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Poesie
Für die Welt bist du
irgendjemand, aber für irgendjemand bist du die Welt.
Das Leben mit dem Hund ist schwierig genug, da wollen wir es gar nicht erst ohne ihn ausprobieren. Gert Seidel, Gerold Paulus
Dein Hund
Wenn alle dich meiden und hassen, ob mit oder ohne Grund wird einer dich niemals verlassen und das ist dein treuer Hund. Und würdest Du ihn sogar schlagen ganz herzlos und ohne Verstand er wird es geduldig ertragen und leckt Dir dafür noch die Hand.
Nur Liebe und selbstlose Treue hat er für Dich immer parat! Er beweist es Dir täglich aufs Neue, wie unsagbar gern er Dich hat. Nennst Du einen Hund Dein eigen, wirst Du nie verlassen sein und solltest Du vor Einsamkeit schweigen, dann bist Du doch niemals allein.
Wird einst der Tod Dir erscheinen und schlägt Dir die letzte Stund wird einer bestimmt um Dich weinen und das ist Dein treuer Hund. Drum schäm´Dich nicht Deiner Tränen wenn einmal Dein Hund von Dir geht! Nur er ist, das will ich erwähnen, ein Wesen, das stets zu Dir hält.
Seit einst die Treue sich aus der Welt verloren, hat sie zum Sitz des Hundes Herz erkoren. Bernhard Kellermann
Der Hund braucht sein Hundeleben. Er will zwar keine Flöhe haben, aber die Möglichkeit, sie zu bekommen. Robert Lembke
Ausstellung
Die Schau ist zu Ende – der Kopf ist nun frei ich hab nicht gesiegt – doch ich war dabei. Ich hab nicht gesiegt? – Doch! – Ich habe gewonnen. Die Stunden sind mit wie im Flug verronnen. Ich sah in Gesichter voll Stolz und voll Freude Nicht Herr und nicht Hund – sie lächelten Beide. Das sind die Menschen – Die Hunde – Ihr Leben- eine Kraft – eine Sprache – ein ständiges Geben. Sie kennen die Liebe, das Streben nach Glück – sie kennen auch Sorgen – die Jahre zurück – Und die – die noch kommen – sie werden nicht leicht Heute stehe ich hier – was wird noch erreicht? Die Zeit läuft davon – was wird mir gelingen reicht meine Kraft mich stets durchzuringen? Es ist doch so leicht ein paar Hunde zu züchten glaubt man unsern Medien und Presseberichten. Man kauft sich den Rüden – die Hündin dazu jetzt ist man „ Züchter „ – und hat seine Ruh. Man kennt nicht die Rasse – doch die Eltern sind schön sie haben Papiere – kann jedermann sehn. Man ist doch so klug und wird endlich reich. Was? Standard, Papiere, Verein – ist mir gleich. Die Käufer sind da – die fragen nicht groß „Hier gibt`s für die Hälfte – Na kauf schon !- Na los!“ Zwei Extreme – ein Name- wir müssen sie kennen doch warum darf ein jeder heut „Züchter“ sich nennen ???
Roswitha Fichtner
Unter hundert Menschen liebe ich nur einen, unter hundert Hunden neunundneunzig. Marie von Ebner-Eschenbach
Einer bleibt selten allein
Du willst also ausstellen, die Nasenabdrücke da ist aber gefährlich, und überall Haar! Sein Blick wärmt dein Herz es bleibt nicht bei einem Hund, und um nichts in der Welt sei doch mal ehrlich ! So suchen wir Platz gäbst du auch einen nur her, der neue Welpe ist Top! was bedeutet schon Geld? Einer ist gar nichts Wir finden schon Zeit ein Zweiter muß her! für Besen und Mop! Egal ob für Zucht, Ein Dritter ist einfach, für Show oder Spaß, Ein Vierter nicht schwer. Es gibt kaum ein Limit, für jeden gibt`s Platz dem Himmel sei Dank! jeder dient zu irgendwas! Ein Fünfter erfreut dich, Ihre Zahl zu verringern - mit ´nem Sechsten wird´s gehen der Gedanke macht krank! Die Winter sind mühsam, Ein Haus voller Hunde mal naß und mal rau. macht´s Leben erst schön! Jeder ist anders, Die Hunde sind schmutzig, du weißt wer da bellt. und du bist ganz blau. Warum nicht noch einen, Das Futter ist teuer, du traust dich, nicht wahr? der Tierarzt kriegt Geld. Manche Abende sind grässlich, Sie sind wirklich ganz einfach, manchmal schreist du im Haus, aber mein Gott, das Haar! Die Familie bleibt weg denn die Hunde auf dem Sofa, Freunde lassen dich in Ruh`, sie wollen nicht hinaus! Ein Hund auf dem Sofa, du siehst nur andere Hundeleute, ein anderer im Bett! die genauso leben wie du! Die Hunde, die Shows, Hungrige Mäuler in der Küche, das Reisen, die Sorgen, das findest du nett? Die Blumen sind tot, die Arbeit, die Spannung, der Rasen ist hin, die Gedanken an morgen! Sie hören auf`s Wort doch am Wochenende und sind gar kein Problem! hast du anderes im Sinn Es muß wohl was wert sein, Auch wenn`s noch einer mehr ist, und es muß dir was geben, wird es immer noch gehen. Man meldet und reist denn sie lieben dich alle, so ist der Trott die Hunde in deinem Leben. Die Möbel sind staubig, dazu die Hundesteuer, die Fenster nicht klar, bald bist du bankrott! Alles hat sich verändert, der Boiden ist schmutzig, nichts ist mehr gleich! das Sofa voll Haar. Ist es das wert, Du liebst deine Hunde, was machst du da bloß? und deine Seele ist reich! Es leidet der Haushalt, Doch dann kommt dein Liebling man nimmt´s kaum noch wahr und springt auf den Schoß!
