| So sah ein Heuerschein aus | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Neulich beim Aufräumen fand ich doch tatsächlich neben anderen Sachen einen Heuerschein aus meiner Fahrenszeit. Es ist mir allerdings ein Rätsel, warum sich dieser Schein in meinem Besitz befindet. Normalerweise mußten die Heuerscheine bei der Ankunft an Bord entweder beim Chief (leitender technischer Offizier) oder beim 1.NO (erster nautischer Offizier) abgegeben werden. Wenn man einen Blick auf das Datum der Anmusterung wirft, wird man feststellen, daß diese Fangreise zu Beginn der Wendezeit in der DDR begonnen hat. Vielleicht hing es damit zusammen, daß ich den Schein nicht abgeben mußte; ich weiß es nicht mehr. Ich kann mich aber noch daran erinnern, daß unser Flieger (IL 18) nach Glasgow ging, von dort aus ging es weiter mit einer uralten "Dakota" (Baujahr 1943) nach Lerwick (Shetlands) und dort an Bord von ROS 333. Die Fangreise führte uns dann ins USA-Schelf, nachdem wir für ca. 14 Tage im norwegischen Haugesund zur Überholung des Unterwasserschiffs im Trockendock gelegen haben. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Sei es wie es sei, auf jeden Fall ist dieser Heuerschein der Nachwelt erhalten geblieben und ich möchte ihn Euch deshalb auch nicht vorenthalten. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Interessant ist die Unterschrift links unten. Sie stammt von Karli Berger (Sei gegrüßt, falls Du diese Zeilen liest). Ob Karli selber gefahren ist, weiß ich nicht genau. Ich vermute es zumindest. Irgendwann landete er dann in der AKL See (Arbeitskräftelenkung, oder auch nur einfach Heuerbüro). Hier war er zuständig für die Anmusterung des Maschinen-Personals. Das Erstaunliche bei Karli war die Tatsache, daß er jeden mit Vor- und Nachnamen kannte, auch wenn er ihn erst einmal gemustert hatte. Wenn man zu Karli kam (oder kommen mußte), wurde man von ihm stets mit Vornamen, Du und Handschlag begrüßt. Niemand sagte: "Ich muß zur AKL gehen". Es hieß immer: "Ich gehe zu Karli." Leider weiß niemand so genau, was aus ihm nach der Wende geworden ist. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Der Heuerbetrag von 37,-M mutet natürlich etwas kläglich an, wo doch die Hochseefischer Spitzenverdiener gewesen sein sollen. Bei einer normalen 100-Tage-Reise wären damit nur lächerliche 3700 Mark zusammengekommen. Dafür wäre wahrscheinlich niemand bei der Hochseefischerei zur See gefahren. Hinzu kamen aber noch diverse Zuschläge und vor allem die Fanganteile (Fangprämie). Nach einer sehr guten Fangreise hatte man dann schon mal das 3-4 fache (in Netto) auf dem Konto. Und das war zu DDR-Zeiten schon eine ganze Stange Geld. (Für das gleiche Geld mußte meine Frau damals 18 Monate arbeiten !!!) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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