Volker Brokop


Bemerkungen  -  Meinungen  -  Kommentare

 

Bei den hier zusammengestellten Texten handelt es sich um zeitlich ungeordnet aufgeführte Forenbeiträge, Leserbriefe und Bemerkungen zum Zeitgeschehen aus den Jahren 1998-2011. Diese Seite wird regelmäßig durch weitere Texte ergänzt.



Inhalt:

Aufzählung Gott im Gehirn?  (Januar 2012)
 
Aufzählung Offener Brief zur Leserbriefdiskussion in der Wuppertaler Rundschau  (Januar 2012)
 
Aufzählung Prophetisch-mathematischer Gottesbeweis?  (Januar 2012)
 
Aufzählung Leserbriefdiskussion: "Strategien der Evolution"  (Januar 2012)
 
Aufzählung Leserbrief zu untenstehender Bemerkung "Auf ein Wort" (Dezember 2011)
 
Aufzählung Auf ein Wort! - Oder: Auf Darwins Spuren  (Dezember 2011)
 
Aufzählung Von glauben und Glauben  (Oktober 2011)
 
Aufzählung Ethische Grundlagen meiner persönlichen Lebensführung (November 2008)
 
Aufzählung Anselm Grün und die "Innere Quelle" (Oktober 2011)
 
Aufzählung Der Antichrist im Karnevalskostüm - Bemerkung zum Papstbesuch in Deutschland (September 2011)
 
Aufzählung Leserbrief: Bemerkung zum Bio-Eier Skandal  (November 2008)
 
Aufzählung Leserbrief: Baumvernichtung in Wuppertal  (2007)
 
Aufzählung Bemerkung zum "Weltmännertag"  (Oktober 2007)
 
Aufzählung Mit Moses gegen die Humanität  (August 2005)
 
Aufzählung Leserbrief: Tauben in unseren Städten  (März 2004)
 
Aufzählung Vom Umgang mit Autoritäten  (Oktober 2006)
 
Aufzählung Kardinal Meisner und die Abtreibung  (Oktober 2003)
 
Aufzählung Schizophrenie in der deutschen Außenpolitik?  (Dezember 2002)
 
Aufzählung Randbemerkungen  (Juni 2006)


 


Gott im Gehirn?

Antwort auf einen Artikel des Wuppertaler Pastoralreferenten Dr. Werner Kleine im Blog der katholischen Citykirche mit dem Titel:
"Gott - mehr als nur bunte Bildchen im menschlichen Gehirn"

Daß die Neurobiologie sich intensiv mit der Frage nach Gott beschäftigt, ist einerseits sehr interessant, andererseits aber wird man auf diese Weise niemals zu endgültigen Ergebnissen kommen, das ist meine Überzeugung als Laie. Was im Text nur angedeutet wurde, sollte etwas genauer betrachtet werden, denn natürlich können Hirnforscher mit den entsprechenden Verfahren abbilden, was in der Physiologie oder im Stoffwechsel des Gehirns geschieht, wenn ein Mensch betet oder meditiert, aber welche Bedeutung die Meditation und das Gebet für einen Menschen haben, liegt prinzipiell außerhalb aller naturwissenschaftlicher Beobachtbarkeit, das ist das Problem. Ob ein religiös gläubiger Mensch aus seinem Glauben ethische oder moralische Überzeugungen ableitet, oder mit welchen Identifikationen sich der Glaube an Gott verbindet, das alles läßt sich nicht mit bildgebenden Verfahren abbilden oder aus der Analyse des Hirnstoffwechsels ablesen.

Gewiß, es gibt vermutlich keinen Weg zurück zum klassischen Dualismus, der es für möglich hält, daß Materie und Geist unabhängig voneinander existieren könnten, aber dennoch bleibt es ein erstaunliches Phänomen, daß geistige Tätigkeit auf die Materie zurückwirkt, die den Geist hervorbringt.

Für die Naturwissenschaft ist das Problem der sogenannten Qualia bis heute ungelöst und wird es vermutlich auch immer bleiben. Mit Qualia sind die rein subjektiven Erlebnisgehalte von Wahrnehmungen und Empfindungen gemeint, der absolute Unterschied zwischen objektiv Nachweisbarem und subjektiv Empfundenem also. Natürlich können wir im Labor abbilden, was im Gehirn rein physiologisch geschieht, wenn ein Mensch Freude oder Leid erlebt, aber wie sich Freude und Leid rein subjektiv für einen Einzelnen anfühlen, das läßt sich aus den Abbildungen in keinster Weise ableiten und niemand kann exakt das nachfühlen, was der Andere empfindet, bzw. wie er es empfindet.

Die Aussage daß "physisch etwas geschieht, wenn ein Mensch mit Gott in Beziehung tritt", ist sicherlich rein hirnphysiologisch richtig, allerdings ist das kein Hinweis darauf, daß Gott etwas ist, das von Außen an den Menschen herantritt. Für mich persönlich ist Gott niemals etwas anderes, als eine Art Erfahrungstatsache in der rein subjektiven Erlebniswirklichkeit eines einzelnen Menschen, inwieweit aber die innere Erlebniswirklichkeit mit der äußeren Wirklichkeit übereinstimmt ist ein großes Problem. Und letztlich muß dieses Problem sozusagen naturgemäß ungelöst bleiben, da Gott rein wissenschaftlich weder beweisen noch widerlegt werden kann. Es kommt also, genau betrachtet, nicht darauf an, ob es Gott wirklich gibt, sondern was Glaube oder Unglaube für einen einzelnen Menschen bedeuten.

Was das Verhältnis von Geist und Materie betrifft, so halte ich die Vorstellung des Parallelismus für am sinnvollsten:

Gehirn und Gebet - Detlef Linke im Gespräch

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Leserbriefdiskussion in der Wuppertaler Rundschau

In Reaktion auf meinen Leserbrief "Auf ein Wort" hat es in der  Wuppertaler Rundschau  eine kleine Leserbriefdiskussion gegeben, auf welche
Stadtdechant Bruno Kurth in einem  Blog  der katholischen Citykirche Wuppertal mit einer  Stellungnahme  reagiert hat. Hier nun meine Antwort an Herrn Dr. Kurth in Form eines offenen Briefes, welchen ich auch im Blog der Citykirche veröffentlicht habe:


Sehr geehrter Herr Dr. Kurth,

mit einigem Erstaunen habe ich diesen Blogeintrag entdeckt, freue mich aber darüber, daß mein Leserbrief tatsächlich solch eine Debatte ausgelöst hat, viel mehr noch aber darüber, daß Sie an dieser Stelle darauf eingehen. Zunächst muß generell angemerkt werden, daß ein Leserbrief natürlich möglichst kurz formuliert werden muß, um überhaupt veröffentlicht zu werden, insofern kann man dem äußerst komplexen Thema “Naturwissenschaft und Religion” auf diese Weise sicher nicht gerecht werden. Sie haben sich in Ihrem obigen Beitrag auf mehrere Leserbriefe bezogen, ich kann natürlich nur zu meinen eigenen Aussagen Stellung beziehen, was ich hiermit sehr gerne tue.

Eine fundamentale Übereinstimmung gibt es meinerseits selbstverständlich tatsächlich, und sie entspricht exakt meinem Plädoyer für das, was ich als “intellektuelle Redlichkeit” bezeichnet habe, denn natürlich ist es vollkommen unmöglich, Gott mit den Mitteln der Naturwissenschaften zu beweisen oder zu widerlegen. Allerdings muß ich direkt eine entscheidende Ergänzung hinzufügen, denn es kommt darauf an, was man unter dem Begriff Gott versteht, da ich die Behauptung aufstelle, daß es sich bei diesem Begriff um einen der beliebigsten Begriffe des gesamten menschlichen Wortschatzes handelt. Diese Behauptung ist auch sehr einfach zu begründen, da der Gottesbegriff sich mit beliebig vielen Inhalten füllen und mit beliebig vielen Identifikationen verbinden läßt. Es ist vollkommen unmöglich, objektive oder absolute Aussagen über Gott zu machen, insofern kann Gott niemals ein Gegenstand irgendeiner naturwissenschaftlichen Methode sein.

Etwas anders aber verhält es sich, wenn man von Gott als dem Schöpfer der Welt spricht, und darauf bin ich in meinem Leserbrief eingegangen. Für mich ist nicht die Frage interessant, ob ein Mensch an Gott glaubt, mich interessiert, welche Vorstellungen sich dahinter verbergen und welche Bedeutung es für den Einzelnen hat, an Gott zu glauben oder eben auch nicht.

Um aber beim Thema Naturwissenschaft und Religion zu bleiben, so kann man tatsächlich redlicherweise sagen, daß sowohl die Evolutionsbiologie als auch die Kosmologie inzwischen über sehr sinnvolle Modelle und wissenschaftliche Theorien verfügen, die keinerlei schöpfungstheologischer Ergänzung bedürfen, um die Entstehung des Lebens oder der Welt plausibel zu begründen. Unter Ihrer Bemerkung haben Sie, Herr Dr. Kurth, meine Website mit einigen meiner Bemerkungen verlinkt, aus dieser Seite zitiere ich eine Aussage des Theologen Eugen Drewermann, der in mehreren sehr umfangreichen Büchern den Kenntnisstand sowohl der modernen Biologie, als auch der modernen Kosmologie zusammengefaßt hat:

“Das Problem ist nicht, daß wir nicht erklären können, wie lebende Strukturen sich zu bilden vermögen, das Problem ist, daß wir nicht wissen, welche der an sich möglichen Erklärungen zutrifft, welch einen Weg das Leben historisch wirklich genommen hat. [...] Man braucht Gott nicht mehr, um zu erklären, warum es das Sonnensystem gibt, man braucht Gott nicht mehr, um zu erklären, warum es das Leben auf der Erde gibt, und man braucht ihn auch nicht mehr, um zu erklären, warum es uns Menschen gibt.”

Diese Aussage hat mich sehr lange beschäftigt, und sie bestätigt nur, was tatsächlich heute Stand der naturwissenschaftlichen Forschung ist. Natürlich aber bleibt es dabei, daß jede neue Antwort immer neue Fragen aufwirft; daß sozusagen jedes neue Wissen den Stand unseres Nichtwissens riesig noch erweitert, aber ist denn die Erklärung Gott als Antwort auf vielleicht prinzipiell unbeantwortbare Fragen eine zufriedenstellende Alternative? Für mich persönlich jedenfalls nie und nimmer.

Dann muß ich noch eingehen auf eine meiner Aussagen aus meinem zweiten Leserbrief in der Diskussion in der Wuppertaler Rundschau, dort habe ich geschrieben: “Es ist enorm wichtig, daß vor allem jungen Menschen ein möglichst realistischer und an nachweisbaren Fakten orientierter Zugang zur Wirklichkeit ermöglicht wird.” Diese Bemerkung bezieht sich selbstverständlich nur auf den Bereich der Naturwissenschaften, da ich seit vielen Jahren mit großer Sorge immer wieder mitbekomme, was in Kreisen sogenannter “Kreationisten” und Anhängern des "Intelligent Design" geglaubt und auch in Deutschland in immer mehr Privatschulen neben dem Biologieunterricht gelehrt wird. Speziell für die Katholische Kirche ist dieses Thema nicht ganz einfach, da sie sich einerseits in einigen offiziellen Verlautbarungen von dem Gedankengut derartiger Kreise distanziert, andererseits aber ihre eigene Vorstellung von der sogenannten “reinen Schöpfungslehre” (siehe Weltkatechismus) nicht aufgeben möchte, ich verweise zur Verdeutlichung auf einen Artikel von Christoph Kardinal Schönborn, der im Juli 2005 unter dem Titel  "Keine Evolution durch blinden Zufall!"  in der New York Times erschienen ist:

An dieser Stelle ist sicher kein Raum für einen naturwissenschaftlichen Exkurs, aber der Aspekt des Zufalls in der Evolution sollte zumindest soweit verstanden werden, daß er nicht besagt, daß es in der Natur Entwicklungen gibt, die keine Ursache und keinen Sinn haben, wohl aber solche, die keiner höheren Absicht folgen und deren Ziele erst mit ihrer evolutiv notwendigen Zielsetzung entstehen; diese Zielsetzungen aber lassen sich nicht plausibel mit einem Schöpfungsplan in Zusammenhang bringen.

Abschließend weise ich darauf hin, daß es ausdrücklich zur naturwissenschaftlichen Methode gehört, Verfahren anzubieten, mit denen Hypothesen und Theorien überprüft, also entweder bestätigt, ergänzt oder widerlegt werden können. Nur die Religion nimmt für sich in Anspruch, über ewige und unverhandelbare Wahrheiten zu verfügen, wenn sie in vermeintlich "heiligen Schriften" dargelegt wurden, das halte ich für äußerst problematisch.

Wie auch immer, jedenfalls freue ich mich über jeden Dialog über derartige Fragen und Themen, denn wenn es Wahrheiten über das menschliche Dasein, oder über die Tatsache der Welt gibt, erkennen wir sie nur über einen offenen Dialog, das ist meine Überzeugung.

Es grüßt Sie freundlich aus Barmen,

Volker Brokop

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Prophetisch-
mathematischer Gottesbeweis?

Auf meinen Leserbrief "Auf ein Wort" erhielt ich Post von einem Wuppertaler Bürger, hier in leicht gekürzter Form meine an ihn gesendete Antwort:

Guten Tag Herr ***

Auf Ihre Reaktion auf meinen Leserbrief gehe ich gerne ein, muß Ihnen aber mitteilen, daß mir alle Argumente und Autoren, die Sie anführen, sehr gut bekannt sind, ebenso wie die Arbeit der „Studiengemeinschaft Wort und Wissen.“ Eben weil ich weiß, was in solchen Kreisen versucht wird, ist es aus meiner Sicht notwendig, öffentlich deutliche Gegenakzente zu setzen. Zunächst muß ich darauf hinweisen, daß die auch in Ihrem Brief zitierte Aussage von Sir A. Keith in dieser Form nie von ihm getätigt worden ist, zumindest läßt sie sich aus seinen Schriften nicht nachweisen, aber selbst wenn Keith diese Aussage tatsächlich so formuliert hätte, so hat die Evolutionsbiologie seither enorme Fortschritte gemacht, die er so gar nicht vorausahnen konnte. Daß diese Aussage aber von Evolutionsleugnern und Kreationisten sehr gerne verwendet wird, ist nur ein weiterer Beweis für das wesentlich unredliche Vorgehen dieser Kreise, denn ebenso kursieren dort z.B. bewußt verfälschte Aussagen von Albert Einstein.