aus dem Englischen, Autor unbekannt Deutscher Reim v. Klaus-J. Hornig
In den Augen meines Hundes liegt mein
ganzes Glück, all mein Innres, Krankes, Wundes Heilt in seinem Blick. Nachfolgenden wunderschönen Text zum Thema “alter Hund” habe ich im Netz gefunden. Es sind wunderschöne Gedanken einer Hundehalterin, die ich Euch nicht vorenthalten will. (Der Text darf kopiert und weitergegeben werden.) ”Es ist eine Grausamkeit auf dieser Welt, dass das Leben eines Hundes um soviel kürzer ist, als das eines Menschen”. Konrad Lorenz Der alte Hund Erinnern Sie sich? Eben noch ist der zwölf Wochen alte Welpe durch ihre Wohnung galoppiert, war als Einjähriger der Schrecken aller Kaninchen. Selbst mit 8 Jahren war er nicht zu halten, wenn er einen Ball sah. Plötzlich ist alles anders. Plötzlich ? Nein, die Anzeichen kamen schleichend. Das Aufstehen und Hinlegen fällt schwerer. Das jahrelang bewährte Futter schmeckt plötzlich nicht mehr so richtig. Die Blase drückt viel öfter als früher. Die im Welpenalter aufgebauten Hundefreundschaften werden nur noch kurz beschnüffelt, dann wendet man sich auch schon wieder dem Heimweg zu. Das Bedürfnis nach Wärme und Zuwendung ist größer als je zuvor DER HUND IST ALT. Kleine Rassen werden bekanntlich älter als Große, dass spielt aber in diesem Fall überhaupt keine Rolle. Es geht darum dem Hundesenior gerecht zu werden und sich seinen Ansprüchen anzupassen. Ihr Hund hat Sie jahrelang begleitet. Er war Ihnen ein treuer Gefährte und Partner. Er hat Ihnen nie vorgeworfen, dass eine Fahrt bei 25 Grad im Sommer, im Hundepelz weniger angenehm ist. Er hat gefressen was sie ihm vorgesetzt haben und er hat seine Geschäfte erledigt wenn Sie ihn hinaus ließen. Nun fordert das Alter von Ihrem Hund Tribut und Sie stehen in der Pflicht es für Ihren Gefährten so angenehm wie möglich zu machen. Das sind Sie ihm einfach schuldig. Das Altern von Tieren jeglicher Art unterscheidet sich kaum von den Alterserscheinungen eines Menschen. Wer kann sich also nicht vorstellen, dass es beschwerlicher ist einen Hügel zu erklimmen als früher. Das die Ohren und Augen in ihrer Sinneskraft nachlassen. Das man jugendlichen Flegeln am liebsten aus dem Weg geht, weil man sich einem Kräftemessen nicht mehr gewachsen fühlt. Es ist so einfach sich in einen alten Hund hinein zu versetzten, wenn wir uns nur einmal die Mühe machen und darüber nachdenken, was gut und wichtig für IHN ist. Würden Sie ihre Oma in der Garage schlafen lassen, weil sie ihren Blasendrang nicht mehr wie früher unter Kontrolle hat? Würden Sie ihr einmal am Tag eine fette Mahlzeit vorsetzen obwohl sie schon am Morgen nach einer Kleinigkeit verlangt? Würden Sie ihre alte Oma wirklich einen ganzen Tag alleine lassen? NEIN ! Wenn ein Funken Menschlichkeit in Ihnen steckt, dann können Sie diese Fragen nur mit " niemals " beantworten. Unseren alten Hunden aber widerfährt dieses Schicksal auf der Welt millionenfach. Warum? Halten wir unsere Tiere für seelenlose Maschinen? Das wohl nicht. Aber sie lamentieren und klagen nicht, sie weinen und stöhnen nicht. vor allem aber klagen sie nicht an und solange sie das nicht tun schlussfolgern wir, dass es Ihnen gut bei uns geht. Welch fataler Irrtum. Wenn Sie diesen Teufelskreis durchbrechen wollen und dem Hund die Anerkennung zollen die ihm gebührt, dann haben Sie die Möglichkeit Ihren Freund auf seinem letzten Lebensabschnitt zu begleiten und in aller Ruhe von Ihm Abschied zu nehmen. Er dankt es Ihnen tausendfach. Verbannen Sie ihn auf keinen Fall von seinem gewohnten Schlafplatz nur weil Darm- oder Blase hin und wieder nicht funktionieren. Wenn vorher sein Schlafplatz mit einer Decke ausgestattet war, dann kostet es Sie doch nur ein müdes Lächeln, dass Lager mit ein oder zwei weiteren Decken weicher zu gestalten. Die alten Knochen sehnen sich nach Wärme und das Immunsystem ist krankheitsanfälliger. Also versteht es sich von selbst, dass Sie ihrem Hund bei Kälte und Regen nicht draußen abliegen lassen. Auch wenn IHM das in den vergangenen 10 Jahren nichts ausgemacht hat! Teilen Sie die Futterrationen auf mehrere kleine Mahlzeiten am Tag auf. Reichen Sie ihm sein Fressen wenn er danach verlangt, denn alte Hunde werden in der Regel oft sowieso von Appetitlosigkeit geplagt. Gönnen Sie ihm hin und wieder einen Leckerbissen (z.B. Hühnerklein) Die Gewaltmärsche von früher sind tabu. statt dessen gehen sie lieber einmal mehr eine kleine Runde. Pflegen Sie ihn weiterhin wie gewohnt. Es gibt keinen Grund, einen alten Hund weniger zu bürsten oder pflegen, nur weil keine Aussicht mehr besteht auf einer Ausstellung mit ihm zu glänzen. Besonders wichtig ist aber für ihren Hund, dass er nun besonders auf ihre Liebe und Führsorge angewiesen ist. Hunde die zu Lebzeiten keine ausgesprochenen Schmuser waren, entwickeln im Alter eine ausgesprochene Liebesbedürftigkeit. Schenken Sie dem alten Hund ihre ganze Aufmerksamkeit. Es ist nicht der richtige Zeitpunkt, ihm mit zwölf oder gar dreizehn Jahren einen Welpen vor die Nase zu setzten. Die Möglichkeit dazu hatten Sie vorher. Es ist nun ohnehin absehbar, wann Sie sich einen " neuen " Hund ins Haus holen können. Beobachten Sie ihren Hund. Wenn er Anzeichen von Schmerzen oder krankhafte, körperlichen Veränderungen zeigt, dann ist der Gang zum Tierarzt oder ein Hausbesuch desselben, dringend erforderlich. Es liegt in Ihrer Hand, dem Hund Schmerzen zu ersparen. Sollte es aber für Ihren alten Hund keine Rettung geben, dann sind besonders Sie, als lebenslange Bezugsperson und Rudelführer gefordert. Den Hund auf seinem letzten Weg einem Bekannten oder gar Fremden anzuvertrauen ist unverzeihlich. Er hat ihnen ein Leben lang zur Seite gestanden und es ist Ihre Pflicht, ihn bis zur letzten Minute zu begleiten. Ein Hund der in einer Tierarztpraxis umgeben von Fremden stirbt, ist ein unglücklicher Hund ! Wir alle empfinden bei diesem letzten Gang unsagbare Trauer, Schmerz und Leid. Niemand braucht sich in diesen Minuten seiner Tränen zu schämen. Aber der Hund ist es der stirbt. Und er hat ein Recht auf die streichelnden Hände seiner Bezugsperson. Egal wie schwer uns das fällt. Auch wenn Ihr Hund jetzt noch jung ist oder Sie sich gerade erst mit dem Gedanken befassen einen Hund anzuschaffen, auch Ihr Hund wird alt. Und es ist der biologische Lauf der Dinge die unseren Hund nun einmal früher sterben lässt als uns. Es liegt in Ihrer Macht IHM den Herbst des Lebens so angenehm wie möglich zu machen. 26.10.1998 by Dagmar Yildiz
Erinnerungen Nicht weinen, daß sie vergangen - sondern lächeln, das sie gewesen
Für Nessi
Ich blicke schon ein gutes Stück auf viele Hundejahr zurück. Als Welpe tollkühn und verspielt hab ich mich schon sehr wohlgefühlt.
Dann lernte ich aus gutem Grunde Lektionen in der Hundestunde. Als Arbeutshund sehr viele Male gewann ich Ehre und Pokale. Erwies mich treu in allen Pflichten und ließ auch meine Schönheit richten. Ging mit auf Streife Tag und Nacht hab die Familie klug bewacht.
Nun lieg ich lieber auf der Matte denk an die Stunden, die ich hatte - Ich hatte ? - Nein, die es noch gibt denn die Familie, die mich liebt schenkt mir im ewigen Vertrauen ihr Herz und ich kann auf sie bauen. Und gebe jeden Augenblick die Liebe tausendmal zurück. Roswitha Fichtner
Yassi
Mit Worten kann man`s kaum ermessen, denn Yassi bleibt mir unvergessen.
Wer je sein Heim mit Rotti`s teilte - weiß von dem Glück, das bei ihm weilte weiß wie das Tier die Seele heilte.
Ist nicht nur Hund - er ist dein "Ich" die Leine ist nur äußerlich. Dein Innerstes trägt er zur Schau - zeigt deine Schwächen haargenau. Auch deine Kraft weiß er in Bildern ganz offen unverblümt zu schildern. Hat sich erst Herz zu Herz gefunden ist man mit Haut und Haar verbunden.
Es gibt nicht Mensch - es gibt nicht Tier kein " ich"- kein "du" - es gibt nur "wir".
Nur langsam lösen sich die Schlingen die diesen Hund nie wieder bringen.
