Freitag, der Dreizehnte

"Stell dir vor, Helena, ich habe einen ganz süßen Typen kennengelernt. Na ja, eigentlich hat ihn Tom kennengelernt. Er hat dem Jogger den Ball direkt vor die Füße geschossen. Fast wäre er darüber gefallen." Helena sah Sandra, ihre beste Freundin direkt vor sich mit ihren kurzen strubbeligen Haaren und den babyblauen Augen. So aufgeregt und fröhlich hatte sie sie in letzter Zeit selten erlebt. Nach dem ihr Freund sie schwanger sitzen ließ, hatte sie viel von ihrer Lebendigkeit verloren. Lächelnd lauschte sie den Erzählungen von Sandra. Ihr fast zweijähriger Sohn, Tom, hatte gleich mit dem netten Fremden, zu spielen angefangen. Er hatte sich als Eric vorgestellt und fast eine halbe Stunde mit ihnen Fußball gespielt. Nebenher fand er auch noch die Zeit, mit Sandra zu flirten. "Leider hat er mich nicht nach meiner Telefonnummer gefragt." Helena bekundete ihr Mitleid. Sandra fuhr seufzend fort: "Eigentlich war es zu schön, um wahr zu sein. Wahrscheinlich hat er sowieso Frau und Kind zu Hause. Ich habe einfach kein Glück bei den Männern." Helena versuchte ihr Mut zu machen: "Er weiß doch jetzt, wo er euch finden kann. Vielleicht war er einfach nur genau so überwältigt wie du." "Wer fängt schon was mit einer ledigen Mutter an? Aber für den Augenblick war es ein schöner Traum. Was macht eigentlich dein Traum von einer florierenden Catering-Firma?" Geschickt wechselte Sandra das Thema. Diesmal seufzte Helena. "Die Aufträge kommen nur zögerlich. Aber ich rufe Dich auf jeden Fall an, wenn es was zu tun gibt." Helena hatte sich vor ein paar Wochen mit einer Catering-Firma selbständig gemacht. Aber noch lief es nicht so, wie sie es sich vorstellte. Sandra arbeitete zur Zeit nur gelegentlich für sie. Zum einen gab es noch zu wenige Aufträge und dann wollte sie ihren Sohn noch nicht für den ganzen Tag in eine Kita geben. Aber später wollte sie richtig mit einsteigen. Sandra zauberte die köstlichsten Desserts. Ihrer schlanken Figur war diese Vorliebe für Süßes nicht anzusehen. Ihre Großmutter Maria war die Zweite im Team. Sie buk die herrlichsten Kuchen und Torten. Im Gegensatz zu Sandra sah man ihre diese Vorliebe an. Ihre rundliche Figur hätte gut auf ein Werbeplakat gepaßt. Helenas Großmutter war froh, im Alter, noch etwas Sinnvolles tun zu können. Im nächsten Frühjahr wurde sie schon fünfundsiebzig. Und der Dritte im Bunde war sie selbst. Anfang des Jahres hatte sie endlich genug gespart, um sich selbständig zu machen. Seit sie klein war, hatte sie von einer Catering-Firma geträumt. Sie kochte hervorragend und auch das Organisieren lag ihr. Helena hatte eine Ausbildung zur Hotelfachfrau gemacht und als solche bisher auch ihr Geld verdient. "Ich habe noch mal eine Anzeige in die Zeitung setzen lassen. Ich habe mir wirklich die größte Mühe mit dem Text gegeben." Diesmal tröstete Sandra ihre Freundin. "Du wirst schon sehen. Bald werden wir uns vor Aufträgen nicht mehr retten können. Wir werden richtig reich." Helena lachte: "Dein Wort in Gottes Ohr."

Wie jeden Sonntag hatte Michael sich zum Fußball mit seinen Freunden verabredet. Es spielte zwar bloß noch Eric aktiv, aber sie feuerten ihre Mannschaft immer noch kräftig an. Anschließend zogen sie auf ein Bier in ihre Stammkneipe. Heute hatten sie einen 2:1 Sieg zu feiern. Damit lagen sie gut im Mittelfeld und würden nächste Woche gegen den Tabellenführer spielen. Michael bestellte die erste Runde Bier. Zwischen seinen Freunden fiel er nicht nur wegen seiner rotblonden Haare auf. Er war mit seinen 1,90 m auch der Größte. Als sie an ihrem Tisch Platz nahmen, lächelten ihm einige Frauen aufmunternd zu. Zur Zeit hatte er keine Lust auf eine neue Beziehungskiste. Seine Trennung von Anne lag gerade fünf Wochen zurück. Michael brachte gleich das Thema auf Eric. In der nächsten Woche wurde er dreißig und sie hatten noch keine Idee, was sie ihm schenken sollten. "Was schenken wir Eric denn nun? Solange er sich noch umzieht, sollten wir uns was einfallen lassen. Zum Dreißigsten muß es was wirklich Originelles sein.", drängte er seine Freunde. "Wie wäre es mit einem Gutschein für eine Kosmetikbehandlung oder so?", fragte Clemens trocken. Er war der Älteste von ihnen. Mit seinen fünfunddreißig Jahren wurde sein Haar langsam licht, was ihn sehr störte. Die anderen waren nicht begeistert und grübelten weiter. Der dicke Lutze wollte am liebsten einfach Geld schenken, damit Eric sich selbst etwas kaufen konnte.

