geschrotet und in Stücken Doch sogleich verzehren sie Meister Müllers Federvieh.

Hier sind sie: Die jugendlichen Gewalttäter


 

Nicht ganz so brachial, aber doch auch sehr radikal möchte Roland Koch das Problem in den Griff bekommen. Seine im hessischen Wahlkampf geforderten Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendkriminalität brachten viele Menschen ins Grübeln und eine breite Diskussion in Gang. Hauptziel von Kochs Feldzug waren und sind jugendliche Straftäter mit Migrationshintergrund und seine Problemlösungsvorschläge sind Erziehungscamps, Warnschuss-Arrest, die Anwendung des Jugendstrafrechts auf Kinder, und eine Erhöhung der Höchststrafe von 10 auf 15 Jahre .Seine Forderung nach verstärkter und schnellerer Abschiebung junger, straffälliger Migranten fand großen Beifall bei der NPD, deren Vorsitzender Udo Voigt dazu meinte: „Wenn etablierte Politiker NPD-Argumente übernehmen, dann wird es auch dazu führen, dass immer mehr Bürger Vertrauen in die Politik der NPD gewinnen und folglich auch NPD wählen“.

Tatsächlich ist es wohl so, dass verschiedenen Statistiken zufolge, weder die

Jugendkriminalität insgesamt, noch die Gewaltkriminalität junger Menschen bedeutend angestiegen ist. Was auf jeden Fall gestiegen ist, so Thomas Felten, Kriminologe an der Uni Bochum ist die Bereitschaft, Fälle bei der Polizei anzuzeigen und damit aktenkundig zu machen. Insgesamt sind es aber höchstens 5% aller Jugendlichen, die überhaupt auffällig werden, und ein noch kleinerer Teil davon gehört zur Gruppe der Mehrfach- oder Intensivtäter

Bei ausländischen Jugendlichen scheint es allerdings in der Tat einen Anstieg an Straftätern zu geben. So gehören, laut Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen in der Gruppe der türkischen Jugendlichen gut 13 % zu den Mehrfachtätern der Gewaltkriminalität, während es bei den Deutschen nur gut 4% sind. Vergleicht man allerdings jugendliche Türken mit jugendliche Deutschen in annähernd derselben sozialen Lage, dann, so Pfeiffer, zeige sich eine identische Gewaltrate.

Ganz sicher leben wir in einer Gesellschaft, in der das Klima rauer geworden ist und Gewalt, nicht nur bei Jugendlichen immer mehr enttabuisiert ist. Konkurrenzdruck und mangelnde Chancen im Beruf sowohl für Kinder, wie auch für ihre Eltern spielen dabei ebenso eine Rolle, wie die selbstverständlich gewordene Teilnahme deutscher Soldaten an Kriegen aber auch Gewaltdarstellungen in Filmen oder Computerspielen. Es gibt eine Vielzahl von ökonomischen, sozialen, individuellen und situativen Gründen, die einen jungen Menschen straffällig werden lassen. Untersuchungen zeigen, dass besonders jugendliche Intensivtäter ein hohes Maß an sozialen Defiziten und Mängellagen zeigen. Gewalt in der Familie gehört dazu, ebenso wie materielle Not und Probleme in Schule und Ausbildung mit daraus resultierender Perspektivlosigkeit. Besonders bei jungen Ausländern kommen häufig noch soziale Ausgrenzung und Integrationsprobleme dazu.

All diese – sozialen – Probleme lassen sich nicht mit den Mitteln des Strafrechts lösen. Es ist möglich, kriminelle Karrieren aufzuhalten, aber nicht mit Sanktionen, nicht mit Abschreckung und Wegsperren, sondern durch Verbesserung der Chancen der Jugendlichen auf soziale Teilhabe. Es bedarf pädagogisch therapeutischer Einrichtungen. Doch Lehrer, Sozialarbeiter, Pädagogen sind arbeitslos, obwohl sie gebraucht werden. Jugendheime werden geschlossen, Schulen privatisiert.

