So eine Maultrommel sieht ja nach gar nichts aus. Man fragt sich, was den daran so schwer sein soll. Es ist ja nur ein einfacher Drahtbügel, sieht aus wie ein Flaschenöffner und es kann ja nicht so schwer sein, so ein Ding zu bauen.
So dachte ich auch ! ! !
Ich möchte hier auf einige Dinge hinweisen, die auf den 1-ten Blick nicht so auffallen und die mir im Verlaufe vieler Jahre der Herstellung aufgefallen sind.
Auf den Klang einer Maultrommel haben außer dem Können des Spielers verschiedene mechanische Gegebenheiten Einfluss, auf die ich näher eingehen möchte.
Es gibt mindestens 3 verschiedene Schwingungen der Feder, die sich gegenseitig beeinflussen.
1.) Durchbiege-Schwingung der Feder
2.) Dreh-Schwingung der Feder
3.) Eigen-Schwingung des abgewinkelten Teiles beim Anschlag
Dieses Gemisch der verschiedenen Schwingungen ergibt den Klang einer Maultrommel.
Alle diese Schwingung sind wiederum abhängig von:
- Länge der Feder
- Breite der Feder
- Dicke der Feder
- Material der Feder
- Verjüngungen und Verdickungen an verschiedenen Stellen der Feder.
- Höhe des abgewinkelten Teiles
- sowie die Form des oberen Endes.
Theoretisch ist es also möglich den selben Ton zu erzeugen, wenn man die Feder kürzer macht und dafür breiter.
Leider werden die anderen beteiligten Schwingungen dabei so geändert, das es im schlimmsten Fall zur gegenseitigen Auslöschung führen kann.
Eine gute Maultrommel kann man also nur bauen, wenn alle Schwingungsverhältnisse stimmen. Das macht das Herstellen von guten Maultrommeln auch so schwierig.
Eine weitere Herausforderung ist eine hohe Präzision bei der Fertigung, damit die erzeugten Schwingungen auch laut und deutlich hörbar sind.
Wichtig sind:
- Der Abstand zwischen Bügel und Feder
- Wagrechte und senkrechte Parallelität zwischen Bügel und Feder
- Der Querschnitt an der Bügelkante
- Der Winkel an der Feder
- Art der Federbefestigung
Durch Variationen aller dieser Dinge kann man eine Maultrommel durchaus zu einem hochwertigem Instrument machen oder auch zu einem klanglosem Etwas.
Berechnungen dieser Dinge sind da leider nur begrenzt möglich und von hoher Komplexidität.
(Ähnlich
wie bei Kirchenglocken.)
Ich
habe inzwischen mehrere Maultrommeln mit dem gleichem Grundton gebaut und kann
mit großer Sicherheit sagen, das es keine zwei Maultrommeln auf der Welt gibt,
die im Klang exakt gleich sind.
Hier
mal eine Tabelle zur groben Übersicht:
|
Änderung |
Ergebnis |
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Feder länger |
Tiefer Ton / schwingt lange / schlägt leicht am Bügel an |
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Feder kürzer |
Hoher Ton / schwingt kürzer / zu harter Anschlag |
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Feder breiter |
Tiefer Ton / schwingt kürzer / andere Drehschwingung |
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Feder schmaler |
Hoher Ton / schwingt länger / andere Drehschwingung |
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Feder dicker |
Hoher Ton / schwingt kürzer / harter Anschlag |
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Feder dünner |
Tiefer Ton / schwingt länger / schlägt leicht am Bügel an |
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Feder härter |
Hoher Ton / bricht leichter /harter Anschlag |
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Feder weicher |
Schwingt gar nicht / verbiegt sich leicht /Hält Stimmung nicht |
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großer Abstand Bügel-Feder |
Weniger Obertöne |
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kleiner Abstand Bügel-Feder |
Schlägt am Bügel an |
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Parallelität Bügel-Feder |
Viele Obertöne / unterschiedliche Obertöne |
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Bügelquerschnitt |
In Verbindung mit Federquerschnitt unterschiedliche 0bertöne |
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Federquerschnitt |
In Verbindung mit Bügelquerschnitt unterschiedliche 0bertöne |
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Federbefestigung zu locker |
Feder schlägt am Bügel an/Lockert sich |
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Federbefestigung zu fest |
Wenig Obertöne/ schwingt schlecht/ Wie ausgebremst/ bricht leichter |
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Höhe des Anschlagteiles |
Beeinflusst Lautstärke/Schwingungsdauer/Eigenschwingung / Tonhöhe / Drehschwingung |
Der
zweite wichtige Teil des Instrumentes ist der Mund-/Rachen-/ und Lungenraum des
Spielers. Mit diesem Teil werden die bei einer Maultrommel erzeugten Töne
gefiltert, verstärkt bzw. ausgelöscht. Die gleiche Maultrommel klingt bei
verschiedenen Leuten auch verschieden.
Vereinfacht
kann man sagen: ein kleiner Resonanzraum (wie wenn man „iiiiiiiii“ sagen würde)
verstärkt die hohen Töne. Ein großer Resonanzraum ( wie beim „hhoohhh“),
bei dem das Lungenvolumen mit genutzt wird, verstärkt die tiefen Töne.
Was
man dann aus diesem „einfachen“ Instrument herausholen kann, ist
faszinierend.
Wenn
die Feder z.B. etwas aus der Mitte der Maultrommel heraussteht, so kann sie
genau wie eine Mundharmonika nur durch den Luftzug zum schwingen gebracht
werden. Je nachdem wie sie steht, durch Luft einziehen oder leichtes Blasen. Der
dabei erzeugte Ton ist eigenartigerweise dabei immer tiefer als der Grundton der
Maultrommel.
Mit
verschiedene Anschlagtechniken mit den Fingern lassen sich Rhythmuseffekte
erzeugen.
Ein
weiteres Problem des modernen Instrumentenbaus ist das verwendete Material.
Beschichtungen der Feder ändern meistens sehr drastisch den Klang.
Gesundheitlich
unbedenklich sind z.B. :
Lebensmittelechte Farben, Gold, Silber, polierter Stahl, Edelstahl, Bronze,
unbehandeltes Holz,
bedenklich
können sein: Nickel, Aluminium und Messing wenn korrodiert, verschiedene Brünierarten
(meist schwarze Maultrommeln) behandeltes Holz, Lösungsmittelhaltige Lacke,
Abzulehnen
sind generell: Chrom, Zink, Zinn,
In
Zweifelsfalle sollte man beim Hersteller nachfragen.
Die Liste ist natürlich unvollständig und soll lediglich darauf hinweisen, das nicht jedes Material für jeden Menschen verträglich ist. Am besten geeignet sind Materialien, die man normalerweise auch in den Mund steckt.
( z.B. Material für Essbestecke)