"Es muß etwas Besonderes sein", erinnerte Michael. Er zupfte sich gedankenverloren an seinem rötlichen Zickenbärtchen. Den Namen hatte der Bart seiner vierjährigen Nichte zu verdanken. "So langsam muß uns etwas einfallen. Der Geburtstag ist schon am Freitag. Denkt nach, Jungs!"

"Dann ist ja Freitag, der Dreizehnte. Ich bleibe wohl besser zu Hause...", sagte Paul entsetzt. "Am Freitag, dem Dreizehnten ist im letzten Jahr mein Auto mitten auf einer Kreuzung stehen geblieben und der Motor gab keinen Ton mehr von sich."

"Quatsch, was soll der Scheiß. Das hätte dir nun wirklich jeden Tag passieren können, so alt wie deine Klapperkiste schon war. Los, denkt doch nach!", forderte Michael ungehalten und trank einen großen Schluck von seinem Bier. Clemens schlug als nächstes neue Fußballschuhe vor und Lutze wollte gern etwas Geiles aus dem Beate-Uhse-Katalog bestellen. "Wir lassen einfach eine nackte Mieze bei ihm putzen", warf der coole Kalle ein. Unter allgemeinem Gelächter wurde dieses Thema ausdiskutiert. "Der wohnt doch noch zu Hause.", gab Lutze zu bedenken. Und Clemens fügte lachend hinzu: "Seine Alten drehen uns den Hals um, besonders seine Mutter ist sehr spießig."

Michael sagte nachdenklich: " Aber die Idee ist schon gar nicht so übel. Vielleicht sollten wir ihm ein paar heiße Bräute mieten. Aber woher?" Zu diesem Woher kamen sie allerdings nicht mehr, weil nun Eric, frisch geduscht, in der Kneipe erschien. "Da bist Du ja endlich. Dein Bier ist schon fast warm. Du brauchst ja länger als meine beiden Schwestern zusammen.", witzelte Paul.

Am nächsten Tag war Michael gerade aus dem Büro nach Hause gekommen. Er saß gemütlich mit seiner Zeitung auf dem Sofa, als er zufällig den Anzeigenteil aufschlug. In der Rubrik Kontakte fiel ihm eine größere Anzeige ins Auge. "Das ist es doch, was wir gesucht haben.", jubelte er und lachte. "Helena und ihre guten Geister

Helena verführt ihre Sinne mit europäischen Spezialitäten. Hochgenuß garantiert.

Wir arbeiten schnell und zuverlässig und gehen auch auf ausgefallene Wünsche gerne ein.

Probieren sie uns aus! Tel. 0176/ 466 66 16"

Gleich griff er zum Telefon, um Clemens anzurufen. Er las ihm die Anzeige vor und fragte gespannt: "Das ist es, oder? Helena und ihre guten Geister nehmen wir." Clemens antwortete nachdenklich: "Ein bisschen merkwürdig klingt das Ganze schon..." Michael fiel ihm ins Wort. "Deswegen ist sie mir ja aufgefallen. Eric wird seinen Dreißigsten nicht so schnell vergessen. Und die Party steigt einfach bei mir. Seine Eltern kriegen sonst Zustände." Clemens stimmte schließlich zu. "Auf jeden Fall ist es die originellste Idee, die wir haben. Wenn die anderen einverstanden sind, kannst du die Miezen kommen lassen. Ich hoffe nur, daß sie ihr Geld wert sind."

Michael rief jetzt der Reihe nach die Jungs an und in Ermangelung von besseren Vorschlägen wurden Helena und ihre guten Geister einstimmig angenommen. Keiner von ihnen hatte irgendwelche Erfahrungen mit solchen Kontaktanzeigen und so mußte Michael den Anruf übernehmen, da er ja die Idee gehabt hatte.