Liebe Genossinnen und Genossen, lasst mich zornig mit einem gewalttätigen und leicht abgeänderten Vers von Wilhelm Busch enden., der seinen Lehrer Bokelmann zur Rute greifen lässt: >>>>



Flugs hervor aus seinem Kleide,

wie den Säbel aus der Scheide,

zieht er seine harte, gute,

schlanke, schwanke Haselrute,

Fasst mit kund’ger Hand im Nacken

Koch und Merkel bei den Jacken

Und verklopft sie, so vereint,

bis es ihm genügend scheint.


Foto: Shari Deymann 

Referat: Verwahrlosung und Gewalt gegen Kinder

(vorgetragen von Gabi)



Jedes Kind hat ein Recht darauf, vor Gewalt geschützt zu werden“, so heißt es im Artikel 19 der UN-Konvention über die Rechte des Kindes. Und auch im Bürgerlichen Gesetzbuch der Bundesrepublik Deutschland ist seit dem Jahr 2000 das Recht des Kindes auf gewaltfreie Erziehung verankert. Damit ist Deutschland übrigens eins von nur 16 Ländern weltweit, in denen es ein solches Gesetz gibt.

Dennoch gibt es erschreckende Zahlen über getötete, verwahrloste und misshandelte Kinder, wobei jedoch hauptsächlich die spektakulären und tragischsten Todesfälle die Schlagzeilen füllen. Mütter, die ihre getöteten Kinder im Kühlschrank verstecken oder in Blumentöpfen vergraben, verbreiten Entsetzen und werden als Monster verurteilt. Laut UNICEF sind es wöchentlich mindestens 2 Kinder, die in Deutschland durch die Folgen von Gewalt und Misshandlung zu Tode kommen. Ein großer Teil dieser Kinder sind Neugeborene, die von ihren Müttern getötet werden. Häufig sehen diese Mütter in der Tötung ihres Babys den letzten Ausweg aus einer Notlage, mit der sie nicht mehr fertig werden. Etwa die Hälfte dieser, meist depressiv strukturierten Frauen versucht nach der Kindstötung Selbstmord zu begehen. Auch wenn es keine gesicherten Statistiken über getötete Kinder gibt, scheint sich diese Zahl in den letzten Jahren nicht erhöht zu haben.

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Weit weniger beachtet wird die deutlich zunehmende, alltägliche Gewalt und Vernachlässigung, unter der viele Kinder und Jugendliche zu leiden haben. Sie findet häufig im Verborgenen statt. Scham und Angst verhindern, dass Kinder über ihre Erfahrungen sprechen, oder dass Partner ihre gewalttätigen Lebensgefährten anzeigen.

Etwa eine Millionen Kinder werden, nach Angaben des Deutschen Kinderschutzbundes, schwer misshandelt, indem sie regelmäßig mit Gegenständen wie Gürtel oder Stock, geschlagen werden. Zirka 50 000 Mütter fliehen pro Jahr mit ihren Kindern vor dem gewalttätigen Partner in eines der knapp 400, übrigens ständig von Kürzungen und Schließungen bedrohten Frauenhäuser. Laut Schätzung der Bundesregierung werden jährlich um die 400 000 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht.

Während sexueller Missbrauch in allen sozialen Verhältnissen vorkommt, weist unter anderem der Kinderschutzbund auf einen engen Zusammenhang zwischen wachsender Armut und Kindesmisshandlung hin. Nicht zuletzt Hartz IV habe für eine drastische Verschlechterung der finanziellen Situation vieler Betroffener gesorgt. Die Folgen sind Geldsorgen, gesundheitliche Probleme, zunehmende soziale Isolation und das Gefühl von Hoffnungslosigkeit. Auch die einstige Mittelschicht gerät zunehmend in den Teufelskreis von Armut und Gewalt. Die Angst nach 12 Monaten Arbeitslosigkeit, nach ganz unten abzurutschen bedeutet eine ungeheure Belastung. Ständige Frustration und Überforderung in einem Alltag, der immer unübersichtlicher wird, womöglich noch bekämpft mit Alkohol oder Drogen, verursacht Ausraster, die bis zur Gewaltanwendung eskalieren können.