1.) Alles beginnt mit dem Abschneiden von Rundmaterial auf die richtige Länge. Ich benutze dazu eine alte Handhebel-Exenterpresse meines Großvaters, der damit schon früher Handfeuerwaffen herstellte.
Damit wird auch schon der Grundton der Maultrommel festgelegt

2.) In 2 Arbeitsgängen wird dann die Grundform der Maultrommel festgelegt.

Diese Vorrichtungen sind Eigenentwicklungen meines Vaters.

4.) Die Form des Bügels wird jetzt auf einer sehr alten Fräsmaschine vorgefräst. Ebenfalls aus dem Bestand meines Großvaters.

5.) Dann wird die Aufnahme für die Feder gefräst. Natürlich möglichst in der Mitte, damit die Feder gut und Spannungsfrei hineinpasst.

6.) Mit verschiedenen Feilen wird die Maultrommel jetzt so bearbeitet, bis ich mit allen Winkeln und Kanten zufrieden bin.

Ob die Maultrommel gut klingt, zeigt sich erst bei der Hochzeit, wenn Bügel und Feder vereinigt werden.
7.) Material für meine Federn ist hochwertiger Federstahl in verschiedenen Dicken.

8.) Daraus wird ein der Maultrommel angepasstes Stück herausgeschnitten.

9.) Das muss dann solange gerichtet werden, bis es absolut gerade ist.
Eine krumme Feder schwingt nicht richtig.

10.) Die Feder wird jetzt von allen Seiten geschliffen. Zum Feilen ist sie noch zu hart.

11.) Jetzt wird die Feder angelassen. (Ein Verfahren zum gezielten Härten bzw. Weichmachen von Stahl)

12.) Dieser Arbeitsgang ist besonders schwierig. Wird dabei etwas falsch gemacht, ist die Feder unbrauchbar.
13.) Jetzt wird die Feder in die Maultrommel vorsichtig und Spannungsfrei eingesetzt.

14.) Nachdem die Feder gerade und parallel zu den Schenkeln eingesetzt ist, wird sie vorsichtig eingenietet

15.) Dazu benutze ich eine alte Spindeldornpresse.
16.) Mit einer Lupe wird überprüft, ob die Feder grade und parallel sitzt.

17.) Als nächstes wird die Feder rechtwinklig gebogen und vorne eingerollt.

18.) Auf Hochglanz polieren

19.)Wenn alles geklappt hat, die Maultrommel gut klingt, und der Ton auch noch stimmt, bekommt die Maultrommel den Stempel "Zella-Mehlis" und "Schlütter"

sowie die Tonart gestempelt.

20.) Jetzt wird sie auf ein Holzklötzchen gebunden und ist versandfertig.

Viel Spaß beim Spielen.