Des weiteren  deuten Sie den sogenannten „prophetisch-mathematischen Gottesbeweis“ von Werner Gitt an, auch diese Veröffentlichung ist mir durchaus bekannt. Diese Konstruktion aber ist so lächerlich, daß ich immer wieder staune, wie vernunftbegabte Menschen sich davon beeindrucken lassen können. Um aber ganz seriös darauf zu antworten, argumentiere ich religionswissenschaftlich, denn im Hintergrund steht ein nach wie vor weit verbreiteter Irrtum, der allen christlichen Glaubenslehren auch heute noch zugrunde liegt, dieser Irrtum besteht in der falschen Wörtlichnahme biblischer Texte. Um es möglichst kurz zu sagen, geht es zunächst um den Weg des historischen Jesus zu der mythischen Gestalt des Christus als Gottessohn. Tatsache ist nämlich, daß die frühen christlichen Gemeinden uralte mythische Vorstellungen auf Jesus übertragen haben; die biblische Vorstellung des Gottessohnes stammt aus der Kultur des alten Ägyptens, der direkte Vorläufer des auferstandenen Christus ist der altägyptische Totengott Osiris; generell ist vollkommen unabhängig davon die Vorstellung des „göttlichen Kindes“ in vielen anderen Kulturen in ähnlicher Form anzutreffen, sie ist ganz sicher keine „Erfindung“ des Christentums. (Gleiches gilt auch übrigens für die mythischen Vorstellungen von Jungfrauengeburt und Himmelfahrt.)

Zum weiteren Verständnis bestimmter biblischer Texte dient der Hinweis auf einen Mythos Mesopotamiens, die Erzählung vom Weisen Atramhasis aus der Zeit um 1700 vor Christus, der die Sintflut auf seiner Arche überlebt, gilt dieser Teil des Mythos doch als direkter Vorläufer der fast gleichlautenden Episode in der Bibel. Aber der Atramhasis-Mythos enthält noch mehr erstaunliche Erzählabschnitte, so z.B. einen Götteraufstand, die Erschaffung der ersten Menschen und die detaillierte Schilderung vieler Plagen, mit denen die Götter die zahlreichen und lärmenden Menschen zu vernichten suchten. Die biblischen Autoren haben diesen mythischen Erzählstoff lediglich aufgenommen und umgestaltet, auch hier sieht man, wie unhistorisch die Bibel an vielen Stellen erzählt, indem sie Motive aus viel älteren Überlieferungen übernimmt und miteinander verbindet.
Wenn aber jemand derartige Texte wörtlich nimmt, um daraus einen „prophetischen Gottesbeweis“ zu konstruieren, wie Werner Gitt es tut, erscheint mir das als sehr wenig glaubwürdig, denn wie soll man konkret davon ausgehen, daß sich die Prophezeiungen des Alten Testamentes erfüllt haben, wenn sich die Erfüllungen selber theologisch oder religionswissenschaftlich in keinster Weise halten lassen? Die vermeintliche Gottessohnschaft des Jesus von Nazareth ist Teil uralter und überkulturell weit verbreiteter mythischer Vorstellungen, keinesfalls aber eine erfüllte Prophezeiung.

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Leserbriefdiskussion: "Strategien der Evolution"

Die folgende Bemerkung habe als letzten Beitrag zur erwähnten Leserbriefdiskussion als Antwort auf eine öffentlich an mich gerichtete Frage verfaßt; der Text wurde in der Wuppertaler Rundschau veröffentlicht:

Herr *** stellt die Frage, woher der Mensch „seine Fähigkeit und seinen Drang zum Planen“ hat. Diese Frage läßt sich in der gebotenen Kürze recht plausibel beantworten, denn viele unserer Fähigkeiten und Möglichkeiten verdanken wir natürlich den Überlebensstrategien, die sich in Jahrmillionen im Laufe der Evolution herausgebildet haben: Nahrungssuche, Revierverteidigung und Jagd sind die Felder, auf denen es nötig wurde, immer höhere, immer komplexere Organisationsformen zu entwickeln.
Man bedenke ganz einfach, auf welch hohem strategischem und kooperativem Niveau bereits Schimpansen zum Beispiel auf der Jagd nach Stummelaffen vorgehen, so daß es sogar zu Vorformen von echter Arbeitsteilung kommen kann. Auch gezielte Herstellung und Einsatz von Jagdwaffen wurden beobachtet, Fähigkeiten und Verhaltensweisen also, die man bisher eher als rein menschlich zu betrachten geneigt war. Daß es auf der Ebene der biologischen Evolution irgendwann notwendig zu so etwas wie planvollem Handeln auf immer komplexerem Niveau kam, läßt sich allerdings nicht auf die Ebenen der Physik und der Chemie übertragen, wo es um das Zusammenwirken von Zufall und Notwendigkeit auf der Basis von Selbstorganisation geht.
Es ist enorm wichtig, daß vor allem jungen Menschen ein möglichst realistischer und an nachweisbaren Fakten orientierter Zugang zur Wirklichkeit ermöglicht wird.

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Auf ein Wort

Aus meiner untenstehenden Bemerkung abgeleiteter Leserbrief, der in der Wuppertaler Rundschau ungekürzt am 31.12.2011 veröffentlicht wurde:

Prinzipiell ist gegen die Rubrik „Auf ein Wort“, in welcher Kirchenvertreter sich zu Wort melden dürfen, nichts einzuwenden, inhaltlich aber sollte seitens der Redaktion der Wuppertaler Rundschau viel stärker darauf geachtet werden, daß diese Wortmeldungen möglichst unmissionarisch, vor allem aber in allen Einzelaussagen korrekt formuliert werden. In der Weihnachtsausgabe v. 24.12. ist unter dem Titel „Gott hat sich entschieden“ in einem gemeinsamen Artikel des katholischen Stadtdechanten Bruno Kurth und der evangelischen Superintendentin Ilka Federschmidt die Aussage zu lesen, daß „Gott als Ursprung allen Daseins, als Schöpfer“ geglaubt wird, und daß dieser Glaube, so wörtlich, „der modernen Evolutionstheorie nicht widerspricht“. Ein paar Sätze weiter ist zu lesen, daß „von Anfang an Gott Maria in seinen Plan einbezogen hat.“

Auf die historischen, philologischen und auch theologischen Fragwürdigkeiten solcher Aussagen kann im Rahmen eines Leserbriefes nicht näher eingegangen werden, deutlicher Widerspruch aber muß angemeldet werden aus naturwissenschaftlicher Sicht, denn die Vorstellung eines Gottes als Schöpfer der Welt, oder des Lebens, der in Verbindung mit einem Schöpfungsplan gedacht wird, ist gerade mit den Erkenntnissen der modernen Evolutionsbiologie absolut unvereinbar, da sich deutlich gezeigt hat, daß sich physikalische, chemische und auch die biologische Evolution auf der Erde an keiner Stelle nach teleologischen Wirkungsprinzipien vollzogen hat; auch läßt sich diese sichere Erkenntnis inzwischen ohne weiteres auf die Kosmologie ausweiten.

Wann immer Theologen sich den Anschein von Wissenschaftlichkeit geben, sollten sie sich wenigstens die Mühe machen, sich in ihrem
(Er-)Kenntnisstand auf der Höhe der Zeit zu bewegen, um argumentativ nicht allzuweit unter das heute mögliche Erkenntnisniveau zu fallen. Viel wird geredet über den vermeintlichen Widerspruch zwischen Religion und Naturwissenschaft, klar aber ist, daß die verschiedenen natur- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen sich nur dann in die Quere kommen, wenn sie ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereich überschreiten. Ebenso, wie die Religion weder die Aufgabe, noch auch nur die Möglichkeit hat, das Vorhandensein der Welt oder des Lebens schöpfungstheologisch plausibel zu begründen, sind die Naturwissenschaften außerstande, das menschliche Dasein umfassend zu interpretieren und darüber hinaus wertebildend zu wirken. Naturwissenschaft, Philosophie und Religion sollten sich gegenseitig auf sinnvolle Weise ergänzen, das aber setzt eine setzt eine gewisse intellektuelle Redlichkeit voraus.

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Auf ein Wort! - Oder: Auf Darwins Spuren

"Das Problem ist nicht, daß wir nicht erklären können, wie lebende Strukturen sich zu bilden vermögen, das Problem ist, daß wir nicht wissen, welche der an sich möglichen Erklärungen zutrifft, welch einen Weg das Leben historisch wirklich genommen hat. [...] Man braucht Gott nicht mehr, um zu erklären, warum es das Sonnensystem gibt, man braucht Gott nicht mehr, um zu erklären, warum es das Leben auf der Erde gibt, und man braucht ihn auch nicht mehr, um zu erklären, warum es uns Menschen gibt." - "Die Tatsache aber, daß es in der naturwissenschaftlichen Methodik nicht akzeptabel ist, eine weltimmanente Ursache als Tätigkeit Gottes zu interpretieren, oder Gott selber als eine Ursache für die Welt und in der Welt zu identifizieren, schließt einen ganzen Typ von theologiegeschichtlich vermittelter Reflexion über Religion heute definitiv aus." - (Eugen Drewermann, aus: "Wenn die Sterne Götter wären - Moderne Kosmologie und Glaube")

In der Ausgabe der Wuppertaler Rundschau vom 24.12. ist in der Rubrik „Auf ein Wort“ unter der Überschrift „Gott hat sich entschieden“ ein gemeinsamer Artikel des katholischen Stadtdechanten Bruno Kurth und der evangelischen Superintendentin Ilka Federschmidt erschienen, in welchem zu lesen ist, daß „Gott als der Ursprung  allen Daseins, als Schöpfer“ geglaubt wird, und daß dieser Glaube, so wörtlich, „der modernen Evolutionstheorie nicht widerspricht“.

Dieser Aussage muß energisch widersprochen werden, zumindest wenn dieser Schöpfer im Zusammenhang mit einem Schöpfungsplan gedacht wird, und ich nehme sie zum Anlaß, diesen Widerspruch in der notwendigen Ausführlichkeit zu begründen, denn richtig ist einerseits, daß die Evolutionstheorie zwar die Abstammung der Arten, (noch) nicht aber den Ursprung des Lebens vollständig erklären kann, was sie übrigens auch gar nicht primär zum Ziel hat, insofern also zunächst mit der Vorstellung eines Schöpfergottes vereinbar scheint. Andererseits aber zeigt gerade die heutige Sicht auf die Evolution, daß es an keiner Stelle der Entstehung und Entwicklung des Lebens irgendeiner Art von Planung oder Zielgerichtetheit, also keinerlei teleologischer Wirkungsprinzipien bedurfte, womit der Gedanke an einen Schöpfungsplan, und somit vernünftigerweise ja wohl auch der Glaube an Gott als Schöpfer, endgültig widerlegt ist. Das naturwissenschaftliche Erklärungsmodell zur Entstehung des Lebens, unter der Voraussetzung von einem ständigen Zusammenwirken von Zufall und Notwendigkeit, bedarf keinerlei schöpfungstheologischer Ergänzung, da sich deutlich gezeigt hat, daß immer wieder vollkommen unabhängig voneinander existierende Gegebenheiten bei einem ungeplanten, so gesehen also „zufälligen“, Zusammenwirken notwendig zu bestimmten Ergebnissen führen müssen, die aus ihren Ausgangsvoraussetzungen weder geplant noch zu erwarten waren. Ein ganz simples Beispiel: Sonne und Erde existieren vollkommen unabhängig voneinander, denn die Einstrahlung der Sonne auf die Erde war in der Bildung der Planetenkonstellation bei der Entstehung des Universums ganz sicher nicht geplant, dennoch wäre die Entstehung des Lebens auf der Erde ohne die Einstrahlung der Sonne vermutlich kaum möglich gewesen, das Zusammenwirken bestimmter Gegebenheiten auf der Erde und der Sonneneinstrahlung aber mußte notwendig - in diesem Sinne also „unzufällig“ - zu bestimmten Entwicklungen führen.

Um aber näher auf die Evolutionstheorie einzugehen, muß gesagt werden, daß einige ganz entscheidende Faktoren von vielen Theologen und Evolutionsleugnern stets unberücksichtigt bleibt, sei es aus Unkenntnis, oder aus ideologischen Gründen, und es ist an dieser Stelle unverzichtbar, einige naturwissenschaftliche Begriffe und Sachverhalte zum Zwecke einer kurzen Erläuterung anzuführen, die allerdings für das Verständnis des Weges von der physikalischen, über die chemische, bis hin zur biologischen Evolution unerläßlich sind.