Ein weiterer erheblicher Risikofaktor für Kinder, Opfer von Vernachlässigung zu werden, ist das Bildungsniveau der Eltern. Je niedriger die Bildung, desto größer ist die Gefahr für die Kinder, geschlagen zu werden. Zahlen des Kriminologischen Instituts Niedersachsen machen dies deutlich. Eine Umfrage ergab, dass unter Gymnasialschülern aus finanziell gesicherten Verhältnissen etwa 4% in ihrer Kindheit misshandelt wurden, während es bei Hauptschülern aus armen Familien mehr als 20% waren.

Fehlende Erziehungskompetenz und fehlende Zuwendung von perspektivlosen und überforderten Eltern, die große Teile der Erziehung dem Fernsehen oder Computerspielen überlassen, in denen wiederum Konflikte häufig mit Gewalt gelöst werden, produziert wieder sozial, emotional und intellektuell beeinträchtigte Menschen.

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Die betroffenen Kinder neigen häufig wiederum zu Alkohol - oder Drogenkonsum, leiden unter Angst und Depressionen, unter mangelnder Leistungsfähigkeit und aggressiven Verhaltensweisen. Sie geraten also in eine Opferrolle oder werden selber gewalttätig. So wird Gewalt oft über Generationen weitergegeben.

Was tun?

Die zurzeit diskutierten Forderungen, dem Problem der Kindesmisshandlung durch mehr und gesetzlich verbindliche Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt beizukommen, dürften da längst nicht ausreichen. Einerseits bedeutet dies eine zeitliche und fachliche Überforderung der Ärzte, zum anderen wird den Kinderärzten die Verantwortung zugeschoben, ohne dass Geld in die relevanten Bereiche der Prävention gesteckt werden muss.

Als positives Beispiel möchte ich das Dormagener Modell vorstellen. Heinz Hilgers, Bürgermeister von Dormagen, hat viele Leistungen im sozialen Bereich, die in den letzten Jahren bundesweit den finanziellen Kürzungen zum Opfer gefallen sind, wieder eingeführt. So werden alle Familien mit einem Neugeborenen von Sozialarbeitern mit einem Begrüßungspaket besucht, in dem sich Informationen zur Kinderentwicklung, zu Angeboten vor Ort und zu Anträgen für Gelder befinden.

In Problemvierteln führt das Gesundheitsamt Untersuchungen in Kitas durch und Kinder die nicht den Kindergarten besuchen, werden von Sozialarbeiterinnen zu Hause aufgesucht. Ausdrücklich auch die Kinder aus gut situierten Familien.

Es finden Fortbildungen für Lehrerinnen, Kindergärtnerinnen und Horterzieherinnen statt, die ihnen ermöglichen sollen, besser zu erkennen, ob das Wohl eines Kindes gefährdet ist.

All das ist gut, aber zu wenig, denn es rührt nicht an die Ursachen des Problems.

Bekämpft werden müssen vor allem die staatlich organisierten bildungs-, sozial- und wirtschaftspolitischen Gewalttaten an Kindern und Jugendlichen, an sozial Benachteiligten, Ausgegrenzten und Abgehängten. Bekämpft werden muss ein immer brutalerer Kapitalismus, der für seinen Profit und seine Interessen über Leichen geht.

Musik: Doof geboren ist keiner

Referat: Bildungssackgasse für arme Kinder

(Siw, Jutta)



Du bist arm, Deine Kinder sind arm und auch ihre Kinder werden arm sein. Ohne ausreichende Bildung und Qualifikation übertragen sich solche Armutskarrieren auf die folgenden Generationen.

Die Pisa Studie, aber auch der UNO-Sonderberichterstatter für Menschenrechte deckten wiederholt auf: Nirgends ( innerhalb der Industrienationen) ist der Zugang zu höherer Bildung so stark abhängig vom Geldbeutel der Eltern, wie in Deutschland. Deutschland ist damit Weltspitze, wenn es darum geht, Kinder in arm und reich zu sortierten.

