So sah ein Basarschein aus

Da die DDR unter ständiger Devisen-Knappheit litt, wurde das Devisen-Gesetz eingeführt, welches besagte, daß jegliche ausländische (westliche) Währung dem Staat zuzuführen sei. Als Äquivalent dazu wurden die sogenannten Forum-Checks eingeführt, die sich vom Wert her an der stabilsten europäischen Währung - der DM orientierten. Einkaufen konnte man damit in den Intershops.
Für Seeleute gab es eine abgewandelte Form der Forum-Checks - die Basarscheine. Ob die Dinger auch offiziell diese Bezeichnung trugen, könnte man anzweifeln - siehe Aufdruck auf dem Schein. Jedenfalls wurden sie überall und von jedem so genannt. Der Seemann kaufte auch nicht im Intershop, sondern in den sogenannten Seemanns-Basaren, von denen es 3 in Rostock gab. Einer im Fischkombinat (so groß wie ein Wohnzimmer), einer im Überseehafen und der "Große" am Stadthafen.
Jeder Hochseefischer erhielt für einen Seetag (außerhalb der DDR-Hoheitsgewässer) einen bestimmten Satz an Devisen ("harter" Währung). Mannschaften bekamen 2,50 DM, Offiziere 3,20 DM und Kapitäne noch etwas mehr (der genaue Betrag ist mir entfallen).
Ausgezahlt wurden die Devisen entweder beim Einlaufen in Rostock oder nach dem Besatzungsaustausch bei der Ankunft in Berlin-Schönefeld.
Gab es in einem ausländischen Hafen Landgang, konnte man sich einen Teil der Devisen in der Währung der jeweiligen Landes auszahlen lassen.
Gedruckt waren die Scheine auf ganz normales, etwas stärkeres Papier ohne jegliche Sicherheitsmerkmale. Heutzutage könnte sie jedes Kind am Computer 100%ig fälschen.
Ich kann mir gut vorstellen, daß diese Scheine inzwischen einen gewissen Sammler- und Seltenheitswert besitzen, da sie nicht nur ein Teil der Hochseefischerei-Geschichte sind, sondern auch ein etwas kurioses, widersprüchliches und auch makabres Kapitel DDR-Geschichte dokumentieren.
Der abgebildete Schein stammt übrigens aus dem Fundus meines Bruders (ebenfalls ehemaliger Hochseefischer).

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