Wir begreifen heute sehr gut die Prozesse des Übergangs von chemischen über präbiotische und schließlich zu biotischen Einheiten, als die logische Folge des Ineinandergreifens physikalischer, chemischer und biologischer Gesetzmäßigkeiten, und die Konsequenz daraus lautet schlicht, daß es an keiner Stelle der Entstehung des Lebens und seiner Entfaltung weder des Eingreifens eines Schöpfers, noch einer wie auch immer gearteten vorgängigen planerischen Kraft bedurfte. Zählen wir zur Verdeutlichung also zunächst einmal bestimmte Voraussetzungen auf, die entsprechend der Evolutionstheorie wirksam sein müssen, damit das Prinzip der Selektion, das diesbezüglich ganz entscheidend ist, sich auf der Ebene der Biologie vollziehen kann:

Die Individuen müssen selbstreproduktiv sein, die Replikation muß Mutationen aufweisen, und die Selbstreproduktion muß weitab vom chemischen Gleichgewicht verlaufen, infolgedessen ständig Zufuhr neuer chemischer Energie nötig ist. Wenn nun ein System diese drei Voraussetzungen der Selbstreproduktivität, der Mutagenität und des Metabolismus erfüllt, ist Selektion die unvermeidliche Folge. Es wird deutlich, daß wir das Prinzip der Selektion vor allem als Optimierung der Gene verstehen, allerdings nicht ohne das klassische Konzept des Darwinismus entscheidend zu modifizieren. Ein großes Problem der herkömmlichen Interpretation der Selektion ergibt sich aus der Ungerichtetheit der Mutationen. Erst als die Molekularbiologie weit genug fortgeschritten war, um Mutationen durch Klonen direkt nachzuweisen und durch Sequenzanalyse zu identifizieren, wurde es erforderlich und möglich - ich zitiere wörtlich aus dem Buch von Manfred Eigen, "Stufen zum Leben" - „Eine vollständige Uminterpretation des darwinschen Selektionsprinzips auf der molekularen Ebene, welche die neutralen Mutanten in einem neuen Licht erscheinen lassen“ vorzunehmen. Was Darwin natürlich noch nicht wissen konnte, ist die im Grunde seit über 20 Jahren bekannte Tatsache der Anwendbarkeit des Selektionsgedankens auf physikalische und chemische Vorgänge, was bedeutet, daß die Gesetze, nach denen das Leben sich entwickelt hat, sich auch auf seine Entstehung anwenden lassen. Genauer gesagt, verfügen wir heute über die notwendigen mathematischen Theorien autokatalytischer Systeme (Boolsche Zufallsnetzwerke), zudem über eine genügende physikalische Theorie der Bildung dissipativer Strukturen fernab vom thermodynamischen oder chemischen Gleichgewicht, und wir können präbiotische und biotische Systeme als Formen des Ausgleichs gegenüber den an sie angelegten Energiegradienten betrachten, alles das vor allem unter dem Einfluß der Selektion auf allen Ebenen der Wirklichkeit, insbesondere auf der Ebene der Herausbildung lebender Strukturen mit immer präziserem und komplexerem Informationsgehalt.

Was sich zudem in den letzten Jahren vor allem geändert hat, ist die Vorstellung, daß die Entstehung des Lebens auf der Ebene der sogenannten Prokaryoten (Organismen ohne Zellkern) und der Protozellen sich erst viel später ereignet hat, als die Entstehung der Erde selber. Es hat sich aber deutlich gezeigt, daß die Anfänge der Entstehung des Lebens (Bildung erster Aminosäuren und RNA-Molekülen) nahezu identisch war mit der Geschichte der Erde. Der Aufstieg, oder die Entfaltung des Lebens dagegen verlief vergleichsweise äußerst schleppend, so daß ganze zwei Mrd. Jahre vergingen, ehe sich die ersten Eukaryoten (komplex zusammengebaute Zellen mit Zellkern und verschiedenen Zellorganellen) nachweisen lassen, was im bereits angedeuteten Sinne daran lag, daß das Prinzip des Konkurrenzkampfes bereits auf der Ebene der Anfangsstufen des Lebens vorgeherrscht hat, denn während die Prokaryoten bereits eine relativ hohe Anpassungsfähigkeit an ihre Lebensbedingungen besaßen, hatten es die Eukaryoten schon wesentlich schwerer, sich durchzusetzen. (Quelle: Eugen Drewermann – „Die moderne Biologie und die Frage nach Gott“)

Um an dieser Stelle zu der eingangs erwähnten Aussage in dem Artikel der Wuppertaler „Kirchenspitzen“, wie es dort heißt, zurückzukehren, weise ich nochmals darauf hin, daß sich die Vorstellung eines Schöpfergottes, der bei der Erschaffung des Lebens und der Welt planerisch vorgegangen wäre, mit den hier in aller Kürze angeführten Erkenntnissen der modernen Evolutionsforschung an keiner Stelle auch nur einigermaßen plausibel in Übereinstimmung bringen läßt. Gewiß, es bleibt naturwissenschaftlich eine große Bescheidenheit bestehen, denn natürlich weiß niemand, warum es das alles gibt, und was zu dem Ereignis geführt, daß wir als Urknall bezeichnen, was sich allerdings DANACH ereignet hat, und wie es zu der Entstehung und zur Entfaltung des Lebens gekommen ist, mindestens dafür brauchen wir als Erklärung keinerlei göttlichen, schöpferischen, oder planenden Kräfte anzunehmen. Wer allerdings nach wie vor die durchaus noch vorhandenen Erkenntnislücken der Naturwissenschaften gezielt ausnutzt, um - in unbewußter oder gezielte Mißdeutung der Evolutionstheorie - doch noch einen Schöpfergott in altbekannter Lückenbüßerfunktion zu postulieren, sollte sich einmal über sein Naturverständnis und vielleicht auch über seine intellektuelle Redlichkeit Gedanken machen.

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Von glauben und Glauben


Viel wird über den Glauben geredet, viel zu wenig aber darüber, was das eigentlich bedeutet, etwas, oder an etwas zu glauben. Zunächst einmal ist wichtig, worum es sich eigentlich handelt, das geglaubt werden soll. Wenn z.B. ein Mensch einem anderen versichert, ihn nie belogen zu haben, dann kann man das glauben oder nicht; wenn im Supermarkt um die Ecke behauptet wird, alle angebotenen Eier stammen aus Freilandhaltung, oder das Gemüse aus biologisch kontrolliertem Anbau, kann man das ebenfalls glauben oder auch nicht, ebenso wie die Wahlversprechen eines Politikers - bei solchen Dingen benötigt der Begriff „glauben“ keinerlei Vertiefung. Ganz anders allerdings verhält es sich dann, wenn es darum geht, religiös etwas, oder an etwas zu glauben, und darauf möchte ich näher eingehen.

Gewiß, an bestimmte, religiös vermittelte oder kirchlich vorgegebene Glaubensinhalte kann man ebenso einfach glauben oder zweifeln, wie an die mögliche (Un-)Redlichkeit unserer Mitmenschen; ob z.B. vor 2000 Jahren ein bestimmter Mensch von den Toten auferstanden, oder ob selbiger über das Wasser gegangen ist, daran kann man glauben, oder auch nicht, aber religiös betrachtet beinhaltet der Glaubensbegriff wesentlich mehr, als etwas an sich Unglaubliches oder Unmögliches für möglich zu halten, denn religiös an etwas zu glauben bedeutet, daß es sich im Leben beglaubigt, aus dem Geglaubten muß sich also eine existentielle, moralische oder praktische Konsequenz ergeben.

Ein sehr sinnreiches Beispiel in diesem Sinne wäre, daß man natürlich rein äußerlich, sehr oberflächlich also, daran glauben kann, daß Jesus historisch über das Wasser gegangen ist, ohne daß man sich mit dem tieferen Sinngehalt dieser Vorstellung auseinandergesetzt hat, was aber hätte das für einen Sinn, wenn es dabei bliebe, wer hätte etwas davon? Es hätte keinerlei Konsequenz für das eigene Leben. Etwas ganz anderes aber ist es, wenn jemand als Person so glaubwürdig und vertrauenswürdig ist, daß er einen anderen Menschen buchstäblich mitzutragen vermag, so daß der Andere das Gefühl hat, er würde auf offenem Meer stehend nicht untergehen - erst dann also, wenn ein Mensch das Versprechen, ich trage Dich, durch seine Haltung beglaubigen kann, dann hätte sich der Sinn des Bildes vom Gang über das Wasser erfüllt.

Wenn also, andersherum gesagt, etwa Papst Ratzinger bei seinem Besuch hier in Deutschland vor einer Weile noch dafür geworben hat, die Gläubigen sollten sich darum bemühen, fest im Glauben zu sein, dann meint er damit lediglich den oberflächlichen Glauben an bestimmte, dogmatisch vorgeschriebene Glaubensinhalte, und das möglichst damit verbundene, rein äußerliche Bekenntnis an die Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche. Das aber hat nichts mit Religion zu tun, sondern allenfalls mit Religionsstatistik. Der Faktor der konfessionellen Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft und der reine Oberflächenglaube an die Historizität biblischer Mythen und Legenden, führt aber nicht zu einer vertieften Religiosität eines einzelnen Gläubigen, sondern allenfalls zu einer Masse von reinen Bekenntnisgläubigen, die den Glauben in aller Regel nicht als persönliche oder existentielle Herausforderung begreifen.

Es sei also nochmals gesagt, religiös an etwas Bestimmtes zu glauben, offenbart sich, wie im Bild des Ganges über das Wasser, nicht in der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft, oder im Nachbeten bestimmter Glaubenssätze, sondern es beglaubigt sich einzig in einer existentiell vertieften Haltung, die ihren Ausdruck findet in einer Begegnungsform des Vertrauens, die so tragfähig ist, daß man, wie im biblischen Bild angedeutet, auf dem offenen Meer in der Gegenwart eines Anderen nicht untergeht, sondern wie auf Balken zu stehen vermag.

Wer diesen Gedanken wirklich ernst nimmt, begreift sogleich, daß der rein äußerliche Glaube sehr schnell zu einem reinem Aberglauben verkommen kann, indem man womöglich daran glaubt, daß jemand wie Jesus der Erzählung nach dieses und jenes getan hat, das wir gemeinhin als Wunder bezeichnen, ansonsten aber davon überzeugt ist, daß sich ähnliches niemals wieder ereignen kann, da es sich eben um ein von Gott gefügtes Wunder handelt. Die Wahrheit des religiösen Glaubens aber liegt eben nicht in der Äußerlichkeit bestimmter Bilder und Vorstellungen, nicht also in der Frage, ob etwas historisch wahr ist oder nicht, sondern in dem tieferen Symbolgehalt, der sich erst dann offenbart, wenn man das Denken in falschen Alternativen aufgibt und sich für die Tiefendimension, also den existentiellen Aussagegehalt bestimmter Bilder interessiert.

Oft und lang habe ich mit Gläubigen verschiedenster Prägung geredet und diskutiert, und mußte allzumeist feststellen, daß ihr Glaube in aller Regel sich sehr an der Oberfläche bewegt, so daß ich sie als gläubig eher im Sinne von abergläubig, nicht aber als wahrhaft religiös betrachten muß, das geht durchaus bis hinauf zum Papst. Ich denke z.B. an ein öfter von ihm wiederholtes Originalzitat von Karol Wojtyla, der des öfteren bei seinen Ansprachen geäußert hat, man solle als Christ nahe sein den Scheiternden oder Gescheiterten. Klingt ja nett, aber ist diese Aufforderung aus dem Munde eines Mannes, der sich ausschließlich mit Menschen umgibt, die im bürgerlichen Sinne sehr erfolgreich sind, zudem allzumeist wohlhabend und in Machtpositionen, nicht eher als reine Floskel zu begreifen? Verkommt eine solche Aufforderung aus dem Munde eines Mannes, der sich Kraft seines Amtes als Pontifex Maximus versteht und die Nähe Gescheiterter, sagen wir sehr armer und hungernder Menschen am Rande bestimmter Elendsgebiete, ausschließlich dann sucht, wenn es sich medienwirksam hübsch inszenieren läßt, um die eigenen Gläubigen an der Nase herum zu führen, nicht zu einer reinen Hohlphrase?

Hier in Wuppertal habe ich mehrmals mit sich selbst als Christen bezeichnende Menschen geredet, die oft samstags in der Innstadt in Elberfeld ein Großes Plakat aufstellen, auf welchem geschrieben steht „Laßt Euch versöhnen mit Gott“. Zusätzlich verteilen sie eine Menge an eigens zur Neumissionierung, bzw. Neuevangelisierung, wie sie es nennen, herausgebrachter Bücher und Handzettel. Ganz in der Nähe, auf jeden Fall in guter Sichtweite dieses Standes, treffen sich tagtäglich u.a. mehrere Junkies und andere der Drogenszene nahestehende Menschen. Mehrfach habe ich mir erlaubt, mit den „Christen“ darüber zu diskutieren, wie sich für sie der Anspruch, oder das Bekenntnis, ein Christ zu sein, eigentlich konkret beglaubigt. Jedesmal bekam ich die zunächst noch freudige Antwort, daß es sich darin beglaubigt, die (sogenannte) „Frohe Botschaft“ unter die Menschen zu bringen, den Glauben an den gekreuzigten und wiederauferstandenen Christus also, und auch das Offenbarungsgeschehen des sich einzig in Christus offenbarenden dreieinigen Gottes. Ohne weiter auf die vielen Merkwürdig- und Unsinnigkeiten dieser Überzeugungen einzugehen, erwiderte ich dann, daß Jesus der biblischen Erzählung nach aber nicht nur eine bestimmte Botschaft verkündet, sondern sich auch ausdrücklich dementsprechend verhalten hat! Und ob sich der Glaube an Jesus als den Christus für einen gläubigen Christen nicht eben darin beglaubigen müßte, also der Aufforderung z.B., von seinem Reichtum den Armen etwas abzugeben. An dieser Stelle wird jedes Gespräch mit einem reinen Wohlstands- und Bekenntnischristen sehr schwierig, denn auf die existentielle Wahrhaftigkeit ihrer „Botschaft“ angesprochen, reagieren sie allzumeist eher unfromm, indem sie zwar den angeblichen Sendungsauftrag hochhalten und sich als deren Erfüllungsgesandte inszenieren, aber mit dem eigentlichen Kern der christlichen Verkündigung in aller Regel, außer den Worten nach, nicht viel zu tun haben wollen. Denn auf meinen mehrfachen Hinweis auf die sich nur wenige Meter weiter aufhaltenden Junkies und sogenannte Penner, ob es nicht eher im Sinne des Evangeliums sei, denen Hilfe anzubieten, wenn schon nicht mit Geld, so zumindest doch mit etwas Essen, Getränken, oder wenigstens ein paar freundlichen Worten und Gesten, erfuhr ich durchweg sehr frostige und stets ablehnende Reaktionen seitens der Christen, denn schließlich sei man ja nicht für das Elend der Welt verantwortlich und es sei auch jeder Mensch selber schuld, wenn er oder sie die Nachfolge Christi, die ja jedem offen stehe, verweigere und sich eben nicht mit Gott versöhnen wolle, denn schließlich habe der Herr den Menschen mit einem freien Willen ausgestattet und dementsprechend stehe es jedem frei, sich gegen Gott und gegen Christus zu entscheiden und man müsse dann natürlich auch bereit sein, die  Folgen dieser Entscheidung auf sich zu nehmen…

Nun, einmal abgesehen davon, daß sich diese Argumentation unter vernünftiger Betrachtung weder theologisch, noch religiös, als auch nur einigermaßen sinnvoll und durchdacht darstellt, ist sie – auch abgesehen von dem tiefen Zynismus, der sich dahinter verbirgt – menschlich abscheulich, psychologisch falsch, und ganz sicher nicht in Einklang zu bringen mit dem, was in den Evangelien über Jesus ausgesagt wird, mithin also, wie sich ein Mensch glaubwürdig als Christ beglaubigen müßte. Außer, er legt einerseits Wert darauf, sich mit dem Etikett „Christ“ zu schmücken, ohne sich andererseits um die Inhalte der christlichen Botschaft zu scheren.