Etwas gegen den beklagten Bildungsnotstand zu tun, bedeutet für die meisten Politiker, sich im Wahlkampf das Thema Bildungspolitik auf die Fahnen zu schreiben. Die Realität ist: Die ELITE kommt! Und zwar vom Kindergarten bis zur Uni.

In NRW sieht das so aus: die CDU/FDP Regierung kündigt eine Bildungsoffensive an. Doch in Wirklichkeit wird streng nach Kapitallogik umgestaltet.

Erstens: Mit dem neuen Kinderbildungsgesetz (KiBiz) und der gleichzeitigen Abschaffung des alten Kindertagesstättengesetzes werden die Elternbeiträge insgesamt steigen, werden die Eltern so viel Betreuung buchen, wie sie sich leisten können: wahlweise 25, 35 oder 45 Stunden in der Woche.

Die bestehenden Standards für Betreuungsschlüssel, Qualifizierung und Ausstattung werden heruntergefahren. Es wird die Möglichkeit für privat finanzierte Kitas geschaffen. Nur wer mehr als genug Kleingeld übrig hat, bekommt in den Privatkindergärten eine besonders exklusive Betreuung für seine Kinder.



Zweitens: Die eingeführte Offene Ganztagsgrundschule ist, trotz allem Engagement der Mitarbeiterinnen, eine Ganztagsschule mit unzureichender und billiger Verwahrung der Kinder. Sie ist zudem kostenpflichtig und bringt damit ein Schulgeld durch die Hintertür.

Eltern, die sich selbst diese Verwahrung nicht leisten können, müssen ihre Kinder als Schlüsselkinder auf der Straße lassen.

Drittens: Das neue Schulgesetz in NRW führte Kopfnoten zur Disziplinierung der Schüler ein. Verhaltensauffällige Kinder bekommen keine Hilfen, sondern Strafen. „Trainingsräume“, in denen solche Strafen verbüßt werden müssen, gibt es an vielen Schulen.

Die seit dem Schuljahr 2006/2007 verbindliche Grundschulempfehlung schreibt Eltern und Kindern vor, an welche weiterführende Schulform das Kind verwiesen wird.

Die Kinder werden schon im Alter von 9-10 Jahren weiter sortiert. Damit wird schon früh der weitere Bildungsweg vorgeschrieben.

Eine Veränderung ist dann kaum mehr möglich.

Die Statistik beweist: Nur ein sehr geringer Teil der Schulform-Wechsel finden von unten nach oben statt. Schon die Grundschüler wissen: Einmal Hauptschule, immer Hauptschule.

Ursache des miserablen Abschneidens Deutschlands in internationalen Bildungsvergleichen ist das 3 - gliedrige Schulsystem.

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Anstatt mit einem neuen Schulgesetz dieses unhaltbare Einsortieren der Kinder zu beenden, wurde dieses System in NRW erneut festgeschrieben.

Zudem wurde die Schulzeit bis zum Abitur um ein Jahr verkürzt, ohne die Folgen der Überforderung der Schüler zu bedenken. Die nun einsetzende hektische Betriebsamkeit endet wohl in der Streichung von Lehrinhalten, also im Qualitätsverlust. Der Run auf die Gesamtschulen beweist: Diesen Abi-Stress halten nicht viele durch, Eltern wollen für ihre Kinder eine ganzheitliche und solidarische Bildungserziehung.

Viertens: Die Studiengebühren an den Hochschulen führen entgegen der öffentlichen Darstellung zu einer deutlich sinkenden Zahl von Studierenden bei gleichzeitigem deutlichen Wachstum der Studierenden an den Privat-Universitäten. Die Verlierer sind die Kinder und Jugendlichen aus finanziell schlechter gestellten Haushalten, aus Arbeiterfamilien. Für sie ist kein Platz in der Elite vorgesehen.



Sind das Maßnahmen, die armen Kindern Chancengleichheit garantieren?