Helena saß zu eben dieser Zeit bei ihrer Großmutter Maria in der Küche. An der einen Seite des großen, rustikalen Küchentisches hatte sie sich über ihre Zahlen gebeugt. Dabei kaute sie auf ihrer Unterlippe herum und grübelte über den Finanzen. Auf der anderen Seite stand ihre grauhaarige und ziemlich rundliche Großmutter und knetete einen Hefeteig. Die Küche war erfüllt von dem Duft nach frisch gebackenem Pflaumenkuchen. Maria lächelte ihrer Enkelin aufmunternd zu. "In einer halben Stunde können wir sicher schon ein Stück Kuchen probieren. Wir trinken eine Tasse Tee dazu und du erzählst mir etwas von deinem letzten Rendezvous." Sie liebte es, so bei ihrer Großmutter in der Küche zu sitzen. Schon als kleines Mädchen hatte sie hier viel Zeit verbracht und beim Kochen und Backen geholfen. Ihre Eltern waren immer sehr beschäftigt gewesen und daran hatte sich bis heute nichts geändert. Sie liebte ihr Großmutter sehr. Helena hob den Kopf und lächelte ihre Großmutter liebevoll an. "Mein letztes Rendezvous, wie du es nennst, ist fast ein viertel Jahr her. Ich habe im Moment weiß Gott was anderes zu tun. Wenn wir nicht bald mehr Aufträge bekommen, können wir dicht machen. Ich hoffe, die Anzeige, die ich diese Woche in die Zeitung setzen ließ, bringt mehr Aufträge als unsere letzte." Ihre Catering-Firma gab es jetzt etwas länger als acht Wochen. Aber bisher ließen die drei kleineren Aufträge, die sie ausgeführt hatten, sie nicht gerade in Jubel ausbrechen. "Nur Geduld, Kind. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Klapp deine Bücher für heute ruhig zu." Maria stellte den Teig zum Gehen in eine warme Ecke dicht beim Backofen und holte dann Tassen aus dem Schrank. Zum Glück besaß ihre Großmutter ein eigenes Häuschen mit einer großen, urgemütlichen Küche und diese kostete keinen Pfennig. Zu Marias großer Freude hatte Helena dankbar eingewilligt, auch bei ihr einzuziehen. Das war für beide die richtige Entscheidung gewesen. Sie kamen glänzend miteinander aus und standen sich noch näher als früher. Sie räumte gerade mit einem tiefen Seufzer ihre Papiere zusammen, als das Telefon klingelte. Sofort erhellte sich ihr Gesicht. Konnte das ein neuer Auftrag sein? Maria lächelte ihr zu, während sie den warmen Kuchen auf die Teller legte.

"Helena und ihre guten Geister. Guten Tag. Was kann ich bitte für sie tun?", meldete sich Helena erfreut und erwartungsvoll.

"Guten Tag. Hier spricht Michael Steinert. Ich würde gern ihre Dienste in Anspruch nehmen." Er versuchte sich, ein Gesicht zu dieser Stimme vorzustellen.

"Wann?" fragte sie geschäftsmäßig.

"Diesen Freitag, zwanzig Uhr?" erwiderte Michael. Er lief nervös durch die ganze Wohnung.

"Das ist aber sehr kurzfristig. Aber ich denke, das kann ich einrichten.", sagte sie lächelnd und hob in Richtung ihrer Großmutter den Daumen hoch.

"Oh, das freut mich zu hören.", ließ sich Michael am anderen Ende erleichtert vernehmen.

"Darf ich nach dem Anlaß fragen?", fuhr Helena fort und griff nach einem Block, um sich Notizen zu machen.

"Anlaß? Ist das denn wichtig? Der dreißigste Geburtstag eines Freundes." Michael fuhr sich irritiert durchs Haar.

"Natürlich ist es wichtig. Wir richten uns ganz auf den jeweiligen Anlaß ein.", versicherte ihm Helena sofort. Er schien so etwas noch nicht oft organisiert zu haben. Man konnte seine Nervosität förmlich spüren.

"Wir haben uns etwas ganz besonderes vorgestellt. Wir werden sechs bis acht Personen sein und haben an fünfhundert..."

"Oh...", entfuhr es Helena überrascht. Jetzt mußte sie sich erst einmal hinsetzen. Maria hob fragend eine Augenbraue, doch Helena schüttelte bloß den Kopf.

"Ist das zu wenig?" Michael war entsetzt. Sie hatten fest damit gerechnet, das fünfhundert Mark genügen würden.

"Nein, nein. Das ist ausreichend." Antwortete Helena schnell.

"Sollen wir die Getränke zum Essen mitbringen?", ging sie weiter ihrer gedanklichen Liste nach. Wieder schien sie ihren Gesprächspartner verunsichert zu haben.

"Ist das denn üblich?", entfuhr es ihm. "Nein, um die Getränke kümmern wir uns selbst." Michael legte seine Stirn in Falten. Scheinbar wollten die Damen mitessen. Na, ihm sollte es recht sein. Zu gern hätte er gewußt, was man für fünfhundert Mark erwarten konnte. Aber wenn sie es nicht von sich aus erzählte, würde er bestimmt nicht fragen.

"Haben sie spezielle Wünsche? Haben sie eine bestimmte Vorstellung, was sie...", fragte sie da auch schon.

Abrupt unterbrach er sie. "Wir überlassen alles ihnen. Keiner von uns hat eine Vorstellung, wie so was läuft.", endet er irgendwie verlegen. Nur gut, das es noch kein Bildtelefon gab. Nach diesem Gespräch würde er einen großen Whisky brauchen.

Viel zu glücklich, um sich ernsthaft über diesen Anrufer zu wundern, stellte sie ihre letzte Frage. "Wünschen sie formelle Kleidung? Weiße oder schwarze..." Auch diesmal hatte sie keine Chance, ihren Satz zu vollenden. "Um Gottes Willen, ziehen sie an, was sie wollen.", entfuhr es ihm panisch. Nun wurde es ihm wirklich peinlich. "Wenn alles geklärt ist, lege ich jetzt auf.", sagte Michael versöhnlicher.

