Teil 4 Der Marshall-Plan |
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zu einigen Besonderheiten in der modernen deutschen Geschichte
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Der Marshall-Plan |
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Am 5.Juni 1947 verkündete der Außenminister der USA,
Georg C. Marshall vor der Harvard-Universität
eine Art Wirtschaftsprogramm. Es hieß "Europäisches Wiederaufbauprogramm" (ERP - European Recovery Program), wurde aber
später allgemein und in der Geschichtsschreibung bekannt unter der Bezeichnung Marshall-Plan.
Genau genommen bildete dieses Programm den Kern der Truman-Doktrin für das europäische Gebiet, denn nach dem
II.Weltkrieg beschieden sich die Vereinigten Staaten nicht mehr auf eine Außenpolitik, die sich etwa begrenzte auf
Latein-Amerika. Sie wollten auch Asien und Europa fest in ihren Griff bekommen. Eine Absicht, die für Europa nicht ganz
unrealistisch zu sein schien, zumal man bereits in den 1920er Jahren ein Bein fest in die europäische Tür gestellt
hatte und nun gewillt war, sie jetzt weit aufzustoßen. Allein die nicht zu Boden gegangene Sowjetunion, die
eigentlich das Ziel aller Angriffe vor 1939 war, blieb als Haupthinderniss für die USA existent und dachte garnicht daran,
ihre ausgreifenden Ansprüche aufzugeben.
So ersann man in den US-amerikanischen Denkfabriken einen Plan, der die wirtschaftlich desolate Lage der im Krieg
zerstörten und geschwächten Länder Europas rigoros auszunutzen verstand. Ganz streng und konzentriert betrachtet
war es eine Zielvorgabe zur Schaffung eines erneuten Militärblocks gegen die UdSSR. Aber soweit soll diese
Betrachtung hier nicht gehen - hier interessiert nur die wirtschaftliche Seite der nun historisch gewordenen
Angelegenheit.
Deren Ausgangspunkt war eine unzerstörte immer noch auf Hochtouren laufende militärisch orientierte US-Industrie,
deren Produkte dringenst nach Absatz schrien und deren Produktionslinien man nicht einfach mit einer Hebelbewegung runter schalten konnte.
Zwar hatte der gewollte oder ungewollte II.Weltkrieg das Problem der Massenarbeitslosigkeit in den USA gelöst,
aber nun stand man vor einer neuen ziemlich brisanten Frage: Wohin mit dem massenhaften "Militär-Arsenal"?
Ein Absatzgebiet wurde wenig später der sogenannte Korea-Krieg, aber 1947 war es noch nicht soweit.
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| Karte: Die Industrie der DDR
wurde ohne Marshall-Plan-Hilfe errichtet (Stand 1961)
Die Ausgangslage der Industrie in der Sowjetischen Besatzungszone war gegenüber
der im Westen extrem schlecht. Die Zahl der nach Kriegsende noch existierenden Fabriken wurde infolge der
Reparationszahlungen an die UdSSR weiter verringert. Das wenige von Krieg und Reparation
verschonte Potential paßte in seinen Proportionen kaum zueinander. Um innerhalb der Industrie
und unter den Volkswirtschaftszweigen eine einigermaßen funktionierende Proportionalität herzustellen
und damit gesamtwirtschaftliches Wachstum erreichen zu können,
waren unglaubliche Anstrengungen notwendig. (1)
Die gegensätzliche Stellung zum Marshall-Plan machte europaweit deutlich, das sich zwei Lager
herauszubilden begannen. Für Deutschland war diese Tatsache besonders tragisch, da dieser Plan
ein Hemmnis für den Abschluß eines Friedensvertrages darstellte und die deutsche Einheit
gefährdete.
Historisch interessant ist heute, das trotz dieser europaweiten Deutlichkeit sowohl die
CDU/CSU als auch die SPD und die Gewerkschaften in den Westzonen dem Plan uneingeschränkt
unterstützten - auch mit dem Wissen um die damit verbundenen Absichten für eine Wiederaufrüstung!