Der Alltag dieser Kinder verdeutlicht ihre Chancenlosigkeit: Sie wohnen in kleinen Wohnungen, in denen sie nicht in Ruhe lernen können, weil vielleicht das eigene Zimmer fehlt. Die Familien können sich keine bildenden Ausflüge, Reisen und Bücher leisten. In Kindergarten und Schule sind sie in viel zu großen Gruppen betreut, um eine individuelle Förderung zu erfahren.



Die Ausstattung an den Schulen ist veraltet und unzureichend, der Zugang zu Computern, Musikinstrumenten und Büchern ist limitiert. Abhilfe schaffen ließe sich nur durch Nachhilfeunterricht, dem Engagement im Sportverein oder der Anmeldung in einer Musikschule. Aber wer soll das bezahlen? Hartz IV sieht Bildung in dieser Form nicht vor.

Schon früh in ihrem Leben lernen arme Kinder, wo ihr Platz in dieser Gesellschaft ist. Sie werden nicht gestärkt und nicht gefördert.



Wir fordern:

  • Eine Schule für alle! Eine integrierte Gesamtschule bis Klasse 10 als einzige Schulform. Das Aktionsbündnis hierzu prüft gerade die Möglichkeit eines Volksbegehrens.

  • Kleine Betreuungsgruppen und Klassen mit einem qualifizierten Ganztagsangebot und individueller Förderung.

  • Eine verbesserte Lehrerausbildung und Sozialpädagogen an die Schulen.

  • Mehr Geld für die Sanierung der Schulgebäude und einer besseren Ausstattung, für kostenloses und leckeres Schulessen.

  • Ein deutlich höheres Kinder- und auch Erziehungsgeld vor allem für einkommensschwache Eltern und allein Erziehende




DIDEF

Tribunal: Migrantenkinder ohne Chance

    (Didef)



1. Person

In Deutschland leben über 7 Millionen Migranten.

Von allen Schülern, die eine Grund- und weiterführende Schule besuchen, sind 10,6 Prozent Jugendliche mit Migrationshintergrund. Die Aufteilung auf weiterführende Schulen sieht so aus, dass 19.2 Prozent eine Hauptschule, 13,8 Prozent eine Gesamtschule, 7,7 Prozent eine Realschule und nur 4,3 Prozent ein Gymnasium besuchen. Der Anteil von deutschen Schülern auf Gymnasien ist dreimal so groß. 4,l Prozent der Schüler mit Migrationshintergrund beenden die Berufschule und nur 3,6 Prozent dieser Jugendlichen besuchen eine Hochschule. Mehr als 40 Prozent erreichen höchstens einen Hauptschulabschluss und 19,2 Prozent verlassen die Schule ohne jeglichen Schulabschluss.

UND WORAN LIEGT DAS? SIND JUGENDLICHE MIT MIGRATIONSHINTERGRUND DUMME, KRIMINELLE, GEWALTBEREITE JUGENDLICHE???

2. Person kommt auf die Bühne

NEIN!

Die frühe Selektion im Bildungssystem, die die Kinder bereits nach der vierten Klasse bestimmten Schulformen und damit einer bestimmten qualitativen Förderung zuordnet, ist schuld. Davon sind aber nicht nur Migrantenkinder betroffen, sondern auch einheimische Kinder aus den unteren Schichten der Gesellschaft. Die unzureichenden Kenntnisse der deutschen Sprache sind kein Grund, sondern ein Resultat der verantwortungslosen Politik des Staates und der Behörden. Außerdem ist nicht zu vergessen, dass ebenso deutsche Kinder und Jugendliche, die der deutschen Sprache mächtig sind, wie auch die Migrantenkinder, die übrigens nicht alle unzureichende Kenntnisse in deutscher Sprache haben, keine gute Bildung haben und ihrer Zukunft perspektivlos entgegensehen. Daher fordern wir: Kein selektives Schulsystem. Eine Schule für alle! Und die Rücknahme von Schulgeldern und Studiengebühren, um eine Chancengleichheit für eine gute Bildung zu gewährleisten.





3. Person kommt auf die Bühne

NEIN!

