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| Einleitung |
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Staatsgalerie Stuttgart:
"Die Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg kennt die großen zwischen Kunst
und Leben vermittelnden Entwürfe nicht mehr." Dazu kann man nur folgende Anmerkung machen: Europa wird nach dem II.Weltkrieg zweigeteilt und so verhält es sich auch mit der (bildenden) Kunst. Im Westen wird an die Stelle der Betrachtung der "deutschen Kunst" die der abendländischen Kunst gesetzt. Diese neu deklarierte Kunst hat die Schrecken der Ergebnisse des zweiten Weltkrieges zu ignorieren. Es erfolgt keine Nachbearbeitung der Erfahrungen des Krieges wie nach dem ersten Weltkrieg, keine Auseinandersetzung um die Frage der Verursacher und Kriegsgewinnler und keine Beweinung der Millionen Opfer. In der realen Welt sind tausende Städte zerstört durch modernste Technik. Die Erfahrungen des Krieges scheinen nicht existent! Die offiziel stattzufindende Kunst artikuliert sich in abstrakten Expressionismus, Tachismus oder Informel. Mit "Action painting" will man das "Wesen der Kunst" neu erfunden haben! |
Genauer betrachtet, fanden einfache Vorgänge der Entbildlichung statt.
Die Schritte der Verzerrung und schließlich der Vermeidung von Abbildung oder Widerspiegelung
tendierten letzendlich zur Ablehnung oder Verneinung des Menschenbildes.
Es ist unerheblich, ob man es "avantgardistisch" oder "provokatorisch" nannte,
es bleibt bei der gewollten Nichtdarstellung des Menschen.
Die theoretische Überhöhung
spricht sogar von einer "amerikanischen Avantgarde", gemeint sind
Formal-Darstellungen, bei denen es schwer fällt, die Befindlichkeiten dieser konkreten Zeit
noch im Nachhinein zu erkennen. In der Technik wird die gleiche Epoche "Atomzeitalter" genannt!
In der Literatur fanden hochintelligente Auseinandersetzungen über den Existentialismus statt, aber die durch technische Vervollkomnung wirksam gewordene flächenhafte Zerstörung ganzer Städte und Landstriche, die in ihren Ausmaßen historisch ertsmalig in Erscheinung trat, wurde fast nicht erwähnt, geschweige denn diskutiert. Der Korea-Krieg, in dem es die erste Atomwaffenandrohung der Geschichte gab und das nach 1945 (!), schied die Geister unter den Intellektuellen. Sicherlich ist in der Bildenden Kunst diese Auseinandersetzung nicht ausgeblieben - doch der kommerzielle Kunstbetrieb wollte uns diese Werke nicht überliefern. Nun wird es Mühe machen, sie neu zusammenzutragen. |
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Dokumenta 1959 Mit der "Kunst nach 1945" stellte man die These von der "Weltsprache Abstraktion" auf. Aber nicht Abstraktion ist die Weltsprache, sondern die Kunst selbst! Beispielhaft erkennbar in der bildenden Kunst während der frühbürgerlichen Revolution, als die Einflüsse aus Italien über die Alpen nach Norden gelangten und die der Niederländer nach Süden fanden! Mit abstrakten Expressionismus wollte man "das Sichtbare abbilden zu einer das unsichtbar sichtbar machenden Kunst" Mit der amerikanischen Avantgarde kam jedoch nur der amerikanische Provinzialismus in großformatigen Flächen nach Europa, auf denen nicht das Unsichtbare sichtbar sondern das Sichtbare unsichtbar gemacht wurde. Das Sichtbare der Welt von 1945 bis 1959 war auf dieser Dokumenta-Kunst unsischtbar geworden. |
In der deutschen bildenden Kunst war jedoch 1945 alles offen.
Unter den Werken deutscher Künstler, waren sie emigriert oder in der Heimat
geblieben, schaffend oder verharrend, kämpfend oder abwartend, findet
man weitreichende Ergebnisse, vom tiefsten Pessimismus über klagevoller Mystik bis hin
zum antifaschistischen Kämpferbild und optimistischem
Wiederaufbauwillen - alles war vertreten!
Alle Stilrichtungen, Expressionismus, Surrealismus, Naturalismus, von der Abstraktion
bis zur naiven Malerei. Es gab noch keine Vorschriften über Stilrichtungen, keine
theoretisierende Kunstkritik, die Noten verteilte, keine fabulierenden Medien, die ungehindert und
beliebig beurteilen durften, ob Werke opportun zu sein oder zu verschweigen waren!
Kein staatlicher Apparat
und kein kommerzieller Kunstbetrieb bestimmte eine Vorzugsrichtung. Diese Gelegenheit einer großen Freiheit für die Künstler in Deutschland kann man heute im besten Fall als nur schlecht genutzt bezeichnen. Die neue Freiheit wurde alsbald Opfer des kalten Krieges. |
| Bilder nach 1945 (Teil I) | Bilder nach 1945 (Teil II) | Medaillen | Bauernbilder | Federzeichnungen | Wilhelm Rudolph |
Hans Holger Lorenz
13.Februar 2009