Gewiß, es gibt viele Menschen, die sich als Christen bezeichnen und viele Dinge tun, die menschlich wertvoll sind, ohne Frage. Was man aber im Gespräch mit so manchen sich als Christen bezeichnende Menschen lernen kann, ist die einfache Erkenntnis, daß längst nicht überall Christentum enthalten ist, wo es drauf steht, und daß sich die zutiefst mythische Gestalt des gekreuzigten Christus offenbar ohne Schwierigkeiten in beliebiger Weise für jede Form pseudoreligiöser Heuchelei als Identifikationsfigur, oder sollte man besser sagen, als reines Alibi, mißbrauchen läßt. Mir gegenüber jedenfalls haben sich jene „Christen“, von denen ich in dieser Bemerkung gesprochen habe, stets darauf berufen, daß es nicht darauf ankommt, sich dem sogenannten „Gute-Werke-Dienst“ zu verschreiben, sondern einzig darauf, die christliche Botschaft, jedenfalls das, was sie dafür halten, unters Volk zu bringen.

Ob es sich dabei aber um eine Form „christlicher Nachfolge“ handelt, wie Jesus selber sie gebilligt hätte, und wie sie zudem menschlich vertretbar ist, sei stark angezweifelt, mit religiösem Glauben im eigentlichen Sinne jedenfalls hat es nichts zu tun. Meiner Ansicht nach sollte man nicht zögern, diesen Leuten, diesen reinen Wohlstands- und Bekenntnischristen, seien sie nun in den Großkirchen organisiert oder nicht, ihre eigene Heuchelei immer wieder mal vorzuführen, oder sie wenigstens zu fragen, mit welchem Selbstverständnis sie es sich erlauben, sich selber als Christen zu bezeichnen.

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Ethische Grundlagen meiner persönlichen Lebensführung:

"Die vermeintliche Rechtlosigkeit der Tiere, der Wahn, daß unser Handeln gegen sie ohne moralische Bedenken sei, ist eine geradezu empörende Barbarei des Abendlandes. Die Tiere sind kein Fabrikat zu unserem Gebrauch. Nicht Erbarmen, sondern Gerechtigkeit ist man ihnen schuldig. Diese Welt ist für die Tiere die Hölle und wir Menschen sind ihre Teufel." - Arthur Schopenhauer


Seit Mitte 1993 bin ich aus rein ethischen Gründen heraus Vegetarier, da ich, soweit es mir möglich ist, versuchen möchte, so zu leben, daß kein anderes Lebewesen für mein Überleben leiden, oder gar sterben muß, und da ist die Ernährung natürlich ein ganz wesentlicher Faktor. Daß eine weitestgehend bis komplett fleischlose Ernährung in unserem Kulturraum durchaus sehr gut möglich ist, hat sich längst allgemein herumgesprochen, und auch die immer wieder aufgebrachten Einwände einer möglichen Mangelernährung bei dauerhaftem völligen Fleischverzicht haben sich wissenschaftlich nicht bestätigt. Ganz auf tierisches Eiweiß aber kann ich nicht verzichten, das mag auch ein nicht unwichtiges Argument sein, wenn es um die Ernährung von Kindern geht, daraus aber läßt sich keinerlei Argument entwickeln, mit welchem sich die nach wie vor ungeheuerlichen Zustände in der Massentierhaltung rechtfertigen ließen. Klar jedenfalls ist, so meine feste Überzeugung, daß wir in unserer westlichen Kultur durchaus unsere Ernährungsgewohnheiten so ausrichten könnten, daß viele Mißstände in der allzumeist zutiefst quälerischen Massentierhaltung nicht nötig wären, wenn wir alles versuchen würden, um das notwendige Maß an Leid, das wir den Tieren evtl. zumuten müssen, um selber überleben zu können, auf ein Minimum zu reduzieren.

Immer wieder, wenn ich nach meinen Motiven für eine rein vegetarische Ernährung gefragt werde, wird mir entgegengehalten, daß es eben der Lauf der Dinge sei, Tiere ernähren sich nun einmal von anderen Tieren, und wir Menschen eben auch, daraus ergäben sich keinerlei notwendige moralische Bedenken. Daran ist soviel richtig, daß wir Menschen das Grundproblem nicht zu verantworten haben, das in der Natur selber liegt, die es so eingerichtet hat, daß die meisten Lebewesen sich nur erhalten können auf Kosten anderer Lebewesen. (Für mich übrigens, nebenbei bemerkt, ein klarer Beweis gegen die Idee eines Schöpfergottes.) Das Naturprinzip der gegenseitigen Ausbeutung allerdings hat seine Grenzen, denn welches Tier wäre in der Lage, andere Tiere massenweise zu halten, oder zu züchten, um sie auszubeuten? Gewiß, natürlich bedeutete es zunächst einen enormen Fortschritt in der menschlichen Kulturgeschichte, daß es irgendwann möglich wurde, Tiere zu halten und zu züchten, dennoch wird heute niemand mehr ernsthaft bezweifeln, daß diese Möglichkeit spätestens mit der Industrialisierung der Landwirtschaft völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Was mich jedenfalls immer wieder erschreckt, ist die unglaubliche Gedankenlosigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der wir Tiere Tag für Tag rund um die Uhr millionenfach quälen, ausbeuten und töten, denn wer verfügt denn noch über so etwas wie ein tragisches Bewußtsein, daß darin liegt, Tiere ausbeuten und töten zu müssen, um sich selber als Spezies erhalten zu können?
 
Wie auch immer, eine Ethik, die permanent streng zwischen den Lebensinteressen von Tieren und Menschen unterscheidet, kam mir schon vor über 20 Jahren als nicht mehr akzeptabel vor und ich habe damals nach und nach daraus die für meine persönliche Lebensführung einzig adäquate Konsequenz gezogen, die darin liegt, zumindest auf den Konsum von Fleisch gänzlich zu verzichten. Bis heute kann ich nicht begreifen, wie es offenbar für immer noch ganz viele Menschen keinerlei Problem darstellt, sich einerseits gegen quälerische Massentierhaltung oder Tiertransporte auszusprechen, dann aber eben diese Zustände mit dem eigenen Konsum zu fördern, das ist ein absoluter Widerspruch, der meines Erachtens nur in einer entweder sehr fahrlässigen Gedankenlosigkeit, oder in einer gewissen Gefühlsroheit seine Ursache haben kann. In seinem in vielerlei Hinsicht sehr bemerkenswerten Aufsatz für die kleine Buchreihe "Was ich denke" schreibt Karlheinz Deschner, daß ihm jene "Tierfreunde" die fatalsten seien, die erst ein Lämmchen streicheln, dann aber Lammbraten bestellen. Zudem dürfte doch jedem Menschen klar sein, daß es zutiefst naiv wäre, darauf zu hoffen, daß etwa die Politik je von alleine auf die Idee kommen würde, sehr strenge Tierschutzrichtlinien für die Nahrungsmittelproduktion zu erarbeiten und konsequent durchzusetzen. Und daß irgend jemand von den Profiteuren einer rein auf Kapitalvermehrung und Gewinnmaximierung ausgerichteten Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion auf die Idee käme, sich nach gewissen ethischen Bedenken in der Tierhaltung zu orientieren, daran wird auch niemand ernsthaft glauben.
Auf das immer dringender werdende Problem der globalen Flächennutzung zur Futtermittelproduktion im direkten Zusammenhang mit dem Hungerproblem in der Welt muß ich auch nicht näher eingehen, denn eigentlich kann jeder wissen, daß rund 60 Prozent der weltweiten Anbauflächen für Futtergetreide zur Fleischproduktion genutzt werden, um den riesigen Fleischbedarf decken zu können, das ist ein geradezu ungeheuerlicher Tatbestand. Es ist grotesk, daß wir einen solch enormen Aufwand und Flächenverbrauch hinnehmen, um Futtermittel für riesige Rinderherden anzubauen, wobei die Herden selber ja auch immer größere Flächen beanspruchen, anstatt die Flächen direkt für unsere Ernährung zu nutzen, die ehe viel gesünder wäre, wenn sie weniger auf den Konsum von Fleisch ausgerichtet wäre. Auch das Thema der Klimaproblematik spielt natürlich in diesem Zusammenhang zunehmend eine große Rolle, bedenkt man die Freisetzung von CO2 durch die Rodung der Urwälder und den Ausstoß an Methan durch die Rinderherden. Nein, ganz sicher liegt es einzig an uns als Verbrauchern, durch unseren Konsum, bzw. durch einen konsequenten Konsumverzicht in bestimmten Bereichen, ganz gezielt Druck auszuüben, denn die Grundregel ist denkbar einfach, es kann und wird auf Dauer nur das produziert werden, was sich auch verkaufen läßt. Mir persönlich jedenfalls wäre es zu billig, einerseits die Ausbeutung ungezählter Tiere durch meinen Konsum zu fördern, nur um dann die Verantwortung dafür an die Politik oder an die Industrie zu delegieren, das wäre eine für mich inkonsequente und unakzeptable Art zu denken und zu handeln.

Bleibt noch der Hinweis, daß eine solche Bemerkung nicht verfaßt wird, um sich etwa moralisch über andere zu erheben, ganz sicher sind Vegetarier oder Veganer keine besseren Menschen, aber als eine kleine Denkanregung mag sie vielleicht nützlich sein. Was ich mir dringend wünsche, wäre eine größere Nachdenklichkeit und Sensibilität, die im ganz alltäglichen Konsum ihren Ausdruck finden könnte, indem wir das enorme Leid ungezählter sogenannter "Nutztiere" nicht immer wieder einfach ausblenden, wenn wir an einem Kühlregal oder an einer Fleischtheke stehen.

"Wir sprechen den Tieren eine Seele ab, um noch seelenloser mit ihnen umgehen zu können, wie mit uns selber. Wir müßten auf den Darwinismus, mit der Erkenntnis der engen Verwandtschaft von Mensch und Tier heute, moralisch und religiös durch ein vertieftes Weltbild antworten. Statt dessen tun wir das Gegenteil, vor allem in der Massentierhaltung, wo wir millionenfaches Leid routiniert, industrialisiert und standardisiert über die Tiere hinweg fahren. Wir leben in einer Welt, in der wir offenbar keinerlei Problem darin sehen, ganze Industrie- und Wirtschaftszweige zu unterhalten, die sich mit nichts anderem beschäftigen, als wie man Lebwesen, Menschen wie Tiere, möglichst effizient ausbeutet und tötet - das ist die ganz normale Kultur im sogenannten "christlichen" Abendland. Ich will das nicht." - Eugen Drewermann

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Anselm Grün und die „Innere Quelle“

Neulich las ich einige Überlegungen des Benedektinerpaters und spirituellen Autors Anselm Grün über das, was er als die „Innere Quelle der Heilung“, bzw. der „Reinigung“ bezeichnet. Mehrfach bezieht er sich dabei auf den „Heiligen Geist“ als Quelle einer tieferen Energie und Kraft, oder Inspiration, einer Quelle jedenfalls, die, so wörtlich, „größer ist, als wir selber“, und die „uns von Gott geschenkt ist“. Nun glaube ich gut zu wissen, was Herr Grün mit dieser Quelle meint, finde es aber sehr schwierig, daß aus seinem christlich-religiösen Hintergrund mit dem „Heiligen Geist" in Verbindung zu bringen, was immer auch damit gemeint sein soll. In vielen, von Grund auf atheistisch formulierten Weisheitslehren, und praktisch dann auch in der Meditation, oder in bestimmten Entspannungs- und Sammlungsübungen in westlichen Formen des Yoga, wird etwas sehr ähnliches angestrebt, wie die Erlangung von innerem Frieden, Ruhe, Gelassenheit, innere Konzentration, etc. Klar jedenfalls ist, daß man das, was Anselm Grün als die Innere Quelle bezeichnet, die sich vermeintlich aus dem Heiligen Geist speist, oder von Gott geschenkt wurde, selbstverständlich ohne christlichen und generell gänzlich ohne jeden religiösen Hintergrund erreichen kann, da sie in uns selber liegt und keinerlei religiösen oder sonstigen magischen Zauber braucht, um aktiviert werden zu können. Das Problem ist, wenn man behaupten würde, um diese innere Quelle erreichen zu können, müsse man notwendig den Umweg über Gott gehen, würde man damit die große Zahl derer prinzipiell ausschließen, die weder an Götter noch an Geister glauben, auch nicht an vermeintlich heilige Geister. In diesem Zusammenhang zitiere ich gerne Marc Aurel, der in den Selbstbetrachtungen schrieb: "Blicke in Dein Inneres! Da drinnen ist eine Quelle des Guten, die nimmer aufhört zu sprudeln, wenn du nur nicht aufhörst nachzugraben."

In der Antike gab es geistige Strömungen, die auf weitestgehend atheistischem Hintergrund nach innerer Harmonie, geistiger Vervollkommnung und auch nach hohen ethischen Idealen strebten, ich erwähne nur die Stoa, oder die sehr weisen Lehren des vom Christentum stets verachteten und ausgegrenzten Epikur. Friedensfähigkeit, innere Gelassenheit, Weisheit, etc., alles das steht, jedenfalls im Prinzip, jedem Menschen als anzustrebendes und zu erreichendes Ideal zur Verfügung, sei er nun ein gläubiger Mensch, ein Buddhist, ein atheistischer oder agnostischer Humanist, oder ein Naturalist.

Was bei Anselm Grün allerdings viel zu kurz kommt, oft sogar gänzlich weg gelassen wird, ist der Versuch einer psychologischen Ursachenforschung, und die Frage, ob, oder inwieweit man überhaupt mit den Mitteln der Meditation, oder mit religiös motivierten Sammlungsübungen, den eigentlichen Ursachen für innere Unruhe, Unmäßigkeit, überschießende und ungelenkte Aggressivität, etc., auf die Spur kommen kann, ist längst nicht geklärt. Nun möchte ich gar nichts gegen Anselm Grün sagen, man mag mich da nicht falsch verstehen, aber er macht im Grunde nichts anderes, als bestimmte Inhalte aller Weisheitslehren und Religionen auf seine Weise zu verpacken, mit christlichen Aspekten zu schmücken und marktgerecht anzubieten und zu verkaufen, das ist zunächst vollkommen legitim, ich empfinde ihn auch durchaus als glaubwürdig, nur besonders originell ist es nicht, und erst recht nicht originär.