Helena schaute zweifelnd den Telefonhörer in ihrer Hand an. Dann sagte sie: "Soweit ist alles geklärt. Sollen wir uns noch mal mit ihnen in Verbindung setzen, wenn wir wissen, was wir machen werden?" "Kommen sie einfach am Freitag in der Feuerbachstraße 7 vorbei und klingeln sie bei Steinert. Zwanzig Uhr, wie gesagt. Und danke. Dann bis Freitag. Tschüs."

Nach einem "Ja bis Freitag dann. Vielen Dank für ihren Auftrag. Auf Wiederhören.", legte sie den Hörer auf und beendete ihre Notizen.

Dann fiel Helena Maria um den Hals und juchzte. "Ein komischer Typ, aber ein super Auftrag, Großmutter."

Bei Tee und noch warmem Pflaumenkuchen überlegten sie, was sie machen wollten. Den Geburtstagskuchen würde natürlich Maria backen. Und das Dessert würden sie ganz Sandras Künsten anvertrauen. Sollten sie als Vorspeise lieber Melone mit Schinken, gratinierten Fenchel, Grünkernsuppe mit Sahnehäubchen oder Blätterteigröllchen, gefüllt mit Spinat und Lachs servieren?

Das Hauptgericht mußte etwas Grandioses sein. Helenas Täubchen in Mandelkruste waren ein Gedicht. Aber auch der Hirschbraten in Rotweinsauce mit gebackenen Birnen war umwerfend köstlich. Sandra konnte ein Zitonen-Eier-Soufflee zubereiten, nach dem man sich noch Tage später alle zehn Finger leckte. Helena liebte auch ihre Mousse au chocolat und den flambierten Obstsalat.

Die ganze Nacht geisterten gebratene Tauben und Hirsche durch ihre Träume. Es tanzten die verschiedensten Gerichte einen kulinarischen Reigen um sie. Noch beim Aufwachen überlegte sie weiter. Vielleicht sollte sie doch lieber Thunfisch in Weißwein-Marsala-Sauce oder Schweinefilet mit Austernpilzen und Tomaten servieren. Nach einem weiteren, mit Grübeln verbrachten Tag hatte sie sich schließlich entschieden. Sie wollte unbedingt einen guten Eindruck hinterlassen. Sie wollte sich einen Namen machen. Da mußte jeder Auftrag ein durchschlagender Erfolg sein. Als sie Sandra anrief, um ihr von dem Auftrag zu erzählen, war diese erfreut und entsetzt. "Freitag, den Dreizehnten? Weißt du, worauf du dich da eingelassen hast? Ich habe mir an einem Freitag, dem Dreizehnten das Sprunggelenk beim Schlittschuhlaufen gebrochen. Vier Monate konnte ich nicht richtig laufen." Helena seufzte laut und vernehmlich. "Sollte ich den Auftrag ablehnen? Ich bin schon aufgeregt genug. Also mach es nicht noch schlimmer." Gequält lachte Helena auf. "Natürlich, werden wir diese Leute total beeindrucken." Erwiderte Sandra aufgeräumt: "Wir werden alle drei unser Bestes geben. Es wird schon gut gehen."

Etwas getröstet machte sie sich auf den Weg zum Großmarkt. Sie hatte eine ellenlange Liste. Wer weiß, ob ihr kleines Auto den Einkauf verkraften konnte.

Freitag, der Dreizehnte war ein strahlendschöner Sommertag. Die Temperaturen sollten nur um die fünfundzwanzig Grad betragen. Das war ein angenehmes Arbeitswetter. Beim Frühstück fiel Helena entsetzt ein, daß sie keinen Blätterteig gekauft hatte. Das hieß, sich in das Einkaufsgetümmel des nächsten Supermarktes stürzen zu müssen. Und das an einem Freitag. Eilig kämpfte sie sich durch die Regalreihen zur Tiefkühltruhe. In Gedanken schon fast beim Kochen griff sie nach der letzten Packung Blätterteig. Von der anderen Seite griff gleichzeitig eine andere Hand zu . Durch den Ruck, wäre sie fast in der Tiefkühltruhe gelandet. Nur mit Mühe fand sie Halt am Rand und richtete sich mit einem ärgerlichen Brummen auf. Als sie langsam den Blick hob, strahlten sie zwei grünliche Augen belustigt an. Sie mußte zu ihm aufsehen und wie er sie so anstrahlte, mußte sie nun ebenfalls lachen.