Von
Adenauer bis
Schumacher war allen führenden Politikern noch die Folgen des
Young-Planes aus eigenem Erleben
bekannt.
So wird heute nicht gern erwähnt, das der II.Parteitag der SED wiederholt bekräftigte,
das für den Wiederaufbau ein ökonomisches Grundkonzept gelten solle,
bei dem Deutschland gemäß dem Potsdamer Abkommen wirtschaftlich und politisch ein einheitliches Ganzes
zu bleiben hatte.
Wer weiß heute noch, das die SED im September 1947 folgende politische Forderungen aufstellte, die
gleichsam durch den Marshall-Plan vom Tisch gefegt wurden:
1. Volksentscheid für die Gestaltung Deutschlands zu einem Einheitsstaat
2. Bildung zentraler deutscher Verwaltungen für das Finanzwesen,
den Außenhandel, das Verkehrswesen, für Industrie und Landwirtschaft und für die Ernährung,
3. Vorbereitung von Wahlen für ein gesamtdeutsches Parlament,
4. Wiederherstellung der staatlichen Souveränität und Abschluß eines Friedensvertrages
mit den Siegermächten.
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Die Vorschläge der SED zum Wiederaufbau Deutschlands aus eigener Kraft wurden vom
Westen abgelehnt.
Die Inanspruchnahme der finanziellen Mittel aus den USA führten
zur Wiederaufrüstung und zum Beitritt des westlichen Teil Deutschlands in die NATO - womit
defacto nicht nur dieses Land gespalten wurde sondern auch Europa!
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Dafür, das die Arbeit der DDR-Bevölkerung angeblich nur eine fatale Mißwirtschaft hervorgebracht hatte,
sind die nach 1989 sofort einsetzenden Begehrlichkeiten nur noch mit dem Wort Habgier zu beschreiben.
Die Vorwürfe der Mangelwirtschaft, die auf hochgeschossenen Halbwahrheiten basierten, wurden
in Realität genutzt um direkte Zugriffe auf das Volksvermögen der DDR wirkungsvoll zu kaschieren.
Nach der Einführung der D-Mark im Juli 1990 und mit dem Wirksamwerden der "Treuhand"-Offerten ging die
Industrieproduktion der DDR innerhalb eines Jahres um 67 % zurück! Beispielsweise erreichte im Maschinenbau
das Minus 70 %, in der Elektronik 75 % und in der Feinmechanik 86 %. In drei Jahren hatte
diese "Anstalt" 3244 Betriebe platt gemacht - mindestens 1,2 Millionen Menschen wurden sofort arbeitslos. (2)
Etwa 800 000 davon gingen anschließend als sogenannte Pendler in den Westen.
Leidtragende dieses ungehemmten Zugriffs auf bisheriges gesellschaftliches Eigentum waren nicht nur die ehemaligen DDR-Bürger sondern auch
die Bewohner der BRD. Zuerst traf es alle in Lohnarbeit stehenden Schichten der Bundesrepublik, einschließlich die "Gastarbeiter" und die
ständig neu hinzukommenden Einwanderer aus aller Welt. Seit etwa dem Jahr 2000 ist auch die Mittelschicht der Republik involviert.
Das Privateigentum und die sozial-gesetzlichen Absicherungen dieser betroffenen sozialen Gruppierungen gerieten in unmittelbare Gefahr -
ohne das es die Bevölkerung beider Landesteilen erkennen konnte. Die bis dahin erreichte soziale Stabilität hätte durchaus als Muster
eines modernen kapitalistischen "Sozialstaates" dienen können, ausgerechnet eine rot-grüne Koalition hebelte sie mit wilder angeblich neuer
Gesetzeskraft aus.
Erst nach dem das Volksvermögen der DDR beseitigt war, griff man auf BRD-"Reserven" zurück.