Wichtig aber ist noch der Hinweis, daß es selbstverständlich keines Gottes bedurfte, um das in uns anzulegen, was man sinnbildlich als diese Innere Quelle der Reinigung und der Heilung bezeichnen kann, denn alle unsere seelisch-geistig-psychischen und auch religiösen Kräfte verdanken wir den Jahrmillionen der Evolution, da genügt eine naturalistisch-naturwissenschaftliche Sicht auf den Menschen und seine Herkunft vollkommen. Die Religion wird diesbezüglich erst dann wichtig, womöglich gar unverzichtbar, wenn es um eine sinnvolle Interpretation der menschlichen Psyche mit ihrem enorm reichhaltigen Symbol- und Vorstellungsgehalt geht, da benötigt die Naturwissenschaft die Ergänzung durch Philosophie und vernunftbegründete Religion, allerdings keinerlei theologische Spekulationen über eine mögliche Existenz Gottes im äußeren Sinne, oder gar der eines wie auch immer gearteten „Heiligen Geistes“.

Glauben oder nicht glauben soll und darf in unserer Kultur zum Glück jeder genau das, was er oder sie zum Leben braucht, aber man sollte bestimmte Momente allgemein möglicher menschlicher Erfahrung nicht als Ausschließlichkeitsmomente des Glaubens theologisch oder religiös vereinnahmen, das wäre zutiefst unredlich und in einer vermeintlich aufgeklärten und geistig fortschrittlichen Gesellschaft unzulässig.

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Der Antichrist im Karnevalskostüm

Die Vorgänge, die sich um den auf der Ebene eines Pop-Eventes inszenierten Deutschlandbesuches von Papst Ratzinger in diesem September abspielen, offenbaren einige sehr ernüchternde Erkenntnisse über die geistige Verfassung unserer Kultur. Soweit muß die Diagnose tatsächlich gehen, denn betroffen sind ja nicht nur Katholiken, oder die Christen ganz allgemein, nein, auch die gesamte, weitestgehend unkritische Berichterstattung und Darstellung des Szenarios in den Medien, inklusive der zu beobachtenden Haltung der Konsumenten, läßt einige ungute Schlußfolgerungen zu. In meiner Bemerkung soll es aber zunächst weniger um die Hauptperson dieses üblen Schauspieles gehen, denn die Grundproblematik liegt weit tiefer und soll anhand zweier konkreter Beispiele aus der katholischen Glaubenslehre angedeutet werden.

Die eigentliche Grundlage der heutigen Form der Hauptströmung des Katholizismus ist ja nicht das vermeintliche Vorbild des Jesus von Nazareth, sondern seit dem Jahre 1992 der Weltkatechismus der Römischen Kirche. Dieses, unter der Federführung des jetzigen Papstes Ratzinger entstandene Bollwerk gegen jede bessere Einsicht, welche die Vernunft eigentlich über 200 Jahre nach der Zeit der Aufklärung gebieten sollte und müßte, liefert genügend Beispiele, um zu zeigen, wie es um die geistige Verfassung der Kirchenhierarchen und ihren Anhängern steht. Angemerkt, sei noch der Hinweis, daß ich als Nichtkatholik und Nichtchrist genau das den vermutlich allermeisten Katholiken voraus habe, denn ich habe dieses Buch, den Weltkatechismus der Römischen Kirche, allen meinen inneren Widerständen zum Trotz gelesen.

Zudem sei angemerkt, daß bei auch nur einigermaßen kritischer Zurkenntnisnahme des im Weltkatechismus zusammengetragenen geistigen Unrates eines sofort klar wird: Was die Römisch-katholische (Amts-)Kirche am meisten fürchtet, sind nicht der so oft angeprangerte angebliche Glaubensverlust in unserer Gesellschaft, oder etwa die Stellung der mündigen und selbstbestimmten Frau in der Gesellschaft und ihren Institutionen, noch nicht einmal die mögliche Existenz des Teufels selber – nein, was die katholische Kirche am meisten fürchtet, ist die direkte Konfrontation mit der Wahrheit: Die Wahrheit über uns Menschen und über die Gesamtheit der Welt. Es ist kaum zu glauben, daß das, was im Weltkatechismus im Status des vermeintlichen Alleinbesitzes der Wahrheit vorgebracht wird, immer noch bei so vielen Gläubigen so großen Anklang findet. Sollte aber nicht bereits der Alleinanspruch auf absolute Wahrheit, die sich vermeintlich in nur einer einzigen Religion offenbart, größtes Mißtrauen bei den Gläubigen erwecken?

Von den vielen Punkten, die im Weltkatechismus der Römischen Kirche einer näheren Überprüfung und Diskussion nicht standhalten können, seien hier nur zwei der mir wichtigsten herausgegriffen. Ich halte es deshalb so, weil es um das Auslöschen von Menschenleben geht, und diesbezügliche Problemstellungen immer unendlich viel wichtiger sind, als z.B. Debatten über die kirchliche Dogmatik inklusive der daraus abgeleiteten Moraltheologie, oder dem falschen Menschenbild, das der Moraltheologie und auch der kirchlichen Soziallehre zugrunde liegt.

Als erstes, sehr ernstes Problem, geht es um die Todesstrafe. Was vielen katholischen Christen offenbar gar nicht so recht klar ist, ist die Tatsache, daß im Weltkatechismus die Todesstrafe in bestimmten Fällen eindeutig als erlaubt, bzw. gar als möglicher Ausdruck göttlichen Willens dargestellt wird. Wie sich das Bekenntnis zur Todesstrafe allerdings mit dem Gebot „Du sollst nicht töten“ und der von Jesus eingeforderten Nächsten- und Feindesliebe in Übereinstimmung bringen lassen soll, scheint für die allermeisten Kirchenhierarchen, bis hinauf zum Papst, kein Problem darzustellen. Deutlicher kann der eklatante Unterschied der Kirche in ihrem Fundamentalprogramm gegen das Vorbild des vermeintlichen Gottessohnes aber nicht ausfallen. Gewiß, offiziell soll auch laut Kirchenmeinung einzig Gott das Recht und die Macht haben, endgültig über Menschen zu richten, wie aber verträgt sich diese Ansicht mit der moralischen Rechtfertigung seitens der Kirche der von allzu weltlichen Gerichten ausgesprochenen Todesstrafe?

Als zweiten Punkt möchte ich anführen, daß im Weltkatechismus der Römischen Kirche die Lehre vom sogenannten „gerechten Krieg“ immer noch aufrecht erhalten und verteidigt wird. Die Diskussion um die eventuelle Notwendigkeit von kriegerischen Maßnahmen, etwa zur Verteidigung im Falle eines Angriffs, oder zur Bekämpfung von Terrorherrschaften, will ich hier nicht aufwerfen, zumal es wohl keine letztendgültige Antwort auf dieses zutiefst tragische menschliche Grundproblem gibt, aber wieder muß gefragt werden, wie sich die heutige Kirchenmeinung zum Thema Krieg mit der Friedensbotschaft des Messias aus Israel verträgt. Diesbezüglich muß als Zusatzinformation noch hinzugefügt werden, daß es zu den offiziellen Kapitalanlagestratigen der Römischen Kirche gehört, daß rund 20 % ihres weltweit eingesetzten Investitionsvolumens für Investitionen in der Rüstungsindustrie verwendet werden. Wie ernst aber kann man die alljährlich pünktlich zu Ostern und zu Weihnachten verkündeten päpstlichen Friedensbotschaften eigentlich nehmen, wenn die Waffen, mit denen Kriege geführt werden, von Rüstungskonzernen stammen, in welche die Kirche beträchtliche Summen investiert, um Gewinne zu erwirtschaften?

Solange die Römische Kirche die Auffassung vertritt und verkündet, daß Todesstrafe und Krieg zur Lösung bestimmter Konflikte geeignete und gerechtfertigte Mittel darstellen, so nimmt sie sich damit automatisch selber jegliches Recht, sich als Stellvertreterin Gottes auf Erden und Alleinverkündigerin göttlicher und in Jesus Christus der Welt geoffenbarter Wahrheit zu präsentieren. Mindestens müßte man kirchlicherseits so mutig sein und zugeben, daß das jesuanische Vorbild mit seinen Idealvorstellungen den konkreten Gefährdungen der Weltwirklichkeit nicht standhält. Damit würde die Kirche natürlich automatisch ihr christliches Fundament verlieren – welches sie, genau betrachtet, eh nie hatte - aber sie wäre wenigstens zum ersten Mal in ihrer Geschichte aufrichtig, glaubwürdig und konsequent.

Wenn nun aber der Papst, als das Oberhaupt der Römischen Kirche und als ehemaliger Vorsitzender der Glaubenskongregation für die im Weltkatechismus verkündeten Positionen steht, und diese Positionen den Überzeugungen des als göttlich geglaubten Vorbildes in der Person des Christus in absoluter Weise entgegenstehen, müßte dann nicht eben dieser Papst als der Antichrist schlechthin betrachtet werden? Nochmals muß ganz allgemein gefragt werden, wie sich die nach wie vor vorherrschenden Tendenzen der Katholischen Kirche bezüglich der angestrebten Meinungskonformität und Meinungsdiktatur, der Verweigerung demokratischer Strukturen auf höherer Ebene, der sich von der Lebenswirklichkeit und Erfahrungsnähe der Gläubigen stark abgrenzenden Morallehre, in einer vermeintlich aufgeklärten Kultur immer noch etablieren können.

Vergessen wir niemals, daß das Christentum von seiner Geschichte her die größte Verbrecherorganisation darstellt, welche je auf Erden ihr Unwesen getrieben hat: Nie in der Geschichte der Menschheit haben eine Nation, ein Volk, oder eine Religionsgemeinschaft jemals auch nur annähernd ein solch ungeheuerliches Maß an Wahrheitsverleugnung und Lüge, an Unterdrückung, Ungerechtigkeit, Leid, Raub, Verfolgung, Verleumdung, Folter und Mord in die Welt getragen, wie das Christentum. Die Hauptdevise des Christentums in seinem offenbar nach wie vor unaufhaltsamen Expansions- und Missionierungswahn lautete über viel zu viele Jahrhunderte hinweg genau so: Entweder, Du glaubst an unseren Gott, der der Gott der Liebe und des Friedens ist, oder wir werden Dich im Namen eben dieses Gottes Foltern oder töten. Vergessen sollten wir in diesem Zusammenhang ebenfalls nicht, daß es ein sogenanntes „gemäßigtes“ Christentum nur deshalb gibt, weil unsere Kultur die Durchsetzung kirchlichen Machtanspruches mit den Mitteln der Gewalt nicht mehr zuläßt; niemals hat sich das Christentum von innen her von selber von skrupellosester Gewaltanwendung zur Durchsetzung von Machtansprüchen bereinigt.

Wie aber, so lautet meine eigentliche Frage, schafft man ein kritisches Bewußtsein bei den Anhängern einer Kirchenlehre, deren Irrtümer und innere Widersprüche so offensichtlich sind, daß man eigentlich kaum darüber hinwegsehen kann? Vielleicht, indem man ihnen immer wieder mal einen Blick hinter die karnevalartige Kostümierung kirchlicher „Würdenträger“ aufnötigt. Der biblischen Legende nach war Jesus in der Lage, Blindheit zu heilen - möge er doch wiederkehren, um zuallererst die Betriebsblindheit der Christen, mindestens jene der Katholiken zu heilen!

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Bemerkung zum Bio-Eier Skandal

Dieser Text ist am 3.12.08 in gekürzter Form als Leserbrief in der "Süddeutschen Zeitung" erschienen:

Erstaunt es wirklich noch irgend jemanden, was im Rahmen dieses Vorfalles geschildert wird? Es scheint zu den Eigengesetzlichkeiten der kapitalistisch orientierten freien Marktwirtschaft zu gehören, jedes Bedürfnis der Konsumenten zu befriedigen, immer schön unter der Voraussetzung natürlich, daß dazu jedes Mittel recht ist, solange es nur dazu dient, Gewinne oder Marktvorteile zu erwirtschaften. Das Problem aber liegt weit tiefer, reine Kapitalismuskritik oder ethische Erwägungen in der Tierschutzdebatte führen nicht viel weiter. Wir leben in einer Kultur, in der Tiere zur Produktion von Lebensmitteln in fast beliebiger Weise freigestellt sind, auch das Tierschutzrecht spricht ausdrücklich davon, daß unnötige Tierquälerei verboten ist, und genau da liegt, juristisch betrachtet, das Problem, denn wer entscheidet eigentlich darüber, welche Art von Tierquälerei unnötig ist und welche nicht? Wenn irgendein Forscher eine bestimmte tierquälerische Versuchsreihe zur Erforschung neuer Medikamente anmeldet, muß er diese lediglich rein theoretisch ausreichend begründen, und schon wird ihm der Freibrief zu den entsprechenden Tierversuchen plus der dazu bewilligten Fördergelder erteilt. In welcher Zahl im Rahmen einer solchen Versuchsreihe Tiere "verbraucht" werden, wie es offiziell tatsächlich heißt, wird kaum kontrolliert, denn der Zweck heiligt ja bekanntlich die Mittel, und welche Rolle spielen schon Tiere, wenn es um Marktvorteile, Kapitalerträge oder gar den Forschungsstandort Deutschland geht? Rein anthropozentrisch gedacht, gar keine, denn im Rahmen einer rein anthropozentrisch ausgerichteten Ethik in unserer Kultur, darf das Wohl der Tiere kein Ziel sein, zumindest nicht jenes der sogenannten Nutztiere.