"T´schuldigung." sagte er und grinste über das ganze sommersprossige Gesicht. Mit einer Hand strich er sich eine rotblonde Strähne aus der Stirn zurück. Er sah aus, als hätte er heute noch keinen Kamm gesehen. Aber höchstwahrscheinlich war das gewollt. Sie starrte ihn fasziniert an, den Blätterteig fest in ihrer Hand. Er starrte zurück und betrachtete sie eingehend. Der leuchtend blaue Pullover umschmeichelte ihre etwas üppige, überaus weibliche Figur und ließ auch ihre blauen Augebesonders strahlen. "Ich war schneller." Lächelnd strich sie sich mit der freien Hand die schulterlangen dunkelbraunen Haare hinter die Ohren zurück. Während er überlegte, wo er diese Stimme schon gehört hatte, sagte er: "Ich gebe eine Party und brauche unbedingt diesen Blätterteig." Flehend sah er sie an. "Meine Kochkünste sind beschränkt und ich kriege nur dieses eine Gericht einigermaßen hin.""Tut mir leid, aber ich brauche den Blätterteig auch für eine Party. Ich werde ihn nicht mehr hergeben!" Sie sah ihn bedauernd lächelnd an. "Vielleicht sollten wir die Party zusammen feiern.", flirtete er mit ihr. "Ich habe einen Catering-Service. Ich richte die Party bloß aus. Ich fürchte also, es gibt keine gemeinsame Party." Sie zuckte gespielt bedauernd ihre Schultern und sah zu ihm auf. "Ihre nächste Party sollten sie vielleicht von uns ausrichten lassen. Wir kochen mehr als nur ein Gericht. Leider habe ich jetzt keine Visitenkarte da. Sorry." Helena erinnerte sich plötzlich daran, daß sie ja in Eile war. Während er immer noch überlegte, woher er diese Stimme kannte, wandte sie sich an eine in der Nähe auspackende ältliche Angestellte. "Entschuldigung. Hätten sie für den jungen Mann hier vielleicht noch eine Packung tiefgefrorenen Blätterteig?" Nach einem Blick in seine Richtung erhellte sich das Gesicht der Frau. Man konnte ihr ansehen, daß sie ihm sehr gern behilflich wäre. "Kommen sie mal mit junger Mann. Im Lager ist bestimmt noch welcher." Widerstrebend folgte er der Frau im weißen Kittel. Dabei hätte er lieber noch ein wenig mit der schönen Fremden geflirtet. Bedauernd drehte er sich noch einmal zu ihr um und bedankte sich bei ihr. Helena sah ihm nach, bis er um eine Regalecke verschwand. Dann schüttelte sie energisch den Kopf und rief sich zur Ordnung. "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen." Aber noch auf dem Nachhauseweg sah sie seine lächelnden grünen Augen. Beschwingt trug sie ihre Einkäufe ins Haus und summte fröhlich vor sich hin. Sofort stürzte sie sich mit Feuereifer in ihre Arbeit. Ihre Großmutter Maria verzierte gerade liebevoll den Geburtstagskuchen. Am späten Nachmittag füllte Helena das Essen dann endlich in die Thermobehälter. Sie war sehr zufrieden mit sich und Maria. Den ersten Gang würden die Blätterteigröllchen mit Spinat und Lachs bilden. Als zweites würden sie eine Tomatensuppe mit Knoblauchcroutons servieren. Den Hauptgang bildeten die Täubchen mit Mandelkruste, zusammen mit Weinrotkraut und Kartoffel-Igelchen. Und im Anschluß an die Mousse au chocolat würden sie den Kuchen servieren. Helena steckte so langsam auch Maria mit ihrer Nervosität an. "Wir haben alles im Griff. Es ist alles hervorragend gelungen. Unser Menü wird sie umhauen." Maria umarmte ihre Enkelin kurz. Helena seufzte: "Wo bleibt bloß Sandra? Sie müßte doch schon hier sein. Sie bringt auch unsere Kostüme aus der Reinigung mit."

"Sie ist sicher schon auf dem Weg. Heute ist Freitag, da ist ziemlich viel Verkehr", warf Maria beruhigend ein. "Ihr beiden werdet in diesen Kostümen wieder sehr hübsch aussehen. Diese kurzen dunkelblauen Röcke stehen euch beiden sehr gut. Und die weißen Blusen und die Westen dazu sehen wirklich sehr professionell aus."