Dabei stützte sich die Medienpropaganda - anders kann man das nicht nennen - auf neoliberale
Wirtschaftstheorien, die weder liberal noch neu, aus der Zeit der
Weimarer Republik stammten und bereits dort von Erfolglosigkeit gekennzeichnet waren.
Man kann heute davon ausgehen, das sich verschiedene Komponenten innerhalb der großen Finanz-Fraktionen
außerordentlich schwer bekämpften hinsichtlich der Aneignung der Güter, Produktionsmittel, Geldvermögen, Kunstschätze und des
Bodenbesitzes der ehemaligen DDR. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gehört dazu auch
die Ermordung des Treuhandschefs
Rohwedder
im April 1991, die selbstredend der eigentlich nicht mehr
existierenden RAF in die Schuhe geschoben wurde. Rohwedder hatte nämlich eine eigene Auffassung von den Wert-Größen
des DDR-Vermögens und mußte deswegen, da er an exponiertester Stelle stand und zu keiner
anderen Position überzeugt werden konnte, ausgeschaltet werden. Da sich bei diesen Kreisen längst mit
der sogenannten neoliberalen Anschauung das Selbstverständniss extrem krimminellen Auffassungen von Recht und Gewalt
angenähert hatte, war das Freischießen zur Selbstbedienung im sogenannten Reste-Lager eher eine Selbstverständlichkeit.
Die nebenstehende Grafik zeigt die Änderungen an der Bezifferung des Volksvermögens der DDR.
Im Jahr 1990 hatte der damalige Präsident der Treuhand Detlev Carsten Rohwedder das Volksvermögen
der DDR auf 600 Milliarden DM beziffert. Im April 1990 wurde Rohwedder ermordet.
In der Zeit danach bis Ende 1994 deutete man eine Summe von 73 Milliarden DM aus Privatisierungserlösen
an. Im gleichen Jahr wurden aus verbleibenden Werten und offenbar nach vorangegangenen
Gesetzesveränderungen Schuldenberge
von 260 Milliarden DM konstruiert.
Im Gegensatz zur Rohwedder-Schätzung könnte das Volksvermögen der DDR 1,4 Billionen D-Mark erreicht haben.(3)
Fragt man nun nach dem Zusammenhang mit dem Marshallplan und was das alles mit dem
European Recovery Program von 1947 zu tun habe? So muß man redlicherweise antworten: Garnichts! Die in
oben abgebildeter Karte dargestellten Industrien und deren Werte
wurden vollständig ohne US-Hilfe erarbeitet und haben folglich in den Händen ausländischer "Investoren" nichts
zu suchen!
Der Marshall-Plan, der interessanterweise durch die 1947 aktuell gewordene Blockbildung
unbedingt den
Morgenthau-Plan
ersetzen mußte und es auch tat, hatte spätestens
nach 1989
ausgedient.
Die Frage nach der Aktualität des Morgenthau-Plans ist sicher völlig
belanglos und mehr agitatorisch von verschiedensten politischen Kräften genutzt, aber
immerhin hat er seinerzeit ebenfalls auf dem Beratungstisch der US-Administration gelegen und wurde von
den führensten Leuten begutachtet.
Welche Pläne mögen wohl derzeit auf diesem Tisch liegen?
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| "Je größer die Probleme in diesem System und in diesem Land werden mit
Demokratiedefiziten, Kriegsbeteiligung,
Sozialabbau, umso mehr sieht man sich offenbar veranlaßt, den letzten Gedanken daran auszurotten, daß es da
in Teilen eine Alternative gab. Unsererseits dürfen wir die DDR nicht verklären oder in Nostalgie verfallen.
Aber wir müssen vertreten und beweisen, daß das System DDR viele, viele Vorteile hatte, die heute nicht nur negiert,
sondern verleumdet und niedergetreten werden." |
Klaus Blessing in
Junge Welt 2.10.07 Seite 2 |
Notizen zum Fach Deutsche Geschichte / Hans Holger Lorenz / begonnen: 6. Oktober 2007 /
letzte Änderung: 17. Oktober 2010 / (II)WB To
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