Nebenbei bemerkt war es der Soziologe Niklas Luhmann, der darauf hingewiesen hat, daß es keinen Sinn hat, ein System nach Kriterien zu bewerten und zu kritisieren, die in dem System selber gar nicht vorkommen, also etwa den Kapitalismus, oder die industrielle Nahrungs-mittelproduktion nach ethischen Erwägungen kritisch zu hinterfragen, da Ethik in diesen Systemen weder als Systemvoraussetzung noch als Ziel immanent ist. Ein System kann demnach also nur dann wirkungsvoll widerlegt werden, wenn zweifelsfrei bewiesen werden kann, daß es grundsätzlich oder langfristig seinen eigenen Voraussetzungen nicht gerecht wird. Natürlich kann die plötzlich rasant steigende Nachfrage nach sogenannten Bio-Lebensmitteln nicht genügend gedeckt werden, und natürlich werden dementsprechend Lebensmittel massenweise falsch deklariert, um dem Verbraucher wenigstens die Illusion zu ermöglichen, gesündere Lebensmittel zu einem einigermaßen akzeptablen Preis erwerben zu können. Und erst recht natürlich, um den Kreislauf der Lebensmittelproduktion in Gang zu halten - das wohl zu allererst. Mich erstaunt eher, daß solche Mechanismen noch als erstaunenswert erachtet werden, da es sich bei ihnen doch offenkundig
nicht etwa um unliebsame Randerscheinungen handelt, sondern fast schon als zwingend notwendige und stabilisierende Voraussetzungen einer rein gewinnwirtschaftlich ausgerichteten Lebensmittelproduktion zur Sättigung einer überbevölkerten und längst schon vollkommen übersättigten Gesellschaft.

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Baumvernichtung in Wuppertal  -  Leserbrief, erschienen in der Wuppertaler Rundschau

Baumvernichtung in Wuppertal gehört zu den dringenden Problemen, die von den Verantwortlichen gründlich überdacht werden müßten. Ob die Stadtverwaltung, oder der neue Betreiber des Barmer Bahnhofes zuständig ist, weiß ich nicht, aber nun hat es auch die letzten noch verbliebenen Bäume neben dem Bahnhofsgebäude getroffen. Was denkt man sich eigentlich dabei? Egal ob auf der Hardt, im Nordpark, auf dem Nützenberg oder dem Scharpenacken, ob am Elfenhang in Vohwinkel oder in der Grünanlage Hohenstein und neulich am Landgericht: Kein Argument scheint zu billig, keine Ausrede zu weit hergeholt zu sein, um dem Bürger plausibel zu machen, daß es zu den angeblich notwendigen Baumfällungen keine Alternative gibt. Gewiß, von alten, kranken oder sturmgeschädigten Bäumen kann eine akute Gefahr ausgehen, doch sollte man dieses Argument und auch die offenkundige Lüge von den allerorten offenbar notwendigen "Lichtungsarbeiten" mit größter Sensibilität verwenden. Für wie dumm hält man eigentlich? Es ist jetzt genau drei Jahre her, daß ich mit Forstarbeitern auf der Hardt wieder einmal diskutiert habe, warum man an verschiedenen Stellen über 40 offenkundig kräftige und gesunde, z.T. noch recht junge Bäume gefällt hat. Natürlich kam das Argument von den Lichtungsarbeiten. Aber bedeutet "auslichten" tatsächlich, daß man flächendeckend alles niedermäht, anstatt behutsam einige wenige Bäume zu fällen, um allen anderen einen besseren Wuchs zu ermöglichen?

Was wir dringend brauchen, ist eine Baumschutzsatzung für alle Bäume, nicht nur für jene auf Privatgrundstücken. Fordern müssen wir, daß jede geplante Baumfällung von unabhängigen Gutachtern sehr sorgfältig geprüft werden muß, außer natürlich in akuten Gefahrensituationen.

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Frauen und Männer - Männer und Frauen  -  Eine kleine Überlegung zum "Weltmännertag"

Soeben las ich vom diesjährigen Weltmännertag, verbunden damit die Frage, ob Männer sich darüber Sorgen machen müsse, daß Frauen ihnen in allen Bereichen "den Rang ablaufen". In diesem Artikel wurde als ein Indiz dafür u.a. aufgeführt, daß die deutschen Fußball-Frauen erfolgreicher seien, als ihre männlichen Kollegen. Speziell das ist so verglichen natürlich Quatsch, denn die Frauen sind zwar in ihrem Wettbewerb z.Zt. erfolgreicher, aber sie haben im Vorfeld der Frauen-WM äußerst deutlich gegen eine C-Jugend-Mannschaft der Männer verloren - aber das ist völlig unwichtig, denn wenn derartige Vergleiche aufgestellt werden, steht dahinter nicht nach wie vor der Konkurrenzgedanke? Das, so finde ich, ist das wirkliche Problem. Warum müssen oder wollen Frauen besser sein als Männer, bzw. Männer erfolgreicher sein, als Frauen? Daß es nach den global weitverbreiteten männlich dominierten Gesellschaftsordnungen über viele Jahrtausende hinweg die Frauen waren, die sich so etwas wie Gleichberechtigung und Mitspracherecht erst mühsam erkämpfen mußten, ist schlimm genug, aber es gab rein biologisch, bzw. evolutiv gewisse Gründe dafür, daß sich so etwas wie männliche Dominanz entwickelt hat, da können zunächst weder Männer noch Frauen etwas dafür. Frauen werden schwanger und gebären die Kinder, daran hat ja kein Mann die Schuld, das hat die Natur einfach so eingerichtet. In den Urhorden, in den frühen Jagdgesellschaften, waren es dementsprechend nun einmal die Männer, die sich vornehmlich über gewisse Reviergrenzen hinaus auf die Jagd begeben haben, sie mußten lernen, in Gruppen die Jagd immer erfolgreicher zu gestalten, insofern scheint es nicht bezweifelbar, daß der Krieg aus den Strukturen der Jagd entstanden ist, indem man die sich komplexer entwickelnden Techniken und Strategien bei der Jagd auf Wild auch bei der Revierverteidigung, bzw. Eroberung gegen andere Menschen gerichtet hat. Das alles hat zu einem höheren aggressiven Potential bei Männern geführt. Daß die Frauen verstärkt im Revier selber ihre Tätigkeiten auf eher reviernahe Tätigkeiten konzentriert haben, ist aufgrund ihrer körperlichen Voraussetzungen und der Beschäftigung mit dem Nachwuchs nicht verwunderlich, sie waren den Männern rein körperlich unterlegen, durch die Gebärfähigkeit vermutlich wesentlich anfälliger für Krankheiten, etc. . Daß sich aus der biologisch vorgegebenen Rollenverteilung der Geschlechter über viele Jahrtausende hinweg eine männliche Dominanz entwickelt hat, ist nicht verwunderlich, sondern evolutiv rein logisch kaum anders möglich, dieses Phänomen soll aber hier nur wie gezeigt angedeutet und nicht näher erörtert werden.

Daß sich aus all dem aber ein männliches Machtstreben gegenüber den Frauen entwickelt hat, das in den meisten Gesellschaften und Kulturen bis heute zu einer Unterdrückung der Frauen geführt hat, scheint mir aus solchen Überlegungen heraus alles andere als selbstverständlich zu sein. Und genau das ist der Kerngedanke dieser kleinen Überlegung, denn je höher sich eine Spezies, oder eine Gesellschaft entwickelt, um so erfolgreicher kann dies nur auf der Basis der Kooperation geschehen, insofern wäre es nur folgerichtig gewesen, wenn jede Gesellschaft ab einem bestimmten Punkt der Entwicklung ein Interesse daran gehabt hätte, die ursprünglich von der Natur vorgegebenen Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen kulturell zu überwinden. Von der These ausgehend, daß jede kulturelle und zivilisatorische Weiter- oder Höherentwicklung sich am sinnvollsten auf der Basis der Kooperation, also dem wechselseitigen Austausch aller Gruppenangehörigen und ihren spezifischen Fähigkeiten, vollzieht, erscheint es mir unerklärbar, daß  gerade  die  Frauen  sich  mühsam
über viele Jahrhunderte hinweg aus der Vorherrschaft der Männer befreien mußten, wobei dieser Prozeß selbst in unserer westlichen Kultur noch lange nicht abgeschlossen ist.

Um an dieser Stelle zum Ausgangspunkt zurückzukehren, wenn beim Weltmännertag das Thema, ob oder inwieweit sich Männer von Frauen bedroht fühlen müssen, im Vordergrund steht, dann scheint mir dahinter nach wie vor der Gedanke der Konkurrenz zu stehen, nicht der des wechselseitigen Austausches, und das verstehe ich nicht.  Es sei denn, daß Männer in der Vorstellung leben, daß Frauen in allen kulturellen und gesellschaftlichen Bereichen immer mehr Verantwortung und damit Macht erhalten, und irgendwann sozusagen den Spieß umdrehen, um ihrerseits die Männer zu unterdrücken, dann aber müßte man voraussetzen, daß Frauen in gewisser Weise genauso primitiv denken und handeln, wie Männer.

Es hat immer wieder Versuche gegeben, in bestimmten Kulturen Zeiten eines Matriarchats nachzuweisen. Ich bin da eher skeptisch, denn die Wortsilbe "archos" steht für "herrschen". In einer Kultur, in der den Frauen ein hoher Respekt entgegengebracht wird, in welcher sie vielleicht nicht nur ein gewisses Mitspracherecht haben, sondern wirklich Führungsfunktionen wahrnehmen, muß es nicht zwangsläufig zu einer Dominierung oder Beherrschung der Männer, bzw. allen vermeintlich schwächeren oder unterlegenen Lebensformen gekommen sein oder kommen müssen. Kann es nicht sein, daß nicht eine matriarchale, sondern eine wesentlich maternale, also mütterlich orientierte Gesellschaftsstruktur, viel mehr auf der Fähigkeit und Bereitschaft zur Kooperation beruhen könnte, als männlich dominierte Gesellschaften? Nun, zugegeben, es gibt Gegenanzeichen dafür, denn ist es wirklich ein Zeichen für Gleichberechtigung und kulturellen Fortschritt, wenn Frauen in der BRD seit ein paar Jahren in der Bundeswehr ihren Dienst verrichten dürfen, zunächst in der Versorgung und im sanitären Bereich, dann auch an der Waffe? Muß der Irrsinn des Kriegführens wirklich auch in vermeintlich hochzivilisierten Gesellschaften, wie der unseren, die Frauen in die Gefühlsroheit des Waffengebrauches im Krieg mit hineinziehen? Hat an dieser Stelle nicht der Theologe Eugen Drewermann unbedingt recht, daß durch eine höhere Wehrbereitschaft der Frauen, in einer immer höher militarisierten Gesellschaft, diese nicht humaner, sondern eher noch perverser wird?

Vielleicht müßte man auf einem Weltmännertag nicht so sehr darüber nachdenken, ob und wie Männer sich im ständigen Konkurrenzkampf gegen die Frauen doch noch behaupten können, sondern ob es nicht endlich an der Zeit wäre, ein Stück Vertrauen zu lernen, indem auf der Ebene der Kooperation bestimmte, eher als weiblich, oder mütterlich geltende Eigenschaften als eine enorme Bereicherung empfunden werden, nicht aber als Bedrohung. Das ist womöglich ein Stück weit riskant, aber es könnte durchaus dazu führen, den bisherigen Geschichtsverlauf vielleicht völlig auf den Kopf stellen, indem ein Fortschreiten der Gesellschaft und der Kultur nicht letztlich immer wieder auf Angst gründet, sondern auf Vertrauen.

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Mit Moses gegen die Humanität  -  Der uralte Kampf der Religion gegen die Wahrheit im neuen Gewand

Vielleicht sollte ich das Thema zunächst grundsätzlich von der althergebrachten Theodizeefrage her angehen, von der ich eigentlich denke, daß sie längst erledigt sein sollte, denn die Frage danach, wie sich die Vorstellung eines gütigen, allmächtigen und allweisen Schöpfer-Gottes angesichts des Leides in der Welt rechtfertigen läßt, ist nicht nur prinzipiell unbeantwortbar, sondern schlichtweg falsch gestellt. Wer die Entwicklung des Lebens auf unserem Planeten einigermaßen überschaut, begreift sogleich, daß das ungeheure Ausmaß an Leid nicht das zufällige oder gewollte Produkt eines allmächtigen und weisen Schöpfergottes sein kann, der bei der Erschaffung der Welt alternativisch hätte vorgehen können.  Man braucht sich nur vor Augen halten, daß ca. 95% aller bisherigen Lebensformen, bis hin zum Neandertaler, von der Natur wieder zurückgenommen wurden, um schließlich alles heute Existierende, einschließlich uns Menschen, hervorzubringen. So einfach sich eine solche Tatsachenfeststellung auch aussprechen läßt, das ungeheure Ausmaß an Schmerz und Leid, daß sich hinter dieser Aussage verbirgt, ist nicht durch schöpferische Planung oder göttliche Vernunft zu rechtfertigen. Tatsache ist nun einmal, daß alles, was heute existiert, aus den Anfangsbedingungen des Universums hervorgegangen ist. Konkret bedeutet das, daß die Entwicklung des Kosmos seit mindestens ca. 13,6 Milliarden Jahren an keiner Stelle des Eingreifens eines Schöpfers bedurfte. Selbst wenn wir die letzte, schöpfungstheologisch noch verbliebene Lücke ausfüllen und sagen, daß Gott die Entwicklung des Universums vor schier  undenklichen Zeiten immerhin durch seinen Schöpferwillen angeschoben hat, bleibt es beweisbare und überprüfbare Tatsache, daß mindestens seit dem Zeitpunkt 1hoch-47 Sekunden nach dem Ereignis, daß wir als Urknall bezeichnen, alle Entwicklung sich in Eigendynamik und in Form von sich selbst organisierenden Prozessen im ständigen Schwanken zwischen Zufall und Notwendigkeit ereignet hat.
 
Um an dieser Stelle zur Theodizeefrage zurückzukehren, glaube ich, daß man schöpfungstheologisch mindestens die Fragestellung verändern müßte, denn wenn ein Gott diese ganze Entwicklung so angeschoben hat, daß sich zwangsläufig daraus ein enormes Maß an Leid ergeben muß, dann hätte er es vorhersehen können, also muß die Frage konsequenterweise nicht lauten, wieso Gott das Leid zuläßt, sondern, weshalb es bewußt und ausdrücklich so gewollt und geplant hat! – Und das ist meines Erachtens nach die Stelle, wo alle Schöpfungstheologie sich auflöst, denn wer unter den heutigen Theologen stellt sich einer solch konsequenten Fragestellung überhaupt?
 