Sandra sah auf ihre Armbanduhr. Es war schon achtzehn Uhr dreißig. Eigentlich wollte sie jetzt schon bei Helena sein. Sie fuhr ziemlich rasant. Gelegentlich warf sie einen Blick auf ihr Meisterwerk. Den ganzen Nachmittag hatte sie dafür in der Küche gestanden. Aber diese Mousse au chocolat war jede Minute wert. Sie war köstlich. Für Tom hatte sie ein Schälchen zum Abendessen in den Kühlschrank gestellt. Er war schon genauso eine Naschkatze wie seine Mutter. Die Mousse stand in einer wunderschönen Glasschüssel angerichtet neben ihr auf dem Beifahrersitz. Sie warf gerade einen kurzen Blick auf ihr Meisterwerk als es krachte. Sie hatte einem Auto, das von rechts aus einer gleichberechtigten Straße kam, die Vorfahrt genommen. Es gab ein häßliches Knirschen von Metall auf Metall. Entsetzt schlug sie die Hände vor das Gesicht. Sie war völlig geschockt und zitterte. "Verdammter Mist. Ich habe ja gleich gewußt, daß heute, am Freitag, den Dreizehnten, irgendetwas Schreckliches geschehen würde." Bei dem Aufprall war die Schüssel natürlich ins Rutschen gekommen. Überall klebte Mousse au chocolat. Zum Glück war wenigstens die Schüssel ganz geblieben. Dafür hatten die Kostüme reichlich abbekommen. Im anderen Auto fluchte Eric vor sich hin. Er hatte einen Kasten Bier im Auto. Dieser war vom Sitz gekippt und die Hälfte der Flaschen zerbrochen. Es stank fürchterlich. "Frauen am Steuer sollten verboten werden. Mein Auto stinkt wie eine Brauerei. Jetzt kann ich noch mal neues Bier kaufen." Wütend stieg er aus und riß die Tür von Sandras Auto auf. "Sind sie blind oder was? Haben sie den Führerschein im..." Als sie den Kopf hob, blieben ihm die Worte im Halse stecken. Das war doch die Mutter von dem kleinen Tommy, mit dem er neulich Fußball gespielt hatten. Auch sie erkannte nun diese dunkelbraunen Augen in dem gutaussehenden Gesicht über ihr wieder. "Du?", flüsterte Sandra entsetzt. Kleinlaut fuhr sie fort: "Es tut mir leid. Ich habe nicht aufgepaßt. Ich komme natürlich für den Schaden auf." Hilflos knetete sie ihre Hände und sah ängstlich zu ihm auf. Als er sie so ansah, verrauchte sein Zorn völlig. Sandra jammerte weiter "Ist dir etwas passiert? Hat dein Auto viel abbekommen? Und alles nur, weil ich so in Eile bin." Eric mußte lächeln. "Alles halb so schlimm. Wir tauschen unsere Telefonnummern aus und ersparen uns die Polizei. Und wie ich sehe, hat auch nur dein Auto was abgekriegt. Dir geht es doch gut, oder?" Sandra nickte. Sie war heilfroh, daß das Ganze so glimpflich abging und lächelte zaghaft zurück. " Ich befürchte allerdings, daß du mir jetzt was schuldig bist.", sagte Eric nun . "Ich glaube ein Abendessen wäre gut. Tommy kann ruhig mitkommen." Nach weiteren fünf Minuten war die Sache geklärt. Sie konnte weiter fahren. Die Mousse war hin. Und man konnte daran nichts mehr ändern. Auch die Sachen würden sie heute nicht anziehen können. Als sie bei dem Haus von Helenas Großmutter ankam, wurde sie schon sehnlichst erwartet. Bei einer schnellen Tasse Tee erzählte sie den beiden, was passiert war. Gemeinsam überlegten sie, was sie nun als Dessert servieren würden. Sie richteten einen Obstteller an. Und das eigentliche Dessert würde der Geburtstagskuchen sein. Maria holte für sie drei weiße Servierschürzen aus dem Schrank. "Ich bin wirklich froh, daß ich die noch nicht weggeworfen habe." Sandra band sich ihre Schürze um. "Ich bin froh, daß es kein Häubchen dazu gibt." Während Helena ihre Schürze zurecht zupft, sagt sie lachend: "Und ich bin froh, daß wir endlich los können. Es ist fast halb Acht." Sie luden alles in Helenas Auto. In den Thermobehältern war alles sicher verpackt. Maria hielt den Geburtstagskuchen auf ihrem Schoß und ließ ihn nicht aus den Augen. Pünktlich um fünf Minuten vor Acht kamen sie in der Feuerbachstraße 7 an.