Roswitha Fichtner
Nachruf an meine englische Bulldogge
Ein Schalk, ein Unhold, oller Besen "Frau Dogge, das bist Du gewesen. Du schieltest zwar, doch sahst Du tief, wenn stumm mein Herz um Hilfe rief. Dann warst Du da mit lustigem Sinn und jedes Lachen war Gewinn.
Zu keiner Zeit - in keinen Ecken konnt meine Seele ich verstecken. Du last darin ganz ohne Zeilen um jeden Trübsinn zu zerteilen. Du sagtest Nichts - doch sprachst Du viel mit Deinen Gesten, dem Gefühl. Mitunter reichte schon ein Blick den Weg zu weisen - Stück für Stück.
Du warst ein Monster - muß ich sagen erbarmungslos in all den Tagen hast Du den Kobold mir gespielt, mit Dir hab ich mich wohl gefühlt.
Ein Dickkopf mit des Königs Würde mit Dir gemeinsam - jede Hürde. Vier Pfoten fest wie eine Mauer ein starker Wille - keine Trauer.
Du kämpftest tapfer - wie ein Stier doch einer holte Dich von mir in eine unbekannte Welt - "Frau Dogge" nur die Liebe zählt.
Roswitha Fichtner
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Es trifft uns hart, wenn uns diese stillen Freunde verlassen – denn sie tragen so viele Jahre unseres eigenen Lebens mit sich fort. John Galsworthy Sie gehen nicht wirklich Weine nicht an Grabesort, ich schlafe nicht, ich bin nicht dort. Als Diamantenglanz im Schnee, als Sonnenlicht auf Feld und See erkenne mich in Sturm und Regen, empfinde mich als Trost und Segen. Am stillen Morgen froh erwache, wenn ich aus leisen Vögeln lache, wenn ich als Stern in dunkler Nacht über dich hab treu gewacht. Weine nicht an Grabesort, ich ging noch nicht, ich bin nicht dort Bodo Fiedler
Wenn Hunde sich freuen, herrscht für sie der Himmel auf Erden, sind sie traurig, bricht die Welt zusammen, lieben sie, dann für immer. Jeffrey M. Masson
Der alte Kettenhund Ich bin allein; es ist schon Nacht und Stille wird`s im Haus. Dort ist ein Feuer angefacht, dort ruht mein Herr sich aus.
Er liegt im warmen Federbett, deckt bis ans Ohr sich zu, und ich auf meinem harten Brett bewache seine Ruh`.
Die Nacht ist kalt, ich schlafe nicht, der Wind aus Ost weht kalt; die Kälte ins Gehirn mir kriecht, ich bin ja auch schon alt.
Die Hütte, die mein Herr versprach, erlebe ich nicht mehr, der Regen tropft durch`s morsche Dach, Stroh gab`s schon längst nicht mehr.
Die Nacht ist kalt, der Hunger quält, mein Winseln keiner hört und wüßt´ mein Herr auch was mir fehlt, er wird nicht gern gestört.
Die Nacht ist lang, zum zehnten Mal leck ich die Schüssel aus, den Knochen, den ich jüngst versteckt, den grub ich längst schon aus.
Die Kette, die schon oft geflickt, sie reibt den Hals mir bloß. Sie reicht nur noch ein kurzes Stück und nie wird ich sie los.
Was Freiheit ist, das lern´ich nie, doch weiß ich, ich bin treu. So lieg ich, warte auf den Tod, denn dieser macht mich frei.
Brüder und Schwestern gebt acht, Ihr sollt wissen, schenkt Ihr Euer Herz einem Hund, so wird´s Euch gänzlich entrissen. „Die Macht eines Hundes“ Rudyard Kipling
Seele eines Hundes Autor: B. Traven Es muß Liebe sein… Als Restaurantbesitzer Le Blank den streunenden Vierbeiner zum ersten Mal in der Tür seines Lokals sieht, fühlt er: Dieser Hund ist etwas Besonderes - er hat gute Manieren, ein lustiges Grinsen und erobert die Herzen. Dennoch verletzt Le Blank eines Tages den Stolz des treuen Gefährten auf`s Tiefste – und ahnt nicht, dass er sich selbst damit eine unheilbare Wunde zufügt…. An einem Nachmittag, als die Uhr auf dem nahen Geschäftsgebäude drei und einhalb Uhr schlug, bemerkte Monsieur Le Blank, ein Franzose und Besitzer eines Cafe`s in der Calle de Boviar in Mexiko City, einen mittelgroßen, schwarzen Hund nahe der Tür sitzen, die allezeit offen stand. Er saß aber so, dass Gäste, die herauskamen und eintraten, in keiner Weise belästigt wurden. Der Hund hatte seine sanften, braunen Augen auf Le Blank gerichtet, und in diesen ruhigen Augen funkelte etwas wie eine Einladung, Freundschaft zu schließen. Mehr als das, der Hund setzte eine ungemein drollige Miene auf, wie man sie zuweilen bei allen gutgelaunten Vagabunden findet, die, wie immer sie auch gut oder übel behandelt werden mögen, selbst wenn man sie die Hintertreppe hinunter stößt oder ihnen einen Kübel mit Wasser über den Kopf stülpt, ihren guten Humor nicht verlieren, sondern mit einem Grinsen auf dem Gesicht noch Danke sagen. Für einige kurze Augenblicke und wohl mehr gelegentlich als absichtlich, hielt der Franzose in seinem Revidieren der Kassenabschnitte inne und warf dem Hund einen zweiten Blick zu. Der Hund, diese Ermunterung rasch auffangend, erwiderte sie mit einem lustigen Wedeln des Schwanzes, neigte seinen Kopf in komischer Weise ein wenig zur Seite und öffnete sein Maul schief auf der einen Ecke, so dass Monsieur Le Blank den Eindruck gewann, dass der Hund ihn vertraulich angrinse. Le Blank konnte es sich nicht versagen, das Grinsen des Hundes zu erwidern, und für einige Sekunden hatte er die Empfindung, dass in dieser geräuschvollsten und gefühllosesten Stunde der täglichen Geschäftsroutine ein kleines Stückchen goldene Sonne leise und verstohlen sich in seinem Herzen verkroch, um es kosend zu berühren und ihm neue, ungewohnte Wärme zu geben. Seinen Schwanz noch eifriger bewegend, richtete sich der Hund leicht auf, setzte sich aber sofort wieder, und in dieser sitzenden Stellung verbleibend, schob er sich einige Zoll näher zur Tür, ohne jedoch in das eigentliche Cafe selbst hineinzugehen.. Der Franzose, diese Handlungsweise eines hungrigen Straßenhundes als anständig und lobenswert ansehend, vermochte seinen Gefühlen nicht länger zu widerstehen. Von einem beinahe halbleeren Teller, der in diesem Augenblick eine Kellnerin von dem Tisch eines Gastes fortnahm, um ihn in die Küche zu tragen, ergriff er ein Rumpsteak, an dem der Gast, offenbar nicht sehr hungrig, nur gerade so herumgeknabbert hatte. Dieses saftige Steak mit zwei Fingern hochhebend, es so einige Sekunden haltend, heftete er seinen Blick auf den Hund, schwang das Steak einladend einige Male hin und her, und mit einer Geste des Kopfes gab er dem Hund zu verstehen, er möge hereinkommen und den reichen Happen in Empfang nehmen. Der Hund sah und verstand diese Einladung, wackelte nun nicht mehr nur mit dem Schwanz, sondern mit seinem ganzen Hinterteil, öffnete und schloß sein Maul in rascher Reihenfolge und leckte sich die Lefzen, als ob er das Steak bereits zwischen den Zähnen habe. Dennoch, obgleich der Hund nun gut wusste, dass dieses Steak für ihn bestimmt war, trottete er nicht in das Cafe`, sondern blieb außerhalb bei der Tür sitzen. Der