Ich habe meine Bemerkung mit derartigen Überlegungen begonnen, um zu anzudeuten, daß bestimmte, auch heute noch von der Kirche vermittelten Gottesvorstellungen, tatsächlich als zutiefst naiv betrachtet werden müssen. Es ist für mich seit dem Religionsunterricht in der Grundschule, über den Konfirmandenunterricht bis heute unbegreifbar, daß es auch heutzutage in unserer scheinbar so aufgeklärten Gesellschaft immer noch Leute gibt, die ernsthaft daran glauben, daß z.B. Adam und Eva historische Personen waren, und daß das Leid in der Welt sich nicht etwa durch Zwangsläufigkeiten der Evolution, sondern durch die Vertreibung des Menschen aus dem Paradies erklären läßt, daß also auch die sogenannte Erbsündenlehre der Kirche auf historischen Fakten beruht. An dieser Stelle muß ich persönlich werden und bekennen, daß es sich bei derartigen Überzeugungen meiner Meinung nach nicht mehr nur um eine Art kindlichen Aberglaubens, sondern um eine geradezu groteske Form der Geistesschlichtheit handelt, so etwas noch für möglich zu halten.
 
Diese Bemerkung ist auch deshalb wichtig, da wir seit ein paar Jahren erleben müssen, daß z.B. in bestimmten Regionen in den USA der sogenannte "Kreationismus", mithin das "Intelligent Design", in gewisser Weise damit also auch die sogenannte "reine Schöpfungslehre" fester Bestandteil des Schulunterrichtes geworden ist, und daß dafür bestimmte, ganz simple Grundtatsachen der Biologie Schritt für Schritt wieder aus dem Unterricht verbannt werden sollen. Man beachte: Der Kreationismus soll nicht etwa in den Religionsunterricht gehören, er soll allen Ernstes das Fundament im Biologieunterricht darstellen! (Übrigens, nur als kleine Nebenbemerkung, der vorherige Präsident der USA, George W. Bush, ist ein glühender Verfechter dieses ganzen Unsinns.)
 
Ich glaube nicht, daß es heutzutage in unserer Kultur religiös, pädagogisch oder einfach rein menschlich irgendwie zu rechtfertigen ist, daß zunehmend auch in Europa hochgestellte „Persönlichkeiten“ in Kirche und Gesellschaft verstärkt dazu übergehen, eine Frömmigkeit, und damit verbunden auch eine Pädagogik anzustreben, die dazu führt, unser biologisches Erbe aus der Evolution zu verleugnen, und damit also weiterhin das immer schon falsche, oder zumindest stark verkürzte Menschenbild der Kirche zu vermitteln.
 
Es ist wahrlich kein Spaß, worum es in der Konsequenz geht, denn es stehen wichtige humane Errungenschaften auf dem Spiel. Je mehr Anhänger des Kreationismus, z.B. in den USA im sogenannten Bible-Belt, kirchliches und gesellschaftliches Ansehen, und darüber hinaus auch politische Macht erringen, um so bedrohlicher wird die Situation für alle, die nicht dem konservativ vermittelten Werteverständnis dieser Kreise entsprechen. Um es nicht noch weiter auszuführen, reicht ein einziger Blick in den Weltkatechismus der katholischen Kirche aus dem Jahre 1992, der ebenso groteske und gefährliche Ansichten vertritt: Vor- oder außereheliche Sexualität ist schwere Sünde; Ehescheidung ist schwere Sünde; Homosexualität ist, wenn schon keine Todsünde mehr, so doch immerhin noch eine schwere moralische Verfehlung; die Todesstrafe entspricht unter bestimmten Voraussetzungen göttlichem Willen, ebenso der Krieg, wenn er denn den eigenen Interessen nützt...
 
Was sich getarnt unter Oberfläche theologischer und religiöser Scheindebatten wirklich verbirgt, kann an dieser Stelle offen ausgesprochen werden, es geht in Wirklichkeit darum, die Gesellschaft so zu manipulieren, daß das sehr eng gefaßte Menschenbild bestimmter pseudoreligiöser Kreise wieder die Grundlage für die Gesetzgebung ganzer Staaten bilden kann, also im Endeffekt die USA als weltweiter Verfechter des mosaischen Gesetzes in seiner reinsten und schlimmsten Form!  Wem dies übertrieben scheint, der braucht z.B. nur zu sehen, wie hohe Vertreter der katholischen Kirche sich auch in den USA publizistisch profilieren, indem sie, jeder möglichen besseren Einsicht zum Trotz, nach wie vor den göttlichen Schöpfungsplan als Bollwerk gegen die theologischen Konsequenzen der Evolutionslehre auffahren, so wie es Kardinal Schönborn in einem Artikel für die New York Times getan hat (Keine Evolution durch blinden Zufall). Gewiß, im real existierenden Katholizismus versucht man sich offiziell gegen die Strömungen des Kreationismus und des Intelligent Design abzugrenzen, was aber nicht ganz unproblematisch ist, da man andererseits die reine Schöpfungslehre der Kirche natürlich aufrecht erhalten möchte.
 
Wie auch immer, der wieder neu aufflammende Kampf des Katholizismus und einiger anderer religiös sich gebender Sekten gegen die Evolutionslehre hat auch in Westeuropa längst Einzug gehalten, und es wäre höchst naiv zu glauben, daß es nur darum geht, bestimmte „religiöse Werte“ zu vermitteln, nein, das Ziel wurde soeben angedeutet, der militante Kampf gegen eine offene, humane und tolerante Gesellschaft wird ganz offen ausgetragen, das Ziel ist eine moderne Form eines Gottesstaates, indem jede Abweichung von bestimmten Normen mindestens mit dem Ausschluß aus der vermeintlich "moralisch richtigen" Gesellschaft bestraft wird, wobei die Anwendung jeder Form der Ächtung, bzw. Bestrafung, von der öffentlichen Diffamierung, bis hin zur Todesstrafe, in immer mehr Gebieten religiöser oder sozialer Abweichungen nicht nur gesellschaftlich akzeptiert, sondern als reiner göttlicher Wille propagiert und exekutiert werden soll.
 
Wie darauf zu reagieren ist, ist klar, denn was wir zunächst dringend brauchen, ist nicht etwa eine Verstärkung des kirchlich-konservativen Werteempfindens, z.B. im Sinne eines zutiefst bornierten Papstes Ratzinger auf dem Weltjungendtag, was wir brauchen, ist eine neue Form der Aufklärung, in der keine Erkenntnis der modernen Wissenschaft, keine humane Errungenschaft dem Katholizismus, oder dem
Mosaismus" in seiner schlimmsten Form, ganz öffentlich zum Fraß vorgeworfen werden darf. - Was würde sich als Maxime im Engagement gegen die wieder aufkeimende falsche und inhumane Form der Religiosität besser eignen als der altbekannte Satz Wehret den Anfängen"...

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Tauben in unseren Städten

Den folgenden Text habe ich als Entgegnung auf einen Beitrag zur Taubenproblematik verfaßt, er ist in leicht gekürzter Form als Leserbrief in der "Wuppertaler Rundschau" veröffentlicht worden:

Albert Einstein sagte einmal, daß zwei Dinge unendlich seien, die menschliche Dummheit und das Universum, bei dem Universum allerdings sei er sich nicht ganz sicher. - Leider dient der Lesebrief von Frau**** auf bezeichnende Weise als Beleg dafür, daß die Dummheit des Menschen offenbar nur schwer zu überwinden ist, enthält er doch eine Reihe weitverbreiteter und u.a. auf mangelnder Sachkenntnis beruhender Vorurteile.

1989 hat der damalige Präsident des Bundesgesundheitsamtes, Prof.Dr.Dr. Großklaus, erklärt, daß eine gesundheitliche Gefährdung durch Tauben nicht größer ist, als durch Zier- und Wildvögel sowie durch Nutz- und Liebhabertiere. Diese Aussage wurde 1997 durch das heutige Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin in Berlin bestätigt. Zudem wurde in einer Stellungnahme des Bundesgesundheitsamtes erklärt, daß einer Einstufung der verwilderten Haustaube als Schädling im Sinne des §13, Absatz 1 des Bundesseuchengesetzes, nicht zugestimmt werden kann. Bereits 1976 hat der Berliner Senator für Gesundheit und Umweltschutz erklärt, daß verwilderte Haustauben nicht zu den Tieren zählen, die nach Art, Lebensweise oder Verbreitung Krankheitserreger auf den Menschen übertragen.

Bundesweit liegen den Gesundheitsämtern keine konkreten Fälle amtlich bekundeter Erkrankungen aufgrund durch Tauben übertragbarer Krankheitserreger vor! Daß sich das Vorurteil der Gesundheitsgefährdung durch Tauben trotz dieser Fakten immer noch hält, ist eindeutig auf die wirtschaftlichen Interessen der Schädlingsbekämpfungslobby zurückzuführen, die ganz bewußt Falschinformationen in die Köpfe derer streut, die dafür empfänglich sind.

Nun wird über das Vorurteil der angeblichen Gesundheitsgefährdung durch Tauben hinaus immer wieder darauf hingewiesen, daß durch den Kot dieser Tiere auch bestimmte Gebäudeschäden entstehen. Das mag zumindest nicht gänzlich falsch sein, obwohl über eine besonders ätzende Wirkung von Taubenkot keinerlei gesicherten Erkenntnisse vorliegen. Insofern kann das Argument der Gebäudeschädigung durch Taubenkot also durchaus zu den schlechtdurchdachten Scheinbehauptungen der Taubengegner gezählt werden. Was dagegen allerdings wiederum unwiderlegbar richtig ist, ist die einfache Tatsache, daß die wirkliche Hauptursache der Gebäudeschädigung - vor allem historischer Gebäude - primär auf die ständig durch uns Menschen verursachte, steigende Luftverschmutzung durch Luftschadstoffe, vor allem durch Autoabgase, und dem daraus resultierenden sauren Regen zurückzuführen ist.

Nicht zu leugnen ist, daß es tatsächlich zu viele Tauben in unseren Städten gibt, die Vermehrungsraten müßten sinnvollerweise reduziert werden. Darf die Lösung dieses Problems aber darin bestehen, die Zahl der Tauben z.B. durch Vergiftungsaktionen, massenhaftes Abschießen, oder durch konsequentes Aushungern erreichen zu wollen? Nebenbei sei hier übrigens noch eine schwerwiegende Folge solcher Maßnahmen erwähnt, denn elternlose und durch Verhungern zugrundegegangene Jungtauben können - wie jede verwesende Tierleiche - tatsächlich eine potentielle Gesundheitsgefährdung darstellen!

Auch hier in Wuppertal hat man seit Jahren damit begonnen, daß "Taubenproblem" verschiedenartig zu bekämpfen, mit dem Ergebnis, daß sich der Bestand zwar kaum verringert, wir aber überall Tauben mit verkrüppelten Füßchen und verletzten Flügeln beobachten können, Verletzungen, welche auf aufgespannte Netze und aufgestellte Stachelreihen zurückzuführen sind, in denen sich die Tauben verheddern, bzw. aufspießen. Massenhaft praktizierte Tierquälerei als sinnvolle Möglichkeit des modernen Menschen, bestimmte Probleme mit Tierpopulationen zu lösen? - Pfui Teufel Mensch!!!

Daß es auch anders geht, zeigen viele Beispiele in vielen deutschen Städten, denn es gibt sie wirklich, Problemlösungen, welche Ursachen und Zusammenhänge erkennen, sowie nachhaltig und tierschutzgerecht angewendet werden können: Das Einrichten von Taubenschlägen und Nistplätzen an bestimmten Orten könnte angewendet werden, um befruchtete Eier konsequent durch Gipseier zu ersetzen; kontrollierte Fütterungen könnten totale Fütterungsverbote unnötig machen, was nebenbei zu einer Nichtkriminalisierung der Fütterer führen würde; im Rahmen der kontrollierten Fütterung könnten im Bedarfsfall ungefährliche Hormonpräparate zur zeitweisen Unterbindung der Fortpflanzungsfähigkeit angewendet werden. Diese und weitere Einzelmaßnahmen als Bestandteile eines integrativen Gesamtkonzeptes würden sehr rasch dazu führen, den Taubenbestand in den Städten erheblich zu reduzieren, ohne durch Massentierquälerei gegen Tauben Krieg führen und ohne auf juristischem Wege gegen Taubenfütterer vorgehen zu müssen.

Permanente Massentierquälerei in der industriellen Fleischproduktion, ungezählte und größtenteils vollkommen unnötige Tierversuche in den Pharmalabors und für militärische Zwecke zur Erprobung der Effizienz der Vernichtungskapazität bestimmter Kampfstoffe, konsequente Ausrottung vieler Tierarten durch Umweltzerstörung und Flächenverbrauch durch menschlichen Ausdehnungswahn, Ausbeutung von Tier und Natur in jeder Form - wer möchte angesichts dieser routiniert und industrialisiert über die Tiere hinweg gefahrenen Scheußlichkeiten immer noch den Menschen als Krone der Schöpfung, oder als Ziel der Evolution erklären?
 
 An dieser Stelle nun müßten wir über das leider wieder allzu aktuelle Problem des Krieges der Menschen gegen die Menschen sprechen, aber das würde den Rahmen eines Leserbriefes wohl endgültig sprengen, wobei ich mir die feste Überzeugung nicht ausreden lasse, daß viele diesbezügliche Probleme sich ebenso leicht lösen ließen, wie ich es bezüglich der Taubenproblematik hier angedeutet habe.

Mit einem Zitat von Albert Einstein habe ich diese Bemerkung begonnen, mit einer Erkenntnis von Arthur Schopenhauer möchte ich schließen, er schrieb: "Diese Welt ist für die Tiere die Hölle und die Menschen sind ihre Teufel."

