| Bericht eines mitreisenden Journalisten über das Leben an Bord | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Der folgende Bericht ist ein Zusammenschnitt der Erlebnisse eines Journalisten, der mehrere Reisen auf verschiedenen Fangschiffen miterlebt hat. Einiges hat sich tatsächlich so abgespielt, anderes entspricht reinem Wunschdenken und wieder anderes ist völlig überzogen dargestellt. Insgesamt kann ich mir bei dem Bericht ein gewisses Schmunzeln nicht verkneifen. Der Mann mußte an Bord mit Sicherheit nicht arbeiten, sonst wären einige Passagen bestimmt anders ausgefallen... Man darf auch nicht vergessen, daß dieser Bericht Mitte der 70er Jahre verfaßt wurde, also zu einer Zeit, in der ein Journalist im Sinne von Partei- und Staatsführung zu schreiben hatte, wenn er damit an die Öffentlichkeit treten wollte. Genug des Kommentars, hier das Original: | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Der Alltag an Bord Weit auseinandergezogen, suchen die Trawler und die FVS (Fang- und Verarbeitungsschiff) vor der amerikanischen Atlantikküste nach Fischkonzentrationen. An Deck liegen die Netze einsatzbereit. Die Schwinger der Lote tasten das Gebiet vor dem Schiff ab. Über UKW-Sprechfunk werden unaufhörlich Informationen ausgetauscht. Ein buntes Sprachgemisch tönt aus dem Lautsprecher. Jeder Kapitän oder Nautische Offizier ist auf der Hut, ein Zuspätkommen oder das Verlorengehen einer Fischereiinformation kann die Produktion des Tages kosten. Denn nur wenige Stunden kann man die Makrele fangen. Fünf bis sechs Stunden des Tages sieht man nichts, nicht eine einzige Fischanzeige auf dem Lot. Es geht in den Winter. Doch man kennt diese Jahreszeit, die Zeit der Stürme und Orkane, die über das Gebiet hinwegziehen. In der Regel zwei bis drei Tage Fischerei und danach zwei Tage Produktionsausfall «wegen Wetter», wie man hier sagt. Da heißt es in den Tagen der Fischerei dann alles wieder nachholen, und das ist nicht immer einfach. Wie auf Kommando schwenken plötzlich alle Schiffe und drehen in südliche Richtung. Fischkonzentrationen! Wie immer, wenn sie gemeldet werden, ist nach kurzer Zeit in diesem Gebiet eine beträchtliche internationale Flotte vorhanden. Es sieht fast so aus, als schleppten alle Fahrzeuge hintereinander, nur etwas gestaffelt. Die Riesennetze lassen dem Fischschwarm keine Chance einer Flucht. Der Kapitän schaut auf den Schreiber seiner Netzsonde. Schwarz bemalt die Nadel das Papier. Ein Zeichen, daß man den Schwarm richtig angesteuert hat und der Fisch in das Netz läuft. Er überlegt, soll weitergeschleppt werden, oder reicht es? Es reicht, sagen ihm seine Erfahrungen. Nach einem kurzen Anruf über den Decklautsprecher beginnt die Winde das Netz einzuholen. Wenn der erste Hol an Bord gezogen wird, dann gibt es keine Ruhe mehr. Nach dem Kommando «Hieven» stehen die Fischer am Heck, denn dort wird das Netz über die Heckslipanlage an Bord gezogen, und beobachten den Steert. Langsam wird das Netz auf das Schiff gehievt, der Fang geschätzt, der Steert an einem Flaschenzug hochgezogen und der Fischbunker geöffnet. Der Knoten, den nur die Bestleute knoten, wird am unteren Ende des Steerts aufgezogen und der Fisch fällt in den Bunker. Auf einem FVS - dieser Schiffstyp fängt und verarbeitet seine Fische selbst - wird der Fisch direkt aus dem Steert in einen Vorratsbunker entleert und gleichzeitig gereinigt. Anschließend beginnt die Verarbeitung. Bei einem Zubringertrawler, einem «Spezi», wird der Fisch in einen Übergabesteert gepumpt und in der Nähe des