Franzose, plötzlich mehr interessiert an diesem Hund, denn an seinen Gästen, verließ seinen Platz hinter der Bar und trug dieses Steak bis dicht zur Tür, spielte es eine gute Weile vor der Nase des Hundes und ließ es endlich in das hungrige Maul hineingleiten. Der Hund ergriff es ohne Hast, gab dem Besitzer einen Blick des Dankes, trat von der Tür weg und legte sich auf dem asphaltiertem Seitenweg nieder, jedoch dicht am Fenster des Cafe`s. Dort fraß er das dicke Steak in solcher unbekümmerter Ruhe, wie sie nur der voll genießen kann, der sich eines reinen Gewissens bewusst ist. Als der Hund das Mahl beendet hatte, erhob er sich, ging zurück zur Tür und wartete dort geduldig, bis der Franzose ihn auf`s Neue bemerken würde. Sobald Le Blank ihm den so sehnlichst erwarteten Blick zuwarf, stand der Hund auf, wackelte lustig mit dem Schwanz, setzte jenes clownische Grinsen auf, das dem Franzosen vorher so gefallen hatte, schüttelte seine Kopf so, dass die Ohren um ihn schlugen, drehte sich um und ging seiner Wege. Monsieur Le Blank, als er den Hund zur Tür zurückkommen sah, glaubte natürlich, der Hund wäre gekommen, um vielleicht einen zweiten guten Bissen zu erhalten. Aber als er die Tür erreichte, diesmal mit dem Bein eines Huhnes, an dem der größte Teil des Fleisches noch daran hing, war der Hund bereits verschwunden. Nun endlich verstand er, dass der Hund zum zweiten Male zur Tür gekommen war aus keinem anderen Grunde, als um in seiner eigenen Weise seinen Dank zu sagen. Im Verlauf des Tages vergaß der Franzose den Vorfall, denn er betrachtete den Hund nur gerade wie irgendeinen anderen der zwanzig oder mehr Straßenhunde, die Restaurants besuchen und häufig genug, meistens sogar hineingehen um unter den Tischen der Gäste nach Überbleibseln und heruntergefallenen Brötchen und angenagten Knochen zu suchen, zuweilen sich auch noch vor den Gästen breit hinsetzen und einen Bissen erbetteln, bis sie von den Kellnerinnen hinausgejagt werden. Am nächsten Tag jedoch und zur gleichen Zeit, um drei und ein halb Uhr, saß der Hund wieder bei der offenen Tür desselben Cafe`s. Der Franzose sah ihn dort sitzen und lächelte ihn an, als wären sie alte Bekannte. Der Hund erwiderte das Lächeln mit seinem so urkomischen, man möchte sagen, stillen Grinsen auf seinem – Gesicht. Er stand halb auf, wie er es gestern getan hatte, wackelte seinen Schwanz als Zeichen seines Grußes und erweiterte sein Vagabundengrinsen, soweit es sein Maul erlaubte, während seine rosafarbige Zunge ihm über eine Seite des Kiefers hing. Der Besitzer winkte mit seinem Kopfe, um anzudeuten, dass der Hund hineinkommen möge, um sein freies Mittagsmahl nahe der Bar zu empfangen. Der Hund jedoch kam einen halben Schritt näher zur Tür, und wie gestern, so auch heute weigerte er sich, hineinzugehen. Monsieur Le Blank schien nun endlich zu begreifen, was der Hund anzudeuten gedachte, und das war, dass er sich nicht fürchte hineinzugehen, sondern dass seine angeborene Anständigkeit und Intelligenz es ihm zu verstehen gäbe, dass ein Raum, in dem reinliche Menschen verkehren, kein geeigneter Aufenthaltsraum für gewöhnliche Straßenhunde ist, die sich ihr Futter in Mülleimern suchen müssen und nie gebadet werden. Der Franzose erhob nun seine Hand und trommelte seinen Zeigefinger gegen den Daumen, blickte dabei den Hund scharf an und gab ihm auf diese Weise in der auf dem Lande gebräuchlichen Form zu verstehen, dass er ein wenig warten möge. Zum Erstaunen des Franzosen verstand der Hund wirklich diese Zeichensprache, denn er bewegte sich einen Schritt weg von der Tür und legte sich draußen auf dem Seitenwege hin, seinen Kopf zwischen den Vorderpfoten und mit seinen halbgeschlossenen Augen den Franzosen beobachtend, der in diesem Moment sehr beschäftigt war. Etwa fünf Minuten später trug eine Kellnerin ein Tablett, gefüllt mit Tellern, die sie soeben von den Tischen genommen hatte, zur Küche. Der Besitzer winkte ihr zur Bar zu kommen, ergriff ein gutes Überbleibsel eines einst mächtigen Steaks, ging damit hinaus zum Hunde, wo er es vor der Nase des Hundes herumspielte und es dann gehen ließ. Der Hund schnappte es so sanft von des Menschenhand, als ob er es von einem Kinde nehme. Und genauso, wie er es gestern getan hatte, so handelte er auch heute. Er legte sich ruhig und unbekümmert draußen auf dem Seitenwege unter dem Fenster des Cafe´s hin und erfreute sich des guten Mahles. In diesem Augenblick erinnerte sich Le Blank der eigentümlichen Art und Weise, wie der Hund gestern seinen Dank ausgesprochen hatte, und er war nun neugierig, zu erfahren, ob diese sonderbare Form der Danksagung nur einer gelegentlichen Eingebung folgte oder einem wohlüberlegtem individuellem Betragen. LeBlank, der gerade mit einem Gaste 10 Pesos zu wetten gedachte, dass der Hund, nachdem er sein mahl gegessenhatte, zur Tür kommen und seinen dank bezeugen würde, fand, dass es für jene Wette zu spät war, denn er sah bereits den Schatten des Hundes dicht bei der Tür. Ohne sein Gesicht dem Hunde zuwenden, beobachtete er den Hund und dessen Gebaren von einem Winkel seiner Augen aus. Der Hund saß dicht bei der Türe und wartete darauf, dass der Besitzer ihn bemerken sollte. Jedoch absichtlich beschäftigte sich LeBlank an den Regalen, wo Gläser, Flaschen, Konserven, Zigarren und Zigaretten aufgeschichtet waren, und hin und wieder revidierte er die Kasse, jedoch stets den Hund so von der Seite beobachtend, dass der Hund dessen nicht gewahr werden konnte. Es interessierte ihn zu wissen, wie lange der Hund dort sitzen bleiben würde, zu keinem anderen Zweck, als seinen Dank zu sagen. Vier, vielleicht fünf Minuten waren in dieser Weise vorübergegangen, als der Franzose endlich beschloß, die Anwesenheit des Hundes zu bemerken. Kaum hatte er aufgesehen und seine Augen auf den Hund gerichtet, als der aufstand, fröhlich mit seinem Schwanz hin und her fegte, seinen Kopf auf die Seite legte, für eine kurze Weile sein komisches Grinsen zeigte, sich umdrehte und verschwand. Von nun an hielt der Franzose stets ein besondres, schweres und saftiges Stück Fleisch, das von den Tischen zurückkam, für den Hund bereit. Der Hund kam nun jeden Tag und erschien an der Tür so pünktlich wie der beginn des Stierkampfes in Mexiko. Es war stets und immer halb vier, wenn Monsieur Le Blank, einen gelegentlichen Blick zur Tür hinwerfend, den Hund dort sitzen sah, mit dem Schwanz wedelnd und ihn mit freundlichen, halb zugekniffenden Augen verschmitz ansehend. In dieser Weise ging es mehrere Wochen ohne irgendwelche