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Vom Umgang mit Autoritäten

"Es gibt kaum etwas Empörenderes als die sklavische Furcht, die der Autoritätsglaube dem Menschen einprägt und einbrennt; ein Gefühl, dessen blasse Nachtschatten bis in die späte Reife des Denkenden hineinreichen. Wie lange währt es, bis man diese beschämenden Fußfesseln des freien Gedankens nicht nur ganz abgeschüttelt, nein, auch sich völlig aus den Augen geschafft hat!"
Christian Morgenstern

Fast immer, wenn in Deutschland von Bildung gesprochen wird, ist damit üblicherweise sicher nicht die Bildung der Persönlichkeit, oder des Charakters, geschweige denn jener des Geistes gemeint. Symptomatisch für eine bestimmte und besonders schlimme Form persönlicher Ungebildetheit, ist die ständige Neigung zur unkritischen Verehrung und Verherrlichung vermeintlicher Autoritäten. Das Problem ist, daß bestimmte Personen nicht dafür verehrt oder gefeiert werden, daß sie sich etwa in irgendeiner besonderen Weise in irgendeinem kulturellen, sozialen oder geistigen Bereich verdient gemacht hätten, sondern lediglich dafür, daß sie eine bestimmte Position, einen bestimmten Rang oder ein bestimmtes Amt bekleiden.

Wann immer irgendein hoher Amtsträger, z.B. ein Staatspräsident oder Papst, sich dazu herabwürdigt, der Öffentlichkeit die Gnade einer Audienz zu erweisen, finden sich viele Tausende jubelnder Menschen, die, ohne jede Bereitschaft zur kritischen Distanz, diese vermeintliche Persönlichkeit nicht für etwaige Verdienste bejubeln, sondern eben lediglich dafür, daß sie dieses bestimmte Amt ausüben. Wenn z.B. ein amerikanischer Präsident in einer arabischen Region einen aller Wahrscheinlichkeit nach ungerechten und ungerechtfertigten Angriffskrieg mit vielen Tausenden von Toten angezettelt hat, wird er dennoch bei einem Staatsbesuch in der Bundesrepublik Deutschland vollkommen unkritisch von jubelnden Menschenmengen empfangen werden.

Wenn ein deutscher Kardinal zum Papst gewählt wird, wird er bei einem Besuch in seinem Heimatland gewiß nicht zunächst danach befragt, wie er denn nun sein Amt auszuführen gedenkt, mit welchen Positionen er etwa den Dialog mit anderen Konfessionen, Religionen und Kulturen aufnehmen, aufrecht erhalten oder womöglich sogar vertiefen will, er wird von einer bornierten und vollkommen unkritischen Menschenmenge schlicht und einfach dafür bejubelt und gefeiert, daß er Papst geworden ist. - Gewiß, irgendwo am Rande solcher Inszenierungen lassen sich Kritiker und Gegner nicht gänzlich durch noch so geschickte Manipulationen der Medien aus dem Blickfeld verdrängen, das Hauptaugenmerk der Öffentlichkeit aber wird immer systematisch auf die Jubelmassen gelenkt.

Es wäre ein enormer geistiger und kultureller Fortschritt, wäre es möglich, die derzeitige Bildungs- und Erziehungsdebatte um die Frage zu erweitern, wie man junge Menschen so in ihr Leben begleitet, daß sie sich eine kritische Distanz zu allen vermeintlichen Autoritäten oder sogenannten Respektspersonen ermöglichen und bewahren können. Erst dann könnte von Eigenständigkeit oder Selbständigkeit eines Menschen gesprochen werden, wenn er sich geistig möglichst unabhängig entwickeln könnte, um eine wirkliche und charakterfeste Persönlichkeit herauszubilden. Bedenken wir, daß jedes Denktabu, jede Einschränkung der Kritikfähigkeit eines Menschen, eine Beschneidung seiner Kreativität und seiner individuellen Entfaltungsmöglichkeiten als Person bedeutet. Grundlage jeder Erziehung müßte sein, keinerlei Überzeugung, Meinung oder Glaubenssatz unkritisch und unreflektiert zu übernehmen, nur weil sie von vermeintlichen Autoritäten ausgesprochen oder verkündet wird, denn:

Niemand hat das Recht, einem anderen seine Sicht der Dinge aufzuzwingen, die Eltern nicht den Kindern, die Lehrer nicht den Schülern, die Chefs nicht den Angestellten, die Ärzte nicht den Patienten, die Theologen nicht den Gläubigen, die Politiker nicht dem Volk.

Der wahre Charakter eines Menschen offenbart sich erst dann, wenn man Ämter und Titel von ihm abzieht, hat ein wohl sehr kluger Mann einmal gesagt. Würden wir in dieser Weise jeden Amtsträger kritisch betrachten, was bliebe von den meisten sogenannten Autoritäts- oder Respektspersonen noch übrig? Nicht viel mehr, als reine Pappkameraden mit aufgepfropften Sprachschablonen vermutlich. Der Gradmesser für wahre Autoritäten, die tatsächlich als orientierungs- und wertebildende Persönlichkeiten in keiner Gesellschaft fehlen dürfen, bildet also nicht die Äußerlichkeit in der Ausübung eines öffentlichen Amtes, sondern liegt in der Aufrichtigkeit und Glaubwürdigkeit mit der sie auftreten und in dem, was sie Kraft der Authentizität ihres Charakters bewirken können.

Mit einem sehr scharfsinnigen Zitat von Christian Morgenstern habe ich meine Bemerkung begonnen, mit einem Zitat von Sully Prudhomme möchte ich sie abschließen: "Man muß den Zweifel achten, denn er ist kein Fehler. Er ist wie die Rettung des Verstandes im Ozean der Doktrinen", schreibt sie in ihrem "Intimen Tagebuch".

Und was bedeutet der Begriff Freiheit im Bezug zu der Forderung nach größtmöglicher geistiger Unabhängigkeit? Ignazio Silone, ein ausgesprochener Gegner jeder Form totalitärer Unterdrückung, schrieb dazu: "Die Freiheit ist die Möglichkeit zu zweifeln, die Möglichkeit, sich zu irren, zu suchen und zu experimentieren, sie ist die uneingeschränkte Möglichkeit, jeder Autorität - sei es nun eine literarische, künstlerische, philosophische, religiöse, soziale oder gar politische Autorität - mit einem NEIN! zu antworten!"

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Kardinal Meisner und die Abtreibung

Wie vermutlich viele mitbekommen haben, hat der Kölner Kardinal Meisner - nicht zum ersten Mal - vor einiger Zeit die Abtreibung mit dem systematischen Massenmorden der Nazis im sogenannten "Dritten Reich" verglichen. Warum dieser Vergleich eine Beleidigung der Juden darstellen soll, ist mir nicht ganz klar, daß ist auch nicht mein Thema. Mein Thema ist, daß Kardinal Meisner in abscheulicher Weise alle Frauen beleidigt hat, die aus einer bestimmten Lebenssituation oder einer bestimmten Gefühlslage heraus, sich gegen die Austragung eines in ihrem Körper wachsenden, neuen Lebens entschieden haben oder entscheiden mußten. Was Kardinal Meisner in guter katholischer Tradition offenbar nicht begreifen kann, ist, daß Menschen, und damit eben auch Frauen, in oftmals zutiefst tragische Situationen geraten können, in denen es nicht mehr möglich ist, in moralisierender Weise von außen zu entscheiden und vorzuschreiben was gut und richtig ist, welche Entscheidungen menschlich vertretbar sind oder nicht.

Tragik definiert sich u.a. dadurch, daß es Momente im Leben eines Menschen geben kann, in denen er in einer Art und Weise handelt, oder handeln muß, in der er unter anderen - inneren oder äußeren - Voraussetzungen womöglich niemals gehandelt hätte oder handeln würde. Ich möchte weder ein Plädoyer für noch gegen die Abtreibung halten, aber ich plädiere energisch dafür, menschliches Handeln nicht nach rein äußeren Faktoren und schablonenartig vorgefertigten Moralvorstellungen zu betrachten und zu bewerten. Was hat der systematische Massenmord an Millionen von Menschen, befohlen von der Nazidiktatur, ausgeführt von einer sich selber zum absoluten Gehorsam verdammten Massenausgabe des Menschlichen, mit der Entscheidung einer einzelnen Frau für oder gegen die Austragung eines Kindes zu tun? Daß jährlich weltweit viele Hunderttausende Abtreibungen vorgenommen werden, hat damit logischerweise rein gar nichts zu tun, oder will Kardinal Meisner uns glauben machen, daß sich all diese Frauen zusammentun, um eine „Kultur des Todes" zu errichten, um ein Schlagwort zu gebrauchen, dessen sich Papst Karol Woytila so gerne im Zusammenhang mit dem Problem der Abtreibung bedient? Eine Abtreibung ist letztlich immer entweder eine Einzelentscheidung, oder sie findet, wenn sie etwa unter äußerem Druck oder Zwang vorgenommen wird, in einem vergleichsweise verschwindend geringen Rahmen statt.

Die Würde des Menschen ist unantastbar - das klingt immer wieder schön und gut, warum aber darf jemand nach ein paar Jahren des Studiums der Theologie und der Amtsausübung in der Kirche, es sich anmaßen, in aller Öffentlichkeit und ungestraft, Frauen in tragischen Lebenssituationen als „leichtfertig in ihren Entscheidungen" oder gar als Mörderinnen zu bezeichnen?
Und wann, so muß die nächste Frage lauten, hat ein Mensch seine Menschenwürde eingebüßt und wer entscheidet eigentlich darüber?

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Schizophrenie in der deutschen Außenpolitik?

Nach der Meldung, daß sich deutsche Politiker vorstellen können, einem Krieg gegen den Irak im UN-Sicherheitsrat die Zustimmung zu erteilen, kommt man nicht umhin, wieder einmal über die geistige Verfassung so mancher Politiker nachzudenken.

Denn wie soll das möglich sein, daß man einerseits erklärt, man könne und wolle sich nach wie vor an einer Militäraktion gegen den Irak nicht aktiv beteiligen, weil man von dem Nutzen einer solchen Aktion nicht überzeugt sei, andererseits aber genau dieser Militäraktion, von deren Nutzen man sich gerade eben noch wenig überzeugt zeigte, dennoch seine Zustimmung gibt? Man muß schon unter Denkhemmungen größten Ausmaßes leiden, um einen solch offensichtlichen Widerspruch in der eigenen Standortbestimmung nicht selber als den Ausdruck einer schweren Schizophrenie zu betrachten.

Wenn es dann aber bei dem von den USA geplanten Krieg gegen den Irak tatsächlich, wie immer wieder behauptet wird, um den Kampf gegen einen Diktator und um die Befreiung der unter der Herrschaft eben dieses Diktators leidenden Bevölkerung ginge, könnte man eventuell noch, im tragischen Bewußtsein um die mögliche Rechtfertigung eines Krieges in bestimmten Situationen und - hoffentlich - gegen viele innere Widerstände und Zweifel, nachdenken. Da es aber ganz offensichtlich, und für jeden klar erkennbar, bei dem jetzt geplanten Krieg lediglich um einen weiteren Schritt in Richtung der „Verwandlung der Erde in ein globales Wirtschaftsnetz, dessen Fäden spinnengleich von den USA selbst gewoben und gezogen werden" handelt, wie Eugen Drewermann in dem Buch "Reden gegen den Krieg" schreibt, kann es dazu nur eine einzige sinnvolle Position geben - die des konsequenten Widerstandes, aktiv wie passiv!

Wenigstens aber sollte man von den Politikern erwarten dürfen, daß sie der Bevölkerung nicht noch einen weiteren Beweis des berechtigten Zweifels der ohnehin schon stark angeschlagenen Glaubwürdigkeit ihrer „Volksvertreter" liefern, indem sie z.B. konsequent zu bestimmten Entscheidungen stehen und sich diese auch gegenüber den USA auf allen politischen Ebenen durchzusetzen getrauen. Diese aber wieder einmal zutage tretende Doppelbödigkeit deutscher Politiker spricht für sich selbst.

Über das von den USA selber mit vielen Millionen Dollar aufgebauten diktatorisch geführten Regimes des Saddam Hussein; über den möglichst uneingeschränkten Zugriff auf das im Irak vorhandene Erdöl; über den fortschreitenden Ausverkauf der Welt an die USA und auch über deren erneuten Versuch, in einer arabischen Region eine dauerhafte wirtschaftliche und politische Einflußzone zu errichten, zu diskutieren, ist eine Sache, aber eine einmal gefaßte Position in einem Satz mit Nachdruck zu bekräftigen, nur im diese Position direkt im nächsten Satz schon zu verraten und auszuhebeln, ist eine andere, eine zudem wenig vertrauenfördernde, wie ich finde.

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Randbemerkungen:

Im Konflikt zwischen Israel und dem Libanon sollte es vor ein paar Tagen eine "Feuerpause" geben, dennoch wurde von israelischer Seite aus geschossen - als Rechtfertigung las ich die Erklärung, daß "Feuerpause" nicht gleichbedeutend mit "Waffenruhe" sei! - Also sagt mal, Ihr Militärstrategen der Welt, wo immer Ihr auch sitzt, wie borniert muß man eigentlich sein, um ernsthaft in die Lage zu kommen, darüber nachzudenken, wie man die Begriffe "Feuerpause" und "Waffenruhe" unterscheiden kann? Darf man während einer "Feuerpause" etwa kein Lagerfeuer anzünden, oder den Kamin im Wohnzimmer, aber froh und munter mit Bomben und Raketen um sich werfen??? - Groucho Marx hatte recht, als er meinte, militärische Intelligenz sei ein Widerspruch in sich.

Neulich las ich in der Zeitung eine kleine Notiz, sie lautete
Diktaturen der Welt", in der die zur Zeit existierenden Diktaturen, bzw. autoritär geführten Regime aufgeführt wurden. Genannt wurden die Volksrepublik Nordkorea, die Republik Weißrußland, die Volksrepublik China und die Mehrheit der islamischen Staaten", die nicht näher benannt wurden. - Nun, abgesehen davon, daß ich vermute, daß womöglich auch in Afrika das ein oder andere nicht-islamisch, wohl aber diktatorisch oder autoritär geführte Regime sein Unwesen treibt, warum wurde der Vatikan nicht aufgeführt? Schließlich versteht diese Hochburg der geistigen Verrottung sich als eigenständiger Staat, der Papst versteht sich in seinem Amt in vermeintlichem Gottesstellvertretertum als höchste Instanz auf Erden auch als Staatsoberhaupt, und daß es im Vatikan besonders demokratisch zuginge, läßt sich wohl nicht gerade behaupten...

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Letzte Überarbeitung: 8.03.2012
 

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