Mutterschiffes, wie z.B. «Junge Welt» oder «Junge Garde», mit großen Gummiblasen versehen in das Wasser gelassen. Das TVS (Transport- und Verarbeitungsschiff) «pikt» dann den freischwimmenden Steert auf, hievt ihn über die Heckslipanlage an Bord und entleert ihn in den Fischbunker. Auch hier wird der Fisch dann über Förderbänder zum Verarbeitungsbereich des Schiffes transportiert und zu Frostware (Filet), Fischmehl und Fischöl verarbeitet. Die Einleger schieben mit flinken und geübten Griffen die Fische in die Aufnahmetaschen der Filetiermaschine. Noch schlagen die Fische wild mit den Schwänzen, doch die Maschine macht davor keinen Halt. Stück für Stück fallen die Filethappen in die Schalen. Auch hier sind wieder flinke Hände dabei und packen die Schalen voll. Überall ist Leben. Es ist eine Freude, diese frischen Filets zu betrachten. Zusätzliche Hilfe kommt von der Maschinenbesatzung. Jeder weiß, es kommt darauf an, den Fisch schnell zu bearbeiten, um eine hohe Qualität zu erhalten. Fisch um Fisch läuft durch die Maschine - Filet über Filet fällt in die Schalen. Im Kühlmaschinenraum tuckern die Kompressoren. Sie sind unentbehrlich an Bord. Denn nach dem Frosten muß das Filet eine Temperatur von 27° Celsius aufweisen, bevor es gut verpackt im Laderaum verstaut wird. Fleißige Hände sind überall am Wirken. Auf der Brücke wird bereits alles für einen neuen Hol vorbereitet. Man kalkuliert die Zeit, die man noch benötigt, um die Bunker zu leeren. Der Kontakt zu einem neuen Schwarm besteht, und das Netz liegt zum Aussetzen bereit. Die Stunden der Fischerei sind kostbar, man muß sie voll nutzen. So geht es Tag für Tag. Doch dann kommt eine Unterbrechung. Mit Post und neuem frischem Proviant liegt das Kühl- und Transportschiff (KTS) des Fischkombinates Rostock längsseits. Alles, was in mühevoller Arbeit in den vergangenen Tagen in den großen Kühlräumen des Fang- und Verarbeitungsschiffes gestapelt wurde, wandert in den anderen Schiffsleib, in einen anderen Kühlraum. * Bei direkter Fangübergabe legt der «Spezi» am Mutterschiff an, und der Fisch wird unmittelbar aus dem Fangnetz in einen Übergabesteert umgefüllt und vom Mutterschiff gehievt. Das läßt sich natürlich nur bei relativ ruhiger See ausführen. Um in den weiträumigen Fanggebieten Fischschwärme zu finden, betreiben alle Schiffe die Fischortung mit modernen hydroakustischen Geräten und «grasen» damit systematisch den Fangplatz ab. Eine schnelle und sichere Fischsuche ist ausschlaggebend für reiche Fänge. Dabei sind von den Zubringertrawlern nur wenige in Sichtweite des Mutterschiffes, d. h., der Fangplatz ist viele Quadratmeilen groß. Meistens wird er international befischt. Wir sehen sowjetische und polnische Fischer, Fischer aus Frankreich, Japan, aus der BRD und vielen anderen Ländern. Die Konzentration ist manchmal so stark, daß der Fangplatz nachts wie eine große, aber dünn besiedelte Stadt aussieht - so viele Lichter. Oftmals werden auf einem solchen Fangplatz über 70 Fischereifahrzeuge gezählt. * Noch ein Wort zum «Spezi». Der Zubringertrawler setzt sein Fanggeschirr aus und schleppt im Durchschnitt 2 bis 3 Stunden. Dabei registriert die sogenannte Netzsonde mit ziemlicher Sicherheit, wieviel Fische in dieser Zeit in das Netz gegangen sind. Nach der Schleppzeit wird das Netz eingeholt und der Fang - wie geschildert - direkt übergeben oder im eigenen Fischbunker gekühlt und bis auf Funkabruf durch das Mutterschiff zwischengelagert. Dann dampft der Trawler erneut zur Fischjagd. Die Menschen in