Veränderung in des Hundes regelmäßigen Besuchen, seiner Empfangnahme eines reich mit Fleisch besetzten Knochens und seiner Danksagung, ehe er das gastliche Cafe´ verließ. Der Franzose betrachtete den Hund als einen zuverlässigen Gast, in mancher Hinsicht als seinen Glücksbesucher. So pünktlich kam der Hund jeden Tag, dass der Franzose seine Uhr nach dem Erscheinen des Hundes hätte stellen können. Trotzdem dieser schwarze, ungekämmte, ungepflegte Straßenhund zu dieser Zeit von der Gastfreundlichkeit des Besitzers nun völlig überzeugt sein musste, änderte er in keiner Weise sein anständiges Betragen. Niemals kam er in das Cafe´, wenngleich der Franzose ihm zum wiederholten Male ganz deutlich zu verstehen gegeben hatte, dass er hereinkommen und sein Mahl ganz dicht bei den Füßen des Besitzers in Ruhe essen könne. In Wirklichkeit würde der Franzose es gern gesehen haben, dass der Hund ständig bei ihm geblieben wäre. Er hätte sich nützlich machen können dadurch, dass er andere, weniger anständige Straßenhunde, die in das Cafe´ kamen hinausjagte und das Restaurant in der Nacht gegen mögliche Einbrecher bewachte. Monsieur Le Blank hatte den Hund, um die Wahrheit zu gestehen , lieben gelernt. In letzter Zeit, wenn immer er dem Hunde seinen Bissen gereicht, liebte er es, den Hund für eine Weile zu streicheln, auf den Rücken zu klopfen und ihn leicht an den Ohren zu zupfen. Der Hund blieb, während er so gestreichelt wurde, mit seinem Stück Fleisch im Maul, geduldig sitzen, bis Monsieur Le Blank die Liebkosung beendet hatte und zu seinem Platz hinter der Bar zurückkehrte. Und erst dann, und nicht früher entfernte sich der Hund von der Tür, um, seiner Gewohnheit gemäß, sich draußen auf dem Seitenweg niederzulegen und sein Mahl zu verzehren. Und wie stets sobald er damit zu Ende war, stand er auf, ging zur Tür, wartetet dort, bis der Besitzer ihn bemerkte und ansah, wackelte daraufhin lustig mit dem Schwanz, grinste verschmitzt und öffnete das Maul, als ob er zu sagen wünschte,: „Vielen Dank, Amigo mio, bis morgen um die gleiche Zeit“. Und dann drehte er sich wie immer um und trottete hinweg. Wohin er ging wusste der Franzose nicht. Nun kam ein Tag, an dem Monsieur Le Blank eine ganz fürchterliche Auseinandersetzung mit einem Gast hatte, dem ein knochenhartes Brötchen serviert worden war. Der Gast im Glauben, das Brötchen sei weich, wie er ein Recht hatte, es zu erwarten, biß fest drauflos und brach sich einen Zahn. Es war nur natürlich, dass der gast einen entsetzlichen Skandal anfachte, dem Cafe´besitzer androhte, ihn auf eine Schadenersatz von zehntausend Pesos zu verklagen und ihn wegen fahrlässiger Körperverletzung anzuzeigen. Monsieur Le Blank wurde wild wie ein Gorilla, feuerte die Kellnerin, die den Gast bedient hatte, mit groben Worten aus ihrer Stellung und das bedauernswerte Mädchen verkroch sich in einer dunklen Ecke im Hintergrund des Cafe´s, wo es bitterlich zu heulen anfing. Was unter den Umständen gesehen ja nur natürlich erschien. Es war gewiß nicht ihr Fehler allein. Sie hätte freilich bemerken sollen, dass jenes Brötchen hart, wie Holz war, aber ebenso gut hätte es der Gast bemerken sollen, als er das Brötchen in die Hand nahm. Und es ist zu beachten, dass es sicher keinen guten Eindruck auf die Gäste macht, wenn die Kellnerin, ehe sie dem Gast die Brötchen anbietet, jedes einzelne Brötchen erst zwischen den Fingern knetet, um festzustellen, ob es frisch ist. Die Gäste würden sich das als eine unreinliche Handlung verbitten. Und mit Recht. Wie dem auch sein möge, sie hatte jenes Brötchen serviert und war darum für die Folgen verantwortlich. Der wirklich Schuldige jedoch war der Bäcker, der absichtlich oder infolge eines Versehens, das knochenharte Brötchen zwischen die frischen geworfen hatte. Und als Monsieur Le Blank sich dessen bewusst wurde, hob er den Hörer vom Telefon und brüllte den Bäcker an. Die lebhafte Unterhaltung endete damit, dass Monsieur den Hörer des Telefons mit solcher Heftigkeit auf den Haken schlug, dass von diesem Telefon nichts übrig geblieben wäre, wenn die Ingenieure, die jene Apparate bauten, solche gelegentlichen Ausbrüche menschlicher Leidenschaften nicht vorgesehen und dementsprechend die Apparate konstruiert hätten. Das Gesicht rot wie eine reife Tomate, zwei bläuliche, dick anschwellende Adern auf seiner kochenden Stirn, kehrte der Franzose zurück zu seinem Platz hinter der Bar. Und als er nun zufällig zur Tür blickte, sah er dort seinen guten alten Freund, den Hund sitzen, der auf sein Mittagsmahl wartete. Und als Le Blank den Hund dort sitzen sah, so ruhig, so unschuldig, so in keiner Weise geplagt von den ewigen Sorgen, Kümmernissen und Ärgernissen eines Geschäftsbesitzers in Mexiko, Sorgen, die einen Mann zwanzig Jahre vor seiner Zeit alt werden lassen. und so lustig und vergnügt seinen Schwanz wedelnd und ihn grüßend mit dem clownischen Vagabundenlächeln, das ihm so gut stand und von dem er wusste, dass es seinem Freunde, dem Cafe-Besitzer so gut gefiel, da packte der Franzose, beinahe blind in seinem Ärger, plötzlich und völlig ungewollt und unbeabsichtigt eine solche ungeheure Wut, dass er das harte Brötchen, das vor ihm auf der Bar lag, ergriff und später konnte er sich nicht erklären, warum er es getan hatte – es mit voller Wucht und Kraft dem Hunde an den Kopf warf. Es besteht kein Zweifel darüber, dass der Hund die Bewegung des Franzosen beobachtet hatte, denn seit er bei der Tpür erschienen war, hatte er nicht eine Sekunde lang den Franzosen aus den Augen gelassen. Der Hund sah den Franzosen das Brötchen ergreifen, sah ihn dabei scharf an und sah, dass jenes Brötchen auf ihn gezielt wurde. Er, ein Hund, der von dem Lebte, was er auf der Straße fand, und aus diesem Grunde an ein hartes Leben, gewürzt mit Knüppelhieben und Steinwürfen, gewöhnt war, hatte durch bittere und schmerzliche Erfahrungen gelernt, Hieben und Würfen aus dem Wege zu gehen. Eine leichte Bewegung seines Kopfes hätte vollauf genügt, dem heransausendem Brötchen auszuweichen. Aber er bewegte sich nicht. Er hielt seine warmen, braunen Augen auf den Franzosen geheftet. Und ohne irgendein Zeichen von Furcht zu offenbaren, empfing er den Wurf. Für einige Sekunden blieb er sitzen, wo er war, als ob er gelähmt sei, weniger gelähmt durch den Stoß als viel, viel mehr infolge der Verwunderung über das, was soeben geschehen war, etwas, wovon ere bis zu diesem Augenblick nie geglaubt haben würde, dass, es je geschehen könnte. Das Brötchen lag nun nahe seinen Vorderpfoten. Er gab ihm