Die Jugendlichen auf Hauptschulen wissen, dass der Arbeitsmarkt praktisch keinen Bedarf für sie hat. Sie sehen keinen Grund, sich anzustrengen und werden häufig aggressiv. Was alle brauchen, sind Ausbildungsplätze und eine Zukunftsperspektive. Daher fordern wir das Grundrecht auf Ausbildung. Experten sind sich einig, dass die Gründe für Gewalt nicht in der ethnischen Herkunft liegen, sondern in Armut und Bildung zu suchen sind.



4. Person kommt auf die Bühne

NEIN!

Obwohl Deutschland endlich als Einwanderungsland anerkannt wurde, wurden bisher noch keine entscheidenden Veränderungen in der praktischen Politik unternommen. Die Forderung "Lernt die Sprache, integriert euch!" wurde lauter. Aber genau in diesen Bereichen wurden finanzielle Mittel gestrichen oder keine Möglichkeiten angeboten. Bei dem Thema Integration berichtet die Mehrheit über Gewalt, Kriminalität, Islamisierung und schürt somit Angst. MigrantInnen machen Schlagzeilen, wenn es um die "innere Sicherheit" geht und werden als Wahlkampfthema missbraucht. Einzelne Taten werden verallgemeinert. Wir denken, dass keine weiteren Mauern und Grenzen zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen gebaut werden dürfen und die geschürte, gegenseitige Angst nicht die Lösung der Probleme ist. Es ist Zeit für eine Politik, die das Zusammenleben fördert.



Wir als DIDEF- Jugend sagen: Wir lassen uns nicht spalten, nur gemeinsam sind wir stark. Lasst uns gemeinsam für eine bessere Zukunft kämpfen.


Die Talkrunde „Essen – Großstadt für Kinder“. Foto: Shari Deymann


 

Talkrunde zu: „Essen – Großstadt für Kinder“

( mit Verweis auf den Familienatlas)

mit: dem Ratsherrn der DKP (Patrick Köbele),

Initiativensprecherin „Kinder brauchen Orte wie Horte“ (Anja)

Verdi Vertrauensfrau (Marina)

Themen:

- Familienzentrum in Essen

- Masterplan Sport

- Kinderhilfe in Essen

- Privatisierung von Bildung und Erziehung

- Kibiz

(Moderation Ilona)

Kindernachrichten am Frauentag 2008

(Jakob, Clara, Aaron mit Schwimmente als Außenreporter )

Jakob und Clara im Fernsehen wie Marietta Slomka und der freundliche Nachrichtensprecher an zwei im Winkel gestellten Tischen wie beim heute Journal



Jakob: Hier ist das Kinder- und Jugendmagazin

"Großstadt für Kinder" mit den Nachrichten

Clara: Essen - Deutschland und die Welt

Jakob:

New York: Unicef meldet , dass die Hälfte aller Kinder dieser Erde in Armut leben

Clara:

Washington: Rüstungsausgaben auf neuem Rekord! Die weltweiten Ausgaben für Rüstung haben erstmals die Grenze von über einer Billion (eine eins mit 12 Nullen) US Dollar überschritten.

Berlin: In Deutschland gibt die Bundesregierung täglich 100 Millionen Euro für das Militär aus.

Jakob:

Berlin: Kinder in allen Städten der Bundesrepublik jubeln: Das Kindergeld soll erhöht werden. Doch die 10 Euro mehr im Monat soll es nicht, wie versprochen ab 2009 geben, sondern erst ein Jahr später.

Clara:

Berlin: Politiker jubeln: Sie haben sich ihre Gehälter, angebliche Diäten, ab sofort um 330 Euro pro Monat erhöht. Nächstes Jahr gibt es die gleiche Erhöhung noch einmal, dann erhalten sie 7700 Euro im Monat.

Jakob:

Düsseldorf: Das Land NRW stellt für den Landesfond "Kein Kind ohne Mahlzeit" 10 Mio Euro pro Schuljahr zur Verfügung. Für 2 Jahre sollen bedürftige Kinder ein warmes Mittagessen bekommen, welches das Land mit 1 Euro bezuschusst. Für den Rest sollen die Eltern selbst oder Sponsoren aufkommen

Clara:

Bochum: Das Land NRW bezuschusst Nokia mit 88 Mio. Euro.