Frankfurt/Oder, Leipzig, Karl-Marx-Stadt oder Gera warten auf frischen Seefisch, und die Fischer wissen das. Ihre Arbeit ist oftmals härter als an Land, doch sie haben sich daran gewöhnt und sie sind stolz auf ihren Beruf, auf ihre Arbeit. Die Bestleute, Windenfahrer und Matrosen müssen bei Tag und Nacht, bei Hitze und Kälte, bei Wind und Regen das Fanggeschirr aussetzen, das Netz einholen, den Übergabesteert füllen, den Fang übergeben, die Netze flicken und vieles andere mehr. Dabei wird im kräftezehrenden 6-Stundentörn gearbeitet, d.h., 6 Stunden Arbeit, 6 Stunden Freizeit, teilweise mehr als 100 Tage lang. Dazwischen gibt es keinen freien Sonnabend, keinen Sonn- oder Feiertag . In den 6 Stunden Freiwache können die Matrosen schlafen, sie müssen sich aber auch waschen, ihre Wäsche in Ordnung bringen, möchten mal ins Bordkino gehen, ein Buch lesen... Allerdings werden die auf See verbrachten Sonnabende, Sonn- und Feiertage nach der Rückkehr an Land als Freizeit vergütet. Zusammen mit dem Jahresurlaub und einem zusätzlich gewährten freien Tag je Monat See-Einsätze können die Hochseefischer mitunter ein Vierteljahr zusammenhängenden bezahlten Landurlaub verbringen. Die Decksleute verrichten ihre Arbeit draußen, bei jeder Jahreszeit, bei jedem Wetter. Vergessen wir aber auch die Produktionsarbeiter nicht, die im «Schiffsbauch» der schwimmenden Fabrik Fische sortieren, köpfen, filetieren, frosten oder unter ebenfalls schweren Bedingungen in der Fischmehlproduktion arbeiten. Oder betrachten wir die Nautiker, denen die Schiffsführung und die Leitung des Fangprozesses obliegen. Alle haben - mit den nichtgenannten Besatzungsmitgliedern, deren Arbeit ebenfalls für den Schiffsbetrieb lebensnotwendig ist - die langen Fahrenszeiten gemeinsam, die Trennung von Frau und Kind, von der Braut und anderen lieben Menschen . . . Denken wir auch an die Erziehung der Kinder, die so fast ausschließlich Angelegenheit der Ehefrauen bleibt. Danken wir an dieser Stelle den Hochseefischerfrauen, die durch ihre Opferbereitschaft die Arbeit ihrer Männer erst ermöglichen. Das alles klingt für unsere jungen Leser vielleicht recht abschreckend und gar nicht so nach Seemannsromantik, doch es gibt nicht nur schwere Arbeit an Bord. Eine sinnvolle Freizeitgestaltung, planmäßige Qualifizierung, Sport und viele schöne und interessante Erlebnisse lassen den Beruf des Hochseefischers mit seinen verschiedenartigsten Tätigkeiten immer attraktiver werden. * Über Fang und Fangübergabe wurde schon berichtet, deshalb möchte ich Sie jetzt einmal auf so einem Schiff herumführen und Sie mit dem Leben an Bord etwas vertraut machen. So ein großer Pott wie die «Junge Garde» ist eine Mischung von schwimmender Fabrik und Hotel. 170 Besatzungsmitglieder sind an Bord, davon arbeiten mehr als 100 unter Deck in der Produktion, selbstverständlich an modernen, mechanisierten Fischverarbeitungsmaschinen. Es gibt ein Bordkino, einen Fernsehraum, eine umfangreiche Bibliothek und... doch immer hübsch der Reihe nach... Am meisten beeindruckt hat mich die große viermotorige Hauptantriebsanlage. Jeder der 1750 PS starken Dieselmotoren hat einen anderen Namen, und das kam so: Als das Schiff in Dienst gestellt wurde, zeigte - wie vermutlich immer bei der Inbetriebnahme eines Schiffes - jeder Motor seine Eigenheiten. Und je nachdem, wie die Motoren liefen, bekamen sie Namen. Da gab es «Ludwig den Frommen», «Iwan den Schrecklichen», «Balduin den Duldsamen» und «August den Starken». Die Kollegen Maschinenassistenten bewiesen viel Humor. Sie fertigten