einen kurzen studierenden Blick, als ob er erwartete, dass es sich erweisen möge, dieses Brötchen sei ein lebendiges Objekt, das in diesem Moment selbst aufspringen würde, um ihn zu beweisen, dass er sich geirrt habe, in dem, was seine Augen soeben gesehen hatten. Er erhob seine Augen nun von dem Brötchen nahe seinen Vorderpfoten und ließ sie am Boden entlang gleiten, bis sie die Bar erreichten und endlich auf dem Gesicht des Franzosen haften blieben. Dort standen sie wie durch magnetische Kraft gehalten. Es war keine Anschuldigung in diesen Augen, nur eine tiefe, tiefe Traurigkeit. Die Traurigkeit dessen, der ein unbegrenztes Vertrauen in die Freundschaft eines anderen gesetzt hat und dann ganz unerwartet sich betrogen sieht, durch eine Handlung, für die er keine Erklärung finden kann. Der Franzose, der sich in diesem Augenblick bewusst zu werden schien, was er getan hatte, stand wie versteinert, tief ergriffen von einem Empfinden, als ob er durch einen ungewollten Zweifel ein menschliches Wesen getötet hätte. Mit einem Ruck, als hätte er soeben einen Schuß bekommen, streckte er seinen Körper der ganzen Länge nach aus und kam zu sich. Für einige Sekunden stierte er mit verlorenen Augen auf den Hund, als sähe er einen Geist. Und im selben Moment richtete sich der Hund langsam auf, schüttelte seinen Kopf, so dass die hängenden Ohren ihm ins Gesicht schlappten, wie er es gewöhnlich tat, kurz bevor er sich anschickte, fortzugehen, wendete sich um und ging seiner Wege. Als der Franzose den Hund so von der Tür verschwinden sah, benahm er sich wie verwirrt, griff mit seinen Händen ziellos um sich, als suche er etwas wie im Traum, und so geschah es, dass seine Augen herumsuchend sich senkten und auf den Mann fielen, der unmittelbar vor ihm an der Bar saß und in diesem Moment seine Gabel in ein saftiges Steak stach, das soeben vor ihn hingestellt worden war. Mit einem entschlossenen und entschiedenen Griff schnappte der Franzose das Fleisch vom Teller des auf`s Höchste erstaunten Gastes. Das Steak in seiner Hand hin und her schwingend, sauste der Franzose raus aus der Tür, warf einen raschen Blick die Straße entlang, wo er den Hund bereits beim nächsten Block dahintrotten sah. Le Blank, das geschnappte Steak zwischen seinen Fingern schwingend, schoß raus zur Tür, als ob die Hölle hinter ihm her wäre, blickte die Straße entlang, und den Hund bereits zwei Blöcke weiter voran trottend erspähend, rannte er hinter ihm her wie wild, pfeifend, rufend und sich in keiner Weise um die Leute scherend, die stehen blieben, um sich an einem aus dem Irrenhaus entwichenem Verrückten zu ergötzen, der mit einem gestohlenen Steak zwischen den Fingern, pfeifend hinter einem Straßenköter herrannte. Als er endlich den dritten Block keuchend erreichte, hatte er den Hund aus seinen Augen verloren und vermochte nicht einmal zu sagen, wo und in welche Richtung der Hund abgebogen war, denn die Straße war um diese Zeit sehr belebt. Er ließ das Steak fallen und kehrte zurück zu seinem Restaurant. „Entschuldigen Sie vielmals, Amigo“, sagte er zu dem Gast an der Bar, der sich in der Zwischenzeit beruhigt hatte und dem die Kellnerin in aller Eile ein frisches Steak serviert worden war. Entschuldigen Sie, Senior, das Steak war nicht besonders gut, um die Wahrheit zu sagen, und ich wollte es eben gerade jemand geben, von dem ich glaubte, er benötige es schneller als Sie. Vergessen Sie den Vorfall. Bestellen Sie von der Liste was Sie wollen. Es geht auf meine Rechnung. Grazias.“ Der Gast lachte gutgelaunt und war vollauf zufriedengestellt. Nicht aber so Monsieur Le Blank Er begann ruhelos im Lokal herumzuwandern, hier einen Stuhl näher zum Tisch schiebend, da einen Stuhl fortziehend und ihn betrachtend, als ob er einer Reparatur bedürfe, dann wieder zu einem Tisch gehend und das Tischtuch mehr nach eine Seite zupfend und wieder ein anderes mit der flachen Hand glättend. Der Franzose tröstete sich mit dem Gedanken, dass der Hund gewiß am nächsten Tage wieder erscheinen werde. Er würde sicherlich nicht sein Mittagsmahl aufgeben eines so kleinen Missverständnisses wegen. So ein winziges Zerwürfnis kommt jeden Tag vor. Jeder Hund bekommt hin und wieder eine kleine Abreibung von seinem Herrn, wenn er sie verdient hat, und dennoch bleibt er seinem Herrn treu. Hunde halten zu dem, der sie gut füttert. Merkwürdig war es, dass, obgleich er sich in seinem Innern unaufhörlich versicherte, dass der Hund wiederkehren werde, er sich nicht beruhigt fühlte. Für den Rest des Tages war es ihm nicht möglich, den Hund zu vergessen. Er versuchte es unzählige Male, indem er sich sagte, dass er nicht einmal wisse, wie der Hund heiße oder wie er die Nächte verbringe, wer sein Herr sei und wo er hingehöre. Und als er nun auf keinen Fall den ständigen Gedanken an den Hund loswerden konnte, wurde er ärgerlich und murmelte zu sich:“ Ist nur ein ganz gewöhnlicher, dreckiger Straßenhund, der von dem lebt, was er in den Ascheneimern findet, ohne Charakter im besonderem; reiche ihm einen Knochen, und du bist sein angebeteter Freund für alle Zeiten.“ Trotz alledem, je mehr er sich bemühte, den Hund zu vergessen, je mehr er sich einredete, dass dieser ungewaschene Köter nicht wert sei, sich um ihn zu kümmern, je weniger vermochte er die Erinnerung an den Hund aus seinen Gedanken auszulöschen. Am nächsten Tag, bereits um drei Uhr, hatte Monsieur Le Blank ein dickes, saftiges, absichtlich nur halb gebratenes Steak zur Hand, um mit ihm den Hund zu bewillkommnen im Augenblick, dass er bei der Tür sichtbar wurde, um ihm diese Gabe gleichzeitig um Entschuldigung für den unliebsamen Vorfall zu bitten und auf diese Weise die alte Freundschaft zu erneuern. Nun war es halb vier, und als ob der Glockenschlag der Uhr auf dem nahen Gebäude die Ursache sei, saß der Hund auf dem gewohnten Platz vor der Tür. „Ich wusste es, er würde kommen, ich wusste es ja, „ sagte der Franzose zu sich selbst mit lauter Stimme, ein zufriedenes Lächeln auf seinem Gesicht. „ Es würde ja kein richtiger Hund sein, käme er nicht für sein kostenloses Mittagsmahl.