In der Feuerbachstraße herrschte unterdessen in Michaels Wohnung noch das große Chaos. Alle Fenster standen weit offen, um den Brandgeruch zu vertreiben. Michael hatte Blätterteigtaschen mit Hackfleischfüllung gemacht und die hatten sie irgendwie beim Herrichten der Wohnung vergessen. Jetzt sahen die Blätterteigtaschen wie Schuhsohlen aus und waren in den Müll gewandert. Ein gutes Dutzend Gläser war auch schon zu Bruch gegangen als Paul versehentlich gegen den Beistelltisch stieß. Lutze hatte beim Bowle mixen eine halbe Flasche Sekt daneben gekippt. Danach hatte er eine halbe Stunde an dem Fleck auf dem Teppich zu schrubben. Es war roter Sekt gewesen.Um neunzehn Uhr fünfzehn kam dann der Anruf von Eric, daß er auf dem Polizeirevier abgeholt werden mußte. Er war nach dem Autounfall mit Sandra in eine Polizeikontrolle geraten und die hatten ihn zum Bluttest mit auf das Revier genommen. Er hatte vor Schreck, nur noch herum gestottert und sein ganzes Auto stank ja zum Himmel. Michael machte sich auf den Weg. Um neunzehn Uhr dreißig wollten Clemens und Kalle gerade die Pizza in den Ofen schieben als das Licht ausging. Das hatte ihnen gerade noch gefehlt. Erst mal zündeten sie reichlich Kerzen an. Es war zwar noch nicht dunkel aber so sah es gemütlicher aus. Kurz vor Acht waren dann Eric und Michael wieder da. Michael kümmerte sich als Erstes um die Sicherung. Er hatte ihnen zu sagen vergessen, daß man nicht so viele Geräte gleichzeitig bei ihm einschalten durfte. Na ja, dann würde es die Pizza eben etwas später geben. Langsam wurden sie alle nervös. Gleich mußte es klingeln. Eric war gar nicht wohl in seiner Haut. Die anderen warfen sich bedeutungsvolle Blicke zu. Ihm schwante Schreckliches. Ständig grinsten sie sich blöde an. Und dann klingelte es endlich. Sie wagten kaum, Luft zu holen. Michael schickte Eric zur Tür, damit er sein Geschenk in Empfang nehmen konnte. Da er kein Spielverderber sein wollte, ging er zögernd zur Tür. Er öffnete sie und erstarrte mit einem "Oh" auf den Lippen. Vor ihm stand eine ziemlich dicke alte Frau, mit einem riesigen Geburtstagskuchen und strahlte ihn an. Auf dem Kuchen standen dreißig brennende Kerzen und warfen Schatten auf ihr freundliches faltiges Gesicht. "Guten Abend.", grüßte Maria den jungen Mann, der sie aus großen Augen ansah. "Sind sie das Geburtstagskind?", versuchte sie ihm die Verlegenheit zu vertreiben. Er aber nickte nur. "Dann ist dies also ihr Kuchen. Einen Herzlichen Glückwunsch von Helena und ihren guten Geistern. Ich bin Helenas Großmutter." So langsam fragte sich Michael, warum Eric nicht rein kam und ging nachsehen. Er sah Maria hinter ihrem Kuchen und wurde blaß. "Wer sind sie denn? Sie sind doch hoffentlich nicht Helena?", fragte er atemlos. O Gott, laß es nicht wahr sein. Seine Freunde würden ihn dafür lynchen. "Nein, nein. Helena ist meine Enkelin. Ich heiße Maria. Ich bin einer der guten Geister." Von unten klangen jetzt noch mehr Schritte herauf. "Da kommen schon meine Enkelin und Sandra.", beruhigte sie Maria. Schwer beladen kamen beide die Stufen herauf gekeucht. "Guten Abend. Zeigen sie uns doch bitte die Küche, damit wir alles abstellen können. Es ist ziemlich schwer." Und dann erstarrte sie, als sie Michael sah. "Was machen sie denn hier?", fragte sie entgeistert. Aber erst mal mußte sie wieder zu Atem kommen, um klar denken zu können. "Wir haben keinen Party-Service bestellt, das muß ein Mißverständnis sein.", sagte Michael, als er ihr in die Küche folgte. Aber innerlich wußte er plötzlich genau, daß er am Telefon diese Stimme gehört hatte. Was ging hier vor? "Das glaube ich nicht. Hier ist die Feuerbachstraße 7 und wir haben bei Steinert geklingelt. Herr Steinert hat bei uns ein Menü für sechs bis acht Personen bestellt und genau das liefern wir jetzt." Helena war irritiert. Was sollte das denn? Die Angaben waren doch klar. Es konnte doch kein Scherz gewesen sein. "Ich gehe runter und hole den Rest.", sagt sie entschlossen. Auch Sandra war erstarrt, als sie die Treppe hochkam. Vor ihr stand schon wieder Eric. Er war genauso erstaunt wie sie. Ihm gefiel dieses eine Geschenk ausgezeichnet. Er folgte Sandra in die Küche und flüsterte dem noch immer entsetzten Michael zu: "Wenn sie mein Geburtstagsgeschenk ist, werde ich dir ewig dankbar sein." Er wies mit dem Kopf auf Sandra. Michael sah ihn finster an.

Sandra und Maria waren dabei auszupacken, während Michael immer noch überlegte, was er tun sollte. "Erklären sie mir doch mal wieso sie in der Rubrik "Kontakte" inserieren, wenn sie doch einen Party-Service betreiben. Ist das ihre Art, Aufträge an Land zu ziehen?", fragte er Helena, als sie wieder da war, und musterte sie dabei von oben bis unten. Sie gefiel ihm immer noch sehr gut. Und ihre Stimme brachte ihn fast um den Verstand. Eigentlich war er ja froh, daß sie keine Professionelle war.