Messingschilder mit diesen Namen an und befestigten sie an den betreffenden Motoren. Nicht nur die Hauptmaschinenanlage, die das Schiff antreibt, auch die Stromversorgungsanlage für den gesamten Schiffsbetrieb, Aggregate zur Erzeugung von Dampf zur Entsalzung des Meerwassers, die Kühlmaschine und 1000 andere Dinge müssen gewartet, gepflegt, betriebsfähig gehalten werden, und das bei mitunter beachtlichen Wärmegraden und Seegang... * Auf allen FVS und den TVS gibt es einen Schiffsarzt, ein Hospital mit Behandlungs- und Operationsraum, verschiedenen Krankenkammern mit Schlingerkojen, Bädern usw. Auf den Großschiffen «Junge Garde» und «Junge Welt» fahren außer dem Arzt noch 2 ausgebildete Krankenschwestern mit. Mit dem Schiffsarzt der «Jungen Garde», einem Chirurgen aus Thüringen, hatte ich im Hospital schon Möglichkeiten der Diagnose und Therapie an Bord im Bild festgehalten; was mir noch fehlte, war das Fotografieren einer Operation an Bord. - Tage danach war es soweit, ein Blinddarm machte sich bemerkbar. Eine Stewardeß, ein hübsches Mädchen, klagte über Schmerzen an der bewußten Stelle. Anderentags wurde die Operation ausgeführt. Die Op-Schwester, «Bestmann» des Hospitals genannt, war für die Anästhesie zuständig sowie für die Vorbereitung des Eingriffs. Bevor die Operation begann, sprach der Chirurg mit der «Brücke» und teilte sein Vorhaben mit. Er bat, das Schiff - wenn möglich - geradeaus zu fahren. Es mag sein, daß das schnell vergessen wurde, auch drängten die Steertübernahmen. Kurzum, das Schiff vollführte die üblichen Wendebewegungen. Justament, als der Chirurg den Leib des Mädchens geöffnet und die erste Darmschlinge gezogen hatte, gab es einen Knall. Das zur Operation benutzte sterile Besteck ging zu Boden. Was nun? dachte ich, die Schwester zog wortlos ein Schubfach auf, entnahm ihm ein neues, steriles Besteck, und die Operation ging weiter. Ich fotografierte fleißig mit und bemerkte, daß sowohl der Operateur als auch seine beiden Assistenten ab und an zu mir schielten. Vermutlich warteten sie auf meinen «Abgang». Für sie war ich eben Laie, dazu der Äthergeruch und immerhin Windstärke 6... Der Höhepunkt war jedoch noch nicht erreicht, denn bei einer erneuten scharfen Wendung des Schiffes fiel auch noch das Narkosetischchen um, auf dem immerhin 2 Ätherflaschen standen! «Gute Luft», dachte ich, «in einer halben Minute schläft hier nicht nur der Patient, sondern auch der Chirurg, seine beiden Assistenten und - ich sind weg.». «Bull's-eyes auf», rief der Arzt und schaffte so Lüftung. Die Schwester holte eine neue Flasche, und nun wurde der «Appendix» entfernt. Mit einer «Matrazennaht», wie sich der Chirurg ausdrückte, wurde die Operation zum guten Ende gebracht. * An Bord wird viel gebastelt. Manche schnitzen, fertigen Metallarbeiten, knüpfen Teppiche oder bauen Schiffsmodelle. Diese Hobbys haben ihren Ursprung sicherlich in der Segelschiffszeit. Während der damaligen langen Reisen entstand so manches «Buddelship», oder manche Schnitzerei. Viel wird auch gelesen, die Buchbestände werden nach jeder Reise ausgetauscht. Viel Liebe verwenden unsere Hochseefischer auch für die Ausschmückung ihrer «Kammer», ihres Wohn- und Schlafraumes an Bord. Bilder von Frauen und Bräuten (bei ledigen auch von Magazin-Mädchen) schmücken die Wände. Käfige mit Vögeln - die seefest sein müssen wie ihre Besitzer - kann man ebenso bewundern wie fabelhaft eingerichtete Aquarien mit Guppys, Skalaren, Neontetras, Buntbarschen u.a.m. Bei starkem Seegang wird die Hälfte des Wassers