“ Obgleich er dies laut sagte, fühlte er sich dennoch ein wenig enttäuscht, dass dieser Hund sich genau so betragen würde, wie irgendein anderer gewöhnlicher Straßenhund. Da er den Hund lieben gelernt hatte, glaubte er, dass dieser Hund sich von anderen Hunden unterscheiden müsste, dass er mehr Stolz, mehr Würde hätte zeigen sollen. Wie dem auch sei, er war erfreut, dass der Hund zurückgekommen war. Er vergab ihm das augenscheinliche Fehlen an Würde und redete sich ein, dass der mensch die Hunde annehmen und aufnehmen müsse, wie sie nun gerade seien, da der Mensch ja nun einmal doch nicht die Macht besitzt, die körperliche Gestalt oder die Seele und das gemüt eines Hundes grundlegend zu verändern. Da saß nun der Hund und sah dem Cafe-Besitzer mit seinen warmen braunen Augen an. Der Franzose bot ihm ein breites offenes Lächeln als Gruß an und erwartete, dass der Hund mit seinem komischen Vagabundengrinsen darauf antworten werde. Aber der Hund hielt sein Maul geschlossen und er machte auch nicht die kleinste Bewegung, weder mit seinem Kopfe noch mit seinem Schwanz, als er den Franzosen das bereitgehaltene Steak aufnehmen sah. Le Blank winkte dem Hund zu, hereinzukommen, sich hier zu Hause zu fühlen und das Steak in Ruhe innerhalb des Lokals zu verspeisen. Der Hund blieb jedoch ruhig auf seinem Platz bei der Tür sitzen, dem Franzosen geradeaus direkt ins Gesicht starrend, als ob er ihn zu hypnotisieren gedenke. Noch einmal schwang Le Blank das Steak hin und her, schmatzte laut mit den Lippen und machte „Hm,hm,hm“, um den Appetit des Hundes anzuregen. Die Gesten des Franzosen bemerkend, begann der Hund leicht mit dem Schwanz zu wackeln, aber auch gleich darauf hielt er damit inne, als er gewahr zu werden schien, was er da tat. Der Franzose begriff nun endlich, dass der hund nicht hereinkommen würde und offensichtlich wenig Wunsch offenbarte, die Freundschaft fortzusetzen, trug nun das Steak vor die Tür, wo der Hund saß, und wie er verschiedene Male vorher bei anderen Gelegenheiten es getan hatte, spielte er das Steak dem Hunde vor der Nase herum , den Appetit des Tieres anreizend und erwartend, dass der Hund das Steak nun endlich aufschnappen würde. Der Hund richtete seine Augen hoch, bis sie die des Franzosen trafen, als er ihn so dicht vor sich stehend fand. Er tat jedoch keine andere Bewegung irgendwelcher Art. Als er sich entschieden weigerte, das Steak anzunehmen, legte der Franzose, nicht einen Augenblick seine Geduld verlierend, das Stück Fleisch dem Hunde, der wie eine Statue saß, dicht vor die Vorderpfoten. Er streichelte den Hund kosend für eine Weile. Der Hund erwiderte diese Freundschaftsbezeugung mit einem Wackeln des Schwanzes, aber er tat es so leicht, dass diese Bewegung kaum bemerkbar war. Aber nicht für eine Sekunde ließ er seine Augen von denen des Franzosen abweichen. Plötzlich beugte er seinen Kopf, schnüffelte an dem Fleisch herum, ohne sich besonders dafür zu interessieren, richtete abermals seine Augen auf zu denen des Franzosen, stand auf und verließ seinen Platz an der Tür. Le Blank fegte hinaus auf den Seitenweg und sah den Hund längs der Gebäude dahintrotten, ohne je einen Blick zum Cafe` zurück zuwerfen. Wenige Sekunden später war er im Gedränge der Leute, die dort geschäftig hin und her liefen verschwunden. Am nächsten Tage, pünktlich wie immer, befand sich der Hund bei der Tür des Cafe´s sitzend, auf das Gesicht seines verlorenen Freundes starrend. Und wieder, als Monsieur Le Blank einen dick mit Fleisch bedeckten Knochen zwischen seinen Fingern, sich dem Hund näherte, blickte ihn der Hund, wie es am Tage vorher geschehen war, nur starr an, ohne auch nur die geringste Notiz von dem herrlichen Knochen, der bei seinen Vorderpfoten lag, zu nehmen. Nicht für einen Moment ließ der Hund den Franzosen aus seinen Augen, und nur gsanz leicht und behutsam wackelte er mit demSchwanz, als der Mann ihn streichelte und schmeichelnd an den Ohren zupfte. Wohl eine Minute ging so vorüber. Der Cafe-Besitzer war unschlüssig, was zu tun sei, um den Hund zu versöhnen. Nun stand der Hund auf, leckte die streichelnde Hand des Mannes wieder und wieder, mehr als ein Dutzend mal, blickte nochmals dem Franzosen lange in die Augen und ließ ein kurzes unterdrücktes kaum deutliches Bellen hören, das überging in ein leises, traurges Heulen, sich dann lang hinzog in ein mitleiderregendes Wimmern, und auch ohne nur an dem Knochen zu schnüffeln, drehte er sich um, verließ die Tür und trottete hinweg. Dies war das letzte Mal, dass Monsieur Le Blank den Hund je wieder sah. Er kam niemals mehr zurück zum Cafe, und niemals wurde er in der Nachbarschaft gesehen. Daß mir der Hund das Liebste ist, Sagst Du – o Mensch – sei Sünde; Der Hund bleibt mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde. Heinrich Hebbel
Der Bettler und sein Hund»Drei Taler erlegen für meinen
Hund! Ich bin ein alter, ein kranker
Mann, Und wann ich erkrankt, und
wann ich verarmt, Wer hat mich geliebt, wann ich
mich gehärmt? Es geht zur Neige mit uns
zwein; Das ist der Dank, das ist der
Lohn! Das ist der Strick, das ist
der Stein, Wie er in die Schlinge den
Hals ihm gesteckt, Und tat einen Fluch, gar
schauderhaft, Wohl sprang der Hund zur
Rettung hinzu, Er ward verscharret in stiller
Stund,
Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere Fühlen, dass Menschen nicht Denken. Noke Brief eines Hundes an seinen Herrn Aus einer Zeitschrift Am Morgen bist Du sehr früh aufgestanden und hast die Koffer gepackt. Du nahmst meine Leine, wie war ich glücklich! Noch ein kleiner Spaziergang vor den Ferien, wie schön! Wir fuhren mit dem Wagen und Du hast am Strassenrand angehalten. Die Tür ging auf und Du hast einen Stock geworfen. Ich lief und lief bis ich den Stock gefunden und zwischen meinen Zähnen hatte, um ihn Dir zurückzubringen. Als ich zurückkam, warst Du nicht mehr da! In Panik bin ich in alle Richtungen gelaufen, um Dich zu finden aber vergebens. Ich lief Tag für Tag, um Dich zu finden und wurde immer schwächer. Ich hatte grosse Angst und grossen Hunger. Ein fremder Mann kam, legte mir ein Halsband um und nahm mich mit. Bald befand ich mich in einem Käfig und wartete dort auf Deine Rückkehr. Aber Du bist nicht gekommen. Dann wurde der Käfig geöffnet. Nein Du warst es nicht. Es war der Mann, der mich gefunden hatte. Er brachte mich in einen Raum es roch nach Tod! Meine Stunde war gekommen.
Geliebter Mensch, ich will, dass Du weisst, dass ich mich trotz des Leidens, das Du mir angetan hast, noch stets an Dein Bild erinnere und falls ich noch einmal auf die Erde zurückkommen könnte ich würde auf Dich zulaufen, denn ich hatte Dich lieb. Dein Hund.
Dieser Brief ist in einer deutschen Zeitung mit der ausdrücklichen Bitte um Nachdruck und Verbreitung erschienen, was wir hiermit tun. Anstelle von Hund kann man einsetzen: Katze, Ratte, Hamster, Reptilien, Fische usw Wir hoffen, dass er einige Leute zum Nachdenken anregt, doch was tun wir nur mit solchen Menschen...?