Jakob:

Nun, wie immer aktuell, die Lokalnachrichten. Wir schalten zunächst zu unserem Aussenkorrespondenten Aaron. Aaron, was gibt es Neues in Dellwig?

Aaron steht vor einem leeren Planschbecken, Schwimmreifen unter dem Arm und Mikrophon mit Fell in der Hand

Aaron:

"Freibad Hesse ist geschlossen"

Jacob: Danke Aaron

Clara:

Altenessen: In Altenessen/Grenze Karnap soll der neue Hingucker für Essen entstehen. Die schicke Marina wird Glanz in unseren Stadtteil bringen und auch wir können zukünftig tolle Jachten von ganz nah bestaunen.

Jacob: Wir schalten um zu Aaron, der jetzt in Steele vor Ort ist.



Szene wie oben. Aaron:

"Das Bad am Südpark ist geschlossen"

Jakob: Danke Aaron, weiter im Nachrichtenblock

Clara:

Katernberg: Marcel Koplischek, aus den Beisen hat auch auf seine 57. Bewerbung keinen Ausbildungsplatz bekommen. Es sei, so sagten ihm seine Berater beim Jobcenter, schwierig mit einer drei in Fleiß und Zuverlässigkeit sich auf dem Markt zu behaupten.

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6 weitere Bilder von der Matinee 9. März unten auf dieser Seite:


 Foto: Shari Deymann


Tanzgruppe Steele Oststadt



Jakob: Wie ich gerade gemeldet bekomme, befindet sich unserer Reporter jetzt in der Innenstadt

Szene wie oben. Aaron:

"Auch das Hauptbad ist geschlossen."

Jakob: Da zeichnen sich vor Ort ja dramatische Ereignisse ab, wir hoffen Aaron bleibt dran an der Story.

Clara:

Katernberg: Lehrer auf dem Markt mit faulem Obst attackiert. Der Täter Marcel K., 17 Jahre aus E. gibt zu seinem Motiv an: Er habe sich schließlich nur auf dem Markt behaupten wollen.

Jakob: Aaron, was gibt es Neues in Frohnhausen

Szene wie oben Aaron:

"Oase geschlossen"

Jakob: Danke, weiter mit Nachrichten

Clara:

Katemberg: Die Schlange vor der Essener Tafel am Katernberger Markt wird von Monat zu Monat länger. Die Ehrenamtlichen freuen sich über jede helfende Hand, so auch über Marcel K., der hier Gelegenheit hat, seine 120 Sozialstunden zu absolvieren. Die Mitarbeiter sind voll des Lobes, er sei fleißig und zuverlässig.

Jakob: Aaron meldet sich aus Borbeck

Szene wie oben Aaron:

"Das Stadtbad ist geschlossen. Wo soll ich noch schwimmen? Im Kanal?“

Jakob:

Danke Aaron. Unsere Sendezeit ist leider zu Ende, wir werden das Thema weiter verfolgen und wünschen euch allen noch einen schönen Tag. Schaltet die Kiste ab und bewegt Euch, das Wetter wird überwiegend sonnig und heiter. Morgen sind wir wieder für euch da.



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weitere Bilder siehe unten:


Abbildung 1.: Was ist das wieder? Das Dingsda? Foto: Shari Deyman


 


Abbildung 2.: Pipi glaubt dem Jürgen Rüttgers einfach nichts. Foto: Shari Deymann


 


Abbildung 3.: Das Didef-Tribunal klagt das deutsche Bildungssystem an.


Foto: Shari Deymann


Abbildung 4.: Die 3-Klassen-Schule benachteiligt auch Migranten-Kinder.


Foto: Shari Deymann


Abbildung 5.: Aaron stößt ständig auf geschlossene Schwimmbäder. Foto: Shari Deymann








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Abbildung 6.: Pipi Langstrumpf denkt nach. Foto: Shari Deymann