abgezogen, und die Süßwasserfische überstehen die Schaukelei ebenfalls. Die Liebe zum «Grünzeug» hat mich sehr beeindruckt. Grünpflanzen findet man fast in jeder Kammer, und sie sind alle gut gepflegt. Bei aufmerksamer Betrachtung dominieren 2 Dinge: die Sehnsucht nach dem schönen Geschlecht und die nach Grünem. Beliebte Präparierobjekte der Fischer sind Hummer, Seespinnen, Seesterne und Taschenkrebse. Auch der sogenannte «Seehase» wird gern präpariert und dann wie ein «Mobile» an die Zimmerdecke gehängt. Die dicke, see-grüne, gallertartige Fischhaut wird vorsichtig abgezogen, mit Knüllpapier ausgestopft und getrocknet. Als Meister ihres Faches weisen sich die Matrosen aus, die Hummer präparieren: Die Tiere werden getötet, dann in die Einzelteile wie Scheren, Schwanz, Leib und Beine zerlegt, das Fleisch wird daraus mühsam entfernt. Nach dem Trocknen werden die Tiere kunstgerecht zusammengesetzt, auf ein Brett montiert, und der Wandschmuck ist fertig. Ich habe Hummer gesehen, die mit der respektablen Länge von einem Dreiviertelmeter die Zimmerwände schmückten. * Sportfeste an Bord sind nur auf den Reisen vom und zum Fangplatz möglich. Gelegentliche Expander- oder Hantelübungen werden mehr oder weniger individuell betrieben. Dagegen sind Tauziehen, Luftgewehrschießen, Gewichtheben, Klimmzüge, Volleyball (mit angeleintem Ball) besonders beliebt. Daß die ausgesetzten Preise meist aus Alkoholika bestanden, empfand ich als weniger sportlich. Ein gutes Beispiel regelmäßiger sportlicher Betätigung erlebte ich auf der «Jungen Welt». Die Op-Schwester und 2 andere weibliche Besatzungsmitglieder trieben regelmäßig Sport. Zweimal in der Woche turnten sie auf dem sogenannten «Hubschrauberdeck» Bodenübungen. Viel Vergnügen bereitet in der heißen Jahreszeit das schiffseigene Schwimmbassin. Es besteht zumeist aus einer auf dem Vordeck aufgespannten und mit Seewasser gefüllten Persenning oder einem umgekehrten Lukendeckel, der den gleichen Zweck erfüllt - Badefreuden im Atlantikwasser. Nun zu meinem Lieblingsthema, dem Essen an Bord! Soweit ich das übersehen kann: Es wird nirgends so gut gekocht und so viel gegessen wie an Bord! Das hat seine Gründe; denn der leiblichen Genüsse sind wenige. Schnaps und Bier sind rationiert, mit der Liebe liegt es im argen, und so bleibt - das Essen. Was sich die Mannschaft der Kombüse so alles einfallen läßt, um dreimal am Tage ein vorzügliches warmes Essen auf die Back (sprich: Tisch) zu bringen, wird man im besten Interhotel vergeblich suchen! Zusätzlich gibt es während der Fischerei allnächtlich zur Wachablösung um 0 Uhr ein wunderbares Eintopfgericht. Das kocht meist der Bäcker - wenn er seinen Brotsauerteig anrührt - so ganz nebenbei. Auf allen Großschiffen bis teilweise zu den Zubringertrawlern werden täglich frische Brötchen und mindestens 2, wenn nicht 3 Sorten Brot angeboten. Die Qualität der Backwaren ist ausgezeichnet, mancher Landbetrieb könnte sich eine dicke Scheibe davon abschneiden! Auch erhält jedes Besatzungsmitglied, wenn es Geburtstag hat, aus der Kombüse gratis eine Torte. In der Fischereiflotte sind gute Köche gefragt. Übrigens: Sagen Sie nie zu einem Schiffskoch «Smutje», das Wort kommt aus dem Holländischen und bedeutet soviel wie Schmutzfink. - Doch genug vom Essen. Getrunken wird an Bord Malzkaffee, Kräutertee und Kakao. Kaufen kann man Bohnenkaffee, Bier, Brause, Cola, Selters. Am meisten hat mir - zum Gelächter aller Seeleute an Bord - immer die frische Milch gefehlt. (Bordeigene Kühe sind noch nicht erfunden!) * Bei der