"Ich habe eine Catering-Firma und ich habe nicht in der Rubrik "Kontakte" inseriert. Wie kommen sie bloß darauf?", erwiderte sie gereizt. Langsam wurde sie richtig wütend. Er griff an ihr vorbei und nahm die Zeitung vom Montag in die Hand. "Hier, sehen sie selbst. Wir wollten unseren Freund zum Geburtstag mit ein paar leichten Mädchen überraschen und dann steht ihre Großmutter vor der Tür." Helena wurde erst rot und dann blaß. Ihre Großmutter drückte sie geistesgegenwärtig auf einen Stuhl nieder, bevor sie umfiel. Dann ergriff sie die Initiative. "Offenbar hat die Zeitung einen Fehler gemacht. Dagegen können wir im Moment nichts tun. Aber bevor das Essen kalt wird, für das wir die letzten beiden Tage in der Küche gestanden haben, werden wir es jetzt servieren." Resolut schob Maria Michael aus der Küche und trug ihm auf: " Klären sie ihre Freunde darüber auf, daß es keine hießen Bräute geben wird. Dafür verführen wir ihre Sinne auf kulinarische Art und Weise. Nun gehen sie schon. Über den Preis reden wir nach dem Essen." Eric folgte Michael mit einem amüsierten Blick in Sandras Richtung. Er war dem Schicksal jedenfalls mehr als dankbar. Sandra lächelte unglücklich zurück. Maria drehte sich zu Sandra und Helena um. "Keine langen Gesichter. Wir servieren in fünf Minuten." Helena sagte unglücklich: "Wir sind ruiniert. Wer wird unsere Dienste jetzt noch in Anspruch nehmen?" Maria tätschelte ihren Arm. "Wir bringen das gleich Morgen in Ordnung. Ich werde mit dir in die Redaktion gehen."

Sandras einzige Reaktion war: "Ich wußte doch, daß an einem Freitag, dem Dreizehnten etwas schief gehen muß."

Das Essen war dennoch ein voller Erfolg. Michael und seine Freunde hatten selten so gut gegessen. Und da Liebe bekanntlich durch den Magen geht, wurde Helena Michael immer sympathischer. Nun war sie auch voll in ihrem Element und servierte gekonnt das Menü. Eric hingegen ließ seine Augen nicht von Sandra.

Beim Geburtstagskuchen angekommen, mußten die drei guten Geister auch ein Stück essen. Es wurde viel gelacht. Als die Frauen gegangen waren, mußte sich Michael eine Menge Geläster gefallen lassen. Aber es war zum Glück keiner wirklich sauer. Paul wies ihn natürlich gleich noch mal darauf hin, das man an einem Freitag, dem Dreizehnten, einfach nichts anderes erwarten konnte.

Einen Monat später saßen sich Helena und Michael in einem gemütlichen Lokal gegenüber. Sie hatten eine kleine Nische am Fenster und konnten aufs Wasser sehen. Allerdings hatten sie jetzt nach dem Essen, nur noch Augen füreinander. "Auf Freitag, den Dreizehnten.", sagte Michael und prostete ihr zu. Lächelnd dachte sie an die letzten Wochen und trank einen Schluck von ihrem Wein. Nachdem ihre Großmutter in der Redaktion ein Faß aufgemacht hatte, hatte sich herausgestellt, daß der neue Lehrling nicht aufgepaßt hatte. Die Zeitung druckte ihre Anzeige jetzt für zwei volle Monate an einer viel vorteilhafteren Stelle, und das kostete sie keinen Pfennig. Natürlich hatte sie die erste Zeile in "Catering-Firma Helena und ihre guten Geister" umbenannt. Nie wieder sollte ein Zweifel am gebotenen Service bestehen. Und seit zwei Wochen nun hatten sie richtig zu tun. Jeden Tag hatten sie ein oder zwei Aufträge. Sie war so froh darüber, wie alles gekommen war. Zusätzlich hatte die Zeitung ihr und Michael dieses Essen spendiert. "Durch dieses Essen haben wir Gelegenheit, uns besser kennen zu lernen." Michael war fasziniert von den roten Lichtern, die das Kerzenlicht in ihr Haar zauberte. Lächelnd schaute sie ihn über den Rand des Glases hinweg an. Dabei wurde ein Grübchen in ihrer linken Wange sichtbar, das ihm bisher noch gar nicht aufgefallen war. "Ja, das ist wirklich schön. Du bist ein interessanter Mann.", flüsterte sie ihm zu. Er griff zärtlich nach ihrer Hand und hielt sie fest. "Und Du bist eine bezaubernde junge Frau.", schmeichelte er. "Aber der Geburtstag deines Freundes war ein einziges Desaster. Es tut mir so leid." Michael streichelte ihre Hand und meinte beschwichtigend: "Diesen Geburtstag vergißt Eric bestimmt nicht. Und glaubst du wirklich, das ein paar leichte Mädchen mit Sandra und Tom mithalten könnten?" Helena strahlte ihn an. "Ich bin so froh, das die beiden sich gefunden haben. Sandra hat wirklich ein bißchen Glück verdient. Und Tom mag Eric auch." "Ja, sie geben ein hübsches Trio ab. Ob sie uns zu ihrer Hochzeit einladen?" Helena hob schmunzelnd ihren Blick. "Vielleicht." Die leise Musik im Hintergrund nahm keiner von ihnen mehr wahr. Die Zeit schien still zu stehen. Sie konnten und wollten ihre Blicke nicht von einander lösen. "Ein Gutes hatte deine Idee ja noch.", hauchte Helena. "Wir haben uns gefunden.", beendete Michael ihren Gedanken. "Auf uns!" Helena erhob ihr Glas. "Auf die Zukunft!" Und mit einem hellen Klingen der Gläser besiegelten sie dieses Versprechen.

-Ende-

von Sabine Wiese 2002

Juli 2010

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