Natürlich kann man ohne Hund leben – es lohnt sich nur nicht. - Heinz Rühmann
Gefangener der Liebe
Als ich noch ein Welpe war, unterhielt ich Dich mit meinen Possen und brachte Dich zum Lachen. Du nanntest mich Dein Kind, und trotz einer Anzahl durchgekauter Schuhe und so manchem abgeschlachteten Sofakissen wurde ich Dein bester Freund. Immer wenn ich böse war, erhobst Du den Zeigefinger und fragtest mich „Wie konntest Du nur?“ – aber dann gabst Du nach und drehtest mich auf den Rücken, um mir den Bauch zu kraulen. Mit meiner Stubenreinheit dauerte es ein Bisschen länger, als erwartet, denn Du warst furchtbar beschäftigt; aber zusammen bekamen wir das in den Griff. Ich erinnere mich an jene Nächte, in denen ich mich im Bett an Dich kuschelte und Du mir Deine Geheimnisse und Träume anvertrautest, und ich glaubte, das Leben könnte schöner nicht sein. Gemeinsam machten wir lange Spaziergänge im Park, drehten Runden mit dem Auto, holten uns Eis (ich bekam immer nur die Waffel, denn „Eiskrem ist schlecht für Hunde“, sagtest Du), und ich döste stundenlang in der Sonne, während ich auf Deine abendliche Rückkehr wartete. Allmählich fingst Du an, mehr Zeit mit Arbeit und Deiner Karriere zu verbringen – und auch damit, Dir einen menschlichen Gefährten zu suchen. Ich wartete geduldig auf Dich, tröstete Dich über Liebeskummer und Enttäuschungen hinweg, tadelte Dich niemals wegen schlechter Entscheidungen und überschlug mich vor Freude, wenn Du heimkamst; und als Du Dich verliebt hattest. Sie ist jetzt Deine Frau, ist kein „Hundemensch“ – trotzdem hieß ich sie in unsrem Heim willkommen, versuchte ihr meine Zuneigung zu zeigen und gehorchte ihr. Ich war glücklich, weil Du glücklich warst. Dann kamen die Menschenbabys, und ich teilte Deine Aufregung darüber. Ich war fasziniert von ihrer rosa Haut und ihrem Geruch und wollte sie genauso bemuttern. Nur dass Du und Deine Frau Angst hattet, ich könnte ihnen wehtun, und so verbrachte ich die meiste Zeit verbannt in einem anderen Zimmer oder in meiner Hütte. Oh, wie sehr wollte auch ich sie lieben, aber ich wurde zu einem „Gefangenen der Liebe“. Als sie aber größer waren, wurde ich ihr Freund. Sie krallten sich in meinem Fell fest, zogen sich daran hoch auf wackeligen Beinchen, pieksten ihre Finger in meine Augen, inspizierten meine Ohren und gaben mir Küsse auf die Nase. Ich liebte alles an ihnen und ihre Berührung – denn Deine Berührung war ja jetzt so selten geworden – und ich hätte sie mit meinem Leben verteidigt, wenn es nötig gewesen wäre. Ich kroch heimlich in ihre Betten, hörte ihren Sorgen und Träumen zu, und gemeinsam warteten wir auf das Geräusch Deines Wagens in der Auffahrt. Es gab einmal eine Zeit, da zogst Du auf die Frage, ob Du einen Hund hättest, ein Foto von mir aus der Brieftasche und erzähltest Geschichten über mich. In den letzten Jahren hast Du nur noch mit „Ja“ geantwortet und das Thema gewechselt. Ich hatte mich von „Deinem Hund“ in „nur einen Hund“ verwandelt, und jede Ausgabe für mich wurde Dir ein Dorn im Auge. Jetzt hast Du eine neue Berufsmöglichkeit in einer anderen Stadt, und Du und sie werdet in eine Wohnung ziehen, in der Haustiere nicht gestattet sind. Du hast die richtige Wahl für „Deine“ Familie getroffen; aber es gab einmal eine Zeit, da war ich Deine einzige Familie. Ich freute mich über die Autofahrt, bis wir am Tierheim ankamen. Es roch nach Hunden und Katzen, nach Angst, nach Hoffnungslosigkeit. Du fülltest die Formulare aus und sagtest „Ich weiß, Sie werden ein gutes Zuhause für sie finden.“ Mit einem Achselzucken warfen sie Dir einen gequälten Blick zu. Sie wissen, was einem Hund oder einer Katze in „mittleren“ Jahren erwartet – auch mit „Stammbaum“. Du musstest Deinem Sohn jeden Finger einzeln von meinem Halsband lösen, als er schrie „Nein Papa! Sie dürfen mir meinen Hund nicht wegnehmen!“ Und ich machte mir Sorgen um ihn und um die Lektionen, die Du ihm gerade beigebracht hattest: über Freundschaft und Loyalität, über Liebe und Verantwortung, und über Respekt vor allem Leben. Zum Abschied hast Du mir den Kopf getätschelt, meine Augen vermieden und höflich auf das Halsband und die Leine verzichtet. Du hattest einen Termin einzuhalten, und nun habe ich auch einen. Nachdem Du fort warst, sagten die beiden netten Damen, Du hättest wahrscheinlich schon seit Monaten von dem bevorstehenden Umzug gewusst und nichts unternommen, um ein gutes Zuhause für mich zu finden. Sie schüttelten den Kopf und fragten „Wie konntest Du nur?“ Sie kümmern sich um uns hier im Tierheim so gut es eben geht. Natürlich werden wir gefüttert, aber ich habe meinen Appetit schon vor Tagen verloren. Anfangs rannte ich immer ans Gitter, sobald jemand an meinen Käfig kam, in der Hoffnung, das seiest Du – dass Du Deine Meinung geändert hättest – dass dies alles nur ein schlimmer Traum gewesen sei ... oder ich hoffte, dass es zumindest jemand wäre, der Interesse an mir hätte und mich retten könnte. Als ich einsah, dass ich nichts aufzubieten hatte gegen das vergnügte Um-Aufmerksamkeit-Heischen unbeschwerter Welpen, ahnungslos gegenüber ihrem eigenen Schicksal, zog ich mich in eine ferne Ecke zurück und wartete. Ich hörte ihre Schritte als sie am Ende des Tages kam, um mich zu holen und ich trottete hinter ihr her den Gang entlang zu einem abgelegenen Raum. Ein angenehm ruhiger Raum. Sie hob mich auf den Tisch und kraulte meine Ohren und sagte mir, es sei alles in Ordnung. Mein Herz pochte vor Aufregung, was jetzt wohl geschehen würde, aber da war auch ein Gefühl der Erleichterung. Für den Gefangenen der Liebe war die Zeit abgelaufen. Meiner Natur gemäss war ich aber ehr um sie besorgt. Ihre Aufgabe lastet schwer auf ihr, und das fühlte ich, genauso wie ich jede Deiner Stimmungen erfühlen konnte. Behutsam legte sie den Stauschlauch an meiner Vorderpfote an, während eine Träne über ihre Wange floss. Ich leckte ihre Hand, um sie zu trösten, genauso wie ich Dich vor vielen Jahren getröstet hatte. Mit geübtem Griff führte sie die Nadel in meine Vene ein. Als ich den Einstich fühlte und spürte, wie die kühle Flüssigkeit in meinen Körper lief, wurde ich schläfrig und legte mich hin, blickte in ihre gütigen Augen und flüsterte „Wie konntest Du nur?“ Vielleicht verstand sie die Hundesprache und sagte deshalb „Es tut mir ja so leid“. Sie umarmte mich und beeilte sich mir zu erklären, es sei ihre Aufgabe dafür zu sorgen, dass ich bald an einem besseren Ort wäre, wo ich weder ignoriert noch missbraucht noch ausgesetzt werden könnte oder auf mich allein gestellt wäre – einem Ort der Liebe und des Lichts, vollkommen anders als dieser irdische Ort. Und mit meiner letzten Kraft versuchte ich ihr mit einem Klopfen meines Schwanzes zu verstehen zu geben, dass mein „Wie konntest Du nur?“ nicht ihr gegolten hatte. Du warst es, mein geliebtes Herrchen, an den ich dachte. Ich werde immer an Dich denken und auf Dich warten. Möge Dir jeder in Deinem Leben so viel Loyalität zeigen.
Die Situation in Deutschland ist wohl weit besser als in den USA – dort sterben jährlich 12 Millionen Tiere in Tierheimen, was nicht zu entschuldigen ist in einem Land, in dem die Tierproduktindustrie einen Umsatz von 23 Milliarden US-Dollar verzeichnet; dennoch: Auch in Deutschland sind die Tierheime übervoll mit ungewollten, nicht mehr gewollten Tieren.
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