Anreise zum USA-Schelf habe ich auf einem FVS einen Sturm erlebt, der sich gewaschen hatte. Während des Frühstücks kam eine Durchsage von der Brücke: Alle Bulleyes zu, alle Schotten dicht. Es nähert sich ein Orkan..." In den nächsten 3 Tagen war die Hölle los! Fahrt machten wir so gut wie nicht mehr, wir gingen gegen den Sturm an! Gegessen haben wir immer weniger; auf der Back (auf den Tischen) in der Messe lagen nasse Handtücher, um das Rutschen des auf das Notwendigste reduzierten Geschirrs zu vermeiden. Als der Dampfer wieder einmal mächtig überholte (krängte), räumte sich der Tisch mit einem Schlag selbsttätig ab. Stellen Sie sich das bildlich vor: Sie sitzen am Tisch, halten mit der einen Hand den Teller mal links, mal rechts schräg, mit den Beinen am Tischbein festgeklammert, und mit einmal rutscht alles, was sich auf dem Tisch befindet, nach links (oder rechts) ab und fällt zu Boden: Suppenschüsseln, Teller, Bestecke, Fleischplatten, Kaffeekannen und Tassen usw. - Sie selbst, wenn es Ihnen nicht gelingt, sich festzuklammern, machen samt Ihrem Stuhl und Ihren Nachbarn die Reise bis zur nächsten Wand mit. Einen Moment später, wenn das Schiff sich zur anderen Seite neigt, geht die Fahrt umgekehrt! Die Wirklichkeit ist schlimmer, als sich das schreibt. - Schlimm ist auch, wenn man nicht mehr schlafen kann - auch in der Koje rollt man von einer Seite auf die andere! Ist der Sturm vorbei, kann es noch immer tagelang dünen, d.h., daß das Meer - trotz blauem Himmel - noch immer mit hohen Wellen aufwartet und das Schiff entsprechend schaukeln läßt. Wer jedoch seefest ist, kann sich an den tobenden Elementen durchaus erfreuen: Haushohe Wellen kommen auf das Schiff zu und lassen es auf- und abtanzen. Die Luft ist voller Salzgischt, der Sturm heult und pfeift. Die Wogen tragen weiße Kämme, und die Möwen fliegen knapp darüber hin. An Fischerei ist dabei natürlich nicht zu denken, sie ruht, bis der Sturm sich ausgetobt hat. Man sagt, Seeleute seien abergläubisch; das stimmt. Es ist sicher noch ein Rudiment der Segelschiffszeit. Bedingt durch die hölzerne Konstruktion, ächzte, knarrte und stöhnte es im ganzen Schiff. Daraus spannen dann die Fahrensleute ihr Garn. Aberglaube gehört heute der Vergangenheit an. Doch kleine Rückfälle gibt es schon noch. So erlebte ich auf einem Kutter, daß sich die Kapitäne per Sprechfunk nie über Fische unterhielten. Sie sprachen nur von «schlechter Ware», «mittlerer Ware», von «Dreck» usw. Nie aber von Fischen! In der gesamten Flotte - so könnte man meinen - wird der Fisch in die Netze hineingestöhnt; ständig wird über den geringen Fang geklagt und gejammert! Auf einem FVS habe ich erlebt, daß der Kapitän nach dem ersten Hol eine noch lebende Makrele ins Wasser warf und dazu sagte: «Geh, hole die anderen!» Im selben Zusammenhang steht - so scheint mir - das Tragen längst «fälliger» alter Mützen (1000-Korb-Mütze) oder von Filzlatschen und alten Pullovern, die während der Reise nicht gewechselt werden dürfen. Es soll früher sogar Zeiten gegeben haben, da durfte sich an Bord niemand waschen, geschweige denn rasieren. Inzwischen hat sich vieles geändert. - Es ist sogar schon mal ein Fischereifahrzeug an einem Freitag ausgelaufen, der auf den 13. fiel! * Die Fischerei an sich ist für uns «Landratten» hochinteressant! Spannend wurde es, als während des Makrelenfanges mit einem Hol 8 Grindwale ins Netz gingen. Leider waren die Tiere - bedingt durch die langen Schleppzeiten - tot. Die Fischer sehen diese Tiere im Wasser gern. Wo der Wal ist - ist auch der Fisch; so sind die Wale lebende Fischortungsgehilfen. Lange vorher hatte ich diese Tiere am Fangplatz beobachtet. In «Schulen» von 6 bis 8 Stück hoben sich alle gleichzeitig aus dem Wasser, um - nach vorn abrollend - darin zu versinken. Es sah etwa so aus, als ob sich drehende Räder aus dem Wasser erhoben, um sogleich wieder unterzugehen! Beim Vergleich mit den Rädern kommt mir die Haut der Grindwale ins Gedächtnis. Sie sieht aus wie die Oberfläche alter, abgefahrener Autoreifen: genauso schwarz, glänzend und zerschrunden! Als die Tiere aus dem Netz gepult waren, wiesen sie die beachtlichen Längen von 3 bis 5 m auf! Der Körperbau ist ziemlich plump, das verschließbare Spritzloch zum Atemholen sitzt auf dem runden Kopf, der zigarrenförmig in den Leib übergeht. Während anderer Reisen mit unserer Fischereiflotte habe ich verschiedene Wale gesehen, meist weit entfernt und vielfach nur die meterhohe «Dampfwolke», die ausgestoßene Atemluft. Mitunter werden auch Delphine aus dem Netz geholt, ebenfalls tot - leider! In einem Netz befanden sich einmal ein Jungtier, etwa 1m lang, und die Mutter dazu, 3m lang. Wahrscheinlich war das «Baby» zuerst ins Netz geraten, die Mutter versuchte es zu retten und schwamm hinterher... Über die Possierlichkeit, ihre Ausdauer usw. ist schon viel geschrieben worden; hier nur dies: Nie hätte ich geglaubt, daß sie so schnell schwimmen können! Sie schießen wie Pfeile durchs Wasser, und zum Scharfstellen des Fotoapparates bleibt keine Zeit. Man kann nur die Entfernung schätzen und draufhalten. Von allen Reisen besitze ich nur ein brauchbares Foto, das einen Delphin im Wasser zeigt; ich glaube, es handelt sich um einen Tümmler! Haifische sehen tückisch aus, unheimlich mit dem an der Unterseite liegenden Maul, aber zugleich sehr elegant in ihrer, dem Wasser geringsten Widerstand bietenden Körperform. Genau betrachtet, erinnern sie an den Rumpf eines modernen Düsenklippers. Sie sind so gefräßig, daß sie sich - obgleich sie sich im Netz befinden - noch das Maul mit Makrelen oder Heringen vollstopfen! Die Haut einiger Arten fühlt sich an wie Sandpapier, und - gleich werden Sie lachen - in einigen Ländern wird sie auch statt dessen benutzt! Haie, die als Beifang in die Netze gehen, sind meist Dorn-, Herings- oder Blauhaie mit Körperlängen zwischen 0,75 bis 3m. Erwähnenswert ist sicher noch das Gebiß der Tiere. 4 (!) Zahnreihen stehen hintereinander -messerscharfe Haifischzähne! * Es war im Frühjahr, ich erlebte die Jagd auf Makrele auf dem Fangplatz USA-Schelf, das ist etwa vor der Haustür von Washington. In unvorstellbaren Mengen gingen die Tiere in die Netze. Fänge von 1000 Korb und darüber, das sind etwa 50 t, mit einem Hol waren an der Tagesordnung. Die Makrele ist ein vorzüglicher Fisch, wenn man versteht, sie richtig zu behandeln. Unmittelbar nach dem Fang muß man sie zum Halbfertigerzeugnis verarbeiten, d. h., ohne Zwischenlagerung frosten, transportieren, an Land in schmackhafte Räucherwaren und Konserven verwandeln und der Bevölkerung frisch anbieten. In der vergangenen Zeit ist uns das nicht immer gelungen, und so ist die Makrele - zumal der Hering sich rar machte - etwas in Verruf geraten. Dies geschah übrigens zu Unrecht. Nicht die Makrele war schuld, sondern das, was aus dem armen Fisch gemacht wurde. Inzwischen erweist sich in vielfältigen Verarbeitungsangeboten die einst so verschmähte Makrele als doch sehr schmackhaft. Ende | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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